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Medienbildung

Crashkurs: Methoden der Filmbildung

Trotz unserer visuell geprägten Welt und trotz Lehrplanvorgaben wird das Medium Film häufig nur am Rande im Unterricht behandelt. Das lässt sich ändern: Ein Crashkurs in Sachen Filmbildung eröffnet spannende Unterrichtsprojekte.

Medienbildung: Crashkurs: Methoden der Filmbildung Klappe, die erste! — für die Vorbereitung der nächsten Unterrichtseinheit zum Thema Film © Parilov - Fotolia.com

In ihrem Beschluss vom 8. März 2012 nimmt die Kultusministerkonferenz (KMK) die „Medienbildung in der Schule“ „als Querschnittsaufgabe kultureller Bildung“ (S. 5) ins Visier. Auch die schulische Filmbildung leiste dazu einen Beitrag: „In der Begegnung mit dem Medium Film, seiner Sprache und seiner Wirkung wird die Sinneswahrnehmung geschult, die ästhetische Sensibilität gefördert, die Geschmacks- und Urteilsbildung unterstützt und die individuelle Ausdrucksfähigkeit erweitert“ (ebd.) heißt es dazu.

Während immer mehr Länder die Filmbildung in ihre Lehrpläne implementieren, sehen manche Lehrer das neue Bildungsthema kritisch: Lehrerblogger Herr Rau beispielsweise fragt: „Wozu muss Film überhaupt in die Schule? (...) Als Möglichkeit finde ich Filmanalyse oder -produktion toll. Als integralen Bestandteil nur dann, wenn es einen guten Grund gibt, und den sehe ich nicht.“

Doch Filmbildung kann den Unterricht verschiedenster Fächer bereichern. Der folgende Beitrag gibt Ihnen dafür ein breites Spektrum von filmpädagogischen Methoden und didaktischen Anregungen an die Hand.

Diskutieren, analysieren und gestalten

Hierzulande haben sich neben eher handlungsorientierten Filmbildungskonzepten auch gegenstandsbezogene Ansätze mit einer eher rezeptiv-analytischen Herangehensweise herausgebildet, erläutert Reinhard Middel in seinem Beitrag Filmbildung in Deutschland auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass filmanalytische Aufgabenstellungen eine eher trockene Angelegenheit sind, wie die vielfältigen filmpädagogischen Methoden im Onlineportal kinofenster.de zeigen. Lehrkräfte finden hier ein differenziertes Repertoire von Möglichkeiten für den Unterricht in den Fächern Deutsch, Kunst, Musik, Ethik/Religion, Geschichte, Sozialkunde, Politik und in Fremdsprachen. Sie lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

Weiterführende Hinweise:

Der Praxisleitfaden „Schule im Kino“ bietet Lehrkräften grundlegende Tipps, Methoden, Informationen und Links und zeigt auch „innovative Wege der analytischen wie auch kreativen Filmbildung“ auf.

Die Broschüre „Film im Fremdsprachenunterricht“ unterstützt Lehrkräfte der Fächer Englisch und Französisch mit rezeptiven und kreativ-praktischen methodischen Anregungen in einem umfassenden unterrichtspraktischen Kapitel.

Die Handreichung „Inklusion und Film“ gibt Lehrern Methoden für die rezeptive und inklusive Filmarbeit an die Hand. Viele praktische Tipps für „Filmübungen“ richten sich speziell an „lernschwächere und Schüler/innen mit kognitiven Beeinträchtigungen“.

  1. „Diskussionsmethoden“ regen den gegenseitigen Austausch über den Film, seine Inhalte und seine Sprache an. Lehrkräfte erfahren hier zum Beispiel, wie möglichst konkrete Beobachtungsaufgaben zu formulieren sind oder wie die Schüler Beziehungen und Konflikte zwischen den Protagonisten leicht erfassen und grafisch darstellen können.
  2. Auch bei den „Methoden zur schriftlichen Auswertung und zur Analyse“ werden die Schüler auf vielfältige Weise aktiv: Sie analysieren Filmplakate und Trailer, teilen Filme in Kapitel ein, vergleichen mit Buch- oder Comicvorlagen oder verfassen eine Filmkritik. Zusätzlich sorgen unterschiedliche Sozialformen für Abwechslung.
  3. Bei den verschiedenen „spielerischen und gestalterischen Methoden“ setzen sich die Schüler kreativ mit Filmen auseinander. Sie entwerfen zum Beispiel Filmplakate, machen Fotos zum Filmthema, zeichnen ein Storyboard oder schreiben innere Monologe oder Dialoge.

Unterrichtsvorbereitung leicht gemacht

Auch Lehrkräfte ohne filmtheoretische Kenntnisse können die Methoden problemlos anwenden: Alle wesentlichen Begriffe und Hintergrundinformationen sind mit einem Klick verfügbar. Bei der Methode „Ein Storyboard zeichnen“ etwa bringen kurze, verständliche Erklärtexte aus dem hinterlegten Fachglossar ganz schnell auf den Punkt, was alles in ein Szenenbuch gehört, welche Kameraperspektiven und -bewegungen es gibt usw.

Mit den Schülern Filmszenen analysieren, wenn man sich als Lehrer noch nie mit filmischen Gestaltungsmitteln befasst hat? Auch das ist ohne weiteres möglich, wie ein Blick auf die Methodenbeschreibung „Szenenanalyse“ beweist: Eine kurze Checkliste zeigt die Analysekriterien im Überblick. Auch hier klären wieder entsprechende Links zum Fachglossar, was genau unter „Lichtgestaltung“, „Farbgebung“ etc. anzugeben ist, oder mit welchen Fachtermini sich Filmmusik beschreiben lässt. Praktisch ist auch die Kriterienliste auf der Methodenseite „Filmkritik“: Einfach auf ein Arbeitsblatt kopieren, Fragen adaptieren, und fertig ist die „Checkliste“, die den Schülern zeigt, worauf sie „als Filmkritiker“ beim Kinobesuch achten sollten.

Filme einfach selber machen

Wer mit seinen Schülern ein kleines Film-Projekt realisieren möchte, bekommt in der Broschüre „Wir werden Filmemacher!“ praktische Anregungen.

Ob Trickfilm, Daumenkino-Animation oder Ein- bzw. Nachspielen einer Filmsequenz — für Ergebnisse in einer präsentablen Qualität braucht man zumindest eine grundlegende technische Ausstattung. Der Autor der Handreichung, Martin Husemann, ist Leiter des Medienzentrums Gütersloh und pädagogischer Referent bei FILM + SCHULE NRW. Er weiß offenbar, dass teure Anschaffungen für die Filmarbeit in der Schule oft nicht im Budget sind. Wenngleich ein PC oder Laptop unerlässlich ist, schlägt der Autor doch bei der Software durchweg kostenfreie Lösungen vor, z. B. um Trickfilme zu animieren, Filme zu schneiden oder in eine Fotogeschichte Sprechblasen einzufügen.

Doch es geht auch ganz ohne Schul-PCs, -Kameras und komplizierte Freeware. Lehrerblogger Kubiwahn vermittelt dazu in seinem Deutschunterricht in der 7. und 9. Klasse zunächst Grundbegriffe der Filmanalyse. Dann überlegen sich die Schüler dazu ihre eigenen kleinen Fotogeschichten und Filme, die sie anschließend realisieren. Anschaffungen waren dafür nicht erforderlich: „Ihr Werkzeug, das Handy, hatten sie dabei. Die Ergebnisse habe ich über Beamer präsentiert“, berichtet der Realschullehrer über die Zero-Budget-Produktionen, von denen er angetan war: „Ich war überrascht, wie gut sie die Fotos umsetzen können.“ Für die Schüler war das sicher ein nachhaltiges Erfolgserlebnis, denn Kubiwahn hat die Ergebnisse auch benotet.

Martina Niekrawietz

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