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Beethoven-Jahr

Projekterlebnisse mit Beethoven

Beethoven feiert dieses Jahr seinen 250. Geburtstag – und Sie und Ihre Schüler feiern mit: mit kreativen, fächerübergreifenden Projekten rund um den Menschen, Komponisten und seine Musik.

Beethoven-Jahr: Projekterlebnisse mit Beethoven Im Beethoven-Jahr sollten Musikprojekte zu diesem großen Künstler nicht fehlen © pict rider - stock.adobe.com

Wenn Ludwig van Beethoven im Jahr 2020 seinen 250. Geburtstag feiert, feiern Sie doch mit Ihren Schülern mit. – Auch wenn manches Angebot durch die Corona-Pandemie nicht mehr möglich ist, so gibt es doch viele Ideen für kreative Projekte im fächerübergreifenden oder fächerverbindenden Unterricht. Der folgende Beitrag gibt Ihnen dazu Anregungen und Materialien an die Hand.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn Ihre Schüler im Fach Deutsch bei einer Redaktionssitzung Ideen für Schülerzeitungsbeiträge zum Thema Beethoven sammeln würde? In Gruppen- oder Partnerarbeit erstellen sie Beiträge, die die Leser über den großen Komponisten informieren oder Neugierde wecken. Parallel dazu könnten die Schüler gleich verschiedene journalistische Stilformen erproben, zum Beispiel bei Interviews mit Lehrern zum Thema Beethoven oder auch bei einer kleinen Reportage über Aktivitäten im Beethovenjahr in der Stadt oder Gemeinde. Eine Filmkritik widmet sich vielleicht dem halbstündigen Film „Die Akte Beethoven“, den die Leser dann direkt auf der Website von Planet Schule ansehen können. Er erzählt die Geschichte Beethovens „in einer Mischung aus Spielfilm, Musikdokumentation und animierten Comics“ (ebd.). Ein Quiz könnte den Lesern Details der spannenden Biografie des Komponisten nahebringen. Und vielleicht haben die Schüler auch Lust, sich ein Kreuzworträtsel mit Fragen zum Leben und Werk des Bonner Komponisten auszudenken. – Das geht übrigens auch alles prima digital.

Extra-Blatt: Happy Birthday, Beethoven!

Nicht nur journalistische, sondern auch fiktive Texte passen gut in eine Extra-Ausgabe der Schülerzeitung. Im handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht versetzen sich die Schüler etwa in den unbequemen Mieter Beethoven, der in seinem Leben immer wieder aneckte und aus- und umziehen musste: Wie könnte ein fiktiver wütender Brief Beethovens an seinen Vermieter aussehen, in dem er sich gegen eine Wohnungskündigung wehrt? Denkbar wäre auch ein kleiner Fotoroman mit Episoden aus Beethovens Leben, zum Beispiel zur folgenden wahren Begebenheit: Beethoven setzte sich einmal in ein Café und vertiefte sich sofort in eine Komposition. Der Kellner näherte sich dem Tisch, doch Beethoven arbeitete konzentriert weiter und bemerkte ihn gar nicht. Nach einer Stunde rief er „Zahlen bitte!“ – ohne überhaupt etwas bestellt zu haben. Das ist nur eine der vielen unterhaltsamen Geschichten, die sich um den weltberühmten Komponisten ranken.

Im Fach Kunst – oder auch mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop im IT-Unterricht – versuchen sich die Schüler womöglich an Karikaturen von oder Kollagen zu Beethoven, mit denen sie dann ihre Extra-Ausgabe illustrieren. Erscheint die Schülerzeitung im Vierfarbdruck, könnten die Schüler Schwarz-weiß-Porträts von Beethoven in Andy-Warhol-Manier kolorieren.

Beethovens Musik als Schlüssel- und Gemeinschaftserlebnis

„Aktive Erfahrungen mit klassischer Musik“ – darum geht es den Musikpädagogen Prof. Dr. Dorothee Barth und Tobias Hömberg bei ihrem Projekt „Beethoven und wir“, das sie in der Fachzeitschrift „Musikunterricht aktuell“ 1/2015 beschreiben. – Die Schüler begegnen Beethovens Musik bzw. seiner Biographie dabei „aktiv und selbstbestimmt“, indem sie eines von sieben angebotenen Projekten auswählen und umsetzen (im hier verlinkten Magazinbeitrag, S. 13):

  1. Sie inszenieren eine Episode aus dem Leben des Komponisten und unterlegen sie mit Musik.
  2. Sie inszenieren einen Text des Komponisten und unterlegen ihn mit Musik.
  3. Sie begleiten ein Musikstück des Komponisten mit eigenen Instrumenten.
  4. Sie singen oder spielen ein Musikstück von Beethoven im Ensemble.
  5. Sie singen oder spielen ein Beethovenstück solistisch.
  6. Sie interpretieren ein Musikstück des Komponisten tänzerisch oder bildnerisch.
  7. Sie aktualisieren ein Musikstück, zum Beispiel die „Ode an die Freude“ als „neu textierte Rock-Pop-Adaption“ oder als Hip-Hop-Song.

Über mehrere Wochen entwickelten und probten die Schüler ihre Interpretationen bzw. korrespondierenden Interpretationen auf der Basis von Beethovens Musik. Jeder Schüler und jede Schülerin in einem der Teilprojekte, das seinen/ihren Neigungen entgegenkam. Und am Ende stand die ganze Klasse auf der Bühne und präsentierte „stolz Szenen aus dem Leben Ludwig van Beethovens und Musik aus seinen Werken, die die SchülerInnen selbstständig erarbeitet haben“ (ebd., S. 4): Da wurde etwa Beethovens ergreifendes Heiligenstädter Testament „pantomimisch zur Musik der Eroica eindrucksvoll interpretiert“. (Darin schilderte Beethoven seinen beiden Brüdern seine traumatische Erfahrung der Ertaubung.) Oder die Schüler stellten eine szenische Choreografie zum zweiten Satz aus Beethovens 4. Klavierkonzert auf die Beine: Zwei Gruppen, die „guten“ und die „bösen Mächte“ tragen einen Konflikt aus. Und natürlich darf auch die „Ode an die Freude“ nicht fehlen, die alle gemeinsam mehrstimmig singen bzw. spielen – das große Finale, bei dem auch die Zuschauer mitmachen dürfen.

Klassische Musikstücke (im weitesten Sinne, also über alle Epochen), selbst die „Hits“ von Beethoven, sind keine leichte Kost, die „mal eben so“ nebenbei konsumiert werden können. Sie erschließen sich meist erst nach mehrmaligem Hören und bei einer „erfahrungsoffenen“, handelnden Herangehensweise. Und dann kann es auch zu intensiven Hörerlebnissen, „manchmal sogar Schlüsselerlebnissen“ (im oben verlinkten Beitrag aus „Musikunterricht aktuell“, S. 5) kommen, die im musiktheoretischen Unterricht vermutlich eher ausbleiben, wenn Kompositionen nur bzw. hauptsächlich zu Analysezwecken gehört werden.

Im Projekt von Dorothee Barth und Tobias Hömberg sind die Jugendlichen – nach einer kurzen Einführung – weitgehend auf sich gestellt. Jede Gruppe bekommt zu Beginn ein Aufgabenblatt und die Materialien und organisiert dann eigenständig die Konzeptions- und Probenarbeit.

Im Teilprojekt „So klopft das Schicksal an die Pforte“ geht es darum, den charakteristischen Rhythmus der Exposition des ersten Satzes von Beethovens Fünfter mit Percussionsinstrumenten zu begleiten (tatata Taa, tatata Taa ...). Die einzelnen Arbeitsschritte bei der Umsetzung des Teilprojekts entnehmen die Jugendlichen dem Aufgabenblatt (ebd., S. 10).

Während der Proben werden die Jugendlichen lernen, aufeinander und auf die Musik zu hören, was dazu führt, dass ihr Zusammenspiel immer präziser und harmonischer wird. Und wenn dann alles richtig gut sitzt, sind sie Teil des Orchesters geworden. Sie haben sich die Musik Beethovens angeeignet. – Ein oft beglückendes Erfolgserlebnis, das ausschließlich durch aktives Musizieren entsteht.

Und noch eine Gemeinschaftsaktion, die bei den Zuschauern und bei den Akteuren Endorphine freisetzt: ein Balkon-Flashmob mit Beethovens „Ode an die Freude“.

Martina Niekrawietz

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