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Bewerbung

Mit diesen Tipps verbessern Sie die Chancen behinderter Schüler

Der Bewerbungsunterricht für Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen oder mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellt Lehrer vor besondere Herausforderungen: Wie sollen die Schüler einem potenziellen Arbeitgeber ihre Behinderung kommunizieren? Experten geben in diesen Fragen eine klare Linie vor.

Bewerbung: Mit diesen Tipps verbessern Sie die Chancen behinderter Schüler Eine Behinderung sollte niemals zentrales Thema eines Bewerbungsgespräches sein ©Picture-Factory - Fotolia.com

„Doppeltes Handicap“ — so überschrieb Cordula Eubel ihren Artikel über die Arbeitsmarkt-Situation von Menschen mit Behinderung, der am 19.01.2014 im Berliner Tagesspiegel erschien. Die Autorin beschreibt darin, wie schwer es Körperbehinderte auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben, der noch weit davon entfernt ist, barrierefrei zu sein.

Die knapp 143 000 deutschen Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern müssten eigentlich fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Behinderten besetzen. Doch 37 000 Firmen beschäftigen keinen einzigen Schwerbehinderten. Die geringe Ausgleichsabgabe von 290 Euro pro Monat und Stelle wird dabei in Kauf genommen oder unterlaufen. Viele Branchen unterschreiten dabei die gesetzlich vorgeschriebene Einstellungsquote besonders stark: das Gastgewerbe (2,8 %), das Baugewerbe und die Landwirtschaft (jeweils 3 %), Werbung und Marktforschung (1,8 %) sowie Filmproduktion und Zeitarbeit (jeweils 1,6 %).

Grund dafür seien Vorurteile und Ängste, vermutet Heinrich Alt von der Bundesagentur für Arbeit. Zudem fänden es viele Arbeitgeber „umständlich, sich um den Papierkram und das Organisatorische zu kümmern“, so zitiert Cordula Eubel den Grünen-Sozialexperten Markus Kurth. Die Kommentatoren des Beitrags sprechen zwei weitere Hindernisse an: den besonderen Kündigungsschutz von Behinderten und befürchtete krankheitsbedingte Fehlzeiten.

Bei Bewerbung Behinderung ansprechen?

Sollte man die Behinderung bei der Bewerbung ansprechen? Das ist die Gretchenfrage angesichts der beschriebenen Vorbehalte seitens potenzieller Arbeitgeber. Generell jedoch werde die Einschätzung vertreten, dass es die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert, wenn man die Behinderung erwähnt, so heißt es in einem Beitrag auf der Website REHADAT-talentplus, einem praxisorientierten Informationsportal für Arbeitgeber und behinderte Menschen im Arbeitsleben. Eine sichtbare Behinderung sollte allerdings spätestens im persönlichen Gespräch offen angesprochen werden.

Rechtliche Seite

Dem Arbeitgeber ist es „nicht erlaubt nach der Behinderung zu fragen“, so die Auffassung des Autors von REHADAT-talentplus. Eine rechtliche Verpflichtung zum „Outing“ bestehe nur, wenn durch die Behinderung die Arbeit nicht pflichtgemäß ausgeübt werden kann. (ebd.) Rechtsanwalt Florian Tessmer ist in seinem juristischen Kommentar „Behinderung erwähnen“ zurückhaltender: Nur die „sogenannte tätigkeitsneutrale Frage, also eine Frage nach der Schwerbehinderung ohne den beschriebenen notwendigen Bezug zu der konkreten Tätigkeit“ stelle „eine unzulässige unmittelbare Diskriminierung dar“. Insgesamt gehe die „Tendenz (…) dahin, das Fragerecht des Arbeitgebers stark einzuschränken.“

Vorstellungsgespräch: Behinderung nicht Hauptthema

Wie sollte man die Behinderung ansprechen? Tanja Lachmayr rät in ihrem Tutorial „Erfolgreich bewerben mit Behinderung!“ auf der Website myhandicap.de, die Behinderung nicht in den Mittelpunkt des Bewerbungsanschreibens oder Vorstellungsgespräches zu stellen: „Den Arbeitgeber interessiert schließlich als erstes, ob Sie die geforderten Qualifikationen haben, um den Job erledigen zu können. Das Wichtigste sind also Ihre Fähigkeiten“, betont die Karriere- und Bewerbungsberaterin. Wer die Behinderung im Anschreiben erwähnt, sollte gegebenenfalls auch gleich „eventuelle Einschränkungen“ mit angeben und auch, wie diese z. B. technisch ausgeglichen werden könnten, so Lachmayr.

Beim Vorstellungstermin sollte man das Thema Behinderung nicht gleich zu Beginn und auch nicht erst am Schluss ansprechen, sondern im Laufe des Gesprächs erwähnen. „Am besten (…) in einer ruhigen Phase“, konkretisiert Michael Graus, Koordinator für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung beim bfz Augsburg. (Vgl. dazu: „Anleitung zur falschen [sic!] Bewerbungsstrategie“)

Vorteile wegen Handicap

Eine Behinderung zu verschweigen will gut überlegt sein. Michael Graus rät ganz davon ab: Selbst wenn sie für den aktuellen Job irrelevant ist, so gilt doch: „Man weiß nicht, womit man es zu tun bekommt. Ein Jobprofil verändert sich im Laufe der Jahre. Es kann zu Versetzungen kommen.“ Womöglich fühle man sich dann zu einer kleinen Notlüge gezwungen, der weitere folgten usw. — Keine guten Voraussetzungen für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. (ebd.)

Auf der anderen Seite bringt es womöglich Vorteile, eine Behinderung zu erwähnen: Mehr Urlaub, ein besonderer Kündigungsschutz oder Fördergelder, die der Chef in Anspruch nehmen kann. Und im öffentlichen Dienst müssen Bewerber mit Behinderung zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, wenn sie die entsprechende fachliche Qualifikation vorweisen können.

Martina Niekrawietz


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