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Politische Bildung

Flüchtlinge als Thema im Unterricht

Durch die aktuelle Flüchtlings-Situation werden Flucht, Asyl und Integration zu aktuellen Themen, die den Schulalltag begleiten und im Unterricht thematisiert werden sollten. Hier erhalten Sie Tipps.

Politische Bildung: Flüchtlinge als Thema im Unterricht Das Thema Flüchtlinge sollte mit den Schülern im Unterricht besprochen werden, um Vorurteile gar nicht erst entstehen zu lassen © Jonathan Stutz - Fotolia.com

In manchen Schulen sind sie schon da, in vielen anderen werden sie bald ankommen: Kinder und Jugendliche, die vor Hunger, Krieg und Verfolgung geflohen sind. Für alle Beteiligten, vor allem für die Lehrkräfte, ist das eine außergewöhnliche Situation: Ängste, Vorurteile und sprachliche Barrieren erschweren meist die Integration der Neuankömmlinge in der Klasse. Die jungen Flüchtlinge ihrerseits haben oft traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und müssen sich in einer für sie völlig fremden Kultur zurechtfinden. Jetzt ist es vordringliche Aufgabe des Unterrichts, Berührungsängste abzubauen und das politische Topthema Flucht und Asyl im Unterricht zu behandeln.

Der Sächsische Flüchtlingsrat hat in Zusammenarbeit mit PRO ASYL dazu eine Handreichung für Lehrkräfte entwickelt, die die drei wichtigsten Lernziele zum Thema „Flucht und Asyl“ auf den Punkt bringt (S. 3 ff.): „(1) die Erzeugung eines Perspektivenwechsels bzw. von Empathie, (2) Wissensvermittlung sowie (3) Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten.“ Diesen drei übergeordneten Zielen entsprechen auch die Anregungen, fertigen Stundenkonzepte, Materialien und Linksammlungen zum Unterrichtsthema „Flucht und Asyl“, die im Netz frei verfügbar sind und die sich auch bestens für Projekttage eignen.

Zahlen, Fakten und Zusammenhänge auf einen Blick

Ständig steigende Flüchtlingszahlen, die Änderung des Asylrechts, Bombenangriffe verschiedener Akteure mit wechselndem Ziel in Syrien, der Umgang der Europäischen Staaten mit Flüchtlingen — selbst für politisch Interessierte ist es derzeit schwer, den Überblick zu behalten.

Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert Lehrkräfte und Schüler mit Kurz-Dossiers über aktuelle Entwicklungen bei Zuwanderung und Flucht. Im Hinblick auf wachsende Fremdenfeindlichkeit, die sich etwa in brennenden Flüchtlingsunterkünften und Aufmärschen von Pegida und Co. äußert, sei auch besonders auf das umfassende Dossier „Rechtsextremismus“ hingewiesen.

Aktuelle Tagesmeldungen, Kommentare und Zusammenfassungen unter bestimmten Aspekten bieten seriöse Medien wie z. B. die Süddeutsche Zeitung, die ZEIT oder tagesschau.de.

Empathie fördern: mit den Augen der Flüchtlinge sehen

Weiterführende Hinweise:

Das Online-Quiz der BBP sensibilisiert Schüler für die Flüchtlingsthematik.

Eine „umfassende Liste von Unterrichtsmaterialien“ bietet der Beitrag „Flüchtlinge als Unterrichtsthema. 10 Tipps für die Praxis“ auf der Website der GEW.

Die Broschüre „Lernen über Migration und Menschenrechte. Flüchtlinge gestern — Flüchtlinge heute“ thematisiert den Umgang mit Flüchtlingen von der NS-Zeit bis heute. Die anspruchsvollen Stundenkonzepte mit Arbeitsblättern beleuchten die rechtliche Seite (Migration und Menschenrechte, Genfer Flüchtlingskonvention, Status) und beantworten die zentralen W-Fragen (Wer? Wann? Wie? Warum? Wohin?).

Der Jugendwettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ der Bertelsmann Stiftung prämiert alljährlich besonders gelungene Integrationsprojekte.

Ein Perspektivwechsel gelingt am besten mit Unterrichtmaterialien, die von der Erfahrungswelt der Schüler ausgehen: Was wäre für dich persönlich ein Grund, aus deiner Heimat zu fliehen? Was würdest du mitnehmen? Worauf könntest du verzichten und was ist dir wirklich wichtig im Leben? Mit diesen Fragen startet die Stationenarbeit der Karl Kübel Stiftung. An insgesamt zwölf Lernstationen werden die Schüler aktiv: Sie betrachten Fotos von Flüchtlingen und versetzen sich in sie hinein, sie interpretieren Karikaturen, entscheiden in konkreten Fallbeispielen über die Anwendung des Asylrechts oder recherchieren im Internet zu verschiedenen Hilfsorganisationen. Mit fertigen Materialien und didaktischen Hinweisen ist der Vorbereitungsaufwand für Lehrer fast „gleich Null“.

Weitere Spiele zum Thema Flucht:

Refugee-Chair: Vorurteile ausräumen!

Skepsis und Vorurteile werden immer wieder durch die Angst genährt, die Flüchtlinge könnten den Europäern „etwas wegnehmen“ („Asylbetrug“ durch Wirtschaftsflüchtlinge). Doch stimmt das? Wie viel haben die reichen Länder? Wie wenig die anderen? Und wer nimmt de facto die meisten Flüchtlinge auf? Die Antworten auf diese Fragen sind verblüffend, besonders wenn sie mithilfe der Methode „Refugee-Chair“ offensichtlich werden.

Dabei repräsentieren fünf Bögen Papier in Pinnwandgröße die fünf Kontinente, die man in einem großen, leeren Raum (Turnhalle?) entsprechend ihrer geografischen Lage auslegt. Die Schüler verteilen sich als Weltbevölkerung (Stand 2013) auf die Kontinente (Tabellen zeigen das richtige Verhältnis je nach Klassengröße). Die frappierenden Unterschiede werden dann sofort evident: Bei einer Klassengröße von 35 Schüler/-innen stehen 4 in Europa und 2 in Nordamerika, während sich in Afrika 5 und in Asien und Ozeanien sogar 21 drängen. Anschließend werden die Stühle gemäß des Bruttoinlandsproduktes auf die Kontinente verteilt (10 in Europa, 8 in Nordamerika, 1 in Afrika und 13 in Asien und Ozeanien), auf denen dann die „Bevölkerung“ wieder Platz nimmt. Auf den armen Kontinenten teilen sich jetzt viele Teilnehmer zu wenige Stühle und umgekehrt. — Die ungleiche Verteilung wird evident und „fühlbar“. Die ungerechte Verteilung von Flüchtlingen lässt sich ebenfalls mit der Methode Refugee-Chair verdeutlichen. 

Schülerprojekte: Begegnungen mit Flüchtlingen

„Jeder kann etwas tun. Am besten fangen wir gleich damit an!“ — Das ist die Devise des Aktionsheftes „Flüchtlinge willkommen“ der „youngcaritas in Deutschland“. Die vier Unterrichtsvorschläge widmen sich den Themen „Wohnsituation von Flüchtlingen“, „Kinderrechte“, „unbegleitete Kinder-Flüchtlinge“ und „Bleiberecht“ und orientieren sich an der Erfahrungswelt von 13- bis 18-jährigen Schülern der Sekundarstufe (z. B. „Checkt eure Kinderrechte!“ oder „Jeder träumt von einer schönen Zukunft!“). Immer geht es darum, soziales Engagement zu fördern und die Jugendlichen für die Lebenssituation von Flüchtlingen zu sensibilisieren. Konkrete Ideen regen die Schüler dazu an, selbst die Initiative zu ergreifen und in Kontakt zu jungen Flüchtlingen zu treten, etwa bei gemeinsamen Unternehmungen in der Schule oder in lokalen Flüchtlingsunterkünften vor Ort (Songcontest, gegenseitige Sprachkurse, Workshop „Zukunftsbilder“ etc.).

Sinnvoll sind besonders auch „öffentlichkeitswirksame“ Aktionen, bei denen die Schüler vor Ort journalistisch tätig werden, etwa um auf die Lebenssituation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, oder um die kulturelle Vielfalt einer Stadt oder Gemeinde mit Fotos und Interviews zu dokumentieren. Ihre Ergebnisse könnten die Schüler dann zum Beispiel in einer Extra-Ausgabe der Schülerzeitung oder im Rahmen einer kleinen Ausstellung für Eltern und Freunde präsentieren, oder auch einem größeren Publikum auf der Website der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. 

Finanzierung von Projekten für Flüchtlinge

Starthilfe für schülerfinanzierte Flüchtlingsprojekte gibt der gemeinnützige Verein „Das macht Schule“ (DmS). Die nötigen Gelder sammeln die Jugendlichen bei einem Spendenlauf. Checklisten und Vorlagen für die Organisation, ein Start/Ziel-Banner und eine Videokamera zum Ausleihen gibt es kostenlos nach Registrierung auf der Website von DmS.

Weitere Ideen für Spendenaktionen in der Schule hat die UNO-Flüchtlingshilfe zusammengetragen: Ein Benefiz-Sportturnier oder -Schulkonzert, ein Adventsbasar — all diese Events eröffnen zugleich auch die Möglichkeit, gemeinsam mit gleichaltrigen Flüchtlingen etwas auf die Beine zu stellen und Begegnungen auf Augenhöhe zu erleben. — Zwei wesentliche Voraussetzungen für eine schnelle und nachhaltige Integration künftiger Mitbürger.

Martina Niekrawietz

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