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Mädchenförderung

Mädchen fürs Werken begeistern

Es ist wichtig, Mädchen für den Werkunterricht zu begeistern. Neben handwerklichen und technischen Fertigkeiten ermöglicht das Fach einen Zugang zu neuen Berufsgruppen, die Schülerinnen häufig nicht im Blick haben.

Mädchenförderung: Mädchen fürs Werken begeistern Mädchen haben Spaß am Werkunterricht. Die Schule muss sie nur entsprechend dafür begeistern © JackF - stock.adobe.com

Säge- und Schleifgeräusche dringen durch den Werkraum einer oberfränkischen Realschule. Die Achtklässlerinnen des Profilfaches Werken arbeiten an einem Stövchen – einem Werkstück aus den Materialien Holz und Metall. Konzentriert betrachten sie den Sägeschnitt und anschließend die Außenkante, die es zu glätten gilt. Ein erleichtertes Ausatmen, als alles geklappt hat, die Kraftanstrengung und Konzentration lassen kurz nach.

Die Schülerinnen dieser Klasse haben sich für Werkunterricht entschieden und lernen neben handwerklichen Fähigkeiten auch Wissenswertes zur Kulturgeschichte des jeweiligen Werkstoffs, Kenntnisse über die Materialien, der  Werkzeuge und Werktechniken, aber auch die fachgerechte Verarbeitung, die Beurteilung und Werkbetrachtung. Außerdem lernen sie Unfallgefahren und Schutzmaßnahmen kennen. Das alles nicht nur theoretisch, sondern immer auch praktisch anhand der Planung und Fertigung von Werkstücken. Die Werkstoffe Holz, Metall, Kunststoff, Papier, Pappe, Ton u. a. bieten dazu viele Möglichkeiten. 

Mädchen neugierig aufs Werken machen

Was hat die Mädchen dazu bewegt, dieses Fach zu wählen? Die Antworten sind vielfältig: von „Ich arbeite gerne mit den Händen“ über „In diesem Fach tut man etwas praktisch und sitzt nicht nur“ bis hin zu „Mein Opa war Schreiner“ oder „Ich möchte Zahntechnikerin werden“. 

Wie aber kann man Mädchen fürs Werken begeistern, die das noch nicht im Blick hatten? Sinnvoll und immer wieder erfolgreich sind Informationsveranstaltungen, die nicht nur Hintergründe und Wissenswertes zum Fach vermitteln, sondern auch Werkstücke zeigen und sichtbar machen, was man selbst erreichen oder mit den eigenen Händen herstellen kann. 

Wichtig hierbei ist, dass den Schülerinnen an solchen Veranstaltungen die Möglichkeit gegeben wird, Techniken selbst auszuprobieren und diese praktisch zu tun, also das Erleben über Seh- und Tastsinn. Ebenso werden in der Schule ausgestellte Werkstücke von früheren Jahrgängen immer wieder gern betrachtet. Die Mädchen, aber auch Eltern und Mitschüler sind gespannt, was in wenigen Wochen Neues zu sehen sein wird. Etliche Betrachter/-Innen würden gern selbst solche Dinge wie gebundene Bücher, Schlüsselanhänger aus Metall, Nussknacker oder Tischtennisschläger aus Holz, Handyladestationen aus Plexiglas, Getöpfertes u. a. fertigen. Solche Aussagen und Gespräche konnten meine Werkschüler/-innen und ich schon öfters im Schulhaus aufschnappen.

Werken – ein durchaus anspruchsvolles Fach

Viele Leute sind der Meinung, dass Werken ein toller Zeitvertreib sei. Damit haben sie sicherlich Recht. Sie denken allerdings auch oft, es sei ein einfaches Fach, in dem man ohne großen Aufwand gute Noten bekommen könne. Dem muss eindeutig widersprochen werden. Nach 20 Jahren Berufserfahrung als Werklehrkraft kann ich feststellen, dass gute Noten nicht geschenkt, sondern erreicht werden – durch Fleiß im theoretischen und praktischen Lernen.

Beim eingangs genannten Werkstück werden zuerst Maße aufs Holz und Kupferblech übertragen und angerissen. Anschließend wird mit dem jeweils richtigen Werkzeug fachgerecht eingespannt, gesägt, gefeilt, geschliffen, gebohrt, entgratet, gebogen, poliert und geleimt. Unterschiedlichste, vielfältige Fertigkeiten werden angewendet, geübt, verinnerlicht und wichtige Kompetenzen erworben.

Dass es einfach Spaß macht, etwas eigenständig herzustellen und zudem für Entspannung im theorielastigen Alltag sorgen kann, tut dem Fach keinen Abbruch. Allerdings werden dabei auch eine Vielzahl an Kompetenzen erworben wie Sach- und Allgemeinwissen, Werktechniken geübt, Auge-Hand-Koordination trainiert und damit Fingerfertigkeit erlernt. Darüber hinaus lernen die Schüler/-innen vorausschauendes und genaues Planen, das Vorbereiten der eigentlichen Arbeit, das sorgfältige Arbeiten selbst sowie die wichtige Fähigkeit, allein, zu zweit und im Team zu arbeiten. 

Praktisches Tun fördert die Intelligenz

Und noch einen Vorteil bringt der Werkunterricht: Durch das Agieren mit den Händen werden beide Gehirnhälften beansprucht und trainiert: Die rechte Hand wird von der linken, die linke Hand von der rechten gesteuert. Umgekehrt vermittelt die linke Hand der rechten Hemisphäre Informationen und die rechte Hand der linken. Sachverhalte werden somit durch praktisches Arbeiten schneller und nachhaltiger „be-griffen“. Die linke Gehirnhälfte ist überwiegend für Logik, Mathematik, Reihenfolgen und Sprache zuständig. Die rechte eher für Intuition, Emotionen, Rhythmus, Vorstellungen und Bilder sowie Musik. Werden also beide Hemisphären durch das Arbeiten mit den Händen miteinander in ihrer Arbeitsweise verknüpft, arbeitet das Gehirn insgesamt vielschichtiger. ( vgl. Rita Messmer: Mit […] Kindern [L]ernen lernen. S. 17. Weinheim und Basel 2005). Somit fördern praktische Fächer also auch die Intelligenz. 

Das Fach Werken zu belegen, bietet nicht nur viele Vorteile, sondern ebenso für die spätere Berufswahl Grundlagen und Kompetenzen. Fazit: Werken, ein Fach mit Niveau, das gerade auch Mädchen begeistern kann. Lassen wir uns also nicht ins Handwerk pfuschen!

Marylin Albert-Legniti

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