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Kompetenztraining Deutsch

Spitzt mal die Ohren! – Wir machen ein Hörspiel

Hört mal alle her! Wie oft muss ein Lehrer das am Tag sagen? Drehen Sie den Spieß einfach um und lauschen den Schülern: Wenn die Schüler Hörspiele produzieren, lernen sie, Sprache bewusster einzusetzen und genauer zuzuhören.

Kompetenztraining Deutsch: Spitzt mal die Ohren! – Wir machen ein Hörspiel Ein erster Schritt auf dem Weg zum eigenen Hörspiel: Ohren spitzen und anderen zuhören © Seite23 - Fotolia.com

Der tosende Lärm auf dem Pausenhof, das Klackern der Kreide an der Tafel oder das Läuten des Schulgongs. Schüler können mit diesen Geräuschen eine spannende Geschichte erzählen — und ganz nebenbei etwas über Sprache und Verständigung lernen. Mit einem Hörspiel erreichen sie all das und noch einiges mehr: Medienkompetenz, Förderung von Sprach- und Sprechkompetenz und der Fähigkeit, genau zuzuhören und Förderung des kreativen Schreibens. Dass Schüler für ein noch so kleines Hörspiel im Team arbeiten müssen, damit ein solches Projekt gelingt, ist ein zusätzlicher Kompetenzerwerb.

Hörspiele können in vielen Fächern das individuelle, kreative Lernen fördern. Was für ein Geräusch macht eine Schnecke, die im Schulgarten ein Blatt frisst? Das macht den Biologie-Unterricht gleich abenteuerlicher. Im Erdkunde-Unterricht können Schüler eine Reise in andere Klangwelten unternehmen: Wie klingt es in anderen Ländern der Erde? Im Physik-Unterricht können die Schüler in einem Hörspiel erzählen, wie das Universum klingen könnte. Im Physiklabor gibt es sicher viele Objekte, mit denen man interessante Geräusche erzeugen kann. 

Mit einem Hörspiel trainieren Sie aber nicht nur das Hörverständnis Ihrer Schüler. Auch Sie selbst lernen, die Schüler besser einzuschätzen: Was ist von meinem Unterricht in Erinnerung geblieben? Wie viele Wörter und Begriffe kennen die Schüler bereits? Wo muss ich sie noch mehr fördern? Mithilfe eines Hörspiels können Lehrer den Wissenstand der Schüler individuell ermitteln und kreativ erweitern.

Hörspiele verstehen

Um ein Hörspiel produzieren zu können, müssen die Schüler zuerst das Medium verstehen. Das geht am besten durch genaues Zuhören: Suchen Sie gemeinsam mit Ihren Schülern eine Hörspielgeschichte aus und hören sie diese gemeinsam an. Einige Kinderradioprogramme bieten verschiedene Hörspiele zum kostenlosen Download an. 

Nach dem Anhören sprechen Sie mit Ihren Schülern über das Gehörte, z. B.: Was ist in der Geschichte passiert? Wie stellt ihr euch die Figuren und Orte vor? Wer hat gesprochen? Wie hat die Person gesprochen? Welche Geräusche habt ihr gehört (auch Musik)? Was ist euch aufgefallen? — All diese Punkte werden gut sichtbar gesammelt, denn sie sind wichtig für das spätere Produzieren eines eigenen kleinen Hörspiels. Viele hilfreiche Tipps dazu bietet auch ein Methodenkoffer vom Kinderadioprogramm „Ohrenspitzer“

Eine Geschichte entwickeln

Grundlage für ein kleines Hörspiel ist eine kurze Geschichte, die die Kinder in Gruppenarbeit (drei bis vier Schüler) gemeinsam schreiben. Wichtig ist dabei, dass hier Dialoge geschrieben werden und die Schüler sich klar machen sollten, wo (in welchem Raum z. B.) die sprechenden Personen agieren. 
Häufig haben die Kinder schon eine Idee, wenn nicht, können ihnen Fotografien, Grafiken oder gemalte Bilder als Anregung dienen. So können die Schüler erzählen, was sie auf dem Bild sehen und welche Geschichte sich in ihren Augen dahinter verbirgt. 

In einem Skript können die Schüler dann alle Bestandteile notieren, die nachher in der Hörspielgeschichte auftauchen: links steht der Name der sprechenden Person, rechts daneben das, was die Person sagen soll. In Klammern dahinter können die Schüler Regieanweisungen notieren, wie z. B. „laut“ oder „flüsternd“. Auch der Raum, in dem die Geschichte spielt, die Musik und die Geräusche können vermerkt werden. 

Links zum Thema:

Das Kinderradioprogramm „Ohrenspitzer“ von SWR2 hat einen Hörkoffer entwickelt, der Hörspiele, didaktische Anregungen und die erforderliche Technik enthält.

Ein Geräusche-Alphabet finden Sie hier.  

„Ohrenspitzer“-Hörspiele und Hörbogen zum Download.

Das Skript, das die Schüler entwerfen, darf nicht zu lang werden. Als Richtwert gilt: Ist ein Text eine Din-A4-Seite lang, braucht man ungefähr drei Minuten, um ihn vorzulesen. Das bedeutet für die Schüler, dass sie möglichst nur kleine szenische Dialoge schreiben sollten, wie z. B. Julian trifft ein Schlossgespenst in seinem Keller. Hier wird dann nur erzählt, was im Keller passiert. Das überfordert auch leistungsschwächere Schüler nicht. 

Klangwelten entdecken und erzeugen

Nicht nur die Erzählstimmen machen ein Hörspiel lebendig. Auch die Klänge und Geräusche sind wichtige Komponenten eines spannenden Hörspiels. Sie sorgen für die richtige Atmosphäre. Erste Klangforschungen können die Schüler gleich auf dem Schulgelände betreiben — und aufnehmen. Das kann das Knarren einer Tür sein, der fegende Besen des Hausmeisters oder das Rascheln der Bäume auf dem Schulhof. Jede Klangforschergruppe sollte mit ihrem Aufnahmegerät zehn Geräusche oder Töne im Schulgebäude aufzeichnen. Am Ende entsteht eine Klang-Bibliothek. Die Schüler sollten sich schon während der Klangforschung Gedanken darüber machen, welche Geräusche sie für ihre Hörspielgeschichte verwenden können. Mit dem Skript, das sie zuvor erstellt haben, können die Schüler gezielt nach den Klängen suchen, die nachher in ihrer Geschichte auftauchen.

Spielen Sie den Schülern danach erneut ein Hörspiel vor. Diesmal sollen sie notieren, welche Geräusche ihnen aufgefallen sind. Mit Übungen wie diesen stärken Sie das Hörverstehen der Schüler. Und den Schülern bereitet es Freude, genauer hinzuhören. 

Nicht nur Kinder haben Freude an der Erforschung von Klängen. Das „Erfinden“ von Geräuschen ist sogar ein professioneller Beruf, den nur wenige können. Um den Schülern zu zeigen, wie ein Profi Klänge erzeugt und aufnimmt, lohnt es sich, die Folge der „Sendung mit der Maus“ über den Beruf „Geräuschemacher“ anzusehen.

Motivieren Sie die Schüler im nächsten Schritt, selbst Geräusche zu erfinden. Kokosnussschalen können wie Pferdehufe klappern, Waffeln können wie brechendes Eis klingen. Ein Arbeitsblatt mit weiteren Ideen gibt es zum Beispiel von den „Fünf Freunden“. Klänge zu produzieren, weckt den Erfindergeist der Schüler und schärft die akustische Wahrnehmung ihrer Umwelt.

Aufnahme von Sprache und Geräuschen

Eine große Hürde ist das Einsprechen der Texte für viele Schüler. Spielerische Übungen verhelfen ihnen zu mehr Selbstvertrauen und verbessern ihre Aussprache: Die Schüler können erst einen Quatschdialog „Rhabarberrhabarberbarbara“ in unterschiedlichen Stimmungen (traurig, fröhlich, wütend) sprechen. Jeder Schüler soll sich eine Stimmung ausdenken, dann spricht jeder in der Gruppe einen Teil des Quatschdialogs. Das lockert die Situation auf und keiner hat das Gefühl, etwas „falsch“ zu machen.

Mit einer weiteren spaßigen Übung lernen die Schüler, welche Wirkung der Tonfall auf den Inhalt des Gesagten hat: Die Schüler können einen Satz wie „Da ist ein Hund“ erst flüstern, dann fröhlich rufen oder wütend brüllen. Dabei werden sie bemerken, dass die Aussage jeweils eine ganz andere ist.
Anschließend sprechen die Schüler einzelne Sätze ihres Skripts leise oder vorsichtig oder hektisch und laut. Die Stimmung, die ihnen am besten gefällt, können sie im Skript notieren.

Nachdem die Schüler das Sprechen der Dialoge geübt haben, wird die Geschichte mithilfe eines Aufnahmegeräts oder Tablets eingesprochen. Dann wird der eigesprochene Text mit den passenden Geräuschen, die die Schüler selbst ausgewählt haben, zusammengelegt. Ein kostenloses Programm, was sich dafür eignet, ist z. B. „Audacity“.

Zuhören und verstehen lernen

Damit es Spaß macht, ein Hörspiel zu produzieren, brauchen die Schüler Zeit. Für Klangforschung, Sprechübungen, die Aufnahme und den Schnitt sollten Sie mehrere Schulstunden einplanen. Wenn die Hörspiele schließlich aufgenommen und fertig geschnitten sind, benötigen Sie genügend Zeit, um sich die einzelnen Hörspiele gemeinsam anzuhören. Ein bis zwei Hörspiele pro Stunde genügen, damit die ganze Klasse genau zuhören und gemeinsam darüber sprechen kann.

Lassen sie die Mitschüler anschließend ein Bild malen, das illustriert: Wie haben wir die Geschichte verstanden? Wie stellen wir sie uns bildlich vor? Die Schüler werden überrascht sein, wie viele unterschiedliche Bilder man über ein und dieselbe Geschichte malen kann. Sie fördern damit die Verständigung unter den Schülern, aber auch das Vorstellungsvermögen jedes Einzelnen.

Erörtern Sie anschließend mit den Schülern die einzelnen Elemente wie Stimmen, Klänge oder die Musik. Was gefällt den Mitschülern an der Geschichte, was könnte man noch verbessern? Sie können auch Sternchen für die Hörspiele vergeben: Welches Hörspiel hatte die besten Geräusche? Welche Geschichte war besonders witzig? Welche war besonders spannend? Die Schüler können über die verschiedenen Kategorien abstimmen und die einzelnen Hörspiele erhalten diverse Sterne. So erleben die Schüler, wie ihre Geschichten bei ihren Mitschülern ankommen — und warum.

Die Schüler haben bis hierhin einiges dazu gelernt: ein stärkeres Selbstbewusstsein, ein besseres Vorstellungsvermögen, eine feinere Sprache und Verständigung. Die Endergebnisse können sie stolz zu Hause präsentieren oder den Großeltern zum Geburtstag schenken — und sie haben auch selbst eine schöne Erinnerung, die sie sich auch später im Leben gern anhören werden.

Ananda Bräunig

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