Fach/Thema/Bereich wählen
Demokratieerziehung

Debattieren will geübt sein

Das Debattieren will gelernt sein, denn der faire Austausch von Argumenten ist auch sprachlich gar nicht so einfach. Praktische Übungen für eine demokratische Streitkultur lassen sich immer mal wieder in den Unterricht integrieren.

Demokratieerziehung: Debattieren will geübt sein Ein Training fürs Leben: In Diskussionsrunden wird das Pro und Kontra zu einer Streitfrage erörtert © JackF - stock.adobe.com

Unter „Debatte“ versteht man einen kultivierten Streit in der Gesellschaft. Und genau das tut not in einer funktionierenden Demokratie. Aktuelle politische Debatten, zum Beispiel zur Angemessenheit von Corona-Maßnahmen, lassen eine gesittete Debattenkultur jedoch oft vermissen. Debattieren will geübt und gelernt sein, und dazu gibt es in der Schule viele Gelegenheiten: Ob im Rahmen der Demokratiebildung, im Aufsatzunterricht zur Vorbereitung der Erörterung, im Sprachförderunterricht zum Ausbau der kommunikativen Kompetenzen oder im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Der folgende Beitrag gibt Ihnen dazu handlungsorientierte Materialien und Ideen an die Hand.

Debattieren lernen mit dem Debattiertheater

Mit dem „Debattiertheater“ auf der Website VERTRETEN DÜRFEN ermöglichen Sie Ihren Schülerinnen/Schülern einen handlungsorientierten Zugang zum Thema kultiviert debattieren, denn die praktische Übung verknüpft „Elemente aus dem szenischen Spiel mit Argumentationskompetenzen“ (ebd.).

Zunächst wählen Sie bzw. die Schüler/-innen eigenständig ein stark polarisierendes Thema. Einige Vorschläge finden sich auf Seite 1 des Konzepts „Debattiertheater“. Anschließend gehen zwei Schüler/-innen vor die Tür, um sich für ihre Moderatorenrolle vorzubereiten (Anmoderation, provokante Fragen etc.). Die anderen Schüler/-innen übernehmen als Diskutanten bestimmte Rollen, wie z. B. „Angeber, Choleriker, Helfertyp, Schwätzer, (...) Dummkopf, Nörgler, Professor“ etc., auf die sie sich ebenfalls ein paar Minuten vorbereiten. Dann setzt sich das Podium zusammen (Sitzkreis) und es geht los. Die Moderatoren wissen nicht, welche Rollen verteilt wurden. Nach etwa 20 bis 30 Minuten kommt die Runde zum Abschluss. Eine kurze Nachbereitung schließt sich an, in der Beobachtungen ausgetauscht und die Teilnehmer der Runde ihre tatsächliche Meinung äußern dürfen. 

Schritt für Schritt sprachlich und argumentativ fit

Vielleicht sind einige Schüler/-innen beim Debattiertheater auch schon an sprachliche Grenzen gestoßen: Es ist gar nicht so leicht, in einer – vielleicht auch hitzigen – Debatte spontan die richtigen Worte zu finden. Und auch das will geübt sein: einander zuhören, Position beziehen, aufeinander eingehen und überzeugend argumentieren. – Das alles können die Schüler/-innen ab Klasse 7 mit dem Unterrichtsmodul „Debattieren als Mittel der Sprachförderung“ des Hamburger Landesinstituts für Schulentwicklung trainieren.

Die insgesamt neun Übungen entsprechen auch den Lernzielen des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Die Übungen zu den Lernzielen 2 bis 5 fokussieren dabei auf die drei Teile einer Debatte bei „Jugend debattiert“: Eröffnungsrunde, freie Aussprache und Schlussrunde.

In der Broschüre finden sich Übungen mit direkt übernehmbaren Arbeitsblättern und den sogenannten „Redemittelkarten“, die die für Debatten typischen Formulierungen in vier verschiedenen Kompetenzstufen von B 1 bis C 2 gemäß des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) vermitteln. – Wie das dann im Unterricht konkret aussieht, demonstriert das folgende Beispiel.

Pro und Kontra – Streitfragen erörtern

Kern jeder Debatte ist eine Streitfrage. Sie fängt mit „Soll ...“ an und kann nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden. Gründe gibt es für beide Seiten und ein konstruktiver Vorschlag bewegt die Parteien dazu, sich aufeinander zuzubewegen.

Bei der Übung „Debatte im Uhrzeigersinn“ (S. 7 ff.) entwickeln die Schüler zunächst solche Streitfragen, um sich dann für eine zu entscheiden. Dann finden sich die Schüler in Vierergruppen im Kreis zusammen und entwickeln Pro- und Kontra-Argumente. Wie diese formuliert werden sollten, entnehmen die Schüler/-innen dem Arbeitsblatt.

Ein Pro-Redner beginnt. Im Uhrzeigersinn folgt ein Kontra-Redner, dann – im Uhrzeigersinn – wieder Pro und anschließend Kontra. Es folgt eine sechsminütige „freie Aussprache“ im Uhrzeigersinn. Dann beginnt mit dem ersten Redner eine Schlussrunde, die wieder die Gliederung „Frage – Grund – Antwort“ einhält.

Die Redemittelkarten geben den Diskutanten Formulierungsvorschläge für die Phasen der Debatte an die Hand. Je öfter die Übungen gemacht werden, desto sicherer wenden die Schüler/-innen Formulierungen an. Und mit der Zeit verinnerlichen sie dann auch mehr und mehr die komplexeren Formulierungen höherer Kompetenzniveaus.

Nach der Debatte wertet jede Gruppe die Übung aus. Die Leitfragen dabei: „Wie gut ist es uns gelungen, die Form der Debatte einzuhalten?“ Und: „Wie haben wir die Redemittel eingesetzt?“ (ebd., S. 9)

Die Vorteile der Debatte im Uhrzeigersinn: Jeder Schüler ist gleichermaßen gefordert, sich zu positionieren und zu äußern. Die Formulierungen auf den Redemittelkarten zwingen alle Teilnehmer, zuzuhören und sich mit den Argumenten der „Gegner“ auseinanderzusetzen. Zudem kann diese Übung beliebig oft mit immer neuen Streitfragen wiederholt werden – genau wie die anderen Übungen des Sprachfördermoduls.

Kontroverse Debatten in Unterricht und Schule sind vor allem dann spannend, wenn die Schüler/-innen erleben, dass sie mit überzeugenden Argumenten etwas bewegen und verändern. Deshalb ist es zum einen wichtig, dass die Streitfragen möglichst aus dem „echten“ (Schul-)Leben gegriffen sind und die Schüler/-innen auch wirklich betreffen und berühren. Zum anderen sollte die Debatte strittiger Fragen reale und demokratisch getroffene Entscheidungen nach sich ziehen, wie das zum Beispiel im Klassenrat der Fall ist.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Fachunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×