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Angst vor Klassenarbeiten

Wie Lehrkräfte bei Prüfungsangst unterstützen können

Prüfungsangst betrifft viele Schüler/-innen. Sie können für Betroffene sehr belastend sein und zu schlechteren Noten führen. Hier erfahren Sie, wie Sie Schüler/-innen in diesem Fall helfen können.

Angst vor Klassenarbeiten: Wie Lehrkräfte bei Prüfungsangst unterstützen können Es gibt Tricks, wie Sie bei Prüfungsangst helfen können © Rudie - stock.adobe.com

Joel ist 12 Jahre alt und geht in die 7. Klasse einer Gesamtschule. Seine Noten sind durchschnittlich gut und er geht recht gerne in die Schule. Sobald jedoch eine Klassenarbeit ansteht, wird er sichtlich unruhig, nervös und möchte am liebsten zu Hause bleiben.

Prüfungsangst ist ein Phänomen, dass viele Schüler/-innen betrifft. Allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung. Dabei ist es sehr wichtig, dass diese Ängste ernst genommen werden. Sie können für Betroffene sehr belastend sein und zu schlechteren Noten oder gar Leistungsabfall führen. Der gut gemeinte Rat: “Das schaffst du schon.“ ist dabei wenig hilfreich. Wenn die Anspannung vor einer Klassenarbeit so groß wird, dass sich starke Aufregung oder körperliche Beschwerden zeigen, ist es wichtig, den Ursachen einer solchen Angst auf den Grund zu gehen. Beobachten Sie bei Schüler/-innen extreme Unsicherheit oder starke Nervosität vor anstehenden Klausuren, führen Sie mit den betroffenen Eltern und dem/r Schüler/-in ein Gespräch. Ein Informationsabend bietet ebenso die Möglichkeit, gemeinsam mit den Eltern dieses Thema zu bearbeiten. Aufmerksame Eltern kennen möglicherweise die Problematik ihres Kindes und sind für jede Anregung dankbar.

Auswirkungen der Prüfungsangst

Kinder und Jugendliche können aus verschiedenen Gründen Ängste entwickeln. Nimmt die Angst allerdings pathologische Auswirkungen an, beispielsweise in Form von Panikattacken, Atemnot oder Schwindel, sollte schnellstens eine medizinische oder therapeutische Abklärung vorgenommen werden. Zu entsprechenden Maßnahmen wird dann möglicherweise ein/e Facharzt/-in oder Psychologe/-in raten können.

Die Angst als alltägliches Phänomen hingegen kommt recht häufig vor und hat eine wichtige Funktion. Sie erhöht die Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft und steigert die Durchblutung des Gehirns. Angst vor Prüfungen oder Klausuren jedoch, bedeutet ein hohes Stressniveau und eine enorme Anspannung. Verschiedene Symptome zeigen sich dann bei Kindern und Jugendlichen, unter anderem auch durch körperliche Reaktionen. Manche klagen über Kopf- oder Bauchschmerzen, sie haben Schweißausbrüche und feuchte Hände. Sie können in der Nacht vorher nicht schlafen und oft auch nichts essen. Viele Schüler/-innen zeigen eine deutliche Nervosität oder ziehen sich zurück und sind kaum ansprechbar. Ein gefühlter Kloß im Hals, Zittern und Mundtrockenheit können auch Symptome bei Prüfungsangst sein. Diese Angst gilt es, mit Tricks und Techniken zu mindern oder gar zu überwinden.

Prüfungsangst hat verschiedene Motive 

Die Angst vor Prüfungen oder Klassenarbeiten kann unterschiedliche Ursachen haben: 

  • Fehlendes Selbstbewusstsein: Manche Schüler/-innen sind sehr unsicher und trauen sich selbst nichts zu. Ihr Selbstbild ist zuweilen eher negativ.
  • Versagensängste: Die Angst zu versagen, ist ein häufiger Grund, warum Schüler/-innen Angst vor Klassenarbeiten haben.
  • Überforderung: Das anstehende Thema, die Lernstufe oder sogar die Schulform stellen für die/den Betroffene/-n eine Überforderung dar.
  • Perfektionsanspruch: Der eigene Ehrgeiz oder die hohen Ansprüche der Eltern führen dazu, dass der Stoff in der geforderten Situation nicht abgerufen werden kann.
  • Lerndefizite: Der Lernstoff wurde aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend geübt. 
  • Negative Erfahrungen: Es kommt vor, dass Schüler/-innen mit Prüfungsangst von Mitschüler/-innen gehört haben, wie schwer die entsprechende Arbeit sei. Ebenso können bereits erlebte negative Erfahrungen Angst machen.

Für eine Lehrkraft ist es nicht unbedingt leicht, bei jedem/r einzelnen Schüler/in die Ursachen für die Prüfungsangst zu erkennen. Oftmals fehlt auch die Zeit, diese Probleme genau zu analysieren. Verschiedene Lernstrategien und Verringerung des Leistungsdruck jedoch, schaffen Erfolgserlebnisse und Sicherheit. Anregungen oder kleine Übungen können im Unterricht genutzt werden, die Schüler/-innen auf die anstehenden Arbeiten vorzubereiten und die Angst zu mindern.

Lernstrategien gegen Prüfungsstress

Gut vorbereitet zu sein und richtig gelernt zu haben, bringt Sicherheit in Prüfungen oder bei Klassenarbeiten. Vermitteln Sie den Schüler/-innen, dass es sich lohnt, frühzeitig und effizient zu Hause zu lernen. Einige Tipps können für die Schüler/-innen eine große Hilfe sein:

  1. Jeden Tag ein wenig lernen und nicht den ganzen Stoff auf einmal üben.
  2. Ein Zeitplan für effektives Lernen, bei dem Pausen und Lernzeiten festgehalten sind, schafft Struktur. 
  3. In einem Übersichtskalender werden die Zeiten der einzelnen Klassenarbeiten eingetragen. Die Lernzeiten und Inhalte können danach abgestimmt werden.
  4. Beim Lernen darauf achten, dass es wenig Ablenkung gibt, zum Beispiel durch Musik, Geschwister oder einen chaotischen Arbeitsplatz.
  5. Für manche Schüler/-innen ist es hilfreich, sich beim Lernen Notizen zu machen oder mit Hilfe von Karteikarten den Stoff immer wieder zu lesen.
  6. Regen Sie an, Lernpartner einzubeziehen. Das können Freunde, Geschwister oder Mitschüler/-innen sein.
  7. Ermuntern Sie die Schüler/-innen, im Unterricht oder bei der Klassenarbeit zuerst genau zuzuhören und nachzufragen, wenn etwas unklar ist.
  8. Erklären Sie den Schüler/-innen, dass sie Textpassagen oder Rechnungen bei mehreren Aufgaben innerhalb einer Klassenarbeit, mit einem anderen Blatt zudecken können. So können sie sich nur auf bestimmte Zeilen konzentrieren und nach und nach alles abarbeiten.
  9. Machen Sie deutlich, dass schriftliche Aufgaben für eine Klassenarbeit konzentriert durchgelesen und genau verstanden werden müssen.
  10. Regen Sie an, dass sich die Schüler/-innen während der Klassenarbeit zuerst einen Überblick über die geforderte Aufgabe verschaffen sollten. Zum Beispiel ist es sinnvoll, bei Mathematikarbeiten als Erstes mit den einfachen Aufgaben zu beginnen, um mit der Zeit auszukommen. So stellt sich auch eher ein Erfolgsgefühl ein.

Hinweis : Siehe auch Lernstrategien beim visuellen Lerntyp

Übungen und Präventionsmaßnahmen       

Um Kindern die Angst vor Klassenarbeiten zu nehmen, kann man spielerische Übungen im Unterricht einbauen. 

  • Eine witzige Bezeichnung für die Angst vor einer Klassenarbeit kann den Druck rausnehmen. Zum Beispiel: „Schlotterotter“ oder „Furchtnatter“. Vielleicht finden die Schüler/-innen eine lustige Zeichnung dazu.
  • Wenn Sie ein Unterrichts-Thema wiederholen, lassen Sie zum Beispiel den vorher erarbeiteten Inhalt von einer/m Schüler/-in vorlesen, während die Mitschüler/-innen stichpunktartig mitschreiben. Die Notizen werden anschließend von einzelnen vorgetragen. So oder durch kleine, nicht bewertete schriftliche Tests können Sie die Prüfungssituation üben.
  • Inszenieren Sie zu einem durchgeführten Thema eine Art „Pressekonferenz“, bei der drei Schüler/-innen sitzend vor der gesamten Klasse über das Thema berichten und die anderen Fragen dazu stellen können. Diese prüfungsähnliche Situation schult die Eloquenz und das konzentrierte Zuhören und Nachfragen. 
  • Fünf Minuten für die Konzentration: Üben Sie mit den Schüler/-innen am Anfang des Unterrichts richtiges Ein- und Ausatmen und erklären Sie, dass Atmen bei Angst beruhigen kann. 
    1. Einatmen und dabei bis vier zählen, dann bis sieben zählen und dabei mit offenem Mund ausatmen.
    2. Das linke Nasenloch zuhalten und mit dem anderen tief einatmen. Die Luft ca. drei Sekunden anhalten und das rechte zuhalten. Danach durch das linke Nasenloch wieder ausatmen.
  • Machen Sie Ihrer Klasse vor der Arbeit Mut. Sprechen Sie darüber, welche Noten sich die Schüler/-innen wünschen würden und wie sie diese erreichen können. Dabei erfahren Sie auch etwas über realistische Einschätzungen.
  • Lassen Sie zwischendurch im Unterricht verschiedene Sitzpositionen und Körperhaltungen auf den Stühlen ausprobieren. Fragen Sie die Schüler/-innen, in welcher Haltung sie sich am wohlsten gefühlt und die meiste Energie verspürt haben. Das macht Spaß und die Schüler/-innen können ihre Haltung in einer belastenden Situation entsprechend  korrigieren.
  • Versuchen Sie, eine lockere und entspannte Atmosphäre vor der Klassenarbeit zu schaffen, in dem Sie eine kleine, lustige Anekdote (diese können Sie eventuell schon im Vorfeld für solche Situationen sammeln.) erzählen. Sie können auch etwas über den „Schlotterotter“ berichten, währenddessen Sie die Hefte austeilen.
  • Machen Sie hin und wieder mit den Schüler/-innen am Ende eines Unterrichts eine Fantasiereise in ihren inneren sicheren Wohlfühl-Ort. Jede/r kann sich einen Ort überlegen, an den sie/er sich zurückziehen und wohlfühlen kann. Durch mehrere Wiederholungen lernen die Schüler/-innen, sich in der belastenden Prüfungssituation kurzfristig mental an diesen Ort zurückzuziehen, um sich danach wieder auf die Arbeit zu konzentrieren (Beispiel).
  • In einer Stresssituation während der Klassenarbeit kann es helfen, das Gehirn kurzfristig auf eine Bewegung zu fokussieren. Lassen Sie die Schüler/-innen im Unterricht üben, in ihrem Schuh ein paar Mal mit den Zehen zu wackeln. Das beruhigt und bringt etwas Entspannung.
  • Führen Sie wiederholt mit Ihren Schüler/-innen vor dem Unterricht kleine Rituale durch, um sich auf die nächste Unterrichtssequenz vorzubereiten und von der Angst abzulenken. Beispiel:
    1. Vor dem Hinsetzen auf den Stuhl die Arme und Beine mehrmals ausstreichen.
    2. Gedankenstopp: Hinsetzen, einen kurzen Moment die Augen schließen und an etwas Schönes denken, wie Ferien, eine Party, ein Spiel, etc.
    3. Lassen Sie die Schüler/-innen eine Körperhaltung und Mimik für den „Schlotterotter“ finden und wie man ihn verjagen kann.
  • Lassen Sie einen kleinen Text, Aufsatz oder eine Art Zeitungsreportage schreiben.  Beispiel-Thema: „Wenn der Schlotter-Otter kommt.“ Die Schüler/-innen berichten darin, was ihnen während einer Klassenarbeit Sorgen macht, was sie dagegen machen und wie sie sich selbst helfen können.
  • Wenn Sie die Zeit dazu haben und das an Ihrer Schule genehmigt wird, schreiben Sie eine Arbeit mehr als nötig und sagen sie Ihren Schüler/-innen, dass Sie die schlechteste Note aller Arbeiten wegstreichen werden. Mehr Versuche schaffen mehr Gelassenheit.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig

Kinder, die Angst vor Klassenarbeiten haben, brauchen Unterstützung in der Schule und vor allem zu Hause. Daher ist eine Zusammenarbeit mit den Eltern unumgänglich und schafft gleichzeitig Entlastung für die Lehrkraft. Manchen Eltern ist nicht bewusst, dass der eventuelle Leistungsabfall ihres Kindes auf Prüfungsangst zurückzuführen ist. Versuchen Sie, die Eltern zu sensibilisieren, auf die Ängste ihres Kindes zu achten und sie in ihren Stärken zu unterstützen. Manche Kinder orientieren sich an ihren Misserfolgen und entwickeln daraus zunehmend mehr Versagensängste.

Hier können Sie eine Arbeitshilfe herunterladen mit Tipps zu passenden Elterninfos:

Arbeitshilfe Elterninfo Prüfungsangst »

Herauszufinden ist jedoch auch, ob der/die Schüler/-in eventuell mit der Schulform überfordert ist und ein Schulwechsel Hilfe schaffen könnte.

Leider gibt es uninteressierte Eltern, die nicht zu einem Elternabend kommen. Dann können Sie zumindest mit einem Elternbrief aufmerksam machen, dass Ihr Kind Probleme haben könnte und möglicherweise Hilfe braucht. Schriftliche Anregungen zur Unterstützung können Sie beim Elternsprechtag übergeben oder zuschicken. 

Angela Hentschel


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