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Handschrift

Früh übt sich, wer gut lesbar schreiben will

Eine gut lesbare Handschrift ist immens wichtig. Dafür muss bereits im Anfangsunterricht an der Grundschule der Grundstein gelegt werden. So mancher Grundschüler benötigt eine zusätzliche Förderung der Motorik und eine individuelle Unterstützung beim Schrifterwerb.

Handschrift: Früh übt sich, wer gut lesbar schreiben will Eine lesbare und schnell umsetzbare Handschrift muss schon früh beim Erlernen einer Schreibschrift eingeübt werden © Klaus Eppele - Fotolia.com

„Heute schreibe ich mal mit der anderen Hand“, verkündet Paul. Ähnlich wie ihm geht es manchen Kindern Anfang Klasse 1. Sie haben sich noch nicht festgelegt, mit welcher Hand sie schreiben. Auch ist es unter einigen Eltern und Großeltern immer noch üblich, die Händigkeit der Kinder auf die rechte Hand zu „trainieren“. Dass die Händigkeit genetisch festgelegt und ein Fremdeinwirken von außen kontraproduktiv ist, muss den Eltern hier erklärt werden.

Bei spontanen Tätigkeiten erkennt man in der Regel schon im Kindergartenalter, welches die dominante Hand ist und kann die Schreibhand meist eindeutig benennen. Neben der Problematik der Händigkeit ist die Feinmotorik als Voraussetzung zum Schreiben bei manchen Kindern zu Schulbeginn noch nicht genügend ausgeprägt. Ursache dafür ist, neben einer falschen Stifthaltung, das mangelnde Training an feinmotorischen Aktivitäten wie malen, kritzeln, schneiden, falten und kleben. Laut einer Umfrage des Deutschen Lehrerverbands (DL) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, deren Ergebnisse im April 2015 veröffentlicht wurden, bestätigen die Mehrzahl der Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer, dass sich die Kompetenzen, die zur Entwicklung der Handschrift nötig sind, verschlechtert haben. Nach Aussage der 2000 Lehrer aus ganz Deutschland haben die Hälfte der Jungen und ein Drittel der Mädchen Probleme mit der Handschrift. (siehe dazu die Presseinformation)

Förderung der Feinmotorik und Graphomotorik

Sowohl Erzieher als auch Grundschullehrer sind daher gefordert, Kinder mit motorischen Problemen zu fördern und ihnen geeignetes Material anzubieten. Neben vielen Aktivitäten wie schneiden, kleben und malen im Anfangsunterricht sind graphomotorische Übungen sinnvoll.

Beim Malen kann zunächst die Stifthaltung der Kinder beobachtet werden. Kinder, die ihren Stift falsch halten und dadurch verkrampfen, können mit Stiftaufsätzen unterstützt werden. In diesen ergonomisch geformten Gummiaufsätzen, die über den Stift gesteckt werden, finden Daumen, Zeige- und Mittelfinger in Vertiefungen ihren richtigen Platz.

Die Tatsache, dass laut Umfrage nicht mal die Hälfte aller Schüler an weiterführenden Schulen 30 Minuten oder länger beschwerdefrei schreiben können, ist ebenfalls erschreckend. Um dem entgegenzuwirken, sollte bereits zu Beginn des Schreibenlernens auf den Schreibdruck geachtet werden. Die Schrift eines gespitzten Bleistifts sollte weder Kratzspuren auf dem Schreibblatt hinterlassen noch fast unsichtbar sein. Lehrer sollten genau darauf achten und wenn nötig,  den Schreibdruck, evtl. durch Führung der Schreibhand durch den Lehrer, korrigieren. So können Verkrampfungen aufgespürt und gelöst werden.

Für die Vorbereitung des Buchstaben- und Ziffernschreibens bieten sich vorbereitende graphomotorische Übungen an. Hier können die Kinder lernen Linien, Kreise und Wellen zu zeichnen. Ebenso sollten Richtungswechsel und das Abstoppen am Ende eines Strichs im Schreibfluss eingeübt werden.

Stellt man fest, dass Kinder mit besonderen Buchstaben oder Ziffern Probleme haben, können hier auch gezielte Übungen ansetzen: Für Buchstaben wie A, K, M, N, Z sind Zickzacklinien mit Richtungswechsel ideal. Gerade ausgerichtete Linien, die nachgefahren werden müssen, bieten sich als Übung für Buchstaben wie H, L und T an. Die Verbindung von zwei Punkten zu einer senkrechten Linie sind für D, F, E, H, I, L, R, T hilfreich. Halbkreise können eine Vorübung für B, D, P, R, S sein. Kreise finden sich bei O, Q und teilweise bei G. Wellenförmige Linien fördern die Schreibung des S.

Für Kinder, die Buchstaben und Ziffern spiegeln, ist die visuelle Darstellung von Buchstaben und Ziffern auf einem Plakat im Klassenraum oder als Merkbildauf dem Tisch zur Orientierung sinnvoll. Die graphomotorischen Übungen können als zusammengestelltes Heft als Zusatzübung für alle Kinder der Klasse, (beispielsweise in freier Arbeitszeit) genutzt werden oder zur Förderung einzelner Kinder (im Unterricht oder einer Förderstunde) je nach Bedarf.

Druckschrift gezielt üben

Zur Einführung der Druckbuchstaben werden die Schreibabläufe meist intensiv in großen Lineaturen geübt. Dabei haben einige Kinder die Ausdauer, ganze Reihen von Buchstaben in Klein- und Großschreibung vollzuschreiben, im Anfangsunterricht noch nicht. Da diese Übungen immens wichtig sind, müssen die Schüler immer wieder aufs Neue motiviert werden, Buchstaben — und später auch Wörter und Sätze — wiederholt zu schreiben. Kleine Motivationshilfen sind: Druckschriftstationen zum Buchstabenlehrgang mit unterschiedlichen Übungen wie beispielsweise Schreiben mit Kreide auf dem Schulhof, Buchstaben in Regenbogenfarben nachfahren, Schreiben mit verschiedenen und bunten Stiften, Schreiben in großen und kleinen Lineaturen mit einem Haus oder einem anderen Symbol am Anfang der Zeile als Orientierungshilfe für Groß- und Kleinbuchstaben.

Sind die anfänglichen motorischen Schwierigkeiten (ggf. durch weitere ergänzende graphomotorische Übungen) überwunden, so automatisieren sich die Schreibabläufe und weitere Buchstaben gehen leichter von der Hand.

Wird parallel zum Buchstabenlehrgang oder im Anschluss freies Schreiben zu verschiedenen Anlässen praktiziert, werden die Kinder immer wieder merken, wie wichtig das motorische Training und damit verbunden die Lesbarkeit und das schnelle Aufschreiben von Wörtern, Sätzen und Geschichten ist. Speziell das Gestalten von Geschichtenbüchern der Klasse zu verschiedenen Ausflügen und Aktionen, von Briefen an andere Kinder oder das Klassenmaskottchen bringen Schreibmotivation für eigene umfangreichere Produkte.

Um die Dauer der Schreibtätigkeit zu steigern, sollten parallel zu den ersten eigenen Werken Abschreibübungen in immer kleineren Lineaturen und mit einer steigenden Anzahl der Sätze erfolgen. Diese Übungsform hat gerade nach den aufschreckenden Umfrageergebnissen unter Lehrern zur Handschrift (als Ursache werden die fortschreitende Digitalisierung, die schlechte Feinmotorik und die fehlende Übung auch im häuslichen Umfeld genannt) ihre Berechtigung.

Wechsel von Druckschrift zur Schreibschrift nicht ohne Hürden

Nach Beendigung der Druckschrift beginnen die meisten Grundschulen mit dem Erlernen einer Schreibschrift. Durch Auswahl einer Schreibschrift, die an die Schreibweise der Druckschrift angelehnt ist und einen fließenden Übergang ermöglicht (wie beispielsweise die vereinfachte Ausgangsschrift, die in einem ähnlichen Richtungswechsel wie die Druckschrift erfolgt), soll für die Schüler das Erlernen der Schreibschrift einfacher gestaltet werden. Die meisten Kinder können nach einigen Übungsphasen die eingeübte Schreibschrift ebenfalls lesen und schreiben.

Doch für manche Kinder ist der Wechsel von der Druckschrift zu Schreibschrift nicht zu leisten. Dies sind meist Kinder, die bereits für die Druckschrift und deren Motorik viel Energie aufwenden mussten. Hier ist auch in Absprache mit der weiterführenden Schule zu überlegen, ob diese Kinder wieder in ihre altbekannte Druckschrift zurückgeführt werden und diese Schrift weiter als ihre Handschrift benutzen.

Meist ist dies für Kollegen der weiterführenden Schulen akzeptabel, da nach deren Beschreibung die Kinder spätestens nach dem Schulwechsel sowieso eine Mischung aus Druck- und Schreibschrift als Standardschrift verwenden. Schaut man die Handschriften vieler Erwachsenen an, so ist diese ebenfalls eine Mischform beider Schriftarten.
Die Entscheidung, welche  Schriftart für eine lesbare und schnell umsetzbare Handschrift gewählt wird, trägt der Lehrer in Absprache mit den Eltern und auch mit dem Kind. Eventuell erfolgt bereits auch eine Absprache mit Kollegen der weiterführenden Schulen. Durch diese Unterstützung und das Entgegenkommen im Schreiblernprozess sollten alle Schüler ihre Handschrift finden und diese in angemessenem Schreibtempo und einer guten Lesbarkeit für andere umsetzen können.

Marion Keil

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