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Politische Bildung

Wer die Wahl hat ...

Trocken? Langweilig? Nein! Das Thema Wahlen eignet sich hervorragend für einen handlungsorientierten, schüleraktiven Politikunterricht. Hochaktuell ist es obendrein, denn 2017 ändert sich einiges in Bundestag und diversen Landesparlamenten.

Politische Bildung: Wer die Wahl hat ... Politische Meinungs- und Willensbildung sind dieses Jahr live mitzuerleben bei der Wahl zum deutsche Bundestag © MichaelJBerlin - Fotolia.com

„Wer wählt, hat die eigene Stimme bereits abgegeben", das hat die 16-jährige Jana mit wasserfestem Filzstift auf ihre ausgebeulte Schultasche geschrieben. Die Zehntklässlerin engagiert sich bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Den Spruch sieht sie als ironische Provokation und keineswegs als defätistisches Statement.

Selbstverständlich ist das nicht. Berichte, die sich mit der Wahlbeteiligung Heranwachsender befassen, kommen selten ohne das Wort „alarmierend" aus. Zwar ist der Anteil der 18-21-Jährigen, die an der Bundestagswahl teilgenommen haben, von 2009 bis 2013 nicht zurückgegangen, doch er stagniert auf niedrigem Niveau. Nur rund 64 Prozent der erstmals Wahlberechtigten gaben einer Erhebung des Bundeswahlleiters zufolge einen Stimmzettel ab. Bei Landtags-, Kommunal- und Europawahlen ist der Prozentsatz sogar noch niedriger. Die Gründe hierfür sind vielfältig und geben Stoff für Forschungsarbeiten. Neben schlichter Unlust wird häufig von Politikverdrossenheit und mangelndem Vertrauen in die Parteien gesprochen.

Politikunterricht muss zeigen: Demokratie lebt vom Mitmachen

Dass Schule diesen Missstand behebt, wäre zu viel erwartet. Nichtsdestotrotz sollte Politikunterricht den Schülern vermitteln, warum es wichtig ist, an politischen Prozessen zu partizipieren und weshalb Nichtwählen letztendlich den Falschen hilft. Hochaktuell ist das Thema im Wahljahr 2017 ohnehin: Am 12. Februar wird über einen neuen Bundespräsidenten abgestimmt. Im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stehen im März beziehungsweise Mai Landtagswahlen an. Die Bundestagswahl folgt im September.

Ohne „graue Theorie" geht es beim Thema Wahlen nicht. Um zu verstehen, was die Stimmabgabe bewirkt, braucht es Hintergrundwissen zu Staatsorganisation und Demokratie. Wenn erst Begriffe wie Überhangmandat, Koalition und Zweitstimme nicht mehr für fragende Gesichter sorgen, dann sind diverse schüleraktive Zugänge möglich.

Links zum Thema

Informationen zum Thema Wahlen, aber auch zu anderen Bereichen der Politik, finden sich auf der Internetseite hanisauland.de. Die Website wird von der Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB) betrieben und richtet sich an Schüler der dritten bis achten Klasse. Am Beispiel des von Hasen, Nilpferden und Wildschweinen bewohnten Hanisaulandes werden politische Prozesse kindgerecht erklärt. 

Auf privates Engagement geht die Website wahlrecht.de zurück. Hier werden Staatsaufbau, Prozesse und wichtige Begriffe sachlich erklärt. Der Internetseite ist anzumerken, dass ihre Betreiber hohe Anforderungen an Qualität und inhaltliche Richtigkeit der Texte haben. Die Artikel sind gut zu verstehen, richten sich jedoch an Erwachsene und sind eher etwas für ältere Schüler.

Auf der Homepage des Bundestages gibt es die Möglichkeit, eine Darstellung in leichter Sprache auszuwählen. Dadurch wird die Arbeit des gesetzgebenden Organs so beschrieben, dass sie auch für Kinder und Jugendliche zu verstehen ist und mit zahlreichen Zeichnungen illustriert.

So kann die kommende Wahl im Klassenzimmer durchgespielt werden. Hierfür finden sich die Schüler in Arbeitsgruppen zusammen, jede von ihnen beschäftigt sich mit einer der wichtigsten Parteien. Abschließend stellen die Gruppen den anderen „ihre" Partei vor, erklären, was deren Ziele sind und was die wichtigsten Punkte ihres Wahlprogramms ausmacht. Womöglich entwerfen Sie Wahlplakate und entwickeln Ideen, wie man als Parteivertreter auf mögliche Wähler zugehen kann. Sind die Schüler informiert,  wird — frei, gleich und geheim — gewählt.

Fiktive Parteigründung: aufwendig, aber lehrreich

Etwas aufwendiger ist die Gründung einer fikiven Partei. Hierbei müssen sich die Schüler ausgiebig mit ihren eigenen politischen Standpunkten auseinandersetzen. Sie müssen sich überlegen, was sie von der Regierung in der kommenden Legislaturperiode erwarten und wie sie diese Ziele umsetzen würden, wenn sie selbst Angehörige von Bundestag, Landtag oder Stadtrat wären. Nachdem jeder seine Vorstellungen, Wünsche und Forderungen nennt, erarbeitet man einen Konsens. Darauf basierend wird ein Parteiprogramm gestaltet, Name und grundsätzliche Ausrichtung der Partei werden festgelegt. Darüber hinaus machen sich die Schüler schlau, welche Formalitäten einzuhalten sind, will man offiziell als Partei gelten.

Schüler als Wahltforscher

In den soziologischen Bereich geht es, wenn Schüler zu Wahlforschern werden. Im Rahmen einer Straßenbefragungen können Passanten interviewt werden, wem sie demnächst ihre Stimme geben wollen. Je nachdem wie viel Zeit hierfür zur Verfügung steht, kann das Ganze als reine Prognose oder aber als sozialwissenschaftliche Forschung gestaltet werden. In dem Fall können weitere Merkmale berücksichtigt und der Frage nachgegangen werden, inwieweit diese das Wahlverhalten beeinflussen. So kann zum Beispiel untersucht werden, ob Männer anders wählen als Frauen oder jüngere Menschen ihr Kreuzchen typischerweise an anderer Stelle machen als Ältere. — Stoff zum Forschen gibt es genug und kann die Schüler aktivieren, sich mehr für das politische Geschehen in ihrem Land zu interessieren.

Stefan Hirsch

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