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Demokratieerziehung

„Hey, Mr. Nazi“ — Mit YouTubern aktiv gegen rechts

Eine Online-Kampagne der Bundeszentrale für politische Bildung mit bekannten YouTubern steht Pate für ein kreatives Unterrichtsprojekt gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Demokratieerziehung: „Hey, Mr. Nazi“ — Mit YouTubern aktiv gegen rechts Statt andere auszugrenzen sollten Schüler lernen, miteinander zu reden © Ralf Geithe - Fotolia.com

86 Prozent aller Jugendlichen nutzen YouTube mindestens mehrmals pro Woche, 56 Prozent sogar täglich“, so die aktuelle JIM-Studie 2016 (S. 38). Besonders beliebt sind Musik-Videos von bekannten YouTubern, sie haben unter Jugendlichen eine enorme Reichweite.

Am 4.12.2013 startete die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) eine interaktive YouTube-Kampagne gegen Fremdenfeindlichkeit, bei der Blumios Rap-Song eine zentrale Rolle spielte: Erfolgreiche YouTube-Künstler wie wie DieAussenseiter, AlexiBexi, BullShitTehVau, Albertoson, Simon Desue, Digges Ding, MaximNoise und TC von Y-Titty griffen „Hey Mr. Nazi“ auf und interpretierten das Stück mit eigenen Texten und Videos.

Wenngleich die bpb-Kampagne mittlerweile beendet ist, so ist lässt sich das Prinzip doch für eine handlungsorientierte Unterrichtseinheit nutzen, bei der die Schüler selbst kreativ werden und einen eigenen Rap-Song gegen Rassismus komponieren.

Blumios Song — Ideen für eine Cover-Version

Fast 16 Millionen Mal (Stand Juni 2017) wurde der Song „Hey Mr. Nazi“ des japanisch-stämmigen YouTubers Blumio geklickt, der seit Mitte 2009 online ist. Der antirassistische Text des Rap-Stücks setzt nicht etwa auf „Nazi-Bashing“ und Konfrontation, sondern auf Deeskalation und Begegnung, wie besonders der Refrain zeigt.

Blumios Song eignet sich besonders deswegen für eine eigene Version der Schüler, weil er einfach und eingängig ist und dabei doch viel Spielraum für kreative Eigen-Interpretationen der Schüler bietet. Eine kurze Internetrecherche in Gruppenarbeit oder ein lehrergeführter Streifzug zu Beginn der Unterrichtseinheit ermutigt die Schüler zu eigenen Ideen. Hier eine kleine Vorauswahl:

Auf ihrer Website zeigt die bpb Videos mit den sehr unterschiedlichen Interpretationen der bekannten YouTuber. Blumios Original wird dabei mehr oder weniger stark verfremdet: MaximNoise präsentiert sich — wie Blumio — in einem Schwarz-Weiß-Video mit nacktem Oberkörper vor der rotierenden Weltkugel, wandelt aber Text und Melodie stark ab. BullshitTehVau (feat. TC) holen einen glatzköpfigen, kräftigen „Nazi“ von der Straße und bringen ihn singend — unterwegs zur und auf der „Party“ — von seinen rassistischen Überzeugungen ab. Alexi Bexi veranstaltet ein kleines Stockpuppentheater vor Kleinstadt-Kulisse mit anschließendem Statement („So ein Scheiß!“) und „Digges Ding“ spinnen Blumios Story „einfach mal weiter“ und fokussieren inhaltlich auf die vielen Errungenschaften aus anderen Kulturen, die wir täglich nutzen.

Wer bei YouTube nach „Hey Mr. Nazi“ sucht, stößt nicht nur auf Rap-Versionen des Titels, sondern auch auf Videos anderer Musik- und Kunstrichtungen, wie zum Beispiel auf die Dark-Metal-Version der Tübinger Band CIRCUS OF FOOLS, auf das Acoustic Cover „Dipidi“ oder auf virtuose Crip-Walk-Videos wie das von Tamira Jay.

Was aus urheberrechtlicher Sicht zu beachten ist

Besonders bei den Tanz-Videos oder auch manchen Videos mit gesprochenen Statements zum Nazi-Thema läuft immer wieder einmal der Original-Blumio-Song im Hintergrund. Das kann aus urheberrechtlicher Sicht problematisch werden, je nachdem, in welchem Rahmen das Video veröffentlicht wird. Auch bei einmaliger Verwendung des Originaltracks, zum Beispiel als Hintergrundmusik bei einer Schulaufführung ist zu prüfen, ob nicht möglicherweise GEMA-Gebühren anfallen. Die rechtlichen Grundlagen zum Urheberrecht in Schulen erläutert das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen. Und Martin W. Vierrath von der GEMA Bezirksdirektion Stuttgart informiert in einem Vortrag darüber, in welchen Fällen auch in der Schule GEMA-Gebühren fällig werden.

Bereits im Vorfeld sollten Lehrer und Schüler genau prüfen, was bei der Umsetzung und Veröffentlichung einer eigenen „Hey Mr-Nazi“-Version aus urheberrechtlicher Sicht zu beachten ist. Die Website irights.info beantwortet die häufigsten Fragen zum Herunterladen, Konvertieren, Covern etc. im Umgang mit YouTube.

Besonders komplex ist die juristische Lage bei Coverversionen und Parodien, die auf YouTube hochgeladen werden, wie dieser Beitrag einer Kölner Medienrechtsagentur zeigt.

Für eine Cover-Version des Titels „Hey Mr. Nazi“ brauchen die Schüler zunächst einen „Soundalike“, also eine Melodie, die dem Original ähnlich ist. Zwar finden sich auf der Website der bpb drei verschiedene Versionen im mp3-Format, sie dürfen jedoch „nur nicht-kommerziell und im Rahmen der Kampagne (YouTuber gegen Nazis) genutzt werden“. Die Kampagne ist mittlerweile abgeschlossen, und so bleibt nur „selber machen“. — Vielleicht ist ja auch der Musikkollege oder die Schulband dabei behilflich.

Tutorial: Einen eigenen Rap-Song fabrizieren

Tutorials im Netz unterstützen angehende Rapper dabei, ihren „ureigenen“ Text oder Rhythmus zu entwickeln. Die Kölner Rapperin Prayamond erklärt, wie ein Rap-Text in fünf Schritten entsteht. Hier erfahren die Schüler, auf welchen Websites sie kostenfreie Beats downloaden können, wie ein Rap-Text aufgebaut ist (zwei bis drei Strophen à 16 Zeilen [= Bars] mit Refrain [= Hook]), wie man einen Flow findet (Rhythmus und Betonungen) und notiert (Textfettungen oder Akzente für betonte Silben), und was besonders „coole“, vielsilbige Reime sind, die sich von den aus dem Lyrikunterricht bekannten Reimen und Versmaßen übrigens deutlich abheben: Im Rap reimt sich zum Beispiel „(die) Kids sagen alter [alta??] Schwede“ auf „Besitzer der Alphagene“, wobei hier sogar ein siebensilbiger Reim vorliegt, so Prayamond. Auch Stilmittel wie „Punchlines“ (Zweideutigkeiten) und „Doubletimes“ (doppelt so schnell gerappt) werden kurz angerissen.

Ideal für den fächerübergreifenden Unterricht

Bei diesem Projekt bietet sich eine fächerübergreifende Zusammenarbeit unbedingt an. Offensichtlich gibt es viele Bezüge zu Themen verschiedener Fächer: Rassismus im Politikunterricht, Rap-Texte-Verfassen im handlungsorientierten Literaturunterricht, Ausdrucksformen der Hiphop- und Rapkultur im Musik- und Sportunterricht (hier verschiedene Tanzformen), Videoproduktion im Medien- und Kunstunterricht, szenische Gestaltung des Videos im Schulspiel-Workshop etc.

Und last but not least demonstrieren die Lehrkräfte verschiedener Fachrichtungen mit einem kooperativen Projekt Geschlossenheit bei der Ablehnung rechtsextremen Gedankenguts. – Das ist ein wichtiges Signal im Rahmen der Demokratieerziehung in der Schule.

Martina Niekrawietz

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