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Hauptschulabschluss

Online auf die Abschlussprüfung vorbereiten

Eine Online-Plattform bietet Hilfe für schwache Schüler, sich doch noch auf den Hauptschulabschluss vorbereiten zu können. Hier können Schüler eigenständig oder mit Unterstützung im Förderunterricht online für die Hauptfächer üben.

Hauptschulabschluss: Online auf die Abschlussprüfung vorbereiten Wer Defizite hat, kann online seine Wissenslücken auffüllen © xalanx - Fotolia.com

Für leistungsschwache Schüler, besonders diejenigen mit Förderbedarf im Bereich Sprache, ist der Hauptschulabschluss eine Riesenhürde. Viele fallen durchs Raster und reihen sich später ein unter die 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland: Im schlechtesten Fall (= „Analphabetismus im engeren Sinne“) können sie nur „einzelne Wörter (...) nicht jedoch ganze Sätze“ lesen bzw. schreiben. Und bestenfalls können sie „einzelne Sätze lesen oder schreiben (...)“, scheitern aber bereits an zusammenhängenden, kürzeren Texten (vgl. dazu die derzeit wichtigste Analphabetismus-Studie der Universität Hamburg, 2011, S. 4).

Für den beruflichen Werdegang der betroffenen Schüler hat das fatale Folgen, denn ohne Schulabschluss gibt es keine Ausbildungsplätze in qualifizierten Berufen.

Oft fehlt im hektischen Unterrichtsalltag die Zeit, jeden dieser Schüler so zu fördern, dass die sprachlichen Lücken geschlossen und gleichzeitig der Hauptschulabschluss erreicht werden kann. Doch mithilfe der Website ich-will-lernen.de können die betreffenden Schüler eigenständig üben. Hinter der URL verbirgt sich das größte deutsche Lernportal, das der Deutsche Volkshochschulverband e. V. mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelt hat. Neben der Alphabetisierung und Grundbildung zielt das Blended-Learning-Angebot auch auf die Vorbereitung des Hauptschulabschlusses in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Der folgende Beitrag zeigt, welche Möglichkeiten sich dabei für den Unterricht in der Sekundarstufe I bieten.

Umfangreiche Aufgaben-Pools für Mathematik, Englisch und Deutsch

Die Lerninhalte in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch orientieren sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Einen Überblick über die Themen der verschiedenen Lernstufen geben die „Portal-Curricula“, auf der Downloadseite für Lehrende. Wie ein Blick auf das Deutsch-Curriculum zeigt, zielen viele der Lerninhalte auf praktische Fähigkeiten, die die Schüler im Alltag oder im Berufsleben brauchen: „Einen Personalbogen ausfüllen“, „Preise vergleichen“, „Bestandteile eines Arbeitsvertrags“, „Einen Fachbericht schreiben“, etc. Eine Vielzahl von Übungseinheiten widmet sich der deutschen Rechtschreibung und Grammatik, zudem erweitern die Übenden ihre Lese- und Schreibfähigkeiten.

Das Englisch-Curriculum setzt seinen Schwerpunkt auf englische Grammatik. Das Mathematik-Curriculum bietet Übungseinheiten aus Geometrie und Algebra, die in den höheren Lerneinheiten ebenfalls mit Aufgaben aus dem Arbeits- und Alltagsleben verknüpft sind: Die Schüler berechnen dabei zum Beispiel Boden- und Wandflächen auf einer Baustelle, die Einnahmen bei einem Aktionstag in der Betriebskantine oder das Mischverhältnis von Reinigungsmitteln bei einer Putzfirma.

Aufgaben der Website für den Unterricht nutzen

Der umfangreiche Aufgabenpool bietet vielfältige Möglichkeiten für den Einsatz im zieldifferenten Unterricht: Mit den inhaltlich klar umrissenen Übungseinheiten lässt sich mit wenig Vorbereitungsaufwand ein individueller Übungsplan zusammenstellen, den die Schüler dann — zum Beispiel im Rahmen der Wochenplanarbeit oder in Freiarbeitsphasen im zieldifferenten Unterricht — eigenständig erarbeiten. Die Schüler üben oder wiederholen dann genau den Stoff, bei dem es „hakt“. Vor Klassenarbeiten oder Abschlussprüfungen kann die Lehrkraft den Schülern ein umfassendes Übungsprogramm zusammenstellen, das die Schüler nach und nach absolvieren können. Das Pensum ist für die Schüler dann überschaubar, was vielleicht auch dazu motiviert, rechtzeitig zu beginnen und sich die Zeit vernünftig einzuteilen.

Auch für den inklusiven Unterricht eignet sich ich-will-lernen.de sehr gut: Im Lernbereich Grundbildung („Lesen, Schreiben, Rechnen“) gibt es genug Übungsstoff für Schüler mit Lese- oder Rechen- Schwierigkeiten oder auch für junge Flüchtlinge und Migranten. 

Vielfältige Aufgabentypen sorgen für Abwechslung 

Wenngleich es nicht immer ganz einfach ist, sich im Lernportal zurechtzufinden, so lohnt sich der Aufwand doch unbedingt, wie ein Blick auf die Aufgabentypenübersicht beweist: Audioaufgaben (hören und schreiben), Lückentexte, Drag & Drop-Aufgaben (Zahlenstrahl, Bildergeschichten mit Textbausteinen, Mindmaps ...), Multiple- und Single-Choice-Aufgaben und eine breite Palette von Edutainment-Übungen (Memos, Sudoku, Millionenfrage ...) sorgen für Abwechslung. 

Kleiner Wermutstropfen: Manche Aufgaben kann man nur lösen, wenn man dazu einen Bedienungshinweis liest, der sich leider gut versteckt hinter einem anzuklickenden Button verbirgt. Die durch moderne, intuitiv nutzbare Bedienoberflächen verwöhnten Digital Natives verlieren hier vermutlich schnell die Geduld, wenn sie erst eine lange Bedienungsanleitung lesen müssen – zumal manche ja grade damit Probleme haben. Um zu verhindern, dass die Schüler dann „aussteigen“, sollte der Lehrer anfangs noch im Unterricht als Ansprechpartner bei Bedienproblemen präsent sein.

Das Lernportal ich-will-lernen.de ging bereits 2004 an den Start. — Das erklärt vermutlich auch das etwas antiquiert wirkende Design und einige Schwächen und Bugs, die die Bedienung erschweren. Erfreulicherweise ist ein Relaunch in Arbeit. Das Lernportal soll dabei nicht nur auf den aktuellen technischen Stand gebracht, sondern auch um zentrale Lernbereiche erweitert werden. Unter iwl-neu.de können Interessierte den Fortgang des Projekts beobachten.

Martina Niekrawietz

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