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Schwellenpädagogik

Vertretungsstunden? Gut vorbereitet in Nullkommanichts!

Von jetzt auf gleich eine Vertretungsstunde halten zu müssen, das kann stressen. Muss es aber nicht: Materialien und Ideen für den sofortigen Einsatz gibt es im Netz und natürlich im Lehrerbüro. Und das Gute: Die Schüler lernen auch etwas dabei.

Schwellenpädagogik: Vertretungsstunden? Gut vorbereitet in Nullkommanichts! Wer ein paar Ideen für Vertretungsstunden in der Tasche hat, kann ganz entspannt in die Unterrichtsstunde gehen © Jacob Lund - stock.adobe.com

Vor Lehrer-Bashing schrecken bisweilen auch die Redakteure der Süddeutsche Zeitung nicht zurück. So hatte Autor Malte Pieper bereits vor Jahren die zehn „nervigsten Lehrer-Typen“ ausgemacht, wobei natürlich auch „Der Faule“ nicht fehlen durfte. Bei ihm liefe der Unterricht „immer gleich“ ab, weil „er sich erst kurz vor Beginn der Stunde oder beim ersten Blick ins Buch“ überlegt, was er mit den Schülern machen will. Alternativ dazu ließe er gleich die Schüler für sich arbeiten, „die Referate halten oder Filme schauen sollen“. – Mehr Klischee geht kaum, und die hier beschriebenen Möglichkeiten für „Stunden aus dem Effeff“ sind natürlich viel zu unkonkret.

Unterrichtsideen für jede Klasse

Ganz anders ist das bei den grafisch ansprechend gestalteten Anregungen auf der Website VERTRETEN-DÜRFEN. Damit kann Ihre nächste spontane Unterrichtsstunde kommen.

Unter dem Menüpunkt „Kategorien“ haben Sie den schnellen Überblick über alle Ideen für „Vertretungsstunden“, differenziert nach „Primarstufe“, „Sekundarstufe“ und „Energizer/Aktivierung“. Übrigens: Auch für Sekundarstufen-Lehrkräfte empfiehlt sich ein Blick auf die Ideen unter „Primarstufe“, denn für „Klassenfußball“, „Zahlenbingo“, „Geräuschewald“ etc. können sich auch die Schüler der Unterstufe noch begeistern.

Die meisten Übungen oder Spiele auf den ansprechend gestalteten Aufgabenblättern passen auf eine DIN-A4-Seite: In wenigen Sekunden sind die kurzen Beschreibungen überflogen, und meist sehen Sie mit einem Blick, für welches Fach sich die jeweilige Unterrichtsidee eignet bzw. welche Fähigkeiten dabei trainiert werden. – Kurz durchblättern, die passende Übung auswählen und Ihre Stundenvorbereitung „steht“ in zwei oder drei Minuten.

Noch schneller geht es, wenn Sie sich in einer Freistunde die Vorschläge ausdrucken, die Ihnen gefallen. Dann laminieren, abheften, mit kurzen inhaltlichen Vermerken versehen. Sie haben alles griffbereit. Anders als bei „Energizern“ brauchen Sie für die meisten Vorschläge in der Rubrik „Sekundarstufe“ keine zusätzlichen Materialien. Auch sollten Sie nicht vergessen, im Lehrerbüro zu stöbern. Wenn Sie in die Suchmaske „Vertretungsstunde“ eingeben, finden Sie für nahezu alle Fächer geeignetes Material, das Sie sofort einsetzen können. Ebenso eigenen sich Unterrichtsmaterialien, die Sie mit dem Suchbegriff „schnelle Stunde“ in Nullkommanichts herausfiltern können.

Spiele und Übungen mit fachlichem Bezug

Spiele mit Unterrichtsbezug sind bei Schülern besonders beliebt. Wie wäre es zum Beispiel in Englisch mit einer Runde City – Country – Animal? Es funktioniert genau wie Stadt – Land – Fluss und die Schüler wiederholen dabei Vokabeln und erweitern ihren Wortschatz. 

Für den Geographieunterricht eignet sich die Übung „Karte im Kopf“. Dabei kommen die Schüler in Vierergruppen vor zum Pult, dürfen sich eine Landkarte 30 Sekunden lang ansehen, und zeichnen sie dann an ihrem Platz aus dem Gedächtnis auf einem DIN-A3-Blatt nach. Es gibt zwei Durchgänge, bei jüngeren Schülern oder in heterogenen Lerngruppen auch mehr. Alle Schüler dürfen an der Karte ihrer Gruppe nach Belieben radieren und ändern. Am Schluss zeigt jede Gruppe ihre Karte vor der Klasse. – Vermutlich haben Erdkundelehrer ihre Schüler selten so aufmerksam beim Kartenstudium gesehen.

In Deutsch verfassen die Schüler eine Mini-Geschichte, die nicht länger als vier Zeilen ist. Beispiele für drei solcher sogenannter Tiny Tales finden sich auf einem Aufgabenblatt. Sie müssen also nicht extra ein Buch mitnehmen. Die Beispiele stammen vom Autor Florian Meimberg, der die Mini-Geschichten im Twitterformat auch erfunden hat. – Zum Anfixen ein Beispiel: „‚Sorry, ich hab‘ einen Freund.‘ – Eva log. Der Typ war ihr auf Anhieb unsympathisch. ‚Schade‘, murmelte Adam und verschwand wieder im Wald.“

Anklänge zu den Fächern Deutsch und Musik bietet die Übung „Selfmade-Hörbuch“: In Gruppenarbeit denken sich die Schüler eine kurze Geschichte oder Szene aus, die nur aus Geräuschen bestehen darf. Themenideen hierfür wären zum Beispiel: „auf hoher See“, „im Zirkus“, „auf dem Pausenhof“ oder „auf dem Bauernhof“. Dann überlegen sich die Schüler, wie sich ihr Thema umsetzen lässt, wobei auch „Geräuschhilfen“ (Stifte, Einrichtungsgegenstände etc.) verwendet werden dürfen. Bei der anschließenden Aufführung sitzt das Publikum mit dem Rücken zur Bühne und hört. Am Ende suchen die Zuhörer einen passenden Titel für das Stück. 

Logisches Denken und die Fähigkeit zu kombinieren fördern Sie im Mathematikunterricht mit dem Logical „Die drei Models“. Das Rätsel besteht aus einer Beschreibung des Problems und aus Hinweisen bzw. Aussagen, mit denen sich das Rätsel lösen lässt. – Ideal für eine längere Stillarbeitsphase, während der Sie sich anderen Aufgaben zuwenden können, genauso wie „Die verflixte 6“, eine „knifflige Aufgabenreihe“, die jeder Schüler für sich löst.  Und übrigens: auch Logicals und Spiele finden Sie reichlich im Lehrerbüro.

Challenges für Teamplayer

Schüler lieben Challenges, die im Netz kursieren. Deshalb werden sie sich vermutlich begeistert auf die Herausforderungen in der Rubrik „Energizer/Aktivierung“ einlassen. Bei der Marshmallow-Challenge etwa bilden die Kids Viererteams. Die Aufgabe: „Baue aus 20 Spaghetti, einem Meter Malerkrepp und einem Meter Bindfaden einen möglichst hohen Turm und stecke oben ein Marshmallow drauf.“ Die Schüler bekommen eine Schere pro Team, 15 Minuten Zeit, und los geht’s. Gewonnen hat die Gruppe mit dem höchsten Bauwerk. Dabei kommt es einmal darauf an, gemeinsam Ideen zu entwickeln, sich gut abzusprechen und die Aufgaben im Team zu verteilen. Neben den sozialen Fähigkeiten fördert die Marshmallow-Challenge auch das räumliche Denken: Gefragt ist ein gutes Gespür für Balance, Statik und natürlich Kreativität.

Eine spannende Challenge für größere Gruppen von 6 bis 10 Leuten ist der schwebende Zollstock. Die Schüler stellen sich einander gegenüber auf, strecken ihren Zeigefinger aus, und der Lehrer legt den ausgeklappten Zollstock auf ihren ausgestreckten Zeigefinger. Ziel ist es, den Zollstock gemeinsam auf den Boden zu legen, wobei der Zeigefinger permanent den Zollstock berühren muss. – Klingt einfach, ist aber ganz schön schwer, umso mehr, als die Mitspieler in den ersten Minuten dabei nicht reden dürfen. Bei diesem gruppendynamischen Spiel lernen die Schüler, aufeinander zu achten: Es klappt nur, wenn alle in der Gruppe „harmonieren“.

Bewegung und Hirnjogging

6–10 Personen – das ist die ideale Gruppengröße für den „gordischen Knoten“. Dabei stellen sich die Schüler in einem engen Kreis auf. Dann schließen sie die Augen, strecken die Hände aus und greifen zwei Hände. Danach öffnen sie die Augen wieder und beginnen, den „Knoten“ aus Händen und Armen zu lösen, ohne sich loszulassen. „Durch geschicktes Drehen-, Drüber- und Druntersteigen lässt sich der Knoten entwirren“, verspricht Lehrer Alex, der Autor der Website VERTRETEN-DÜRFEN. – Es versteht sich von selbst, dass diese Übung erst wieder möglich ist, wenn die Ansteckungsgefahr durch Corona gebannt ist.

„Mit dem Energizer ‚Overload‘ wird eine Lerngruppe so richtig wach gemacht!“, schreibt der Autor in der Einleitung der Übungsbeschreibung. Und das nicht nur, weil die Vierergruppen bei dem Spiel stehen, sondern auch, weil „alle Bereiche des Gehirns aktiviert werden“ (ebd.).

In jeder Gruppe geht ein Schüler in die Mitte, die anderen drei stellen ihm Aufgaben: Der erste im Außenkreis stellt eine einfache Rechenaufgabe, die derjenige in der Mitte möglichst schnell beantworten muss („analytisches Denken“). Der nächste im Außenkreis fragt „Welche Farbe hat der Teppich, Käse, der Boden etc. („assoziatives Denken“). Der Dritte im Außenkreis schneidet Grimassen, die der Schüler innen spiegeln muss. – Sowohl die Spieler im Außenkreis als auch die Schüler in der Mitte trainieren dabei ihr Gehirn. Mit der Zeit laufen die Fragerunde immer schneller. Wenn dabei auch der Lärmpegel steigt, behalten Sie die Kontrolle, wenn Sie der Taktgeber für die Runden sind: Sie unterbrechen das Spiel mit einem akustischen Signal. Erst wenn die Klasse sich wieder beruhigt hat, geben Sie die Anweisung: „Wechseln!“

Last but not least noch ein Praxistipp: Am besten notieren Sie sich in Ihrem Vertretungsordner auch, mit welcher Klasse Sie wann welche Übung gemacht haben. So vermeiden Sie Wiederholungen. Gut ist es auch, wenn Sie die „exotischeren“ Materialien für die Energizer in einer Schuhschachtel bereitlegen, zum Beispiel Zollstöcke, Malerkrepp und Spaghetti für die beiden „Challenges“.

Martina Niekrawietz

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