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Medienkompetenz

Gehirnforschung: Machen Ego-Shooter schlau?

Ego-Shooter stehen häufig in der Kritik. Eine Studie belegt jedoch, dass diese Computerspiele u. a. die Konzentration fördern. Was dabei im Gehirn passiert, ist ein spannendes Thema nicht nur im Biologieunterricht.

Medienkompetenz: Gehirnforschung: Machen Ego-Shooter schlau? Computerspiele sind bei Jugendlichen beliebt. Die Frage ist: Wie wirkt sich das auf ihre Leistungen aus? © Belinda Pretorius - stock.adobe.com

Es gibt sie seit Mitte der 90er-Jahre und seitdem sorgen sie für Aufregung: Bei einem so genannten Ego-Shooter durchläuft der Spieler in der Ich-Perspektive eine virtuelle 3D-Welt, in der man die Gegner abschießen muss. Über Ego-Shooter, auch als „Killerspiele“ bekannt, wird viel diskutiert, vor allem dann, wenn es um die Auswirkungen auf Jugendliche geht. Umso überraschender sind die Forschungsergebnisse der Gehirnforscherin Daphne Bavelier, die im Rahmen ihrer Studien herausgefunden hat, dass Action-Spiele bestimmte kognitive Fähigkeiten fördern können. Vor allem Ego-Shooter-Spiele sollen laut Studie die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und räumliche Orientierung verbessern. Für ihre Forschung erhielt die Neurowissenschaftlerin nun den hochdotierten Klaus J. Jacobs Research Prize.

Sind Ego-Shooter also für Jugendliche unbedenklich? Gerade auch im Biologieunterricht lohnt es sich, dieser Frage gründlich nachzugehen, und zwar zur Abwechslung so werteneutral und wissenschaftlich wie möglich. In wenigen Schritten lernen die Schüler dabei, wie das Gehirn funktioniert, was Konzentration eigentlich bedeutet und welche Auswirkungen Computerspiele auf das Gehirn haben können.

Konzentration muss gelernt sein

Ego-Shooter machen schlau – auch, wenn viele Schüler das gern glauben würden, so einfach ist es nicht, wie die Forscherin selbst im Interview erklärt. Die 10-minütigen Tests im Labor haben zwar bewiesen, dass Gamer sich länger auf eine langweilige Aufgabe konzentrieren können als Nicht-Spieler. Doch können sie sich auch besser in der Schule konzentrieren als andere? Dazu sollte zunächst eins geklärt werden: Was genau ist Konzentration? Um das zu verstehen, eignen sich die Lernvideos von Planet Schule. In kurzen Clips wird anschaulich erklärt, was im Gehirn abläuft, wenn sich jemand konzentriert, lernt oder sich an etwas erinnern möchte. Dazu passend bietet die Seite auch kostenlose Unterrichtsmaterialien an, die einzelne Aspekte vertiefen. Die Schüler lernen dabei Wissenswertes über das Gehirn und das Gedächtnis. Und sie erfahren, wie sie selbst effektiver lernen und im Unterricht besser aufpassen können.

Das eigene Gehirn durchschauen

Das Gehirn des Menschen ist die Steuerzentrale des Körpers und leistet vieles automatisch und unterbewusst. Jedes Mal, wenn ein Mensch etwas lernt, verändert sich das Gerüst des Gehirns. Besonders in der Pubertät finden größere „Umbaumaßnahmen“ statt. Um das zu verstehen, lesen die Schüler den Text „Hirnstrukturen im Wandel“ von Planet Schule und besprechen gemeinsam die verschiedenen Faktoren, die Auswirkungen auf die „Machart“ des Gehirns haben können.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass sich die Prozesse im Gehirn von Laien und Profis unterscheiden: Bei einem Profifußballer werden während eines Spiels andere Bereiche im Gehirn aktiviert als bei einem Hobbyfußballer. Dasselbe gilt auch für andere Spielarten. Dieses Wissen lässt sich gut auf die Game-Szene übertragen, denn im Gehirn eines Profi-Gamers finden komplexere Abläufe statt, wie die Schüler im nächsten Schritt erfahren werden.

Ego-Shooter kritisch hinterfragen

Unter den Gamern gibt es mittlerweile auch sogenannte Profi-Gamer, die an Ego-Shooter-Meisterschaften teilnehmen und damit sogar ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Das motiviert manche Jugendliche ebenfalls viel Zeit und Geld in Computerspiele zu investieren. Aber genau da liegt der Fehler, denn Profi-Gamer nehmen die Spiele grundlegend anders wahr als Hobbyspieler.

Welche Prozesse im Gehirn eines Profi-Gamers ablaufen, zeigt ein Beitrag der Sendung Welt der Wunder. Erst werden die kognitiven Fähigkeiten von Profi-Gamern und Physik-Studenten verglichen – und tatsächlich: die Gamer schneiden erstaunlich gut ab. Mit einem Kernspintomographen wird dann untersucht, welche Bereiche des Gehirns während des Computerspiels aktiv sind, mit dem Ergebnis, dass Profi-Gamer die Spiele rein logisch und ohne Emotionen erfassen.

Die Schüler diskutieren anschließend die Frage, wie Hobby-Gamer Ego-Shooter-Spiele wahrnehmen. Ist es für das Gehirn überhaupt möglich, die virtuellen Gewaltszenen komplett auszublenden? Und warum muss es dann Gewalt im Spiel geben? Die Schüler sollen ihre eigenen Einschätzungen dazu abgeben und dabei so wissenschaftlich wie möglich argumentieren. Außerdem wäre ein gemeinsames Projekt mit dem Ethik- oder Philosophieunterricht denkbar, das noch ganz andere Aspekte in die Bewertung mit einbezieht.

Die Schüler sollten sich zudem überlegen, wie viel Zeit man mit Computerspielen verbringen sollte und welche Faktoren zusätzlich erfüllt sein müssen, damit das Gehirn davon profitiert. Zu einer optimalen Gehirnleistung gehören zum Beispiel auch genügend Schlaf, Pausen und frische Luft – ohne das würde auch der beste Profi-Gamer scheitern.

Die Schüler lernen mit dieser Herangehensweise vieles über das Gehirn und Gedächtnis, was ihnen unter anderem beim Lernen und Konzentrieren hilft. Gleichzeitig machen sie sich Gedanken über die Auswirkungen von Ego-Shootern, was dazu führt, dass sie die Spiele besser einschätzen können und in ihrer Freizeit womöglich vernünftiger damit umgehen.

Ananda Bräunig

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