Fach/Thema/Bereich wählen
Projektunterricht

Schüler werden aktiv gegen Rassismus

Rassismus macht vor Schulen nicht halt. Umso wichtiger ist es, dass Schüler sich intensiv mit dem Thema, zum Beispiel in einem Projekt, aktiv auseinandersetzen.

Projektunterricht: Schüler werden aktiv gegen Rassismus Es ist wichtig, den alltäglichen Rassismus zu erkennen und dagegen etwas zu tun © motortion - stock.adobe.com

Wie reagieren die Menschen, wenn in einem städtischen Linienbus die vorderen Plätze für Deutsche reserviert sind, während Ausländer nur im hinteren Teil sitzen dürfen? Das war die Fragestellung bei einem Sozialexperiment, das die Redaktion des Wissenschaftsmagazins „Quarks“ in einem Linienbus in Essen durchführte. Das Fahrzeug war mit Hinweisschildern auf die rassistische Sitzordnung präpariert, mit Kameras und Mikrofonen beobachteten die Quarks-Redakteure die Fahrgäste. Wechselnde Gruppen von Schauspielern stellten verschiedene Szenarien: „Ausländer“, die im Bereich für Deutsche Platz nahmen, Jugendliche, die versuchten, einen Platz einzufordern, ein Angestellter der Essener Verkehrsbetriebe, der einen „Ausländer“ von seinem Sitz vertreiben wollte usw. Viele Fahrgäste akzeptieren die rassistische Sitzordnung ohne Murren, setzen sich sogar um, wenn sie im „falschen“ Bereich waren. Doch die meisten – 80 Prozent – protestierten gegen die rassistische Sitzordnung.

Das Experiment fand 2015 statt, und wie es heute verlaufen würde, wo die Rechtspopulisten in einigen Bundesländern auf dem Vormarsch sind, sei dahingestellt. In jedem Fall aber wäre das kurze Video (7:17) ein guter Einstieg in eine Unterrichtseinheit zum Thema „Rassismus“.

„Check Dein Wissen über Rassismus!“

Die Erarbeitungsphase einer Unterrichtsstunde über Rassismus startet oft mit einer Begriffsklärung. Dass das keine trockene Angelegenheit sein muss, beweist die Bundeszentrale für politische Bildung mit der Publikation „Es reicht! Das Heft gegen Rassismus und Rechtsextremismus“. In jugendgerechter Sprache, mit wenig Text und vielen Bildern, spricht das Magazin die Schüler direkt an: „Wie ticken Neonazis? Was weißt Du über Diskriminierung? Mach den Check!“, heißt es da. Auf den nächsten Seiten folgt ein Mix aus Quiz und Informationen, assistiert von einigen deutschen Prominenten aus Migrantenfamilien wie Sibel Kekilli oder Jérôme Boateng, die von ihren Diskriminierungserfahrungen berichten. Genau wie in Jugendzeitschriften, z. B. in BRAVO, gibt es am Schluss noch einen spannenden Selbsttest: „Wie bist Du drauf?“ – Das ergründen die Kids mit Fragen wie „Dein bester Freund ist schwul, wie reagierst Du?“ Oder: „Dein Kumpel wird von zwei Typen als ‚Jude‘ angemacht. Was denkst Du?“ Oder: Mitschüler als „Neger“ beschimpfen. – Solche ganz alltäglichen Vorkommnisse bieten auch gute Ansatzpunkte für eine Unterrichtsdiskussion oder auch für Rollenspiele, bei denen die Schüler mögliche Reaktionen auf rassistisches Verhalten in ihrem Umfeld ausloten.

Weiterführende Links

Die umfangreiche Linksammlung auf der Website der Antidiskriminierungsstelle führt Sie zu einem breiten Spektrum von direkt übernehmbaren Unterrichtsideen, bei denen die Schüler aktiv werden.

Das passende Begleitheft für Pädagogen bietet Ihnen viele zusätzlich Anregungen für Ihren Unterricht.

Projektarbeit zum Rassismus (immer) zum 21. März

Alljährlich um den 21. März, dem internationalen Tag gegen Rassismus der Vereinten Nationen, ruft der interkulturelle Rat bundesweit zu Aktionswochen auf. – Ein guter Anlass, um in der Schule eine regelmäßige antirassistische Bildungsarbeit zu implementieren und zum Beispiel ein Projekt auf die Beine zu stellen oder Workshops zu veranstalten. Ideen dafür könnten im Vorfeld mit den Schülern gesammelt werden oder aber mögliche Optionen zur Auswahl stehen. Zum Beispiel:

  • Die Schüler sammeln mehr oder weniger subtile diskriminierende Äußerungen und basteln daraus ein Theaterstück mit mehreren kurzen Szenen.
  • Die Schüler könnten auch Mitschüler oder andere Personen mit Migrationshintergrund nach ihren Diskriminierungserfahrungen befragen und die Gespräche per Handyfilm dokumentieren. Aus diesem „Material“ bereitet die Klasse dann eine Ausstellung vor: Neben den Videofilmen mit den Interviews könnten Fotoplakate mit markanten Aussagen als Exponate dienen.

101 Projektideen gegen Rassismus und Rechtsextremismus

Zahlreiche Anregungen für rassismuskritische Aktivitäten hat die „Gewalt Akademie Villigst“ in einer Broschüre für die evangelische Jugendarbeit zusammengetragen. Hier finden sich besonders auch Ideen für politische Aktionen im näheren Umfeld: Bei der „Aktion Noteingang“ geht es zum Beispiel darum, „Bündnispartner zu suchen und zu finden und dann zum Beispiel an der eigenen Haus-, Laden-, Auto-, Dienststellentür usw.“ einen mehrsprachigen Aufkleber im DIN-A5-Format anzubringen: „NOTEINGANG – Wir bieten Schutz in Bedrohungs- und Gewaltsituationen“ (S. 16). Bei dem Workshop „Bahnhofshalle“ (S. 18) üben die Kids systematisch im Rollenspiel, rassistische Äußerungen zu parieren oder Menschen gegenüber Provokateuren oder Randalierern zu verteidigen. Und noch ein Outdoor-Projekt: Die Schüler bringen an „Brückengeländern, Bauzäunen, Gemeindezentren, Kindergärten, usw.“ selbst gebastelte Transparente mit antirassistischen Botschaften an. – Hier muss natürlich im Vorfeld die Erlaubnis des Eigentümers bzw. des Ordnungsamtes eingeholt werden.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Regelmäßige antirassistische Bildungsarbeit beeinflusst das Schulklima positiv. – Diese Erfahrung machen die derzeit fast 2900 Schulen immer wieder, die sich dem Aktionsbündnis „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angeschlossen haben. Die Initiative geht dabei von den Schülern aus: Sie sammeln Unterschriften von Mitschülern und an der Schule Beschäftigten, die dem Selbstverständnis von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zustimmen. Gelingt es ihnen, mindestens 70 Prozent „der Schulfamilie“ für das Projekt zu gewinnen, bekommt die Schule eine „Anerkennungsbestätigung“. Die Schüler suchen sich dann eigenständig eine/n prominente/n Patin/Paten, in dessen/deren Anwesenheit dann bei einem „festlichen Akt“ die Titelübergabe erfolgt. – „Nun seid ihr ein Teil eines europaweiten Demokratie-Netzwerks“, schreiben die Initiatoren auf ihrer Website. Und: „Jetzt gehen die Aktivitäten erst richtig los! Ihr könnt selbst Ideen und Projekte zum Thema Diskriminierungen und insbesondere Rassismus entwickeln und entscheiden, wann und wie ihr sie umsetzt.“

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Fachunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×