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Textiles Gestalten

Kreativ und Nachhaltigkeit: aus Alt mach Neu

Statt immer neue, billige Kleidungsstücke zu konsumieren, entwickeln Schüler ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Und das auf durchaus kreative Weise, denn Kleider lassen sich auch originell upcyceln.

Textiles Gestalten: Kreativ und Nachhaltigkeit: aus Alt mach Neu Schnell gemacht, individuell gestaltet: Geldbörsen aus alten Jeans © Hanna Fischer

Spätestens seit dem Einsturz der Kleiderfabrik in Bangladesch im Jahre 2013 mit über 1000 Toten und über 2000 Verletzten machen sich Verbraucher etwas mehr Gedanken darüber, wo und unter welchen Arbeitsbedingungen eigentlich ihre Kleidungsstücke hergestellt werden. Trotz alledem verleiten Billigangebote zum „Konsumrausch“ und immer mehr Kleidungsstücke werden in immer kürzeren Zeitabschnitten getragen und danach entsorgt.
Der Kreislauf...

  • von viel zu niedrigen Rohstoffpreisen für Baumwolle,
  • die unter Einsatz giftiger Chemikalien, die Mensch und Umwelt nachhaltig schädigen, erzeugt wird,
  • zu einem harten Konkurrenzkampf der Erzeugerländer,
  • bei denen die sowieso bereits benachteiligten Rohstofflieferanten beispielsweise aus afrikanischen Ländern das Nachsehen haben,
  • über massenhafte Textilproduktion in den sogenannten Billiglohnländern, in denen die Beschäftigten zu haarsträubenden Arbeitsbedingungen noch nicht einmal das Geld für ihren Lebensunterhalt erhalten,
  • zu Absatzmärkten beispielsweise in Europa, wo diese Kleidung zu Spottpreisen angeboten wird,
  • in denen die Verbraucher nach dem Motto „kostet ja nichts“ tüchtig zugreifen
  • und diese Kleidung innerhalb kurzer Zeit wieder entsorgen,
  • im Glauben, sie täten ein gutes Werk, wenn sie es in den nächsten Altkleidercontainer werfen,
  • wo diese dann als kostenloser Rohstoff für Verwertungsfirmen vermarktet und wiederum massenhaft in afrikanische Länder exportiert wird
  • und Abnehmer auf Altkleidermärkten findet,
  • was zerstörende Auswirkungen auf die dortige einheimische Textilindustrie hat,

funktioniert immer auf Kosten von Menschen, die unter prekären Bedingungen leben.

Alles ist so weit weg. Wir sehen es ja nicht. Gerade deshalb muss dieses Thema mit den Schülern erarbeitet werden. Diese zeigen sich meist sehr offen dafür und sind bereit, ihr eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.

Anschauungsmaterial zum Thema Nachhaltigkeit

Wie aber bringt man nun Schüler ganz praktisch dazu, Konsumgewohnheiten infrage zu stellen und womöglich zu ändern?

Zunächst sollten sie über die Zusammenhänge und Folgen der Billigproduktion von Textilien informierte werden und sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen. Dies kann sehr anschaulich am Beispiel einer Jeans geschehen. Die sogenannte textile Kette zeigt die einzelnen Schritte des Produktionsablaufs auf der Reise der Jeans um die Welt bis zum Verbraucher.

Das Angebot an Unterrichtsmaterialien ist groß. Von verschiedenen Organisationen, die sich für „saubere Kleidung“ engagieren, können Filme, Kisten mit Anschauungsmaterial, Bücher entliehen und Broschüren bestellt werden.

Einen ersten Anstoß zu einem Nachhaltigkeitsprojekt können auch Filme geben oder ein Vertreter von den Organisationen, die sich für fair produzierte Kleidung einsetzen, beispielsweise Südwind e.V., die Detox-Kampagne von Greenpeace, die Kampagne für saubere Kleidung oder die christliche Initiative Romero e.V., wird in die Schule eingeladen, um aus eigenem Erleben zu berichten. An vielen Orten gibt es auch regionale Gruppen der Kampagne für saubere Kleidung, die meist sehr engagiert sind und gern  Lehrkräfte bei ihrer Arbeit zu diesem Thema unterstützen.

Nachdem die Schüler sich mit dem Herstellungsprozess einer Jeans vom Rohstoff Baumwolle bis zum Verkauf sowie mit der Problematik der Altkleiderentsorgung beschäftigt haben, können sie zum kreativen Umgang mit einer ausgedienten Jeans angeregt werden. Es macht einfach Spaß, sie zu zerschneiden und etwas Neues daraus herzustellen.

Ideen fürs Upcycling sammeln

Interesse zu wecken und Schüler für die Problematik zu sensibilisieren ist nur der erste Schritt  auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bei der eigenen Kleidung. Letztendlich kommt es darauf an, Taten folgen zu lassen. Hier können Alternativen aufgezeigt und Projekte in der Praxis umgesetzt werden. (Passende Unterrichtsideen: Fischer, Hanna / Bollenhagen, Britta: Kreative Projekte zum Textilen Gestalten. 7. bis 10. Klasse. Hamburg 1.Aufl. 2011, mit CD)

Modebewusste Schüler kommen selbst darauf, dass Kleidungsstücke länger getragen werden sollten. Auch gibt es Alternativen zur Billigkleidung wie Textilien mit dem GOTS-Siegel. Wenn nun aber meine Jeans, die ich nicht mehr tragen möchte, nicht im Altkleidercontainer landen soll, was kann ich dann damit tun?

Hier sind Ideen und nachhaltiges Handeln gefragt. Ob die Schüler einen Kleidermarkt veranstalten, der in bestimmten Abständen in der Schule oder im Bürgerhaus stattfindet, eine Tauschbörse ins Leben rufen oder versuchen, ihr Kleidungsstück auf dem Sekondhand-Markt meistbietend zu verkaufen oder ob sie es einfach umgestalten — alles, was zu nachhaltigem Handeln führt, ist möglich.

Upcycling: Aus Alt mach Neu

Kreativ können die Schüler auch selbst die alten Kleidungsstücke umgestalten oder zu neuen Produkten verarbeiten. Zu diesem Thema richteten wir einen Wahlpflichtkurs in der Schule ein.

Nachdem die Schüler sich mit der Nähmaschine vertraut gemacht hatten und erste Erfolgserlebnisse die Arbeit beflügelte, kamen spontane Ideen: wie zum Beispiel
eine Handytasche, eine Sporttasche, eine Geldbörse für das Kleingeld, ein besonders individueller Schlüsselanhänger, ein Kochhandschuh, ein Kissen mit dem Namenszug einer besonderen Freundin usw.

Für die Handytasche wurde zunächst ein Prototyp erstellt. Die Schüler beschrieben die Arbeitsschritte und richteten verschiedene Arbeitsplätze für die Stationen ein: vom Sortieren der Altkleidung über Schnittmustererstellung, Zuschnitt aus einem Hosenbein, Stoff bügeln und Stecken, verschiedene Nähte nähen, Verschluss annähen bis zum Finish und Verkauf.

Die Produktion der Handytaschen machte Lust auf mehr. Und so gelangten wir — auch durch Recherche im Internet — zu einer wahren Fundgrube an Möglichkeiten.

Upcycling heißt das Zauberwort! Gibt man diesen Suchbegriff im Zusammenhang mit Kleidung ein, folgt eine Fülle von Anregungen im Internet. Ein ganzer Markt zu „aus Alt mach Neu“ ist entstanden und unglaublich viele Anregungen, Textilien wiederzuverwenden, werden ausgetauscht. Nachhaltigkeit ist also inzwischen „in“.

Hanna Fischer

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