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Arbeitsorganisation

Schriftliche Arbeiten korrigieren - so geht es leichter

Schriftliche Arbeiten korrigieren zu müssen — kaum ein Lehrer tut das gern und doch ist es fester Bestandteil des beruflichen Arbeitsalltags. Die besten Tipps dazu tauschen Lehrer im Internet aus. Gut informiert und geplant hat man unliebsame Korrekturen gut und schnell vom Tisch.

Arbeitsorganisation: Schriftliche Arbeiten korrigieren - so geht es leichter Ein Riesenstapel Hefte, der darauf wartet korrigiert zu werden und der immer wieder gern beiseitegeschoben wird © Klaus Eppele - Fotolia.com

„Schon 15 Arbeiten fertig, bleiben noch 13“ — die meisten Lehrer mit Korrekturfächern zählen in dieser Art, wie eine kleine Umfrage des Lehrerportals lehrerfreund.de ergab. Dabei wendeten „die geknechteten (…) Lehrer/innen raffinierte selbstsuggestive Tricks“ an: Den Korrekturstapel nach dem „Fünferprinzip” in kleinen Häufchen abzuarbeiten, ist eine mögliche Strategie, sich mit kleinen Selbstbelohnungen halbwegs bei Laune zu halten, eine andere.

Der Blogger „KUBIWAHN“, fränkischer Realschulkonrektor, rät hingegen in seinen „8 Tipps zum Thema Korrigieren“: „Nicht nach Stück korrigieren, sondern nach Zeit“, denn: „Früher habe ich gesagt: Heute korrigiere ich 5 Aufsätze. Und dann habe ich 5 Aufsätze korrigiert, den ganzen Tag eben. Und dann sagte ich: Puh, heute habe ich den GANZEN TAG korrigiert!“ Heute beschließt KUBIWAHN, nur 1,5 Stunden zu korrigieren — und schafft dann 5 Aufsätze. „Und danach gehe ich Golf spielen,“ schreibt er.

Nettoarbeitszeit 1,5 Stunden, Bruttoarbeitszeit gefühlt ein ganzer Tag — ein klarer Fall von Prokrastination: Dabei ziehen sich unliebsame Tätigkeiten unerträglich in die Länge, weil man sie hinauszögert, zum Beispiel indem man andere, vermeintlich wichtigere Aufgaben vorschiebt oder Unterbrechungsimpulsen allzu bereitwillig nachgibt.

Prokrastination? — Nein danke!

Nach Zeit zu korrigieren, ist tatsächlich effektiver. Am besten mithilfe einer Eieruhr. Dazu definieren Sie einen Arbeitsblock, zum Beispiel eine Dreiviertelstunde. In dieser Zeit dürfen Sie nichts anderes tun, als zu korrigieren. Also: „nicht telefonieren, keine Mails abrufen, keinen Kaffee holen, nicht aufs Klo gehen, nicht auf Facebook nach den Freunden schauen, nicht mit den Kindern im Nebenzimmer schimpfen. Erledigen Sie das alles vorher“, so die Empfehlung auf lehrerfreund.de. Statt einer laut tickenden Eieruhr kann man auch das kostenfreie Online-Tool e.ggtimer.com nutzen.

Wenn dann schon nach wenigen Minuten die Gedanken abzuschweifen beginnen und Ihnen gute Gründe einfallen, die Arbeit zu unterbrechen, empfiehlt KUBIWAHN, diese Impulse auf einen Zettel zu schreiben und diese „To-do-Liste“ später abzuarbeiten. Seiner Erfahrung nach entpuppt sich dann die Hälfte dieser Tasks als „Fluchtimpulse“ und somit als überflüssig.

Nicht jammern, sondern schnell entscheiden

Auch mit der richtigen inneren Einstellung lassen sich Kräfte sparen: „Nicht jammern“, rät KUBIWAHN (Link s. o.), außerdem „Abschied von der Perfektion“ („Nein, ich finde sicher nicht jeden Fehler in einer Korrektur. Und ich werde auch keine 100%ige Objektivität erreichen. Ich kann nur versuchen irgendwie dahin zu kommen, aber mehr eben auch nicht.“) „3 oder 4? 1 oder 2? Das kann man schnell entscheiden und auch trainieren“, so Kubiwahns Überzeugung. Zwar gelte grundsätzlich „Im Zweifel für den Angeklagten“, aber intuitive Entscheidungen bestätigten sich auch nach zweimaligem Lesen mit Vergabe von differenzierten Einzelnoten. (ebd.)

Art und Weise der Leistungsfeststellung hinterfragen

Die schulüblichen Leistungsfeststellungen müssen nicht als unverrückbare Tatsachen hingenommen werden: Könnte man nicht eine „standardisierte Art der Kontrolle“ einführen? Eine Begrenzung der Wörter- oder Seitenzahl ausgeben? Insgesamt weniger Klassenarbeiten schreiben oder nur das Wesentliche schriftlich abfragen? Die Prüfungszeit verkürzen? Möglichkeiten der Selbstkontrolle durch die Schüler nutzen? (Tresselt, ebd.) Mit solchen Fragen wird man bei den ebenfalls korrekturgeplagten Fachkollegen vermutlich auf offene Ohren stoßen.

Mit den Kräften haushalten

Das bezieht sich nicht nur auf die Gestaltung des Korrekturvorganges an sich, sondern bedeutet auch, Korrekturen möglichst nicht mit in die Ferien zu nehmen. Auch Wochenenden und Nachtsitzungen schlagen sich auf die Gesundheit und „schaden (…) der Familie“, erklärt Lehrer Paul Tresselt auf seiner Website. Marathonphasen „ermüden stark und die Fehlerhäufigkeit nimmt nicht nur zu, sondern die Korrekturzeit pro Heft verlängert sich gewaltig“, weiß Tresselt aus Erfahrung. In Freistunden hingegen nutzt er die Zeit, zum Beispiel um einen Stapel Hefte durchzusehen, und dann mit weniger Ballast in den Nachmittag zu gehen.

Investition in Ergonomie

Selbst wenn es mit den genannten Tipps gelingt, die Korrekturphasen erheblich zu verkürzen, so ist doch manchmal auch „hartnäckiges Sitzen am Schreibtisch“ unumgänglich. Für diese Fälle hat ein Forumsteilnehmer bei lehrerfreund.de „nur einen Rat: man kaufe sich den besten Arbeitsstuhl, den man bekommen kann.“ — Auch das ist eine wichtige Maßnahme, um das Korrigieren erträglicher zu machen.

Martina Niekrawietz

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