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Politik und Wahlen

Bundestagswahlen als besonders politisches Ereignis 2021

Das Wahljahr 2021 bleibt spannend und bietet viele Besonderheiten. Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie diese im Politikunterricht thematisieren können. 

Politik und Wahlen: Bundestagswahlen als besonders politisches Ereignis 2021 Die Bundestagswahlen im Unterricht © Margarita - Shutterstock.com

Der 26. September markiert das vielleicht wichtigste Ereignis des Jahres 2021. Mit der Bundestagswahl wird nicht nur ein neuer Bundestag, immerhin schon der 20. in der deutschen Geschichte, gewählt. Zum ersten Mal in der bundesdeutschen Politik wird es – ohne Abwahl – zu einem Wechsel im Kanzleramt kommen. Damit geht das „Superwahljahr“ mit einem politischen Höhepunkt zu Ende. 

Schaut man genauer hin, so bot und bietet dieses Superwahljahr 2021 viele Besonderheiten: Schon die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt im März und Juni deuteten aktuelle politische Entwicklungslinien an. Während sich die einen scheinbar von den etablierten politischen Parteien ab- und damit der AfD zuwenden, wünschen die anderen sich eine politische Stabilität und unterstützen damit mehrheitlich den jeweiligen Amtsinhaber. Kleinere Parteien scheinen in dieser Entwicklung aufgerieben zu werden und die großen Parteien scheinen hierbei zum Spielball zu werden. Wie sich diese Entwicklungen auf die Bundespolitik, aber auch auf die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen sowie zur Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin auswirkt, bleibt noch unklar.

Die Bundestagswahlen sind aber auch daher interessant, da zum ersten Mal in der bundesdeutschen Geschichte die aktuelle Amtsinhaberin nicht zur Wiederwahl steht. Schon 2018 kündigte Angela Merkel (CDU) an, dass sie bei der Bundestagswahl 2021 nicht wieder antreten würde. Damit endet – mit der Vereidigung eines neuen Bundeskanzlers– die „Ära Merkel“. Mit ihren 16 Regierungsjahren ist sie immerhin mit dem bisherigen „ewigen Kanzler“ Helmut Kohl (CDU) gleichgezogen. Besonders wird diese Entscheidung auch dadurch, dass sich viele Erstwähler nicht bewusst an eine andere Person im Amte des Bundeskanzlers / der Bundeskanzlerin erinnern können. Die Bedeutsamkeit dieses politischen Ereignisses ist damit offensichtlich.

Die Bundestagswahlen im Fach Politik

Weiterführende Literatur

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfahlen (Hrsg.): Kernlehrplan für die Sekundarstufe I – Gymnasium in Nordrhein-Westfalen: Wirtschaft-Politik. Düsseldorf 2019, S. 8.

Breit, Gotthard; Schiele, Siegfried (Hrsg.): Demokratie braucht politische Bildung. Bonn 2004, S. 305-325.

Demokratieerziehung ist grundsätzlich als fächerübergreifende Aufgabe zu verstehen. Dem Unterrichtsfach Politik kommt hierbei jedoch eine besondere Bedeutung zu. Exemplarisch heißt es hierzu im Kernlehrplan für die Sekundarstufe I für das Gymnasium in Nordrhein-Westfalen, dass die Aufgabe des Faches darin bestünde,

„bei den Schülerinnen und Schülern ökonomische und politische Mündigkeit zu entwickeln. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ihre Interessen in der heutigen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mündig zu vertreten, sachkundig zu urteilen und verantwortungsvoll sowie demokratisch zu handeln.“

In diesem Sinne wird politische Handlungskompetenz als Fähigkeit verstanden, „sich am öffentlichen demokratischen Prozess der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung zu beteiligen. Sie befähigt dazu, Chancen der Einflussnahme auf die Gestaltung wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen. Handlungskompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, erworbene fachspezifische Sach-, Methoden- und Urteilskompetenzen in unterschiedlichen Lebenssituationen […] einsetzen zu können. Sie beinhaltet Erfahrungen mit demokratischen und partizipativen Aushandlungs-, Entscheidungs- und Handlungssituationen, welche die Fähigkeit zur Teilhabe und Mitwirkung im ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Raum stärken.“ (Ebenda, S. 13f.) Anknüpfend an diese Kompetenzerwartung erscheint es sinnvoll, sich mit der anstehenden Bundestagswahl im Fach Politik zu beschäftigen.

Die anstehende Bundestagswahl kann nun über zwei Wege für den Politikunterricht nutzbar gemacht werden:

Erstens Eventpädagogik

Die Bundestagswahlen können im Sinne der Eventpädagogik (vgl. Wehner, Michael: Über Sinn und Unsinn von Lernevents in der politischen Bildung oder „Nichts ist überzeugender als das eigene Erleben“ (Breit / Schiele: S. 305-325.) als ein besonderes politisches Ereignis herausgestellt und inhaltlich aufbereitet werden. Die Lernenden würden dann folgendes begleiten:

  • das Event an sich, 
  • im weiteren Sinne die gesamte Bundestagswahl mit der Kandidatenaufstellung, 
  • die Wahlinformationen, 
  • den Wahlabend 
  • und die Konstituierung des neuen Deutschen Bundestages 
  • oder im engeren Sinne dem eigentlichen Wahlabend.

Das konkrete politische Ereignis (Bundestagswahl bzw. Wahlabend) würde damit zu einem (Lern-)Event stilisiert und in seiner Bedeutung herausgestellt und aufgewertet.

Zweitens Handlungsorientierung

Anknüpfend an den Ansatz des simulatives Handeln als Teilaspekt der Handlungsorientierung (vgl. Reinhard, Sibylle: Politikdidaktik – Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, 6. Auflage. Berlin 2016, S. 105-120) könnte eine Teilnahme der Lernenden an der Bundestagswahl und damit das gesamte Ereignis simuliert und folglich eingeübt werden. Solch eine Simulation kann im eigenen schulischen Kontext konzipiert und durchgeführt werden. Um einen überschulischen Rahmen zu nutzen und damit auch den eigenen Verwaltungsaufwand erheblich zu reduzieren, bietet seit 1999/2002 die Juniorwahl solch eine Simulation an. Die Juniorwahl bietet jüngeren Schülerinnen und Schülern ab Jahrgang 7 die simulative Teilnahme an einer Landtags-, Bundestags- oder Europawahl. Die Organisation stellt hierfür das benötigte Material wie Wahlurne, Wahlkabine, Wahlunterlagen sowie didaktisch aufbereitetes Informationsmaterial zur Verfügung. Im Unterricht selbst sollten dann der eigentliche Wahlakt sowie die Ziele der Parteien behandelt werden. Anschließend dürfen die Jugendliche wählen und die Ergebnisse werden an die Juniorwahl weitergeleitet. Die Gesamtergebnisse (Ergebnis der Schule, Ergebnis der Juniorwahl und offizielles Ergebnis der Bundestagswahl) können dann visualisiert und ausgewertet werden.

Ein letzter Blick

Die Bundestagswahlen sind ein wichtiges politisches Ereignis, dem aus politikdidaktischer Perspektive eine besondere Bedeutung für die Schülerinnen und Schüler zukommt. Diese Bedeutsamkeit kann über den Ansatz der Eventpädagogik weiter gefördert werden. Daher lohnt es sich, diesen Gegenstand im Politikunterricht zu thematisieren und zu einem Event zu stilisieren. Simulatives Handeln kann außerdem helfen, politische Mündigkeit bei den Lernenden zu entwickeln. Da die Ergebnisse der jungen Wählerinnen und Wähler sich häufig von denen der älteren Generationen unterscheidet, kann auch die Urteilskompetenz weiter gefördert werden, indem den Ursachen für diese Differenzen nachgegangen wird.

Unterrichtsmaterial

Frank Lauenburg


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