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Interaktives Webangebot

Mission Friedenspädagogik vs. Krieg und Gewalt

Viele Jugendliche haben Angst vor einem Krieg in Deutschland. Wie sollten Pädagogen damit umgehen? Ein interaktives Webangebot der Berghof Foundation lädt die Schüler zum entdeckenden Lernen ein und unterstützt Lehrkräfte mit friedenspädagogisch fundierten Materialien.

Interaktives Webangebot: Mission Friedenspädagogik vs. Krieg und Gewalt Ein selbstgestaltestes Friedensplakat könnte eine Aufgabe im Rahmen der Friedenserziehung sein © apeschi - Fotolia.com

Wie „ticken“ Jugendliche und junge Erwachsene? Das untersuchen etwa alle vier Jahre Sozialwissenschaftler im Auftrag des Mineralölkonzerns Shell. Die 17. Ausgabe der Shell-Studie, erschienen im Jahr 2015, registrierte bei den Befragten 12- bis 25-Jährigen einen sorgenvollen Blick aufs Weltgeschehen (ebd.): So seien die gestiegene Terrorgefahr und der Konflikt in der Ukraine „im Bewusstsein der Jugendlichen präsent“. Und während sich 2010 nur 44 Prozent der Jugendlichen vor Krieg in Europa fürchteten, war die Zahl bis 2015 „sprunghaft auf 62 Prozent angestiegen“. Drei Viertel der Befragten hatten Angst vor Terror. 

Auch die aktuellen politischen Entwicklungen beunruhigen viele Jugendliche, wie ein Blick auf das friedenspädagogische Webportal frieden-fragen.de zeigt: Auslöser ist zum Beispiel ein Artikel über Michail Gorbatschows Einschätzung der aktuellen politischen Weltlage im Online-Magazin ze.tt mit dem Titel „Es sieht so aus, als bereite sich die Welt gerade auf Krieg vor“. Auch die NATO-Manöver an der Grenze zu Russland bereiten einer Schülerin Sorgen und eine andere möchte wissen, „ob durch Trump ein dritter Weltkrieg beginnt“. — Lauter schwierige Fragen, die gar nicht leicht zu beantworten sind — vor allem dann nicht, wenn man die Sorgen der Jugendlichen teilt.

Friedenspädagogen geben Lehrern Anregungen und Unterrichtsmaterialien an die Hand, um das vielschichtige und oft angstbesetzte Thema „Krieg“ im Unterricht verschiedener Fächer altersgerecht aufzugreifen. 

Als Lehrer klar Position beziehen

Wie stehe ich zum Einsatz militärischer Gewalt und zur Bundeswehr? Wie kommentiere und bewältige ich Kriegsbilder und -nachrichten in den Medien? Wie setze ich mich persönlich für Frieden und Gewaltlosigkeit ein? (Vorbildfunktion!) Wie würde ich mich in Dilemma-Situationen verhalten? — „Wer in der Schule über Krieg reden will, muß [sic!] sich über seine eigene Position im Klaren werden“, betonten die Friedenspädagogen Günther Gugel und Uli Jäger in ihren Empfehlungen zum Umgang mit dem Thema „Krieg“ in Schule und Unterricht (vgl. dazu den Abschnitt „Anstösse [sic!] zum Nachdenken“).

Im Unterricht über Krieg sprechen heißt auch, Rechtfertigungen für Gewalt und Gewaltandrohungen zu hinterfragen und gemeinsam „Möglichkeiten für eine eigene, kritische Urteilsbildung“ zu suchen, so Gugel und Jäger. Auch Dilemma-Situationen, in denen man, egal wie man sich entscheidet, schuldig wird, sollten nicht ausgeklammert werden. Den Fragen der Schüler sollte man „nicht ausweichen und Ängste ernst nehmen, Stellung beziehen und Möglichkeiten anbieten, das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten“ (ebd.). Ein zentrales Ziel dabei ist es, die Schüler für Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen zu sensibilisieren: „Pädagogik darf sich (...) nicht scheuen, deutlich und klar ‚Nein‘ zu jeder Art von Gewalt und vor allem auch zur Kriegsgewalt zu sagen“, resümieren die Friedenspädagogen.

Natürlich darf es im Unterricht nicht bei einem bloßen „Nein“ zu Krieg und Gewalt bleiben. Vielmehr sollten den Schülern im Unterricht immer auch praktische Möglichkeiten und Konzepte zur gewaltfreien Bewältigung von Konflikten und zur Friedenssicherung vermittelt werden. 

Von Streit, Gewalt, Krieg und Frieden

Das Informations- und Interaktionsportal frieden-fragen.de, ein Webangebot der renommierten Friedensforscher der Berghof Foundation,  geht von der Lebenswelt der Schüler aus und setzt dabei auf aktives und entdeckendes Lernen. Insgesamt 11 Themengebiete laden 10- bis 14-Jährige Kinder und Jugendliche zu einer multimedialen Entdeckungstour auf eigene Faust ein (Hauptmenüpunkt „Entdecken“): 1. Frieden, 2. Krieg, 3. Streit, 4. Gewalt, 5. Aktuelle Kriege, 6. Leben in Vielfalt, 8. Auf der Flucht, 9. Kindersoldaten, 10. Nationalsozialismus, 11. Atomwaffen.

Zu jedem dieser Themengebiete gibt es eine eigene Seite mit einem interaktiven „Wissensquiz“, bei dem es keine falschen Antworten gibt, dafür aber am Ende eine Urkunde. Unter „Hören und Sehen“ finden die Schüler Interviews mit Friedensexperten, Hörgeschichten, kurze Erklärfilme („Was heißt Krieg?“ oder „Warum gibt es Krieg in Syrien?“), und dann folgt das, worum sich alles auf der Seite dreht: die tatsächlich gestellten Fragen der Kinder und Jugendlichen. 

Jugendgerechte Antworten auf schwierige Fragen

Sie sind besonders interessant für Lehrkräfte, die im Unterricht ebenfalls mit Fragen zu Atomwaffen, Nationalsozialismus, Krieg etc. konfrontiert werden. Die Friedenspädagogen von frieden-fragen.de erläutern selbst komplexe politische Zusammenhänge in einfacher Sprache. Und immer, ohne die jungen Fragesteller unnötig zu beunruhigen. 

Ein Beispiel: Frage (buchstäblich zitiert): „Was passiert gerade mit Nordkorea? In den Nachrichten klingt alles so beängstigent, dass der nordkoreaner seine atommacht ausbaut und das dieses zum krieg führen kann.“

Antwort: „Wir bekommen gerade sehr viele Fragen von Kindern und Jugendlichen, die Angst vor einem Krieg zwischen den USA und Nordkorea haben. Du bist also mit Deinen Sorgen und Ängsten nicht alleine! Trotzdem möchten wir Dich beruhigen. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit einen Krieg zwischen diesen beiden Ländern gibt. Das ist für beide zu gefährlich. Die Drohungen Nordkoreas und der USA sollen vor allem Stärke, Macht und Selbstsicherheit zeigen. (...)“

Da die Fragen der Kids immer möglichst zeitnah beantwortet werden, finden Lehrer hier auch „politisch korrekte“ Antworten zu aktuell aufkeimenden Konflikten. 

Schüler setzen sich für Frieden ein 

„Können wir auch etwas für den Frieden tun?“ — Das ist eine der häufigsten Fragen im Themenbereich „Frieden“. Die Antworten verweisen auf die Möglichkeiten, im direkten Umfeld etwas zu verändern: „(...) jeder Mensch kann bei sich selbst anfangen. Man trägt zum Frieden bei, wenn man anderen gegenüber tolerant ist, ihnen zuhört und sie respektiert. (...) Oder wenn man sich für andere Menschen einsetzt, die wegen ihrem Aussehen oder ihre Sprache ausgeschlossen werden, ist das ein Beitrag zu mehr Frieden.“

Immer bekommen die Jugendlichen sehr konkrete Vorschläge, die sich direkt anwenden lassen. So gibt es zum Beispiel bei der Frage „Wie kann man mit einem Streit umgehen?“ eine 7-Punkte-Step-by-Step-Checkliste mit sehr konkreten Tipps (Perspektivwechsel, neutrale Umgebung suchen, dritte Partei einschalten, wenn etwas im Streit kaputt gegangen ist, reparieren oder einen Brief schreiben, wenn jemand „gemein“ behandelt worden ist etc.).

Oft finden sich auch Ideen für Klassenaktivitäten, mit denen sich zum Beispiel ein Projekttag gestalten lässt oder eine Unterrichtseinheit zum Thema „Krieg und Frieden“: zum Beispiel das Videoprojekt „Keine Gewalt in der Klasse“, bei dem die Schüler „Drehbücher zu Alltagssituationen, in denen es zu Gewalt kommen kann“ verfilmen. Vom Ende des Filmes gibt es immer zwei Versionen: einmal eskaliert die Situation und einmal wird sie friedlich gelöst.

Materialien für den Unterricht

Unter dem Hauptmenüpunkt „Erwachsene“ finden Lehrkräfte Unterrichts- und Begleitmaterial. Zu manchen Themenbereichen gibt es umfangreiche Konzepte für mehrstündige Unterrichtseinheiten der Berghof Foundation, z. B. die zwölf Module zum Thema Krieg und Flucht für den Unterricht in der Sekundarstufe. Für viele Themengebieten liegen auch die Orientierungstexte vor, die die wichtigsten Fragen und Aspekte in einfacher Sprache zusammenfassen (vgl. dazu z. B. die Themenbereiche „Krieg“ und „Frieden“).  

Für Diskussionen oder Rollenspiele eignen sich die verschiedenen „Szenarien“, die allesamt aus der Erfahrungswelt der Schüler stammen: Da geht zum Beispiel ein Handy-Video um, das zeigt, wie Luca aus der Parallelklasse verprügelt wird", oder „Chalid aus Syrien kommt in meine Klasse“. Hier spielen die Schüler verschiedene Handlungsoptionen durch („Wie reagiere ich?“) und reflektieren, wie es ihnen selbst dabei ginge bzw. wie es Luca oder Chalid dabei geht. — Auf diese Weise lernen sie, adäquat in sensiblen Situationen zu reagieren und die Lösung zu erkennen, die sowohl für sie selbst als auch für ihr Gegenüber „gut“ ist. 

Die Website frieden-fragen.de richtet sich eigentlich an 10- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche. Doch ein Blick auf die Altersangaben der Fragenden zeigt, dass auch ältere Jugendliche das Webangebot häufig nutzen. Und wer sich bei der Unterrichtsvorbereitung auf die Seite begibt, merkt ganz schnell, dass der friedenspädagogische Crashkurs selbst Erwachsene unweigerlich in seinen Bann zieht.

Martina Niekrawietz

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