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Sprachsensibler DaZ-Fachunterricht

Besser lernen mit der Rap-Methode

Mit der Rap-Methode bleibt im Daz-Untricht erworbenes Wissen nachhaltig im Gedächtnis. Denn Sprache, Rhythmus und Inhalt gehen eine spannende Verbindung ein, die über den musikalischen Kanal viel besser erinnert werden.

Sprachsensibler DaZ-Fachunterricht: Besser lernen mit der Rap-Methode In Gruppen bereiten sich Schüler darauf vor, ihre Texte zu rappen © Syda Productions - Fotolia.com

Benjamin Bohnert alias Rapper „Ben B.“ verbindet bei seinem Projekt „Rap | Art | Schule“ Pädagogik und Hip-Hop. Er verpackt Allgemeinwissen in Rap-Songs und erklärt zum Beispiel die vier Fälle im Deutschen mit originellen Textbeispielen, die Jugendliche ansprechen.

Kommaregeln, Groß- und Kleinschreibung, Satzglieder oder das ABC, vieles, was beim Deutschlernen sonst mühsam gepaukt werden muss, lässt sich einfach und eingängig mit wenigen Rap-Strophen erklären. In anderen Fächern ist die Rap-Methode offenbar ebenfalls hilfreich: Eine Minute und 40 Sekunden genügen etwa in Mathematik, um den Dreisatz zu erklären, und in Geographie bringt Ben B. Länder plus Hauptstädte der Europäischen Union in einem 3-Minuten-Rap auf den Punkt.

Auch die Universität Duisburg-Essen nutzt die Rap-Methode für die Sprachförderung in unterschiedlichen Fächern. Mit den sogenannten „Rap-Projekten“ konzipieren die Projektmitarbeiter/-innen der Universität Unterrichtsreihen zu Wunschthemen von Kooperationsschulen und setzen sie zusammen mit den Lehrern um. Der folgende Beitrag stellt Ihnen die Rap-Methode vor und gibt Ihnen einen Überblick über die verfügbaren Materialien, die direkt im sprachsensiblen Fachunterricht eingesetzt werden können.

Rap im Fachunterricht per sé fächerübergreifend

Die bisher ausgearbeiteten sieben Unterrichtsreihen (UR) widmen sich speziellen Themen, die jeweils für den Fachunterricht relevant sind, aber auch Berührungspunkte zu anderen Fächern haben. Dabei besteht jede Unterrichtsreihe aus mehreren Unterrichtseinheiten (UE) mit klar definierten Lernzielen, wie ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis (S. 2) der UR „Bildbeschreibung“ zeigt. Die Ziele der sechs jeweils zweistündigen Unterrichtseinheiten bei der Bildbeschreibung lauten:

  • „UE 1: Anhand einer Bildbeschreibung zeichnen und sich auf einem Bild orientieren.
  • UE 2: Beschreibungen lesen und sich dadurch über ein Urlaubsziel informieren.
  • UE 3: Wie soll man sich (nicht) im Urlaub verhalten? Bilder beschreiben und interpretieren.
  • UE 4: Die wichtigen Elemente einer Bildbeschreibung auf einem Lernplakat zusammenfassen.
  • UE 5 und 6: Rappen.“

Das Thema „Bildbeschreibung“ per se bietet sich schon für ein fächerverbindendes Projekt an: Die Schüler erwerben Kompetenzen im Umgang mit der Textsorte Bildbeschreibung (Deutsch/Kunst), sie lernen und wenden den Wortschatz zu Raumangaben an (DaZ), und sie zeichnen aufgrund einer Bildbeschreibung ein Bild (Deutsch, DaZ, Kunst). In der zweiten UE „verorten“ die Schüler mithilfe eines „Arbeitsblattes Himmelsrichtungen“ einen Urlaubsort geografisch (Erdkundeunterricht), und in der dritten UE überlegen sie sich u. a. „Regeln guten Verhaltens im Urlaub“ (Ethik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Geografie ...). Wird in der fünften und sechsten Unterrichtseinheit aus der Quintessenz des Gelernten ein Rap-Song gestaltet, kommt auch der Musiklehrer ins Spiel.
Andere Unterrichtsreihen widmen sich zwar schwerpunktmäßig fachspezifischen Themen („Geometrie“ → Mathematik, „Liebeslyrik“ und „Märchen“ → Deutsch), durch die Verbindung mit selbst geschriebenen Rap-Songs ist aber immer zumindest der Bezug zu den Fächern Deutsch/DaZ und Musik gegeben.

Materialien zum sofortigen Einsatz

Im Inhaltsverzeichnis (S. 2, Seitenzahlen einfach anklicken) sind die zahlreichen, sorgfältig gestalteten und klar strukturierten Materialien detailliert aufgeführt und direkt erreichbar. Wer sich also einen schnellen Überblick verschaffen möchte, orientiert sich ohne Scrollen mit einem Klick. Auf diese Weise können zum Beispiel mögliche Inhalte und Materialien für einzelne Fachstunden schnell identifiziert und etwa für eine spontane Vertretungsstunde genutzt werden.

Auch für einen methodisch abwechslungsreichen und aktivierenden Unterricht ist gesorgt: Die Schüler arbeiten in unterschiedlichen Sozialformen und erschließen sich den Stoff mit spielerischen Übungen. Beim Thema „Liebeslyrik“ etwa sammeln die Schüler charakteristische Begriffe und eigene Assoziationen zum Thema „Liebe“ auf einer Bingokarte. Dann liest der Lehrer ein Liebesgedicht vor. Taucht einer der Begriffe auf den individuellen Schülerkarten auf, wird er mit einem Plättchen abgedeckt. In der UR „Geometrie“ spielen die Schüler eine Runde „Schiffe versenken“. Danach wissen sie aus eigener Erfahrung, wozu ein Koordinatensystem gut ist.

Mit einem weiteren Anwendungsbeispiel vertiefen sie ihr praktisches Wissen: Sie lesen einen Stadtplan und lokalisieren bestimmte Orte mithilfe von Planquadraten. — Lebenspraktische Übungen wie diese finden sich bei vielen Unterrichtsreihen und auch Exkursionen in die nähere Umgebung sind geplant, zum Beispiel im Rahmen der UR „Tierreihe“ ein Zoobesuch oder bei der UR „Wegbeschreibung“ ein Unterrichtsgang zu einem erhöhten Punkt (Gasometer, Kirchturm ...), um die nähere Umgebung von oben zu erkunden.

Fester Bestandteil zur Ergebnissicherung in allen Unterrichtsreihen sind übrigens die sogenannten „Lernplakate“: Hier fassen die Schüler auf einer übersichtlich strukturierten Seite alles zusammen, was sie gelernt haben: Fachwissen und Sprachwissen. Auf dem Lernplakat „Diagramme“ z. B. finden sich dann zum einen die Definitionen von Kreis-, Säulen- und Verlaufsdiagrammen mit den entsprechenden Fachbegriffen. Zum anderen Präpositionen, Präsensformen, Erläuterungen zu Möglichkeiten der unpersönlichen Beschreibung („man“, Passiv, „sich lassen“ + Infinitiv ...) und eine Handlungsanleitung zur Beschreibung von Diagrammen in vier Schritten. Die ausgefüllten Lernplakate der jeweiligen Unterrichtsreihen dienen den Schülern vielleicht auch gleich als Memo für den selbst geschriebenen Rap-Text.

Crashkurs Rap im Arbeitsheft

Die Quintessenz der sprachlichen und fachlichen Inhalte verpacken die Schüler in Rap-Songs, die jeweils zum Abschluss der Unterrichtseinheit aufgenommen werden. Meist zu Beginn der Unterrichtseinheit erhalten Sie dazu ein Arbeitsheft, das auf der Projektseite unter „Rap-Ordnung“ zum Download steht. Hier sammeln sie alle wichtigen Informationen zum UnterrichtsthemaSie lernen auch gleich, „wie ordentlicher Rap funktioniert“ (Rap-Ordnung „Diagramme“, S. 2). Doch zuerst wird eine „Rap-Crew“ gegründet (UR „Liebeslyrik“, S. 7), die während des gesamten Unterrichtsprojekts bestehen bleibt. Die Band gibt sich einen Namen, ebenso die einzelnen Band-Mitglieder.

Entweder parallel zur inhaltlichen Erarbeitung des Unterrichtsthemas oder zu Beginn (Einführung) und am Schluss der Unterrichtsreihe (Rap erstellen und aufnehmen) befassen sich die Kids mit (ihrem) Rap. Konkrete Fragen in den Arbeitsheften unterstützen sie beim Texten, z. B.: „Welche Informationen musst du bei einem Kreisdiagramm sammeln, um es beschreiben zu können? Rap-Hinweis: Schreibe zwei Bars dazu auf, die sich reimen! (die letzte Silbe muss sich reimen)“ (Rap-Ordnung „Diagramme“, S. 4)

Die „Rap-Ordnungen“ zu den verschiedenen Unterrichtsreihen bieten mehr oder weniger ausführliche Übungseinheiten: Im Rap-Arbeitsheft zur „Liebeslyrik“ etwa finden sich mehrere „Lektionen“ mit Übungen zum „Reime schreiben“ (S. 8), zu „Rhythmus und Sprache“, zu „Kreativ schreiben“ und — für Fortgeschrittene — zu Vergleichen. Diese benutzen die Rapper, „um ihre Eigenschaften oder die Eigenschaften anderer bildstark zu beschreiben“ (S. 11).

Wenn die Schüler nach der Aufnahme der Raps das Ergebnis zum ersten Mal hören, ist das für sie ein ganz besonderes Ereignis. Eine Gruppe kam deswegen sogar extra noch einmal am Freitagnachmittag in die Schule, erzählt Jana Kaulvers, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt proDaZ. Dass das Ergebnis sich hören lassen kann, beweist eine musikalische Kostprobe (Soundfile) auf der Schul-Website der Dieter-Forte-Gesamtschule: Die Schüler der Klasse 9G hatten sich in einem Rap-Projekt mit einer „Erörterung zum Thema Social Media“ befasst. Den Aufbau einer Argumentation werden sie sicherlich nie mehr vergessen: „These (ist da!) — Begründung (ist da!) — Beispiel (ist da!) — Argument (ist da!)“, so lautet der Hook bei ihrem Rap, also der eingängige Refrain, der immer wieder zwischen den Strophen wiederholt wird.

Martina Niekrawietz

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