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Deutschunterricht

Rechtschreibung üben, üben, üben — auch in höheren Klassen!

Mit der Rechtschreibung hapert es bei vielen Schülern — auch in den höheren Klassen. Sie sollte also immer wieder Bestandteil des Deutschunterrichts sein, um Schüler kompetent in Orthografie zu machen.

Deutschunterricht: Rechtschreibung üben, üben, üben — auch in höheren Klassen! Rechtschreibung sollte immer mal wieder auf dem Stundenplan stehen — auch in höheren Klassen © arborpulchra - Fotolia.com

Die Klasse war mit dem Lehrer auf Klassenfahrt in einer Jugendherberge. Jetzt sollen die Kinder reflektieren, wie sie den Besuch fanden und dazu wird folgender Arbeitsauftrag gestellt: „Beschreibe den Aufenthalt in der Jugendherberge während der Klassenfahrt.“ Und diese Antwort gibt der Schüler:

Ich vand das Essen ekelich. Und das Haus war ser häslig. Ich habe mich ser guht mit meinen Freunden ferschtanden. Die Aktiwitäten wahren guht und haben Spas gemacht. Alles in Einem vand ich die Fahrt guht.

Mal abgesehen davon, dass der Schüler über ein sehr beschränktes Vokabular verfügt, mit dem er seine Erfahrungen und Erlebnisse beschreiben könnte — was sicherlich ein eigenes Thema rechtfertigen würde — zeigt er offensichtliche Schwächen im Bereich Orthografie. Und auch wenn es sich hierbei um ein „extremeres“ Beispiel handelt, so ist doch jeder Kollege, der eine Sprache unterrichtet, vertraut damit, dass Schüler immer weniger in der Lage sind, richtig zu schreiben. Woran mag das liegen? Werden Schüler immer dümmer?

Mangelhafte Rechtschreibung hat viele Ursachen

Ein Grund ist sicherlich der immer stärker zunehmende Medienkonsum junger Menschen. Im Zeitalter von Instagram, WhatsApp, Twitter und Facebook wird immer weniger Wert auf Rechtschreibung gelegt, sondern Sprache wird zu einer verkürzten und (vermeintlich) effizienten Form der Kommunikation. Ein anderer Grund ist die Nutzung der Anlauttabelle in den Grundschulen, die unseren Kindern völlig unlogisch Laute und deren Schreibweise erklären will. So spricht man das Wort Wahl mit einem langen Vokal, also schreibe ich es mit h, wohingegen das Wort Wal ohne h geschrieben wird, denn es hat auch einen langen Vokal ...?! Doch wir möchten hier keine Ursachenanalyse betreiben, sondern wollen uns vielmehr damit beschäftigen, wie mit dem Status quo umgegangen werden kann. Wie also?

Eigentlich ist die Lösung ganz einfach: Schüler müssen wieder das Schreiben lernen. Im Zeitalter der Überdidaktisierung und Überpädagogik sollten wir uns manchmal wieder auf die Ursprünge von Schule konzentrieren und Altbewährtes aufleben lassen. Dies soll keineswegs ein Plädoyer für verstaubten Frontalunterricht oder altertümliche, Schüler quälende und bloßstellende Schreiborgien sein. Und selbstverständlich sind wir heutzutage weiter als früher. Wir wissen um LRS, um ASS und ADHS oder ADS. Wir wissen um die Zusammenhänge von Lernen und sozialer Herkunft. Und selbstverständlich wissen wir auch, dass Schüler individuell gefördert werden müssen. So natürlich auch der Schüler in unserem obigen Beispiel. Doch all diese Erkenntnisse bedeuten keineswegs, dass es Schülern mitunter nicht auch guttut, wenn sie einfach schreiben müssen. Wie baue ich das nun in meinen Unterricht ein?

Rechtschreibunterricht ab Klasse 7 Fehlanzeige

Werfen wir einen Blick in den Grammatikunterricht in der siebten Klasse. Auf dem Lehrplan stehen Zeichensetzungsregeln und der Gebrauch des Konjunktivs. Von Rechtschreibung ist aber nichts mehr zu sehen. Es wird davon ausgegangen, dass die Kinder diese seit Klasse 6 beherrschen. Nun obliegt es doch wohl dem Lehrer zu entscheiden, ob dies zutrifft oder nicht. In vielen Fällen trifft es nun mal einfach nicht zu.

Vielleicht hat Rechtschreibung auch nichts in der Grammatikeinheit zu suchen. Die Kinder sind sowieso gefordert: Sie müssen teilweise hochkomplexe Satzstrukturen erkennen, Teilsätze abtrennen und Konjunktionen lernen. Sie müssen die Würde-Ersatzform erkennen und alte, im täglichen Sprachgebrauch nicht mehr verwendete Formen bilden: Es büke der Bäcker, wäre der Ofen nicht kaputt. — So spricht heute keiner mehr. Probieren Sie doch einmal etwas anderes aus: Integrieren Sie Rechtschreibung in den Umgang mit Literatur.

Rechtschreibung in Literaturunterricht integrieren

Wir lesen ein Jugendbuch, z. B. tschick von Wolfgang Herrendorf. Mit ein bisschen Geschick motiviert man jeden Schüler für diese Lektüre. Wird nun beispielsweise eine kreative Schreibaufgabe — ganz im Sinne des modernen, kompetenzorientierten Unterrichts — gestellt, so ließe sich doch hervorragend damit verbinden, dass die Schüler nach einer Auswertungs- und Austauschphase das Geschriebene auf Rechtschreibung hin untersuchen. Dazu können arbeitsteilig Aufgaben gestellt werden. Immer zwei Schüler arbeiten zusammen und bearbeiten ein Ergebnis. Der eine könnte beispielsweise nach — und hier hat der Lehrer übrigens hervorragend die Möglichkeit, binnendifferenziert zu arbeiten — langen und kurzen Vokalen und dem Dehnungs-h schauen, während sich der andere auf Groß- und Kleinschreibung konzentriert. Weitergehend könnten die Schüler dann die jeweiligen Regeln selbst formulieren und man könnte im Anschluss in einer Plenumsphase die Ergebnisse für alle Schüler nutzbar machen, z. B. in Form einer kurzen Präsentation.

Zeitungsartikel auswählen, lesen und abschreiben

Eine weitere Option ist die Zeitung. Schüler wissen teilweise gar nicht mehr, was das eigentlich ist. Zeitungen und entsprechende Artikel lassen sich sehr gut in den Unterricht einbauen. So ließe sich zu Beginn einer jeden Deutschstunde als Ritual einrichten, dass jeder Schüler einen mittellangen Artikel heraussucht — z. B. aus der SZ —, der ihn persönlich berührt und interessiert hat, und diesen abschreiben. Die Schüler sollen sich dann gegenseitig ihre Wahl vorstellen und kurz erläutern, warum sie ausgerechnet diesen Artikel gewählt haben. Das regelmäßige Schreiben wird langfristig dazu führen, dass durch Schreibroutine ein Gefühl für Rechtschreibung gefördert wird. Nebenbei hat man den positiven Begleiteffekt, dass sich Schüler mit einem Printmedium beschäftigen, das für die meisten keine Daseinsberechtigung mehr besitzt. Sie beschäftigen sich mit tagesaktuellem Zeitgeschehen.

Neue Medien als Schreibplattform nutzen

Warum nutzt man nicht auch einfach einmal moderne Medien im Unterricht?! Zurück zu unserem literarischen Beispiel tschick. Die Schüler können eine WhatsAppGruppe erstellen, in der sie sich zu vom Lehrer gestellten Thesen oder Fragestellungen äußern sollen. Der Lehrer sollte selbstverständlich Teil der Gruppe sein, um das Geschriebene auf der einen Seite inhaltlich und auf der anderen Seite eben orthografisch überblicken zu können.

Übergreifend muss den Schülern natürlich mitgeteilt werden, dass sie beim Verfassen der Nachrichten auf Rechtschreibung achten sollen. Im Endeffekt gilt es, den Schülern das Schreiben wieder nahezubringen und ihnen einen Zugang zu schaffen: einerseits zu einem Verständnis der Wichtigkeit korrekter Rechtschreibung und andererseits zu der Kompetenz, richtig schreiben zu können.

Tim Heidemann

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