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Spielend lernen

Ideen für eine erfolgreiche Spiele-AG in der Schule

Ohne Handy, Spielekonsole und Co. wissen viele Kinder und Jugendliche nichts mehr mit sich anzufangen. Trotzdem ist es möglich, die Generation 2.0 für klassische Spiele zu begeistern. Selbst wenn die Schule über keine eigene Spieleausstattung verfügt.

Spielend lernen: Ideen für eine erfolgreiche Spiele-AG in der Schule Eine Spiele-AG in der Schule bietet vielfältige Möglichkeiten für die Schüler, gemeinsam aktiv zu werden und Spaß zu haben © M. Schuppich - Fotolia.com

„Bastianna“ möchte im Lehrerforum ihren Frust loswerden: Ihre Spiele-AG im vorangegangenen Schuljahr war ein Flop. Dabei hatte sie ein Budget „für wirklich tolle Spiele“ zur Verfügung. Auch ermunterte sie die Kinder, von zu Hause Spiele mitzubringen, doch das fruchtete nicht: „Scheinbar spielen die Kinder kaum noch Gesellschaftsspiele“, vermutet die Lehrerin, denn ihre Gruppe hatte einfach keine Lust zu spielen. Die Kollegen im Forum haben auch beobachtet, dass die „Kinder heute nicht mehr viele Spiele von zu Hause kennen. Janne60 meint, dass man gerade hier ansetzen sollte: „Regeln erklären, Sinn des Spiels, Ziel des Spiels, auch das Verlieren will gelernt sein usw.“

Der Tenor in diesem Thread: Auch wenn es manchmal schwierig ist, die Schüler fürs Spielen zu begeistern, „haben doch Spiele-AGs ihre Berechtigung, wenn nicht sogar Notwendigkeit“, schreibt „Palim“. Im Gegensatz zu „Bastianna“ hat sie gute Erfahrungen damit gemacht, dass die Kinder ihre Lieblingsspiele mitbringen und mit ihren Mitschülern spielen. Vielleicht ist es auch eine Frage des Zeitpunkts (und womöglich auch der Alternativlosigkeit): In ihrer Schule gibt es vor den Ferien „statt Film“ Spielestunden, die vermutlich bei den meisten Kindern positiv besetzt sind: Denn Spielen macht in der Regel mehr Spaß als Unterricht und es fungiert in diesem Fall als Ritual, das die Ferien einläutet.

Ideen für gelungene Spiele-Stunden

Gemeinsam spielen bedeutet, zusammen aktiv sein und Spaß haben. Das könnte man den Schülern der Spiele-AG mit einer besonderen ersten Stunde oder zeitlich umfangreicheren Veranstaltung, einem Projekttag o. Ä., vermitteln. Hier ein paar Ideen, die bei den Schülern gut ankommen:

Demonstrieren Sie den Kindern beziehungsweise Jugendlichen ein breites Spektrum von Spielen, indem Sie einen Parcours aufbauen: Rollenspiele, Ballspiele, Ratespiele, Geschicklichkeitsspiele, Spiele mit Würfeln, Spielbrett und Karten et cetera. Dabei sollte man darauf achten, dass die Spiele jeweils annähernd gleich lang dauern.

Oder Sie zeigen den Schülern, was man alles spielen kann, wenn man nichts als Papier und Bleistift hat: „Stadt, Land, Fluss“, Papierflieger falten, Wörterraten mit dem Galgenspiel, Tic-Tac-Toe und so weiter. „Schiffe versenken“ muss man nicht als teures Spiel erstehen, kariertes Papier oder eine Kopier-Vorlage genügen. Wem übrigens der Name „Schiffe versenken“ zu martialisch ist, der nennt das Spiel einfach „Inseln entdecken“ oder „Tiere einfangen“.

Für Murmelspiele braucht man ebenfalls nicht viel: Oft können die Glaskugeln auch durch kleinere Steinchen oder Münzen ersetzt werden. Keine oder nur einfache Hilfsmittel benötigt man auch für viele Bewegungsspiele“ wie „Ochs am Berg“.

Laden Sie die Eltern und Großeltern der Kinder zu einem gemeinsamen Generationennachmittag ein. Die Erwachsenen erzählen von ihren früheren Lieblingsspielen oder schreiten direkt zur Tat und bringen den Kindern die Spiele bei. Auch ein Wettbewerb – in altersgemischten Teams oder Alt gegen Jung — macht bestimmt allen Beteiligten Spaß.

Schüler als Spieletester

Die Kinder formieren sich in Vierergruppen und suchen sich aus mehreren Brett- und Kartenspielen eines heraus, das sie gemeinsam spielen und dann — wie professionelle Spieletester — nach bestimmten Kriterien bewerten. Die Kriterien können vorher gemeinsam in der Gruppe erarbeitet werden oder vorgegeben sein. Für Grundschüler genügt ein schlichter Bewertungsbogen mit fünf bis acht Kriterien. Bei Schülern höherer Jahrgangsstufen können komplexere Beurteilungskriterien herangezogen werden. — Anregungen dazu bietet die Website zum „Spiel des Jahres“ . Im Laufe des Schuljahres könnte dann ein Ranking mit den beliebtesten Spielen entstehen.

Spiele nachbauen und abwandeln

Wenn das Spielebudget für Brett- oder Kartenspiele gering ist, kann man manche Spiele einfach selbst basteln. Vielleicht ist das auch schon der erste Schritt dazu, dass die Kinder sich eigene Brettspiele ausdenken. In der Kreativitäts-Grundschule Berlin-Karlshorst steht Spieleentwicklung sogar neben Mathematik und Deutsch auf dem Stundenplan. „Die Schüler sollen dabei lernen, in Gruppen zusammenzuarbeiten, zielgerichtet zu denken und mit Kritik umzugehen“, so fasst ein kurzes Video von zuspieler.de die Lernziele zusammen. Marén Kruse, Lehrerin und Spieleentwicklerin, begleitet die Schüler dabei: Sie geht von bestehenden Spielen aus und unterstüzt die Kinder dabei herauszufinden, wie die „einzelnen spieltektonischen Bausteine des Spiels aufgebaut sind“, welche Funktionen zum Beispiel Spielsteine haben. Erst dann sind die Kinder in der Lage, vorhandene Strukturen abzuwandeln.

Organisation und äußerer Rahmen

Bestimmte Abläufe in den Spielestunden, das Einhalten von Regeln, Pflege und sorgsamer Umgang mit Spielmaterialien — auch das trägt zum Gelingen einer Spiele-AG maßgeblich bei. Das Spielekonzept der Lindenfeldschule in Schaafheim/Mosbach versammelt Maßnahmen für eine reibungslose praktische Umsetzung (vgl. S. 7 ff.): Die Spielanleitungen liegen als Kopie den Spielen bei, die Originale werden in einem Ordner abgeheftet. Mithilfe einer Liste mit allen Spielbestandteilen kontrollieren Schüler und AG-Leiter die Spiele nach Gebrauch auf Vollständigkeit. Grundsätzliche Spielregeln (möglichst leise sein, mit den Spielen sorgsam umgehen, fair und ehrlich spielen, zuerst Spielanleitung durchlesen …) hängen im Gruppenraum/Spielezimmer/jeweiligen Klassenraum aus „und sind fester Bestandteil des Konzeptes“ (S. 7).

Spiele-AGs sind nur eine Möglichkeit für den Einsatz der Spiele. Schüler und Lehrer der Lindenfeldschule nutzen sie außerdem in Differenzierungs- und während Vertretungsstunden, in der Klassenlehrerstunde, um „das Einhalten von Regeln, Kooperation und Kommunikation sowie Empathiefähigkeit“ zu schulen, verschiedene Experimentierkästen unterstützen den Sachkundeunterricht und die Spiele können in Transportboxen auf Klassenfahrten mitgenommen werden. (ebd., S. 6)

Evaluation: Spielen als Alternative zu TV, Gameboy und PC

Eines der wichtigsten Ziele des Konzeptes der Lindenfeldschule ist es, „den Kindern in Zeiten von erhöhtem Bildschirm-Konsum (TV, Gameboy, PC) das klassische Spielen wieder näher zu bringen, denn Spielen ist wichtig für die geistige, soziale und motorische Entwicklung“. (ebd., S. 8) Ob das mit dem umfassenden Spielkonzept gelingt, wird mithilfe eines Eltern- und eines Schüler-Fragebogens (ebd., S. 10 ff.) am Anfang und am Ende des Schuljahres evaluiert.

Auch noch das Freizeit-Spielverhalten zu evaluieren und damit womöglich über die Eltern indirekt zu steuern — das könnte auch eher einen gegenteiligen Effekt hervorbringen. Zum Beispiel, wenn dann das „klassische Spielen“ ähnlich wie Hausaufgaben der Domäne der Schule zugerechnet wird und zum ungeliebten „Muss“ wird. Oder wenn das verpönte Computerspiel, weil tabuisiert, den Reiz des Verbotenen bekommt und noch attraktiver wird.

Martina Niekrawietz

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