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Deutschaufsätze

Korrekturen leicht gemacht

Lehrer mit Korrekturfächern arbeiten in der Regel viele Stunden mehr als ihre Kollegen. Wie lässt sich diese Mehrbelastung reduzieren? In Lehrerblogs, -foren und auf Websites finden sich viele hilfreiche Ideen dazu — von ausgeklügelten Korrekturstrategien bis hin zum gezielten Schreibcoaching der Schüler.

Deutschaufsätze: Korrekturen leicht gemacht Keine Angst vor Heftstapeln zur Korrekturen — mit der richtigen Strategie kann man sich die Arbeit erheblich erleichtern © Klaus Eppele - Fotolia.com

Manche Lehrer haben Korrekturfächer, andere nicht. Diejenigen mit höherem Korrekturaufwand arbeiten unterm Strich mehr als die anderen. Wenn sie Pech haben, unterrichten sie auch noch in Klassenstufen mit Lernstandserhebungen, was noch mehr zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Das Korrigieren von Abschlussprüfungen (nicht nur Erst-, sondern auch Zweitkorrekturen) ist ebenfalls mit vielen Stunden Mehrarbeit verbunden, die sich — zumindest bisher — keineswegs in einer höheren Vergütung oder in mehr Anrechnungsstunden niederschlägt: Die kontroversen Diskussionen über aufwandsdifferenzierte Lehrerarbeitszeitsysteme sind in vollem Gange (zum Beispiel das Mindener Modell (oder die Vorschläge für eine gerechtere Entlohnung der GEW), doch noch zeichnet sich keine befriedigende Lösung ab.

Bis auf Weiteres bleibt also (Korrekturfach-) geplagten Lehrern nichts anderes übrig, als sich gegenseitig über ihre Konzepte zur Reduktion der Korrekturzeiten auszutauschen. Wer sich auf der Suche nach Leidensgenossen in Portalen, Blogs und Foren bewegt, stößt manchmal auf Wut oder Frust („Der Gipfel des Unerträglichen! (…) Wenn ich diese schrecklichen Schriften entziffern muss, packt mich der pure Zorn. Knapp 30 Stunden für 18 Aufsätze — ist das normal?“), vor allem aber auch auf kluge Vorschläge, die langjähriger Routine und Optimierungsarbeit geschuldet sind. Hier einige der konstruktiven Ideen:

Die IGAMI-Strategie speziell für Abschlussarbeiten

Prüfungsarbeiten in Deutsch werden anders korrigiert als sonstige schriftliche Klassenarbeiten: Es geht um „eine möglichst gerechte Bewertung“ des Textes mit bestimmten Benotungskriterien, die unterschiedlich gewichtet werden. Das bedeutet nichts weiter als Fehler markieren, Arbeit benoten und Bemerkung schreiben, aufwendige fördernde Kommentare und Vorschläge sind nicht erforderlich.
Eine solche lediglich prüfende Korrektur geht mit der „IGAMI-Strategie“ besonders schnell. IGAMI ist eine Abkürzung für „Ich glaube an meine Intuition“ und steht für die Grundüberzeugung: „Ich bin in der Lage, eine Arbeit intuitiv in den richtigen Notenbereich einordnen zu können.“ Dabei geht man in sechs Arbeitsschritten äußerst zügig und strukturiert vor:

  1. Bewertungskriterien formulieren.
  2. In einem ersten Schnelldurchgang Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung korrigieren.
  3. In etwa einer halben Stunde Aufsätze nach Qualität ordnen — die schlechtesten zuerst. Dann den obersten, den untersten und einen aus der Mitte lesen.
  4. Im zweiten Durchgang lesen Sie jeden Aufsatz und markieren Stil- und Ausdrucksfehler und schreiben „direkt im Anschluss einen knackigen Kommentar“ gemäß Ihrer Bewertungskriterien. Jeder Kommentar benennt nur kurz die positiven oder negativen Aspekte, ruhig mit simplen SPO-Sätzen, sodass das Formulieren nicht länger als fünf Minuten dauert.
  5. Dann ist erst einmal eine „Pause von mindestens zwei Tagen“ angesagt. („Stöhnen Sie im Lehrerzimmer“ über die maßlosen Korrekturen, rät der Verfasser des Beitrags, und: „Deuten Sie an, dass Sie wahrscheinlich nicht fertig werden.“)
  6. Endnote berechnen — fertig.

IGAMI spart Zeit, indem man das Alltagskorrekturverhalten über Bord wirft und korrigierte Arbeiten nach Stufe 6 wirklich loslässt, ohne sie weitere Male durchzuarbeiten.

Eine Musterlösung gibt Orientierung

Der langjährige Deutschlehrer Gerd Hähnel rät bei Klassenarbeiten einen Erwartungshorizont zu formulieren und an die Schüler auszuteilen. Sein Kollege Kubiwahn setzt sich selbst hin und schreibt in der vorgegebenen Zeit eine Musterlösung. So weiß er sehr genau, was er den Schülern abverlangen kann. — Bisweilen muss er dabei seine Erwartungen sogar nach unten korrigieren.

Wie Ihr Computer Sie entlastet

Der Blogger Kubiwahn korrigiert auch „grundsätzlich mit laufendem Computer“ und tippt — direkt nach dem Lesen — die Bemerkung, um sie später in die Klassenarbeiten zu kleben.

Zeit und Nerven beim Korrigieren spart auch ein differenziertes Bewertungsraster: „Sobald man (…) ein solches entwickelt hat, sinken die kognitiven Anforderungen an den Korrekturprozess, da einzelne Bereiche beim Korrigieren fokussiert und separat bewertet werden. Dies erleichtert auch das Verfassen eines sinnvollen Kommentars ungemein“, so der Verfasser des Beitrags „Korrektur von Deutscharbeiten wird mit Excel leichter“ bei lehrerfreund.de. Den Rest kann man dann seinem Tabellenkalkulationsprogramm überlassen. Also bei Excel:

  1. Bewertungskriterien definieren (etwa für einzelne Teilaufgaben, einzelne Aufsatzteile, Anwendung von Unterrichtsinhalten, Sprache und Form), dan
  2. für jeden Bewertungsbereich eine eigene Spalte einrichten („Mit etwas Übung lassen sich sämtliche Zellen nach einmaliger Lektüre der Klausur schwungvoll ausfüllen“),
  3. Bewertungskriterien sinnvoll gewichten (hier ist eventuell Hilfe von einem Excel-Profi erforderlich).

Durch Aufsatzunterricht den Korrekturaufwand reduzieren

„Können manche Schüler einfach nicht schreiben?“ Deutschpädagoge Gerd Hähnel (Link s. o.) glaubt das nicht. Vielmehr beobachtete er immer wieder, dass manche Schüler in Zeitnot gerieten und dann in „eine Art ‚Panikschreiben‘“verfielen. Manche glauben einfach, dass nur ein langer Aufsatz ein guter Aufsatz ist.

Was hilft dagegen? Mehr Planungs- und Überarbeitungszeit, aber auch Tipps zur richtigen Zeiteinteilung, zum Beispiel „nach (…) Erhalt des Themas nicht sofort losschreiben, sondern (…) erst einmal (…) mit Hilfe einer Mindmap ein Gliederungskonzept skizzieren“. Wenn die Schüler einverstanden sind, korrigiert er sporadisch Schüleraufsätze „live“ im Unterricht (Folienmethode). So lassen sich häufige Fehler oder sinnvolle Kürzungsmöglichkeiten mit Gewinn für alle verdeutlichen. — Dass die Schüler freiwillig mitmachen müssen, versteht sich dabei von selbst.

Statt der — bereits etwas antiquierten — Methode mit Overheadprojektor könnte hier auch über Beamer mit der Korrekturfunktion von Word gearbeitet werden. (Hier eine detaillierte Anleitung dazu)

Vorteil: Der besprochene Aufsatz mit Korrekturen und Kommentaren kann dann — falls der Verfasser einverstanden ist — auch in digitaler Form an die Klasse ausgegeben werden.

Martina Niekrawietz

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