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Jugendliche für Kunst begeistern

Graffiti im Kunstunterricht – Geschmiere oder Kunstform?

Jugendliche werden über das Thema Graffiti stärker motiviert und haben mehr Spaß am Kunstunterricht. In diesem Beitrag geht es darum, wie Sie die bunten Straßengemälde im Unterricht thematisieren.

Jugendliche für Kunst begeistern: Graffiti im Kunstunterricht – Geschmiere oder Kunstform? Jugendlich über Graffiti für den Kunstunterricht begeistern © Britzy - stock.adobe.com

Des einen Freud, des anderen Leid – wohl kaum eine künstlerische Gattung ruft so kontroverse Ansichten hervor wie das Graffiti. Während sich Hausbesitzer sicherlich zu Recht über die sinnlosen Schmierereien auf der frisch getünchten Wand ärgern, bewundern andere die kunstvoll besprühten Flächen einer Outdoor-Galerie oder an genehmigten Spraywänden. Banksy, Borondo oder Kashink zeigen als renommierte Graffiti-Künstler das Potential des Genres. Doch wie gelangen Jugendliche von der Straßenschmiererei zu einem überlegten und bewusst gesetzten Graffiti?

Schüler/-innen lernen im Kunstunterricht das Graffiti als Kunstform kennen und beschäftigen sich näher mit den Möglichkeiten, Grenzen und Zusammenhängen. Sie recherchieren im Internet und suchen Graffiti-Wände im öffentlichen Raum der näheren Umgebung auf. Mit Fotos können sie die gefundenen Graffitis in die Schule mitnehmen und unterrichtlich bearbeiten. So lernen sie künstlerische Unterschiede zu sehen und die Graffitis zu analysieren. Mit den entsprechenden englischen Bezeichnungen tauchen sie in eine jugendliche „Fachsprache“ ein, was zusätzlich die Identifikation mit dem Thema stützt.

Der Anreiz, selbst ein Graffiti zu gestalten ist dabei erfahrungsgemäß sehr hoch und wird in mehreren Schritten umgesetzt, die man zunächst indoor auf Papier übt:

Piece:

Zunächst überlegt man sich eine Buchstabenform (Piece). Dies kann ein kurzes Wort, eine Abkürzung oder Initialen sein. Für den Anfang wird dies leichter umsetzbar sein als ein Bild. Die grafischen Elemente sind bekannt und vermutlich besser darstellbar, man kann als Lehrkraft auch besser Hilfsimpulse geben, ohne die Fantasie zu sehr zu begrenzen. Es sollte insgesamt auf einen einheitlichen Stil der Buchstaben geachtet werden.

Hilfslinien:

Ist das Piece festgelegt, zeichnet man mit einem Bleistift Hilfslinien vor, in die später das Wort platziert werden soll. Dies könnte ein Halbkreis sein, eine Zick-Zack-Linie oder eine Schlangenlinie. Für den Start ist eine einfach geschwungene Linie vermutlich am besten zu bewältigen. Der Schriftzug wird dann mit Hohlbuchstaben hier hinein formatfüllend eingepasst. Dafür benötigen die Schüler/-innen eventuell Vorstellungshilfen und Vorentlastungen. Denn häufig wählen die Schüler/-innen dabei eine krakelige und unruhige Linienführung. Wichtig ist jedoch die gleichmäßige und gerade Linienführung, da die gewünschte Dynamik durch andere zeichnerische Maßnahmen bewirkt wird. 
Wer keine Probleme mit der räumlichen Vorstellung hat, kann die Buchstaben bereits ein wenig überlappen lassen, so wird das Piece insgesamt spannender. Durch Überschneidung oder Schrägstellen der Buchstaben kommt Dreidimensionalität und Tiefenwirkung ins Graffiti.

Fill-In:

Die Hilfslinien können wieder entfernt werden. Mit Buntstiften werden die Buchstaben ausgefüllt. Hierbei achtet man auf eine sehr exakte Füllung, besonders an den Rändern. Die Aufmerksamkeit auf die klare Randsetzung ist wichtig für ein eventuelles späteres Sprayen. Durch angedeutete Schraffuren werden Farbübergänge angelegt. Spannend wirkt ein Farbverlauf innerhalb der gewählten Farbfamilie, etwa von hellrot zu dunkelrot.

Outlines:

Die so gefüllten Buchstaben des Pieces werden mit einem dunklen Filzstift klar umrandet. Dies lässt die Buchstaben plastischer wirken. Auch hier ist exaktes Arbeiten essentiell wichtig, um die Wirkung nicht zu zerstören.

Highlights (oben) und Schatten (unten) verstärken den Effekt. Mit blasenähnlichen weißen Punkten kann man dies immer weiter vorantreiben.

Background:

Der Hintergrund des Pieces wird nun um die Buchstaben herum gestaltet. Dies kann eine einfache Farbfläche sein, etwa Mauerwerk, Wolken oder Blasen. Für die Schüler/-innen ist dies am ehesten vorstellbar, wenn sie an die Denk- und Sprechblasen von Comics denken. Das Piece wird umso besser erkennbar sein, je stärker der Farbkontrast zwischen Vorder- und Hintergrund gewählt wird.

Name-Tag:

Sehr wichtig und identitätsbildend ist die Signatur des Pieces mit einem Tag. Damit wird der Künstler sein Werk final unterzeichnen. Auch die Entwicklung eines eigenen Tags stellt bereits eine hohe Motivation für Schüler/-innen dar.

Die Schüler/-innen werden in diesem Prozess feststellen, dass die Erstellung eines guten Graffitis nicht innerhalb von wenigen Minuten „aus dem Handgelenk“ verlaufen kann. Im Vergleich zur Arbeit auf Papier ist das tatsächliche Besprühen einer Wand nochmals wesentlich komplexer. Die Handhabung der Spraydosen und das exakte Setzen von Spraylinien erfordert weiterführend nochmals intensive Übung. Entgegen der medialen Verbreitung über Youtube oder die Social-Media-Kanäle benötigt ein Graffiti-Künstler oft mehrere Stunden oder Tage für sein Werk. Auch aus diesem Grund heraus werden die Schüler/-innen für die Wahl des Ortes von Graffiti-Kunst sensibilisiert. Zu Übungszwecken kann man mit dem Hausmeister der Schule sprechen, ob es Möglichkeiten vor Ort gibt. Viele Städte bieten auch Abrisshäuser oder sog. Outdoor-Gallerys an, um legale Möglichkeiten für Sprayer zu bieten. Zur Anregung und Ideenfindung finden sich zahlreiche Beispiele von Schülerarbeiten im Internet. Mit dem Thema Graffiti können Sie jugendliche Schüler/-innen wieder stärker für den Kunstunterricht begeistern.

Claudia Omonsky


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