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Gekonnt präsentieren

Guter Unterricht ist auch Performance

Wer Wissen nachhaltig vermitteln will, der sollte auch an seiner Performance im Unterricht arbeiten. Inhalte gekonnt präsentieren zu können, sichert die Aufmerksamkeit der Schüler, motiviert sie zur Mitarbeit und schult ihre kommunikativen Kompetenzen.

Gekonnt präsentieren: Guter Unterricht ist auch Performance Die Körpersprache teilt Schülern sehr viel über die Befindlichkeiten des Lehrers mit © Andrey Popov - Fotolia.com

Kennen Sie das Spiel „Powerpoint-Karaoke“? Hierbei handelt es sich um eine Variation des klassischen Karaoke, bei dem die Teilnehmer allerdings keine Liedtexte nachsingen, sondern aus dem Stegreif einen Vortrag zu einem ihnen unbekannten, zufällig ausgewählten Folienvortrag halten sollen. Es handelt sich um ein Trainingsspiel mit Unterhaltungscharakter, und es trainiert dabei die rhetorischen und für Präsentationen nützlichen Kommunikationsaspekte. Durch den hohen Spaßfaktor und die sozial-kommunikative Herausforderung, dies vor Zuhörern zu tun, ist es sehr gut geeignet, um damit als Lehrer ganz unbefangen die eigene Präsentationsfähigkeit einer Reflexion zu unterziehen.

Denn diese ist besonders wichtig in einem Beruf, der Inhalte vermitteln will. Wir alle kennen den Einfluss, den Werbung und medialer Alltag auf uns haben. Als Mittler zwischen „den Dingen“ und „den Schülern“ braucht eine Lehrkraft hohe Kompetenz, gut präsentieren zu können.

Präsentationskompetenz erwerben

Die Unternehmensberatung Mercer hat herausgefunden, dass Zuschauer bei Präsentationen in erster Linie beeindruckt, zweitens unterhalten, drittens angeregt und erst an vierter Stelle informiert werden wollen. Das bedeutet, dass die Lehrkraft eigene Präsentationen auch nach diesem Prinzip aufbauen kann, um den Schülern die Lernarbeit in moderner Form vorzustellen wie auch methodisch näherzubringen.

Denn gutes Präsentieren ist nicht nur eine Kompetenz, die der Lehrer selbst beherrschen soll, sondern die auch die Schüler erwerben können und sollen. So schlägt der neue Bayerische Lehrplan Plus im Fachprofil HSU vor: „Kommunizieren und präsentieren: Die sichere Anwendung von Fachbegriffen (z. B. bei der Beschreibung des Aufbaus des Auges) ist ein wesentlicher Bestandteil für die fachbezogene Kommunikation im Heimat- und Sachunterricht. Ausgehend von ihrer Alltagssprache verwenden die Schülerinnen und Schüler eine am Kind orientierte Fachsprache und einfache fachgemäße Darstellungsweisen (z. B. Wegbeschreibungen, Pläne, Zeitleisten, Beobachtungsbücher, Steckbriefe, Zeichnungen und Abbildungen), um ihre Überlegungen und Erkenntnisse zu erstellen, zu beschreiben, zu dokumentieren und zu präsentieren“ (Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst , Lehrplan Plus Grundschule, München 2014, S.83). Im Lernspektrum des Förderschwerpunkts Geistige Entwicklung wird dies im Lernbereich Denken & Lernen verankert: „Das Lernen lernen – präsentieren“ (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Lehrplan für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, München 2003, S.92).

Der Begriff „praesentare“ (lat.) = „zeigen“ kann sich auf verschiedene Aspekte beziehen: etwas zeigen, etwas vormachen, etwas vorstellen, auf etwas aufmerksam machen. Es geht darum, beim Gegenüber einen bleibenden Eindruck zu wecken. In der Schule ist zudem die Frage wichtig, an welcher Stelle des Unterrichts, welchem didaktischen Ort eigentlich etwas präsentiert wird. Ein klassischer präsentierender Unterrichtseinstieg lautet: „Ich habe euch etwas mitgebracht.“ Weiterhin werden Zwischenergebnisse von Gruppenarbeiten präsentiert oder Ergebnisse zum Beginn oder Ende einer Stunde.

Präsentationsformen einsetzen und anwenden

Welche Präsentationsformen gibt es für den Unterricht, die sowohl Lehrkraft wie auch Schüler einsetzen können?

  1. Vorzeigen und Vorstellen: Bei dieser einfachen Art der Präsentation wird ein Medium präsentiert, ohne dass dabei kommuniziert werden muss, z. B. als Plakat oder als Ausstellung. Eventuell helfen Beschriftungen dem Betrachter, die Präsentation besser zu verstehen, etwa bei  Themenplakaten, beispielsweise über Haustiere oder Länder. Auch Methodenplakate erfüllen diese Funktion der Präsentation, z. B. Vorstellung des Vorgehens bei Versuchen.
  2. Vortragen: Ein Vortrag erfolgt mündlich, meist als Erzählung oder Bericht, z. B. erzählen Schüler im Morgenkreis spontan von einem Erlebnis. Dies wirkt auch positiv auf die     Förderung der Erzählfähigkeit (mündlicher Sprachgebrauch). Idealerweise wird ein Vortrag vorher jedoch geübt und überlegt. Er kann mithilfe von Medien (Plakat) oder Folien (PowerPoint) untermauert werden und stellt dann eine Mischform aus Vorzeigen und Vortragen dar.
  3. Vorführen: Durch eine Demonstration wird „erklärt“, wie etwas funktioniert, z. B. ein Versuch, ein Gerät, ein Modell, eine Technik im weiteren Sinn. Hilfsmittel und Anschauungsobjekte werden entsprechend sachgerecht vorbereitet und verwendet. In Mischform wird dazu eine Gebrauchsanleitung geschrieben und dem Objekt beigelegt, oft wissenschaftlich ausgerichtet. Im sozialen Lernbereich eignet sich besonders das Rollenspiel zum Vorführen.

KISS — Keep it straight and simple

Was sollten Sie bei einer guten Präsentation unbedingt beachten? — KISS — Keep it straight and simple. Diese Faustregel aus der Werbebranche gilt ebenso im Kontext von Anfang und Ende im Unterricht.

Beginnen Sie mit einem Knall, einer problematisierenden Fragestellung, einer Anekdote, einer Pause — etwas, das aufhorchen lässt. Die meisten Zuhörer, also auch Schüler merken sich am besten Auftakt und Schlusspointe einer Präsentation. Deshalb sollten beide sitzen. Wem partout nichts einfällt, sagt den Schülern wenigstens, warum das Kommende möglicherweise wichtig für sie sein könnte.

Eine gelungene Präsentation orientiert sich am Zuhörer, ist deshalb kurz, folgt einem logischen Aufbau und regt zum Mitdenken an. Im schulischen Kontext folgt auf die Präsentation in der Regel ja ein Arbeitsauftrag und schülerorientierter, handelnder Unterricht. Daher sollte an dieser Stelle deutlich geworden sein, wie es nun weitergeht und was genau erwartet wird. Und weil der Schluss fast immer haften bleibt, braucht er etwas Inspirierendes: einen Ausblick, sogar etwas Spektakuläres. Lassen Sie es auf keinen Fall einfach ausplätschern, sondern überlegen Sie sich genau, wie Sie enden wollen.

Die wichtigsten Tools: Blickkontakt und Körpersprache

Blickkontakt halten: Wer überzeugen will, muss laut psychologischer Studien mindestens 90 Prozent seiner Redezeit Augenkontakt zur Zuhörerschaft halten. Halten Sie also bewusst Blickkontakt zu Ihren Schülern. Erfahrungsgemäß fällt einem auf, wie wenig aktiv man das im Laufe der Zeit eigentlich tut bzw. wie stark man oft von Material und Technik abgelenkt wird.

Körpersprache: Beachten Sie beim Präsentieren die Regeln jeder guten öffentlichen Performance. Die Körpersprache teilt sehr viel über die eigene Befindlichkeit mit. Wie keine andere Zuhörerschaft können Ihre Schüler dies sehen und „lesen“, sie reagieren oft sehr stark auf die nonverbalen Botschaften, die Sie mehr oder weniger bewusst aussenden. So lohnt es sich bestimmt, wieder einmal über die eigene Körperhaltung nachzudenken, beispielsweise optimalen Stand suchen und sich mit dem Boden fest verankern; sich klar zu machen, wohin die Hände gehören, wenn sie nicht gestikulieren. Insgesamt sind möglichst ruhige, langsame Bewegungen von Vorteil. Eine entspannte Stimme mit passender Lautstärke macht ebenfalls bedeutend stärkeren Eindruck als gepresstes, überanstrengtes Lautsprechen.

Interaktion schnell starten

Beim Einstieg entscheidet sich bereits in wenigen Sätzen, ob die Schüler folgen oder abschalten. Es kann daher sehr hilfreich sein, möglichst schnell in Interaktion zu gehen.  Folgende Einstiegsformen haben sich bewährt:

  • Interaktiv — Lassen Sie Ihre Schüler selbst über Ihr Thema sinnieren, indem Sie eine rhetorische Frage, am besten auf der Metaebene stellen: „Was denkt ihr? Was wisst ihr schon?“
  • Nachrichtlich — Beginnen Sie mit den Ergebnissen einer aktuellen Studie oder einer Neuigkeit:. „Habt ihr schon gehört, es gibt ein neues Aquarium …“
  • Überraschend — Sie können die Nachricht aber auch bewusst verfälschen und eine Falschaussage treffen, um eine Art Was-wäre-wenn-Szenario aufzubauen: „Wenn das Schulcafe geschlossen wird, dann …“
  • Provokativ — Überhöhen Sie Ihre Kernaussage zum Extrem, das schafft Reibungsfläche, aber eben auch Aufmerksamkeit: „Wer nicht aufpasst, lernt überhaupt nichts.“ — Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung habe ich jedoch eher bessere Erfahrungen gemacht, wenn ich Provokation und auch Ironie nur sehr sparsam eingesetzt habe.
  • Vergleichend — Verwenden Sie Analogien, Parabeln, Gleichnisse, denn kleine Geschichten und bildhafte Vergleiche hört jeder gern: „Unterricht ist wie Stau: Man würde gern abkürzen, kommt aber nicht raus.“
  • Persönlich — Apropos-Geschichten: Erzählen Sie eine eigene Erfahrung, eine Anekdote aus ihrem Leben: „Ihr glaubt mir nicht, was mir in der Pause passiert ist …“
  • Humorvoll — Starten Sie zur Auflockerung mit einem Witz, idealerweise mit einem, der zum Thema passt.

In unserer medialen Umwelt werden wir alle — Lehrer wie Schüler — immer stärker mit sehr professionellen und hoch anspruchsvollen Präsentationen konfrontiert. Daher lohnt sich der Blick auf die eigenen Fähigkeiten, um die eigene Präsentation gelingen zu lassen. Die Schüler danken es mit größerer Aufmerksamkeit, und sicherlich stellt es uns auch selbst zufrieden, souverän vor der Klasse stehen zu können.

Claudia Omonsky


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