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Förderunterricht

Individuelle Matheförderung leicht gemacht

Mathematik wird zum Problemfach, wenn Schüler/-innen den Anschluss verpasst haben. Um Wissenslücken zu füllen, ist gezielter Förderunterricht hilfreich. Passgenaue Übungsmaterialien unterstützen Lehrende wie Lernende dabei.

Förderunterricht: Individuelle Matheförderung leicht gemacht Viele Schüler/-innen benötigen Nachhilfeunterricht, um den Anschluss nicht zu verpassen © Dan Race - stock.adobe.com

Wie gut können 15-jährige Schüler/-innen in Deutschland ihre mathematischen Kenntnisse in realen Alltagssituationen anwenden? Diese Frage beantwortet die letzte PISA-Studie aus dem Jahr 2018. „Insgesamt“ sei der „Trend negativ“, resümiert die Website „Das Deutsche Schulportal“. Mehr als ein Fünftel der Schüler/-innen verfüge „lediglich über rudimentäre Mathematik-Kenntnisse“, ihr Anteil sei im Vergleich zu 2012 „von 18 auf 21 Prozent gestiegen“. 79 Prozent der Jugendlichen erreichte „das Mindestniveau oder mehr“, wobei 13 Prozent eine der beiden höchsten Kompetenzstufen erreichten. – 2012 betrug der Anteil der Leistungsstarken noch 17 Prozent.

Da Schüler/-innen aller Schularten, eben auch der Gymnasien, den PISA-Test absolvieren, dürfte der Anteil der förderbedürftigen Jugendlichen in anderen weiterführenden Schulen noch weitaus höher sein: Haupt-, Real- und Gesamtschulen sind überdies die Schularten, in denen häufig Lehrermangel herrscht. Hoher Förderbedarf und wenig personelle Kapazitäten – diese Situation dürfte sich derzeit in den Schulen durch die Corona-Pandemie noch verschärfen: Schließlich fallen viele Lehrkräfte aus, weil sie an Vorerkrankungen leiden oder zur Risikogruppe der über 60-Jährigen zählen. Zugleich haben sich bei vielen Schüler/-innen bestehende Lücken während des Corona-bedingten Lockdowns noch vertieft. Und vermutlich wird es – zumindest im ersten Schulhalbjahr – auch weiterhin immer wieder Homeschooling-Phasen geben. Eine Situation, die nicht gerade Mut macht.

Wie schaffen Sie es dennoch unter diesen erschwerten Bedingungen, Ihre Schüler und Schülerinnen individuell zu fördern? Der folgende Beitrag gibt Ihnen dazu Tipps und direkt einsetzbare Materialien an die Hand, die Ihnen Zeit und Vorbereitungsaufwand ersparen.

Das Projekt „Mathe sicher können“ (Msk)

„Mathe sicher können“ geht auf eine Initiative der Deutschen Telekom Stiftung zurück, in deren Auftrag ein Projektteam der TU Dortmund Unterrichtsmaterialien für „Risikoschüler“ entwickelt und erprobt hat. Die umfangreichen Diagnose- und Fördermaterialien widmen sich dabei den drei folgenden Inhaltsbereichen:

  • Natürliche Zahlen (ab Klasse 3),
  • Brüche, Prozente, Dezimalzahlen (ab Klasse 6) und
  • Sachrechnen (ab Klasse 4)

Bei der diagnosegeleiteten Förderung geht es in einem ersten Schritt darum, „schwächere Schülerinnen und Schüler gezielt zu identifizieren“, um sie dann entsprechend fördern zu können. Daneben ist auch „Verstehensorientierung“ eine wichtige Leitidee des Konzepts: „Nachhaltiges und sinnstiftendes Lernen“ bedeutet ja nicht etwa mechanisches Formellernen, sondern zielt auf den „Aufbau von Verständnis“ von strukturellen, innermathematischen „Vorstellungen und Darstellungen“. Voraussetzung für das Verstehen ist auch eine funktionierende Kommunikation der Lernenden untereinander und mit der Lehrperson, die ebenfalls geübt wird. 

Standortbestimmungen und Fördereinheiten

Zu jedem der oben aufgeführten Inhaltsbereiche nutzen Sie „Standortbestimmungen“ mit Diagnoseaufgaben zu den verschiedenen Basiskompetenzen. Diese führen Sie zunächst mit der ganzen Klasse durch, um dann zu sehen, wer womit Schwierigkeiten hat. – Der Stoff, den die Schüler/-innen schon verstanden haben, wird ganz nebenbei noch einmal wiederholt. 

Im didaktischen Kommentar unterstützen Sie Hinweise und Praxishilfen bei der Auswertung der Standortbestimmungen. Bei jeder einzelnen Diagnose-Teilaufgabe werden typische Fehler und mögliche Ursachen dafür detailliert beschrieben. Und Sie sehen auch immer gleich, welche Übungsaufgaben in der dazu gehörigen Fördereinheit empfehlenswert sind. 

Die Schüler/-innen arbeiten jeweils eigenständig mit einem Förderheft, das ihnen zunächst erläutert, was warum zu tun ist: „Mit jedem Baustein arbeitet ihr an einer Kompetenz“, etwa „Kann ich Addition und Subtraktion von Brüchen verstehen?“ Das ist der Fall, wenn die Schüler/-innen Anteile von einem Ganzen, von Prozenten und von Mengen bestimmen und darstellen können, was sie direkt mit verschiedenen Diagnoseaufgaben erproben. Mit Smileys am Rand schätzen sie selbst ein, wie sicher sie sich bei der jeweiligen Aufgabe fühlen. – Ebenfalls hilfreich für die Zusammenstellung geeigneter Übungsaufgaben. 

Sprachbildung leicht gemacht

Sprache ist für das Lernen und Verstehen von Mathematik zentral: Nur wer Aufgaben richtig versteht, kann sie beantworten oder Schwierigkeiten benennen. Hinzu kommt bei jedem neuen Unterrichtsthema ein großes Repertoire an fachsprachlichen Begriffen, die richtig eingeordnet werden wollen. Deshalb ist Sprachbildung immer auch Teil des mathematischen Förderunterrichts, besonders auch bei Schüler/-innen mit Deutsch als Zweitsprache. 

Wie Sie dabei vorgehen können, zeigen die „fach- und sprachintegrierten“ Unterrichtsmaterialien auf der Seite des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik. Um auch erstsprachliche Ressourcen nutzen zu können, gibt es die Materialien zu einigen der Unterrichtsthemen nicht nur in deutscher, sondern auch in türkischer und arabischer Sprache.

Eigenständig wiederholen

Förderunterricht ist dann am effektivsten, wenn die Schüler/-innen zu Hause den Stoff noch einmal eigenständig wiederholen, üben und vertiefen. Wenn Sie dann auf der Suche nach maßgeschneiderten Aufgaben sind, werden Sie auch auf der gut strukturierten Website gut-erklärt.de schnell fündig. Der Autor, Dennis Rudolph, präsentiert hier zahlreiche Unterrichtsthemen übersichtlich geordnet nach Jahrgangsstufen. 

In Klasse 5 startet er mit der Wiederholung der Grundrechenarten, die ja viele Schüler/-innen beim Wechsel auf die weiterführende Schule noch nicht sicher beherrschen. Auf eine kurze Erklärung in einfacher Sprache folgen manchmal Videos und immer einige Aufgaben mit Lösungen, mit denen die Schüler/-innen direkt überprüfen können, ob sie alles verstanden haben. 

Farbige Grafiken unterstützen zudem das Sprachverständnis von Schüler/-innen mit Deutsch als Zweitsprache: Bei der Wiederholung der Grundrechenarten etwa stehen die mathematischen Fachbegriffe unter den Beispielrechnungen, wobei die jeweilige Zahl in derselben Farbe erscheint wie der zugehörige Begriff. 

Zahlreiche Übungsaufgaben zu allen möglichen Unterrichtsthemen in Mathematik hat Dennis Rudolph zudem auf der Website frustfrei-lernen.de zusammengestellt. Per Klick auf einen integrierten Button erstellen Sie ein PDF, das Sie dann einfach kurz ausdrucken oder Ihren Schülern/-innen direkt mailen können. 

Auch in Ihrem Lehrerbüro nutzen Sie eine Vielzahl von „Unterrichtsmaterialien“, die Sie auch direkt aus dem System, z. B. über meine Lerngruppen, an Ihre Schüler/-innen verschicken können. Sie finden die umfangreichen Aufgabensammlungen, geordnet nach Unterrichtsinhalten, im Ordner „Mathematik“ bzw. „Mathematik Inklusion“ in der linken Menüleiste. Im gemeinsamen Unterricht haben Sie so ein breites Spektrum von Arbeits- und Übungsblättern je nach Leistungsniveau griffbereit.

Mathenachhilfe für Eltern

Wenn die Jugendlichen beim eigenständigen Arbeiten zu Hause Unterstützung brauchen, sind oft die Eltern die erste Anlaufstelle. Doch die wenigsten von ihnen haben ein Lehramtsstudium absolviert. Viele stoßen dabei an ihre Grenzen. 

Hier bietet der pensionierte Mathematiklehrer und Hochschuldozent Christoph Hammer mit seinem frei nutzbaren Online-Projekt „Mathe für Eltern“ Schützenhilfe. Mit eingängigen Beispielen und kurzen Audio-Erläuterungen erklärt er z. B. die Kongruenzsätze, die wichtigsten Regeln fürs Rechnen mit ganzen Zahlen oder Variablen und Gleichungen. Derzeit (Stand Oktober 2020) sind es zwar noch sehr wenige Themen, Hammer erklärt sich aber bereit, Anfragen per E-Mail oder Video-Chat zu beantworten bzw. die Seite weiter auszubauen. – Vermutlich wird es freilich immer einige Zeit dauern, bis der Mathematiker auf Anfragen reagieren kann. 

Für Eltern und Schüler/-innen, die in Homeschooling-Phasen schnelle Antworten auf ihre mathematischen Fragen suchen, sei deshalb hier noch auf eine andere Möglichkeit hingewiesen: Online-Nachhilfe via YouTube-Erklärvideos. Der unten verlinkte Beitrag stellt Ihnen die besten Mathe-Coaches vor, mit deren Videos die Schüler auch eigenständig wiederholen und üben können. 

Angewandte Mathematik rund um Covid-19

Viele Menschen verstehen nicht, was exponentielles Wachstum bedeutet. So konnte beispielsweise bei einem Experiment des Yale-Professors Shane Frederick nur die Hälfte der Befragten die folgende Aufgabe korrekt lösen: Wenn sich die Fläche einer Seerosenpflanze täglich verdoppelt und ein Teich nach 48 Tagen zugewachsen ist, wann ist er dann halb zugewachsen? Antwort: am 47. Tag. – Dieses explosive Wachstum in der letzten Phase ist offenbar für viele Menschen unbegreiflich, aber doch unerlässlich, um die Gefahr durch aktuelle Krisen wie Covid-19 oder den Klimawandel richtig einzuschätzen.

Deshalb last but not least noch eine gute Adresse mit Materialien für den „Förderunterricht“ Ihrer mathematisch begabten Schüler/-innen: Das International Centre for STEM Education an der PH Freiburg ICSE veröffentlichte insgesamt 21 mathematische Aufgaben mit spannenden Experimenten, durch die „die Geschehnisse rund um die Ausbreitung von Covid-19 im wahrsten Sinne des Wortes ‚begriffen‘ werden können.“

Martina Niekrawietz

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