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Lutherjahr

Luther öffnet die Tür in eine neue Zeit

Martin Luther macht Schule — und das kann ausgesprochen spannend sein. Wenn die Schüler die Reformation vor 500 Jahren durch vielfältige Lernangebote nachvollziehen können, verstehen sie das Lutherjahr und den evangelischen Glauben heute besser.

Lutherjahr: Luther öffnet die Tür in eine neue Zeit Lutherfigur im Eingangsbereich eines Gebäudes © Ruth Hildebrand-Mallitsch

Eine Unterrichtsreihe über Martin Luther bietet sich im Lutherjahr geradezu an und sollte genauso spannend sein wie die Person Luther selbst. Also sollten Lernaufgaben so gewählt werden, dass Schüler Luthers Gedanken und Gefühle verstehen lernen. Sie sollen seinen inneren Konflikt und seinen Protest gegen die damalige Kirche nachvollziehen, seinen unglaublichen Mut begreifen und so auch erklären können, was Reformation bewirkt hat und was es heißt, evangelisch zu sein: also die bedingungslose Annahme des Menschen durch Gott als evangelische Glaubensgrundlage. 

Wie bei jeder Unterrichtsreihe sollte zunächst einmal die Lernausgangslage erhoben werden, um die Unterrichtseinheit an die Vorerfahrungen und den Wissensstand der Schüler anzupassen und zum kumulativen Aufbau religiöser Kompetenzen. 

Die Besprechung des Ablasshandels der katholischen Kirche, die das damalige Gottesbild verdeutlicht, kann gut mit einem Filmausschnitt aus dem Spielfilm „Luther“ (2003) eingeleitet werden.

Rollenspiel zum Ablasshandel

In einem anschließenden Rollenspiel mit passenden Rollenkarten: Luther, Papst, Leute aus dem Volk, Bettler, Ablasshändler etc. versetzen sich Schüler in unterschiedliche Perspektiven und präsentieren ihre Rollen in folgendem Geschehen: Luther und der Papst stehen im Hintergrund und  vertreten zunächst ihre Meinung. Auf dem Marktplatz versammelt sich eine Menschenmenge, denn ein Ablasshändler ist in der Stadt. Wer heute bei dem Ablasshändler einen Ablassbrief kauft, wird die eigene Seele oder die Seele eines geliebten Menschen aus dem Fegefeuer befreien.

So können Schüler die im Film beschriebenen Gottesvorstellungen, die Hoffnungen und Ängste der Menschen im Mittelalter sowie die unterschiedlichen Sichtweisen von Luther und Papst Leo nachvollziehen.

Damit Schüler Luthers Beziehung zu Gott in der damaligen Zeit und seinen inneren Konflikt verstehen, bauen sie in einer Folgestunde eine Mauer auf, die symbolisch die Trennung Luthers von Gott zeigt. Schüler beschriften dann die Steine mit den Gedanken und Gefühlen Luthers.

Die Informationen dazu könnten sie zum Beispiel einem Luther-Memo-Spiel entnehmen, das mit Bildern und Texten über Luthers Glaubenskämpfe informiert.

Luthers neu Erkenntnisse 

Anschließend  erarbeiten sie in einem Gruppenpuzzle anhand von Bibelstellen Luthers neue Erkenntnisse.

Zum Beispiel arbeiten die Schüler in drei Gruppen zu: 

  • Luther las in der Bibel: Johannes 3, 16—17
  • Luther las in der Bibel: Römer 3, 28 
  • Luther las in der Bibel: Römer 1, 16—17

Die  Bibelstellen sind auf dem zweispaltigen Arbeitsblatt kurz zusammengefasst und in der ersten Spalte vorgegeben. Die Schüler erarbeiten die zweite Spalte mit der Überschrift: Martin Luther entdeckte und erkannte. Das könnten die Arbeitsergebnisse sein:

  • Johannes 3, 16—17: Gott liebt die Menschen. / Gott ist gnädig. / Wer glaubt, ist nicht verloren, sondern wird ewig leben. / kein Fegefeuer / Durch Gottes Sohn soll die Menschheit gerettet werden.
  • Römer 3, 28: Allein der Glaube hilft den Menschen, von Gott geliebt zu werden. /  Durch Anstrengungen und Leistungen kann man vor Gott nicht gerechter werden. Gott nimmt die Menschen an, wie sie sind.
  • Römer 1, 16—17: Alle Menschen, die an das Neue Testament glauben und es für sich annehmen, bekommen Kraft für ihr Leben. / Wer an Gott glaubt, dem ist er gerecht. /  Allein die Bibel zeigt den Menschen den Weg zur Gerechtigkeit Gottes. 

Die Entdeckungen werden dann zu einem Plakat zusammengefügt und noch einmal besprochen.

Altes und neues Gottesbild entdecken

Ein Tafelbild im Anschluss könnte so aussehen:

Luthers altes und neues Gottesbild: 

  • Gott ist zornig. — Gott ist ein Gott der Liebe. Er hat ein freundliches Herz.
  • Gott bestraft die Menschen für … Gott verdammt alle Sünder, in der Hölle zu brennen. — Jesus hat alle Sünden der Menschen auf sich genommen und ist für uns gestorben.
  • Der Mensch besänftigt Gott mit Nächstenliebe, Beten, guten Werken und Ablassbriefen. — Der Mensch ist Gott dankbar. Er muss Gott nicht besänftigen. Der Mensch muss nur an Gott und Jesus glauben und sich an seine Gebote halten.         

In einer  Besprechung des Tafelbildes im Plenum sollten Schüler herausarbeiten, dass Luther durch sein intensives Bibelstudium eine völlig neue Auffassung von Gott erlangte, die auch unsere Gottesvorstellung  geprägt hat. Nach dieser Erkenntnis, dass es nun keine trennende Mauer zwischen Luther und Gott mehr gibt, notieren die Schüler die Gründe dafür auf Notizblättern, die auf vier oder fünf  Bälle geklebt werden. Im Anschluss daran kann die aufgebaute Mauer mit diesen Bällen eingeworfen werden.

In einer Folgestunde könnten Schüler sich (als Kompetenzsicherungsaufgabe) in Luthers neue Gedanken noch einmal vertiefen, einen Auszug aus den 95 Thesen lesen (diese didaktisch reduzieren und in verständliche Sprache umformulieren) und einen Aufruf an die Bevölkerung schreiben, dass Ablassbriefe überflüssig sind und warum. Diese Aushänge könnten dann im Klassenraum aufgehängt  und vom Lehrer bewertet werden.

Ein Transfer auf die Gottesvorstellungen der Schüler sollte die Unterrichtsreihe abrunden. Wer an einen gnädigen und liebenden Gott glaubt, kann möglicherweise hoffnungsvoller und zufriedener leben als die Menschen im Mittelalter.

Die Schüler erkennen also,

  • dass sie keine Angst haben müssen vor einem strafenden Gott.
  • dass Gott sie bedingungslos liebt.
  • dass wir uns die Liebe Gottes nicht erkaufen können, sondern dass sie ein Geschenk an uns ist.
  • dass Gott uns unsere Fehler vergibt, wenn wir sie bereuen und wir nicht im Fegefeuer schmoren müssen.

Ruth Hildebrand-Mallitsch

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