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Politische Bildung

Nach den Attentaten in Paris: Terror und IS im Unterricht

Die Attentate von Paris verunsichern und ängstigen Kinder und Jugendliche. Viele suchen das Gespräch mit ihren Lehrern. Lehrerverbände raten dazu, die politisch brisanten Themen im Unterricht zu behandeln.

Politische Bildung: Nach den Attentaten in Paris: Terror und IS im Unterricht Martialische Bilder von IS-Kämpfern sind immer wieder in den Medien zu sehen. Darüber sollte in der Schule gesprochen werden © alexo kelvinis - Fotolia.com

Viele Schüler haben am 13.11.2015 das Freundschaftsspiel der französischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft im Fernsehen verfolgt. Sie haben live miterlebt, dass der Terror mitten in Europa angekommen ist: zwei Detonationen, Zuschauer und Kommentatoren, die um ihr Leben fürchten. Und nach dem Spiel die schrecklichen Bilder und Nachrichten – das alles erschüttert das Sicherheitsgefühl von Kindern und Jugendlichen zutiefst: „Schüler plagen Ängste vor Terror und Krieg“ — so übertitelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am 17.11.2015 einen Beitrag über die Situation an Schulen nach den Attentaten von Paris. Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Nordrhein-Westfalen, ermutigt Lehrkräfte dazu, jetzt „politisch brisante Themen“ im Unterricht zu behandeln und in den weiterführenden Schulen zu erklären, „wie es zu solch extrem gewalttätigen Verhaltensweisen kommt“ (ebd.).

Aktuelle Hintergrundinformationen, Filme und Arbeitsmaterialien im Internet und im Lehrerbüro unterstützen Lehrer dabei, zentrale Aspekte des Themas „Terror und der sogenannte ‚Islamische Staat‘“ im Politikunterricht, in Fächern wie Religion und Deutsch, oder auch im Rahmen eines freien Unterrichtsgesprächs aufzugreifen.

Aktuelle Informationen über den islamistischen Terror

Islamismus ist nicht gleich Terrorismus. Ein etwa achtminütiger Animationsclip auf der Website e-politik.de klärt den facettenreichen Begriff „Islamismus“ anhand eines vielfältigen Spektrums von islamistischen Ideen und Gruppierungen, die eines verbindet: „Sie glauben, die heiligen Texte des Islam liefern konkrete Vorgaben, wie Politik, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft auch heute noch organisiert sein sollten.“ Grundlage dafür ist die Sharia, die islamische Rechtslehre, die auf eine Verbindung von Religion und Politik abzielt. Wie diese Verbindung konkret gestaltet sein und wie dieses Ziel erreicht werden soll, darin unterscheiden sich Islamisten unterschiedlicher Provenienz. Auch erläutert das Video die Gründe, warum sie in ihren Heimatländern so großen Zulauf haben: zum Beispiel wegen ihres sozialen Engagements oder wegen ihres Kampfs gegen diktatorische Regierungen, die Minderheiten unterdrücken. Weil das Video schon etwas älter ist, wird allerdings die Terrororganisation des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) nicht explizit genannt, dafür aber ein anderes, vergleichbar aufgestelltes islamistisches Terrornetzwerk: „Al-Qaida“.

Ein ausführliches Dossier zum Thema Islamismus findet sich auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung. Die stark differenzierten und anspruchsvollen Texte liefern Detailwissen zu den unterschiedlichen islamistischen Gruppen und Strömungen, besonders auch über den „Islamischen Staat“ im Irak und Syrien, seine interne Struktur und Strategie und seine Anwerbemethoden. Besonders interessant ist hier auch der aktuelle Überblick über deutsche Syrien-Ausreisende und -Rückkehrer und die Informationen zum Dschihadismus im Internet.

Auch die Landeszentralen für politische Bildung widmen sich dem Thema „Islamischer Staat — Islamistischer Terrorismus“. Besonders ergiebig für den Unterricht ist hier eine kommentierte Linkliste zu aktuellen Medienbeiträgen in Presse und Rundfunk, die verschiedene Facetten des Themas beleuchten und zum Beispiel als Aufhänger für eine Textarbeit in Deutsch mit anschließender Diskussion dienen könnten.

Aktuelle Bezüge zu den Attentaten in Paris stellt ein weiteres Dossier der Landeszentralen für politische Bildung her: Die Website Islamistische Terroranschläge in Europa verlinkt ebenfalls zu aktuellen Medienbeiträgen zu Themen, die auch die Schüler bewegen: Sicherheit in Europa, Länderspielabsage in Hannover, Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland und — ein guter Aufhänger für ein Unterrichtsgespräch über Ängste der Schüler — ein aktueller Beitrag im Deutschlandfunk über die psychischen Folgen der Anschläge.

Videos und Filme für den Unterricht

Über die neuesten Entwicklungen zur Bedrohung durch das Terrorregime IS informiert die ARD-Mediathek. Kurze filmische Beiträge aus verschiedenen ARD-Magazinen (Weltspiegel, Report Mainz, Kulturjournal, Fakt, Panorama, die Story im Ersten etc.) beleuchten interessante Aspekte für den Unterricht, zum Beispiel „Millionen durch Sklavenhandel — das perfide Geschäft der Terrorgruppe IS“ oder den „Terrorkrieg im Internet — Die mörderische Strategie des IS“.

Hilfreich bei der Immunisierung der Jugendlichen gegen die perfiden Anwerbestrategien der islamistischen Hassprediger ist ein Panorama-Beitrag „Ein Sommer im Dschihad“, in dem ein IS-Rückkehrer von seinen Erlebnissen als Kämpfer im Islamischen Staat erzählt und mit naiven Vorstellungen von Freiheit und Abenteuer gründlich aufräumt. Die Hintergründe der Entstehung des sogenannten Islamischen Staates (vormals ISIS) im Zusammenhang mit dem Irakkonflikt erklärt dieses kurze Video in nur drei Minuten und vierzehn Sekunden. Und in gerade einmal fünf Minuten gelingt es diesem Kurzfilm von explainity®, den komplizierten Syrienkonflikt in verständlicher und einfacher Sprache zu erklären.

Materialien und Unterrichtskonzepte

Da die Lehrpläne belastende Themen wie IS oder Terrorismus eher in der Sekundarstufe II ansiedeln, finden sich nur wenige Materialien für Schüler der Klassen 5 bis 10 im Netz. Anregungen für Diskussionen in höheren Klassen bieten die Materialien „Terror und Rechtsstaat“ der Bundeszentrale für politische Bildung, die nach den Terroranschlägen auf das World Trade Centre entstanden sind: Zum Einstieg in die Stunde überlegen die Schüler, was die Anschläge bei ihnen ausgelöst haben (S. 1). Sie diskutieren darüber, welche Strafe für Terroristen angemessen ist, wie politisch unkorrekte Witze zu beurteilen sind und welche Maßnahmen aus Angst vor Terror angemessen sind.

Für Schüler ab Klasse 10 eignet sich die Unterrichtssequenz „Terroranschläge des Islamischen Staates“. Die Schüler befassen sich hier speziell mit der Frage, warum gerade Frankreich in diesem Jahr bereits drei Mal Ziel von Anschlägen wurde.

Planet Schule widmet eine vierstündige Unterrichtseinheit dem Thema „Mein Freund ist Salafist“. Die Unterrichtsreihe orientiert sich an der Lebenswirklichkeit von Schülern ab Jahrgangsstufe 9 und behandelt u. a. die Aspekte Extremismus, Differenzierung zwischen Islam und Islamismus, Stärkung des Demokratieverständnisses und Wege aus der Radikalisierung.

Die Möglichkeiten schulischer Salafismus-Prävention zeigt auch der unten verlinkte Ratgeberartikel „Was Lehrer über Salafismus wissen sollten“ hier auf Lehrerbuero.de auf.

Es steht zu befürchten, dass wir in Europa künftig immer wieder mit dem IS-Terror konfrontiert werden. Deshalb reicht es nicht, das Thema für ein paar Stunden im Unterricht aufzugreifen. Es geht vielmehr darum, die Fragen der Schüler offen zu beantworten, ihr Demokratieverständnis zu festigen, Gefühle anzusprechen und den Schülern das nötige Rüstzeug mitzugeben, um ein freies und möglichst uneingeschränktes Leben ohne übertriebene Ängste zu führen.

Martina Niekrawietz

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