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MINT: Mehr Begeisterung bitte!

MINT kann für Schüler/-innen ausgesprochen spannend sein. Man muss sie nur begeistern. Wenn sie selbst entdecken, experimentieren und ihre Ergebnisse originell präsentieren dürfen, dann eröffnen sich ganz neue (Berufs-)Welten.

Ideen-Pool: MINT: Mehr Begeisterung bitte! Gemeinsam bei einem Bio-Experiment etwas entdecken, das macht Lust auf mehr © Milles Studio - stock.adobe.com

Bei der Rekrutierung von Nachwuchs für MINT-Berufe hat Nordrhein-Westfalen nicht nur in Deutschland, sondern auch Europa-weit die Nase vorn. „Zukunft durch Innovation“, kurz „zdi“, nennt sich eine Gemeinschaftsoffensive von 4500 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Schule, Politik und gesellschaftlichen Gruppen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen: Mit praktischen Angeboten möchten sie Kinder und Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gewinnen. Die Website des zdi vermittelt einen Eindruck von den vielfältigen Aktivitäten und gibt auch Lehrkräften außerhalb von Nordrhein-Westfalen gute Impulse für einen begeisternden MINT-Unterricht. 

Mit Science-Videos die MINT-Welt erklären

Wer anderen komplexe MINT-Phänomene vermitteln möchte, muss sie zunächst selbst durchdringen und dann so erläutern, dass auch das Gegenüber sie versteht. Die Teilnehmer/-innen des Science Video Awards des zdi gehen noch einen Schritt weiter: Sie verpacken die Botschaft in ein kreatives Science-Video. Wie das konkret aussehen kann, zeigen die Gewinner/-innen in den verschiedenen Kategorien des Wettbewerbs. 

In der Kategorie Raumfahrt und -forschung etwa schlüpfen die Schüler/-innen in die Rolle von Außerirdischen, die schwarze Löcher für einen Urlaubsort halten, bis ihnen eine Mitschülerin anschaulich mit einem selbstgebastelten Modell erklärt, was es damit auf sich hat und welche Gefahr von einem schwarzen Loch ausgeht („Spaghettisierung“): Die Raumzeit wird dabei mit einem gespannten Laken dargestellt, das durch „Masse“, die Erde in Form einer Metallkugel, gekrümmt wird. Es entsteht ein Trichter, dem auch der Mond nicht entkommen kann: Er kreist als kleine Murmel um die Erde.

Mit wenigen Requisiten aber anschaulichen Fotos, Filmausschnitten und Vergleichen arbeitet das Video „Coronavirus“. Leon, ein Schüler aus Siegen, erklärt in gerade einmal viereinhalb Minuten das Coronavirus. Herausragend fand die Jury dabei die Recherchearbeit und die kurzweilige Präsentation des aktuellen Themas, die „Wissenschaft für die Zuschauer greifbar“ macht.

Ideal für fächerverbindende Projekte

Auch mit Animationen werden schwierige Sachverhalte verstehbar, wie das Gewinnervideo in der Kategorie „Beste Gestaltung“ beweist. Das Filmteam veranschaulicht meisterhaft die Funktionsweise der Energiegewinnung durch Fusionskraft. – Ein ergiebiges Projekt für den fächerverbindenden Unterricht von IT (Nutzung von Animationssoftware), Chemie (Kernfusion) und Bildung für nachhaltige Entwicklung (Vor- und Nachteile verschiedener Verfahren zur Energiegewinnung).

Die Verbindung von Musik und MINT-Fächern ist bei dem „lustigsten Video“ des Wettbewerbs gelungen: Die YouTuberin „Hai mit der Schalmei“ erklärt einem Fan, warum verschiedene Instrumente zwar dieselben Töne spielen können, aber dabei doch einen ganz unterschiedlichen Klang haben. Auch dieses Thema bietet Potenzial für verschiedene Fächer: Das Drehbuch entsteht im Deutschunterricht, bei der Recherche zum Obertonspektrum ergänzen sich Musik- und Physikunterricht, und die filmischen Effekte und der Schnitt liefern Stoff für spannende IT-Stunden.

Experimentieren in Distanzunterrichtsphasen

Science-Videos können zudem in Homeschooling-Phasen eingesetzt werden, um Experimente zu Hause zu dokumentieren und mit den Mitschülern und Mitschülerinnen zu teilen. Auch dafür bietet der zdi-Science-Video-Award eine Plattform. In der neu ausgelobten Kategorie MINT@home präsentieren zwei Gymnasiastinnen aus Kerpen die „unendliche Geschichte“ vom Werden und Vergehen des Löwenzahns. Die Schülerinnen unterlegen ihre Erklärtexte mit offenbar selbst eingespielter Klaviermusik und nutzen Zeitraffer-Aufnahmen, um z. B. die Befruchtung durch Insekten oder die Verwandlung zur „Pusteblume“ darzustellen. Herausgekommen ist ein einfacher und doch beeindruckender Kurzfilm, der bestimmt auch Ihre Schüler/-innen zu eigenen Produktionen animiert.

Weiterführende Hinweise

„Mehr als 20 Links für MINTastisches zu Hause“ verspricht diese kommentierte Linkliste auf dem zdi-Portal.

Vielfältige Links und Materialien für den MINT-Unterricht in der Sekundarstufe liefert Ihnen das Portal „Lehrer werden“.

Unterrichts-Broschüren zur Berufsorientierung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik und Energie stehen im Materialcenter der Website „Komm, mach MINT“ zum Download. 

Welche Ansprechpartner/-innen in Ihrer Region für außerschulische MINT-Bildungsformate zuständig sind, sehen Sie hier.

Wie Sie aus Holzspateln eine Stick-Bomb bauen, zeigt ein Tutorial auf der Website des Wissenschaftsmagazins „Galileo“.

Fehlen nur noch Ideen für Experimente bzw. kleine Projekte, die die Jugendlichen zu Hause leicht umsetzen können. Hier ein paar Anregungen dazu:

In der Experimentesammlung von „Komm, mach MINT“ finden Lehrkräfte und Schüler/-innen zahlreiche Versuche mit (fast durchgängig) alltäglichen Materialien. Derzeit enthält die Datenbank um die 60 verschiedene Experimente vom „Tassen-Bungee“ übers „Flaschen-Trampolin“ bis zum selbstgemachten Quark aus Milch und Zitronensaft. Übrigens: Drei der Experimente gibt es auch mit Versuchsanleitungen auf Englisch und Arabisch, sodass womöglich auch Schüler/-innen mit geringen Deutschkenntnissen mitmachen können.

Spezielle Experimente und Rätsel für Teens finden sich auch auf der Website simplyscience.ch. Sie teilen sich in die fünf Kategorien „Feuer & Strom“, „Luft & Wasser“, „Farben & Licht“, „Körper & Gesundheit“ und „Kraft & Bewegung“ und viele von ihnen erklären, wie Dinge funktionieren, die wir sonst in unserem Alltag benutzen, ohne darüber nachzudenken, zum Beispiel ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz: Ist diese Maske „ein tauglicher Schutz oder etwa ein billiges Nachahmerprodukt?“ Das prüfen Ihre Schüler/-innen mit verschiedenen Experimenten und Tests eigenhändig nach. 

MINT DIGITAL: Experimente und Unterrichtsideen

Wer die Website MINT DIGITAL öffnet, sieht als Erstes eine übersichtliche Suchmaske. Eine differenzierte Suche nach Begriffen, Fächern (Biologie, Physik, Chemie und Mathematik) und Jahrgangsstufen (5–13) führt Sie direkt zu spannenden Experimenten und Unterrichtsideen. Ausgangspunkt ist immer eine „Forschungsfrage“, oft auch mit praktischem Anwendungsbezug: Ihre Schüler/-innen ergründen da z. B. „mit zwei externen Temperatursensoren und einer App“, wie man heißen Kaffee durch Zugabe kalter Milch am besten auf „Trinktemperatur“ bringt. Mithilfe von Fotoaufnahmen erforschen sie, in welcher Position ein Torwart eine möglichst große Fläche des Tors abdecken kann. Und mit einem GPS-Gerät „und ein bisschen Mathe“ bestimmen sie den Radius der Erde vom Schulhof aus. 

Gut möglich, dass Ihre Schüler/-innen beim Experimentieren auch entdecken, in welche Richtung sie später einmal beruflich gehen möchten. Wie Konstrukteure in der Autobranche oder Städteplaner befassen sie sich mit Rollreibung und Luftwiderstand bei Fahrzeugen. Wie Raumforscher messen sie Entfernungen zu Himmelskörpern wie Mond oder ISS. Und im Bereich Umweltschutz untersuchen sie ihre direkte Umgebung: Sie erstellen beispielsweise eine Lärmkarte von ihrem Umfeld, erforschen die Lichtverschmutzung in ihrem Klassenzimmer oder – aktueller denn je – die CO2-Konzentration im Klassenraum.

Viele der Unterrichtsideen fokussieren auf die Anwendung digitaler Tools und auf die Präsentation von Forschungsergebnissen mit digitalen Mitteln: Die Schüler/-innen lernen etwa, mit Stop-Motion-Videos dynamische Prozesse auf Teilchenebene darzustellen, Simpleshows im Biologieunterricht einzusetzen oder E-Books zu erstellen und zu überarbeiten. Damit geben Sie Ihren Schüler/-innen in Präsenzunterrichtsphasen das erforderliche Rüstzeug an die Hand, um in Homeschooling-Phasen eigenständige MINT-Experimente zu dokumentieren und professionell zu kommunizieren.

Martina Niekrawietz

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