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Thema Olympische Spiele

Perspektiven für die Olympischen Spiele als Unterrichtsthema

Lohnt es sich die Olympischen Spiele im Unterricht zu thematisieren. Eine Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln zeigt Ansätze aus geschichtlicher, wirtschaftlicher und politischer Perspektive.

Thema Olympische Spiele: Perspektiven für die Olympischen Spiele als Unterrichtsthema Olympische Spiele - ein Thema für den Unterricht © lazyllama - stock.adobe.com

Am 23. Juli 2021 ist es wieder soweit: Mit der geplanten Eröffnungsfeier sollen die XXXII. Olympischen Spiele der Neuzeit eingeläutet werden. Gut zwei Wochen lang werden sich mehrere Tausend Athletinnen und Athleten aus mehr als 140 Nationen in über 300 Wettkämpfen gegenseitig messen und damit die Olympische Idee hochhalten.

Nach 1964 wird der japanischen Hauptstadt Tokyo erneut die Ehre zuteil, dieses sportliche Großereignis auszutragen. Obwohl die eigentlichen Kosten für die Durchführung der Olympischen Spiele beim jeweiligen Austragungsort liegen und sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) hieran finanziell nicht beteiligt, bietet die Austragung eine prestigeträchtige Gelegenheit, sich der Welt zu präsentieren und für sich zu werben.

Kritiker befürchten genau das: Durch die Austragung der Olympischen Spiele in Tokyo könnte Japan sein angekratztes politisches Image aufpolieren und von der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 ablenken. Neben dem Austragungsort war auch der Zeitraum hitzig diskutiert: Ende Juli/Anfang August ist in Tokyo mit schwül-warmen Temperaturen zu rechnen, sodass Sportler gesundheitliche Folgen erleiden könnten. Doch das IOC lehnte eine Verschiebung der Olympischen Spiele in den Oktober ab, da die Spiele dann parallel zur Football- und Baseballsaison liegen würden. Dies, so die Befürchtung des IOC, hätte negativen Einfluss auf die Einschaltquoten für die Olympischen Spiele. Immerhin wurden der Marathonlauf sowie das Gehen auf die kühlere japanische Insel Hakkaido verlegt.

Auch wenn die Zuschauerzahlen zuletzt eingebrochen waren, so kann erneut mit einem gewaltigen (Medien-)Interesse gerechnet werden. Nachdem die Nationalsozialisten die in Berlin ausgetragenen Olympischen Spielen 1936 als erste ins Fernsehen übertrugen und der Kalte Krieg den (sportlichen) Wettkampf der Systeme weiter anheizte, explodierten die Zuschauerzahlen seit den 1960er Jahren und erreichten 1968 bei den Sommerspielen in Mexiko-Stadt geschätzte 600 Millionen Fernsehzuschauer. Bis 1984 stieg diese Zahl auf 900 Millionen an und erreichte 1992 mit den Spielen in Barcelona 3,5 Milliarden Zuschauer weltweit.

Vermutlich werden auch die Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr nicht an den Olympischen Spielen vorbeikommen, somit lohnt es sich, die Spiele in den Unterricht zu holen.

Weiterführende Literatur

Frank Lauenburg/Cordula Lorenzkowski: Auf den Punkt! Die Olympischen Spiele

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Olympische Spiele im Geschichtsunterricht

Doch bietet sich wirklich der Geschichtsunterricht an, um die im Jahr 2021 stattfindenden XXXII. Olympischen Spiele der Neuzeit zu thematisieren? Waren die Olympischen Spiele der Antike doch sportliche Wettkämpfe, die sich mit religiösen Prozessionen zu Ehren des Göttervaters Zeus abwechselten, und somit das religiöse Element in den Vordergrund stellten. Im Gegenzug sind die Olympischen Spielen der Neuzeit eben vor allem sportliche Wettkämpfe. Gerade der Versuch, die Spiele in andere kulturelle Veranstaltungen wie die Weltausstellungen zu integrieren, wie 1900 in Paris und 1904 in St. Louis geschehen, führte aufgrund des geringen Zuschauerinteresses fast schon zu einem schnellen Ende der modernen Olympischen Spiele.

Während in der Antike nur wenige Athleten aus den griechischen Poleis an den Spielen teilnahmen, wetteiferten 1896 bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen knapp 250 Sportler aus 15 Nationen und für Tokyo haben sich schon mehr als 5000 Sportlerinnen und Sportlern aus 140 Nationen qualifiziert. Bei den Olympischen Sommerspielen im Brasilianischen Rio de Janeiro 2016 bestritten mehr als 11.000 Sportler (davon ca. 5.000 Frauen) aus 207 Ländern sogar 306 Wettkämpfe gegeneinander.

Fanden die antiken Spiele in Olympia, einem eigens für die Spiele errichtetem Gelände im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes statt, welches erst durch umfangreiche archäologische Ausgrabungen unter der Leitung des Deutschen Ernst Curtius ab 1875 schrittweise freigelegt wurde, so entschied sich das IOC für die Spiele der Neuzeit für ein rotierendes Verfahren, nachdem sich die Austragungsorte jeweils für die eigentlichen Spiele bewerben müssen.

Ja, angesteckt von einer romantisch-idealistischen Antiken-Rezeption, das Europa Mitte des 19. Jahrhunderts befallen hatte, wollte Pierre de Coubertin die „Herrlichkeit“ Olympias wiederherstellen. In diesem Sinne sollte sich die Jugend der Welt bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf den Schlachtfeldern bekämpfen.

Doch im Laufe der Zeit haben sich die Spiele weiter verändert: Seit 1924 werden neben den Olympischen Sommerspielen auch Olympische Winterspiele durchgeführt. Seit 1994 werden diese in einem separaten Zyklus jeweils „im zweiten Kalenderjahr, das jenem folgt, in dem die Spiele der Olympiade abgehalten werden“ (Kluge, Volker: Olympische Winterspiele – Die Chronik. Berlin 1999, S. 771.) ausgetragen. Seit 1960 finden alle vier Jahre die Paralympics für Sportlerinnen und Sportler mit körperlichen, und seit 1968 die Special Olympics für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung statt.

Wirtschaftlicher Wandel der Olympischen Spiele

Bis in die 1970er Jahre hinein wehrte sich das IOC, vor allem unter der Leitung von Avery Brundage, gegen eine Finanzierung durch Sponsoren. Somit verfügte das IOC 1972 zum Ende der Amtszeit Brundages gerade einmal über ein Budget von 2 Millionen Dollar. Erst mit dem neuen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch öffnete sich das IOC den lukrativen Werbemärkten. Dementsprechend war das IOC-Budget 1980 auf über 45 Millionen Dollar angewachsen. Die Olympischen Sommerspiele 1984 markierten einen Wendepunkt. So gelang es dem Organisationskomitee durch den Verkauf exklusiver Vermarktungsrechte, einen Überschuss von 225 Millionen Dollar zu erwirtschaften.

Die Olympischen Spiele haben sich damit scheinbar weit von ihrem ursprünglichen Motiv, ein Wettkampf griechischer Sportler zu Ehren des Zeus, entfernt. Berücksichtigt man jedoch, dass die antiken Olympischen Spiele faktisch ein Wettstreit der – aus griechischer Sicht – bekannten Welt, ausgetragen von Vertretern der verschiedenen griechischen Poleis waren, so scheinen die Olympischen Spiele der Neuzeit sich doch nicht so weit davon entfernt zu haben. Immerhin wetteifern heute Vertreter unterschiedlichster Nationen, die nicht den Status eines souveränen Staates besitzen müssen, gegeneinander. Darüber hinaus lässt sich auch für die Antike eine erste Entwicklung einer Sportartikelindustrie sowie die Errichtung spezieller Sportstätten nachweisen und es sollte nicht unterschätzt werden, dass viele erfolgreiche antike Athleten auch hohes Ansehen in Staat und Gesellschaft erlangten.

In diesem Sinne reizt eine Beschäftigung mit den Olympischen Spielen, die die Struktur der antiken Spiele mit denen der Neuzeit vergleicht. Die Lebenswelt der Lernenden wird hiervon auf jeden Fall tangiert, wenn die Olympischen Spiele in den Geschichtsunterricht geholt werden, und es bietet sich die Möglichkeit, des historischen Lernens unter besonderer Berücksichtigung der Frage, wie historische Ereignisse rekonstruiert und somit (um-)gedeutet werden.

Olympische Spiele im Politikunterricht

Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs auf die politische Perspektive, denn auch die hat ihren Reiz. Hier rücken verschiedene Fragestellungen in den Fokus:

  • Ist es angemessen, ein sportliches Großereignis durchzuführen, wenn die Welt noch immer von einer Pandemie bedroht wird?
  • Können die Olympischen Spiele ihrem Anspruch eines medialen Spektakels gerecht werden, wenn ausländische Gäste nicht als Zuschauer im Stadion zugelassen werden?
  • Sollte sportlichen Großereignissen wirklich trotz des Widerstandes der Landesbevölkerung durchgeführt werden?
  • Oder allgemeiner gefragt: Verändert die Pandemie die Olympischen Spiele oder sind diese resistent gegenüber aktuellen Ereignissen?

Frank Lauenburg

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