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MINT

Schüler für Luft- und Raumfahrt begeistern

Ein Wettbewerb will Grundschüler der 3. und 4. Klassen für MINT-Fächer und besonders für Luft- und Raumfahrt begeistern. Originelles, aber auch anspruchsvolles Unterrichtsmaterial unterstützt sie dabei, eigene Ideen zu entwickeln und einzureichen.

MINT: Schüler für Luft- und Raumfahrt begeistern Mit selbst gebauten Flugobjekten lernen Schüler viel über Aerodynamik © David Rohnert/YAEZ_Juri

Am 4. März 2016 ist Anmeldeschluss für den „juri“-Grundschulwettbewerb, der sich wachsender Beliebtheit erfreut: 2200 Grundschulen haben im Jahr 2015 bereits mitgemacht. Schüler der dritten und vierten Jahrgangsstufe sind dann aufgerufen, ihre Arbeiten einzureichen, ohne Einschränkungen auf bestimmte Medien oder Formate: Sämtliche „Projekte, Ergebnisse und Ideen zum Thema Luft- und Raumfahrt“ sind willkommen: Fotos, Texte, Videos, Plakate oder auch Modelle, Kunstobjekte oder Plakate. — „Alles ist erlaubt!“, so heißt es auf der Website des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI).

Eine prominent besetzte Jury bewertet nicht nur die inhaltliche Umsetzung und die „Qualität der Darstellung und Präsentation“, sondern legt auch großen Wert auf „Teamwork“ und die Beteiligung möglichst der gesamten Klasse. Eine originelle Darstellung und Kreativität bei der Durchführung des Projektes spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Ermittlung der Gewinnerteams. Den drei Klassen mit den „spannendsten“ Projekten winkt eine Fahrt zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung“ Anfang Juni 2016 (vgl. dazu: Pressetext zum Wettbewerb, S. 1).

Unterrichtsideen rund ums Thema Fliegen

Ideen für wettbewerbstaugliche Projekte könnten sich aus der Beschäftigung mit dem Thema Fliegen im Unterricht ergeben. Der BDLI bietet dazu insgesamt fünf „ausgearbeitete Unterrichtsvorschläge“, die in Zusammenarbeit mit Klett MINT entwickelt und praktisch erprobt wurden.

Wieso stoßen Flugzeuge am Himmel nicht zusammen? Diese Frage klärt der erste Unterrichtsvorschlag, anhand dessen exemplarisch die Arbeit mit den Materialien erläutert werden soll. Hier wird nicht etwa die komplizierte „‚funkbasierte Flugzeugortung und -abstandsmessung über elektromagnetische Wellen“ erklärt, sondern das Prinzip der Echoortung mit einem Blick in die Tierwelt: Die Fledermaus orientiert sich beim Fliegen und beim Beutefang mithilfe von Ultraschall. Sie sendet Schallwellen aus, die — wie das Echo im Gebirge — zurückgeworfen werden, wenn sie auf Hindernisse treffen. Wie das geht, erkunden die Kinder mit einem Spiel: Einem Schüler werden die Augen verbunden, er ist die „Fledermaus“, die anderen sind „Nachtfalter“. Die Fledermaus summt in verschiedene Richtungen, die Nachtfalter antworten mit einem Summen als „Echo“, und die Fledermaus versucht sie dann zu fangen. Wird ein Mitschüler erwischt, wechseln die Rollen. — Nach diesem Spiel haben die Kinder das Prinzip der Echoortung verstanden. Im Unterrichtsgespräch formulieren sie, wie es die Fledermaus schafft, ohne Sehkraft Hindernisse zu umfliegen oder Insekten zu fangen und überlegen, wie dieses Prinzip für die Luftfahrt genutzt werden könnte („Mögliche Impulsfragen“ dazu im Lehrerheft, S. 6).

Die „Schülermaterialien“ im juri-Magazin (S. 16 ff.) greifen dann noch einen weiteren wichtigen Aspekt heraus, der mit diesem Thema zusammenhängt: Forscher „beobachten Tiere und Pflanzen und übertragen Naturphänomene auf die Technik“ (Biologie + Technik = Bionik). Die Schüler ordnen entsprechende Naturphänomene ihren „technischen“ Pendants zu (Klette und Klettverschluss, Pusteblume und Fallschirm etc.).

Weiterführende Hinweise:

Wie ein großes Passagierflugzeug entsteht, dokumentierte im Jahr 1999 Armin Maiwald für die Sendung mit der Maus in einer neunteiligen Sachgeschichte. — Auch heute noch ein sehenswerter Beitrag, der  in der „Bibliothek der Sachgeschichten“ als käufliche Version erschienen ist.

Warum fliegt ein Flugzeug? Das erklärt ein Video auf der Website planet-schule.de in gerade einmal zweieinhalb Minuten. Lehrer in der Sekundarstufe finden auf dieser Seite übrigens zahlreiche weitere Anregungen und Links zum Unterrichtsthema „Luft- und Raumfahrt“.

Den Bernoulli-Effekt erklären Studenten der Universität Göttingen mit verschiedenen Experimenten in diesem Video. — Hinterher wissen die Schüler übrigens auch, warum es ratsam ist, die weiße Linie an Bahnsteigen nicht zu übertreten, wenn ein Schnellzug einfährt.

 „Luftfahrt“ in allen Fächern

Seite 4 des Lehrerheftes erläutert den didaktischen Bezug der Materialien, die „insbesondere für das Fach „Sachkunde (…)“ geeignet sind, aber auch viele Anregungen für fächerübergreifende Projekte bieten (vgl. dazu: S. 11): Die Kinder basteln in Kunst ein „Luftgefährt“ (S. 28 – 31), sammeln in Deutsch Redewendungen zum Thema Fliegen, erstellen in Musik ein Geräusche-Memo mit verschiedenen Luftgeräuschen, übersetzen im Fach Englisch Wörter wie „Tower“ oder „Airbus“ ins Deutsche, spielen im Sportunterricht „Starten“ und „Landen“ u. v. m. — Die vielfältigen Vorschläge für aktiv-entdeckendes Lernen (Überblick über Experimente und weitere handlungsorientierte Unterrichtselemente auf S. 4) sorgen dafür, dass die Kinder auch an Lernstationen oder im Rahmen eines Schulprojekttages über einen längeren Zeitraum konzentriert und mit Spaß bei der Sache sind.

Berufe in der Luft- und Raumfahrt

Mit ihrer Nachwuchsinitiative dürfte die BDLI bei den Schülern auf gute Resonanz stoßen: Bei einer Berufswunschbefragung von 500 Kindern zeigte sich bei den 5- bis 9-Jährigen eine hohe Affinität zum Fliegen: „Für 4,6 Prozent (…) ist Pilot der Traumberuf schlechthin“, und steht damit auf Platz drei im Berufswunsch-Ranking. (Vgl. dazu Wirtschaftswoche, 24.03.2014). Erwartungsgemäß sind es vor allem die Jungs, die später gern Flugzeuge fliegen würden (etwa acht Prozent). — Demgegenüber zielt die juri-Initiative auf Jungen und Mädchen gleichermaßen, wie zumindest ein Blick ins aktuelle „Wissensmagazin für Grundschüler“ suggeriert: Zwei gezeichnete Kunstfiguren „Juri“ (männlich) und „Jerrie“ (weiblich) begleiten die Kinder durch das Heft. Gendersensibel: Jerrie hat studiert und arbeitet als Ingenieurin, während Juri den Ausbildungsberuf Fluggerätemechaniker ausübt. Der Magazinbeitrag „Dürfen wir vorstellen?“ (S. 10 ff.) vermittelt jedoch von der beruflichen Realität ein ganz anderes Bild: Fünf Personen erzählen darin von ihren Berufen: Drei Männer arbeiten als Ingenieure, ein weiterer als Testpilot. Leider ist nur eine Frau dabei. Sie hat eine Ausbildung zur Fluggerätemechanikerin gemacht.

Umso wichtiger ist es also, auch Mädchen für MINT-Fächer zu begeistern und ihnen Berufe in diesem Bereich aufzuzeigen. Ein Wettbewerb, der die Begeisterung für Naturwissenschaften weckt, ist dafür bestens geeignet.

Martina Niekrawietz

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