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Projektunterricht

Tatort Film: Filmberufe (inter-)aktiv erkunden

Filmberufe sind Traumberufe. Doch kaum ein Schüler weiß genau, was bei einer Filmproduktion geschieht und wer alles daran beteiligt ist. Ein Unterrichtsprojekt bietet detaillierte Einblicke ins Filmgeschäft.

Projektunterricht: Tatort Film: Filmberufe (inter-)aktiv erkunden Ein Projekt macht es möglich, sich einmal als Kamerafrau auszuprobieren © guruXOX - stock.adobe.com

Der Schauspielberuf zählte im Jahr 2017 für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren zur Top Ten der Traumberufe, wie eine Umfrage der Hamburger Marktforschungsagentur Appinio ergab. Und auch unter Erwachsenen rangieren kreative Medienberufe weit oben: So wären knapp sechs Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer „gerne Autor(inn)en“ — Platz 2 in der Rangliste der 10 beliebtesten Berufe, die die Onlineausgabe des „manager magazins“ am 09.02.2017 veröffentlichte. Und immerhin den achten Platz ergatterte hier der Berufswunsch „Fotograf/in“ (ebd.).

Aber was verbirgt sich hinter Berufen wie Autor, Fotograf, Schauspieler? „Traumberufe“, die die Schülerinnen und Schüler kennenlernen sollten, bevor es an die Berufswahl geht. — Viele dieser interessanten Berufe sind beteiligt, wenn zum Beispiel ein SWR-Tatort entsteht. Ein halbes Jahr lang haben die Schulfernseh-Redakteure von „Planet Schule“ die Dreharbeiten zum Tatort „HAL“ begleitet. Auf der Online-Plattform „Tatort Film“ geben sie „Einblicke in spannende Berufe“. Also warum dazu nicht ein Unterrichtsprojekt starten, bei dem Schüler Filmberufe erkunden?

Verschiedene Filmgewerke kennenlernen

Die Einstiegsfrage könnte lauten: Wie lange dauert es von der ersten Projektbesprechung bis zur Abnahme des fertigen Spielfilms? — In einem kurzen Unterrichtsgespräch zum Auftakt der ersten Stunde tragen die Schüler zunächst ihr Wissen über die ihnen bekannten Filmberufe zusammen: Wer macht wann was? Auf einem Zeitstrahl an der Tafel sammelt die Lehrkraft die Vorschläge der Schüler.
Welche „Gewerke“ tatsächlich an einem Film beteiligt sind, zeigt anschließend die interaktive Zeitleiste. Hier erkunden die Schüler sämtliche Arbeitsschritte im Verlauf der über siebenmonatigen Produktion. Sie sehen dabei auch gleich, welche Filmgewerke es gibt und zu welchem Zeitpunkt sie eingebunden sind.

In Gruppen- oder Partnerarbeit tragen die Schüler zusammen, was die einzelnen Gewerke ausmacht. Hilfreich dabei ist: Auf der oben erwähnten Website erläutern Vertreter der verschiedenen Berufe ihr Aufgabengebiet in kurzen Videos: Da plaudert zum Beispiel Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein aus dem Nähkästchen und verrät, wie er sein Thema findet, recherchiert, ein Exposé für potenzielle Geldgeber erstellt oder auch, wie man „gute Dialoge“ schreibt. Jedes Team recherchiert eigenständig.

Arbeitsalltag der Filmleute hautnah

Und wie genau sieht der Arbeitsalltag einzelner Berufsgruppen aus? Das beleuchten die Filmportraits in der Rubrik „Hinter den Kulissen“. Hier erfährt der Zuschauer etwa, wie die Aufgaben von Aufnahme- und Produktionsleitung ineinandergreifen oder erleben den mit Armen und Beinen sprechenden Regieassistenten „in Action“. Und die Schüler bekommen einen Eindruck von der Vielfalt der etwa 30 verschiedenen Berufe am Film-Set. Da ist für jeden was dabei: von den kosmetischen und Mode-Berufen im Bereich „Kostüm/Garderobe/Maske“ über Berufe wie Schauspieler und das (innen-)architektonische Arbeitsfeld „Szenenbild/Requisite/Baubühne“ bis zu den eher technischen Berufen in Bereichen wie „Ton/Geräusche/Musik/Mischung“ oder „Visuelle Effekte/Schnitt/Farbkorrektur“.

Zum Abschluss stellen die Schüler „ihre“ Gewerke mit einer kurzen Präsentation vor. Ein einfaches Raster dafür wäre:

  1. Hauptaufgaben des Filmgewerks,
  2. Aufgaben und typische Tätigkeiten und
  3. Kooperation mit anderen Gewerken.

Aus dem reichhaltigen Videomaterial in den Rubriken der Online-Plattform wählen die Schüler womöglich auch kurze Filmausschnitte aus, die sie in ihre Präsentation einbauen.

Schüler als Filmemacher

Unter der Rubrik „Unterricht & Materialien“ finden Sie als Lehrkraft insgesamt fünf mehr oder weniger umfangreiche Unterrichtsprojekte, bei denen die Schüler praktische Filmarbeit selbst erproben dürfen. Da die Unterrichtseinheiten sich schwerpunktmäßig bestimmten Filmgewerken widmen, könnte die Lehrkraft hier die Projekte herauspicken, die den Interessen der Schüler besonders entsprechen: Gibt es etwa mehrere gestaltungs- oder designaffine Schüler in der Klasse, wäre das Modul „Moodboard“ besonders gut geeignet. Hierbei erstellen die Schüler zu einem bestimmten Filmthema eine Collage aus Fotos, Stoffen, Farben, Tapeten, Zeitschriftenbildern etc.. Dieses „Moodboard“ dient dazu herauszufinden, „welche Farben und Farbzusammenstellungen in Kombination mit Kleidung, Möbelstücken usw. eine gewünschte Wirkung und Stimmung erzielen“ (ebd., S. 1).

Im Unterrichtsmodul „Szenische Auflösung“ versuchen die Schüler, eine Geschichte nicht mit Worten, sondern mit Bildern zu erzählen. Beim Film obliegt diese Aufgabe vor allem dem Regisseur und dem Kameramann. Zunächst befassen sich die Schüler in insgesamt fünf Unterrichtsstunden mit den Grundlagen der szenischen Auflösung, mit Einstellungsgröße (Panorama, Totale, Halbtotale ...), Bildkomposition und mit den Regeln und Möglichkeiten für die szenische Darstellung eines Dialogs.

In einer weiteren Doppelstunde erstellen sie in Gruppenarbeit eine Fotostory aus einem Drehbuchauszug des Tatorts „HAL“. Fünf Schulstunden lang Grundlagen erarbeiten, um dann in zwei Stunden erste praktische Gehversuche zu machen — hier lernen die Schüler ganz nebenbei auch gleich, dass Filmarbeit viel Expertenwissen erfordert.

Remake einer Filmszene

Das gilt noch mehr für das Unterrichtsmodul „Remake einer Filmszene“, das sogar auf zwei Doppelstunden, 2 Projekttage und eine 45-Minuten-Stunde ausgelegt ist.

Aufgabe der Schüler ist es hier, eine etwas über zwei Minuten lange Filmszene zu analysieren und nachzudrehen. Dabei erstellen sie „ein Sequenzprotokoll mit Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven, Kamerabewegung, Tonebene (Sprache, Musik, Atmo-Töne), Kameratyp (Hauptkamera oder Überwachungskamera) usw.“

Zudem müssen sie den Dialog zwischen den Kommissaren Lannert und Bootz transkribieren, um dann anschließend in einem sogenannten „Floorplan“ „Kamerapositionen und -bewegung sowie die Positionen und Gänge der Schauspieler zu markieren“ (ebd., S. 1). Erst nach diesen umfangreichen Vorarbeiten kann die Szene mit einer Video- und einer Handykamera gedreht werden. Danach werden die Bilder der beiden Kameras zusammengeschnitten und Unterschiede in der Tonbearbeitung durch die zwei verschiedenen Kameras ausgeglichen.

Die wenigsten Lehrer bringen das erforderliche Know-how für alle Aspekte dieser komplexen Unterrichtseinheit mit. Deshalb bietet sich bei diesem Projekt eine fächerverbindende Zusammenarbeit etwa von Deutsch-, Kunst-, Musik- und Informatikkollegen an. Falls das nicht möglich ist, lässt sich die Aufgabe auch stark vereinfachen: So könnte man nur den Dialog transkribieren und die Ansprüche an detailgenaue Nachstellung nach Bedarf „herunterschrauben“ (keine Atmo, weniger Einstellungsgrößen, weniger verschiedene Kameraperspektiven usw.).

Und falls die technischen Voraussetzungen für den Filmschnitt fehlen, können die Schüler auch mit dem interaktiven Schnittmodul auf der Website von Tatort Film experimentieren. Hier gibt es übrigens auch ein Tool zum Ausprobieren von Farbkorrekturen und eines, das die Wirkung von Filmmusik erlebbar macht.

Martina Niekrawietz

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