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Englisch/Sprechkompetenz

Sprech-Hemmungen abbauen durch Spiele

Schüler haben häufig Angst, sich mündlich im Fremdsprachenunterricht zu äußern. Spiele sind eine Lösung, Sprechhemmungen abzubauen und die Sprechkompetenz im Englischen zu fördern.

Englisch/Sprechkompetenz: Sprech-Hemmungen abbauen durch Spiele Im Spiel bringt man Schüler im Englischunterricht viel leichter dazu, in der Fremdsprache zu kommunizieren © GraphicsRF - Fotolia.com

Der Lehrer redet und die Schüler hören zu: Didaktiker des Fremdsprachenunterrichts kritisieren fortwährend, dass viele Lehrkräfte noch immer den weitaus größten Anteil an kommunikativen Beiträgen im Unterricht haben. Dabei gewinnt die Sprechkompetenz der Schüler im Englischunterricht zunehmend an Bedeutung. Denn: Eine Sprache muss gesprochen werden! (vgl. Hans-Eberhard Piepho: Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Lernziel im Englischunterricht. Dornburg-Frickhofen 1974)

Schülerorientierte Themen und dialogische Aufgabenformate sollen helfen, den kommunikativen Anteil der Schüler im Unterrichtsgespräch zu erhöhen. (Frank Haß (Hrsg.): Englisch unterrichten. Stuttgart 2006, S. 93—97) Doch welcher Fremdsprachenlehrer kennt das nicht: Das betretene Schweigen auf eine ganz simple Frage. Wie bringen wir also die zurückhaltenden Schüler zum Sprechen?

Eine entspannte Lernatmosphäre baut Sprech-Ängste ab

Oftmals fehlt den Schülern das Vertrauen in ihre sprachlichen Fähigkeiten oder sie empfinden es als unnatürlich mit ihren Klassenkameraden plötzlich auf Englisch zu kommunizieren. Daher ist es wichtig, eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, in der sich die Schüler zum einen wohl fühlen, zum anderen es als selbstverständlich empfinden, in der Fremdsprache zu kommunizieren. Letzteres hängt in der Regel mit der Vorbildfunktion und Konsequenz der Lehrkraft zusammen, die auf die Einhaltung der Fremdsprache im Unterrichtsgespräch achten sowie die Schüler zu einem selbstverständlichen Austausch in der Fremdsprache erziehen sollte.

Hohe Fehlertoleranz ist wichtig

Um den Schülern die Hemmungen vor der Fremdsprache zu nehmen, sollte die Lehrkraft bei mündlichen Beiträgen eine hohe Fehlertoleranz zeigen und nicht nach jedem Fehler korrigieren. (vgl. Engelbert Thaler: Englisch unterrichten, Berlin 2012, S. 187) Es gilt der Grundsatz: „fluency before accuracy!“ Schließlich sollen die Schüler darüber nachdenken, was sie sagen wollen und nicht, welche Fehler sie dabei machen könnten.

Dies bedeutet nicht, dass Fehler vollkommen ignoriert werden, doch sollte jeder Beitrag zunächst inhaltlich gewürdigt werden, bevor die Lehrkraft auf eklatante sprachliche Fehler verweist.

Spiele motivieren zum ungezwungenen Sprechen

Um darüber hinaus die Motivation zum Sprechen zu erhöhen, bieten kommunikative Spiele Situationen, in denen die Schüler ganz von selbst und vollkommen ungezwungen zum Sprechen aufgefordert sind.

Das Paraphrasieren kann in allen Jahrgangsstufen zum Beispiel so trainiert werden, dass die Lehrkraft unbekannte Vokabeln passend zum Reihenthema auf Deutsch auf kleinen Kärtchen vorbereitet. Die Schüler kennen den Begriff nicht auf Englisch, müssen ihn aber für alle auf Englisch erklären. Die Klasse wird in zwei Gruppen eingeteilt, die gegeneinander spielen. Wenn die eigene Gruppe den Begriff auf Deutsch errät, bekommt sie einen Punkt. Kennt sogar jemand die passende englische Vokabel, gibt es sogar zwei usw.

In höheren Klassen kann das Spiel herausfordernder sein, wie ein Dilemma-Spiel, bei dem der Lehrer eine peinliche bzw. unangenehme Situation vorstellt wie beispielsweise: „Last Saturday you were on a party. There you saw the girlfriend of one of your classmates kissing another guy. Will you tell him?”

Ein Schüler kommt nach vorn, wird mit der Situation konfrontiert und zieht verdeckt eine vorbereitete Karte mit Yes oder No. Währenddessen diskutiert die Klasse in Gruppen, wie sich der Schüler vorn entscheiden wird. Auch sie haben Karten mit Yes/No, die alle Gruppen auf Kommando zeitgleich in die Höhe halten. Wer richtig geraten hat, löst der Schüler mit seiner Karte vorn auf und es werden Punkte verteilt. Nun kommt ein neuer Schüler nach vorn und erhält eine neue Situation. Um die Sprechsituation zu erweitern, können die Gruppen ihre Entscheidungen für alle auch begründen.

Konkurrenzsituation beflügelt die Sprechbereitschaft

Wichtig insbesondere für jüngere Schüler ist die Konkurrenzsituation, in der am Ende eine Gruppe als Sieger hervor geht. Wer zwischendurch Deutsch spricht, bekommt Punkte abgezogen. Das ist die Spielregel. Damit vermeidet der Lehrer, permanent mit dem erhobenen Finger daran zu erinnern, dass alle Englisch sprechen sollen.

Damit sich keine Fehler im Sprachgebrauch während des Spiels einschleichen und festigen und um die Lernprogression zu erhöhen ist es zur Vorbereitung unerlässlich, einige sprachliche Bausteine zu erarbeiten bzw. zur Verfügung zu stellen. Bei dem Dilemma-Spiel wären es Diskussionsphrasen.

Die Lernenden sollten sich vor dem Spiel mit dem notwendigen Vokabular oder den hilfreichen Phrasen auseinandergesetzt haben, damit sie während des Spiels das Gelernte anwenden können. Dabei erkennen sie außerdem, dass das Gelernte einer konkreten kommunikativen Situation dient; sie sich demzufolge in der Fremdsprache erfolgreich verständigen können.

Man mag einwerfen, dass Spielen im Unterricht inhaltlich einen geringen Lerneffekt hat. Doch was nützt es den Schülern, wenn sie inhaltlich wissen, was sie sagen wollen, sich aber nicht trauen es zu verbalisieren? Eine Unterrichtsreihe mit unterschiedlichen Kommunikationsspielen dient vor allem dazu, die Motivation zum Sprechen zu erhöhen und Hemmungen abzubauen. Es geht vor allem darum, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der die Schüler sprechen wollen und ohne über die Sprache nachzudenken „losplappern“. Dafür Zeit im Fremdsprachenunterricht zu investieren lohnt sich nachhaltig!

Bonnie Pülm

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