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Unterrichtsplanung und -gestaltung

Naturwissenschaften: der Kreativität eine Chance geben

Wenn Lehrer ihre kreative Ader entdecken und diese nutzen, um einen ganz anderen Unterricht in den Naturwissenschaften zu planen und durchzuführen, dann macht die Schul-Arbeit Lehrern wie Schülern Spaß — und öffnet neue Horizonte.

Unterrichtsplanung und -gestaltung: Naturwissenschaften: der Kreativität eine Chance geben Wie funktioniert ein U-Boot? — Kreative Unterrichtsideen bringen Schüler dazu, das selbst herauszufinden © Dr. N. Lange - Fotolia.com

Wie oft stellen Sie sich in Ihrem Beruf oder auch privat die Frage: „Warum?“ Was würde passieren, wenn Sie sich das nächste Mal fragen: „Warum eigentlich nicht?“ Warum kann man Naturwissenschaften eigentlich nicht kreativ unterrichten?

Unkonventionelle Ideen sind heutzutage in vielen Jobs und Alltagssituationen gefragt, denn Kreativität ist eine Grundvoraussetzung für Innovationen. Kreativ-Denker sind in Unternehmen mehr gefragt denn je. Unser Auftrag als Lehrer ist es, unsere Schüler auf dieses Leben vorzubereiten. Warum machen wir es ihnen eigentlich nicht einfach mal vor?

Kreativregel Nummer eins

Ihr Einwand könnte jetzt lauten: „Aber ich bin eben so unkreativ“ Und damit sind wir schon bei Regel Nummer eins auf dem Weg zum kreativen NaWi-Lehrer: Streichen Sie das Wort „aber“ aus ihrem Wortschatz!

Sind Sie einigermaßen intelligent und neugierig? Haben Sie Fantasie und kennen trotzdem auch die Realität? Können Sie stolz auf etwas sein und gleichzeitig auch bescheiden? Zeigen Sie manchmal Leidenschaft und manchmal auch Selbstkritik? Herzlichen Glückwunsch, dann haben Sie laut Kreativitätsforschung ( Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität — Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. Stuttgart[7] 2007, S. 646) schon einmal die wichtigsten Eigenschaften einer kreativen Person in sich vereint. Somit steht Ihrer kreativen Unterrichtsplanung nichts mehr im Weg.

Viele Menschen haben die Vorstellung von kreativen Menschen, dass man sie einfach nur Etwas fragen muss und sofort kommt eine kreative Antwort. Doch die meisten Kreativen haben für sich einfach nur passende Kreativitätstechniken entwickelt, die ihnen zu ihren Geistesblitzen verhelfen. Meist kommen diese nicht am Schreibtisch, eher beim Duschen, Spaziergehen, einer Tätigkeit bei der sie sich wohl fühlen oder naturwissenschaftlich gesprochen, Dopamin ausschütten . Dies fördert nämlich unsere Assoziationskraft (Brügger, Chris, Scherer, Jiri: Mensch, wie denke ich eigentlich? Blickpunkt: KMU 5/2009, S. 66–67).

Kreativregel Nummer zwei

Und damit folgt Regel Nummer zwei: Nehmen Sie Ihre Geistesblitze und Assoziation ernst und gönnen Sie sich die Zeit weiter darüber nachzudenken!
In unseren Fortbildungen zum Thema „Naturwissenschaften fachfremd und kreativ unterrichten“ versuchen wir aus den Teilnehmern Geistesblitze auf folgende Art herauszulocken. Probieren Sie es doch auch einmal:

  1. Zunächst möchte ich Sie gern auf die sogenannte Wohlfühlebene bringen. Schreiben Sie auf Klebezettel Dinge, die Sie super gern tun, z. B. schwimmen, stricken, kochen, Gärtnern, singen, Bäume fällen ...
  2. Überlegen Sie sich im zweiten Schritt ein oder mehrere naturwissenschaftliche Themen, die Sie schon immer bearbeiten wollten oder schon immer mal wissen wollten. Schreiben Sie auch diese auf einen anders farbigen Klebezettel. Im besten Fall stellen Sie eine Frage, z. B.: Warum ist der Himmel blau? Kann ein Weltraumfahrstuhl funktionieren? Warum weinen wir? ...
  3. Greifen Sie nun wahllos einen Klebezettel mit einer Frage und einen mit einer Ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Wenn Sie sich ertappen sollten, doch zu wählen, dann zerknüllen Sie Ihre Zettel und werfen Sie sie in ein Gefäß. Ziehen Sie anschließend ein Zettel von jeder Farbe.
  4. Jetzt dürfen Sie assoziieren. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Ihrer Lieblingsbeschäftigung und der gezogenen Frage? Geben Sie nicht auf, überlegen Sie so lange, bis Sie einen Zusammenhang gefunden haben. Gern können Sie auch Freunde, Kollegen, Familienmitglieder befragen, was diese meinen.

Kreativregel Nummer drei

An dieser Stelle möchte ich damit auch gern Kreativregel Nummer drei einführen: Kreativ ist man am besten gemeinsam. Bilden Sie ein Kreativteam. Und das müssen nicht zwingend die anderen NaWi-Lehrer sein. Die 12-jährige Tochter kann ebenso gut unterstützen wie der verrentete Nachbar. Je unterschiedlicher die Impulse, desto spannender wird das Projekt.

Und weiterere Schritte auf dem Weg zum Ziel:

  1. Bei welcher Assoziation können Sie nun am ehesten sagen: Warum eigentlich nicht? Spüren Sie dieser Assoziation weiter nach. Finden Sie noch mehr Zusammenhänge zu Ihrer Frage und schreiben Sie sich diese auf.
  2. Jetzt dürfen Sie auch gern einmal selektieren, aber bitte nicht zu viel. Welche dieser Ideen sind denn wirklich mit Ihren Mittel und Ihren Zeitressourcen umsetzbar? Und welche sind gut, aber im Moment nicht machbar, behalte ich aber für später im Hinterkopf?
  3. Machen Sie sich einmal an dieser Stelle Gedanken über Ihre Ist-Situation. Welche Klasse, wie viele Schüler, welches Fach müssen Sie unterrichten, wie lang soll die Einheit sein?
  4. Finden Sie bereits jetzt einen vorläufigen spannenden, reißerischen Titel für Ihr Projekt für Ihre Zielgruppe. Es macht einfach Spaß unter einer motivierenden Überschrift zu planen. Sie können den Titel ja später auch jederzeit wieder ändern.
  5. Finden Sie nun passende Experimente, Basteleien, Bewegungen, Lieder, Bücher – was auch immer zu Ihnen passt –, die zum Thema passen. Das Internet ist hierbei oft Ihr bester Freund. Sie müssen ja das Rad nicht neu erfinden, Sie wollen nur einen neuen Kontext schaffen.
  6. Die Feinplanung nehme ich Ihnen jetzt nicht ab. Ein Tipp nur noch, denken Sie an einen motivierenden Einstieg, gestalten Sie abwechslungsreiche, handlungsaktive Entdeckungsphasen und planen Sie einen interessanten, für Sie und die Schüler belohnenden Abschluss.

Kreativitätsregel Nummer vier

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch die Kreativitätsregel Nummer vier mit auf den Weg geben: Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Auch wenn Sie manchmal nicht perfekt sind und Aspekte unbeachtet lassen.

Ein Beispielprojekt: Tränen lügen nicht?
Eine unserer Fortbildungsteilnehmerinnen stellte sich die Frage: „Warum weinen wir eigentlich?“ Sie war eine begeisterte Geschichtenerzählerin und ging so ihrer Frage nach. Sie sammelte Geschichten zum Thema, wir testeten alle gemeinsam jegliches Hausmittel aus, das gegen das Tränen beim Zwiebelschneiden helfen soll und veranstalteten Wettbewerbe, wer die meisten Tränen weinen konnte. Natürlich wurde die Tränenflüssigkeit auch direkt weiter untersucht. So baute sich in ihrem Kopf langsam ein vollständiges Unterrichtskonzept auf. Neue Fragen kamen hinzu, „Wo kommen die Tränen her und was löst sie aus?“, und Mittel zur Beantwortung (ein tränender Nachbau des Auges) wurden gefunden. Je tiefer sie sich in die Materie hineindachte, desto mehr spannende Fragen tauchten auf. Am spannendsten erschien ihr dabei: „Können Tiere oder Pflanzen auch weinen?“. Somit stand ein Ausflug in den Wald mit einem Besuch beim Förster auf der Agenda. Und der belohnende Abschluss? Ein Tränentheater – von und mit den Schülern der Frau Z.

Cornelia Meyer

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