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Ideen für den Unterricht

„/zeen/“ - Was ist eigentlich ein Zine?

Sie wissen nicht, was ein Zine ist? Vielleicht hatten Sie aber schon mal eines dieser Faltheftchen in den Händen. Sie lohnen sich für größere oder kleinere Unterrichtseinheiten.

Ideen für den Unterricht: „/zeen/“ - Was ist eigentlich ein Zine? Zine - das kreative Faltblatt © antishock - stock.adobe.com

Neulich habe ich die Ausstellung einer Nachwuchskünstlerin angesehen und war sehr begeistert davon. So gerne hätte ich einen Ausstellungskatalog oder eine Broschüre gehabt. „Das gibt es nicht, aber nehmen Sie doch mein Zine mit“, sagt sie und drückt mir ein kleines Faltheftchen in die Hand. Im Westentaschenformat konnte ich auf ein paar wenigen, sehr schön gestalteten Seiten die Eindrücke der Ausstellung als Faltheft mitnehmen. Das hat mich neugierig gemacht – was ist eigentlich ein Zine? Und wie könnte ich es im Unterricht einsetzen?

Zines kurz erklärt

Kleine selbstgemachte Magazine, kurz Zine (ausgesprochen /zeen/), werden in kleinen Auflagen eigenhändig produziert und meist für kleines Geld oder gratis vertrieben. Als Blog-Format für Papierliebhaber war es ursprünglich gedacht. Das erste Zine existierte etwa um 1930 und beinhaltete damals Science-Fiction-Comics. Es hat sich inzwischen eine Subkultur für Comic, Mode, Film, Musik und Do-it-yourself-Ideen entwickelt. Es werden als Sonderform auch die sog. Art-Zines in geringen Auflagen publiziert, um auf einfachem Weg künstlerische Arbeiten zu veröffentlichen zu können. Dabei behandeln Zines im Allgemeinen die unterschiedlichsten Themen – sei es politisch, künstlerisch oder als eine Art Tagebuch.

Zines sind Minifaltbücher und Kleinstmagazine, die durch entsprechendes Falten und Schneiden eines DinA4-großen Blattes Papier erstellt werden. Mit Hilfe des Farbdruckers oder durch Collagieren benötigt man für die Herstellung keinerlei weitere Herstellungsmittel wie Buchbindung oder ähnliches. Der Vorteil ist, dass man nur eine geringe Auflage durch Fotokopie oder Laserdrucken erstellen muss. Zines werden also im Selbstdruck verlegt. Zinester werden die Zine-Hersteller genannt. Sie vertreiben ihre Zines auch über Onlineplattformen für Selbstgemachtes und Kunst. Viele schöne Beispiele findet man beispielsweise bei etsy.

Ideen für Zines

Man kann ein Zine recht einfach herstellen, was einen schnellen und spielerischen Einstieg erlaubt. Es braucht lediglich alte Zeitungen und Zeitschriften, Papier, Kleber und Schere. Durch das richtige Falten entsteht eine Art doppelseitiges Leporello, welches als Miniheft fungiert. Hierin lässt sich jede Art von künstlerischem Ausdruck veröffentlichen. Neben der Collage-Technik kann man mit Mixed-Media arbeiten oder mit Cut-and-Paste-Technik. Die einfache und zufällige Anwendung bringt Unberechenbarkeit und Einzigartigkeit mit in die Zine-Gestaltung. Damit ergibt sich fortlaufend ein etwas anderer, individualisierter Inhalt mit lauter einzigartigen Originalen. Manche Zinester nummerieren ihre Zines auch aufwändig durch, z. B. mit einer Nummernziffer, die handschriftlich aufgebracht wird und den Charakter einer Signatur hat. Die nicht-optimierten und auch nicht standardisierten Texte, Bilder und Layouts sind in ihrer eigenen Ästhetik überraschend und regen auch den Rezipienten zum Sammeln an. Es haben sich regelrechte Zine-Börsen und Sammel-Foren gebildet.

Wie lässt sich ein Zine im Unterricht einsetzen

Im schulischen Kontext liegt der Benefit auf der Hand: Ein neues, modernes Format wird für die künstlerische Gestaltung genutzt. Über die Recherche im Internet erfahren die Schüler mehr über die Zines. Es können alle möglichen Techniken und Arbeitsergebnisse aus dem Deutsch- und Kunstunterricht angewendet und weiterverwendet werden, man gestaltet Einzelstücke und gibt einen ästhetischen Rahmen dafür.
Auch die Techniken selbst wie Collage, Drucken und Stempeln oder Mixed Media erhalten neuen Schwung. Mit der Herstellung individueller Stempeldruckplatten kann man beispielsweise Text und Bild gut verbinden. Mit ihnen kann man die klassischen Motive zur Ornamentik und Rahmensetzung gestalten, aber auch Tags und weitere individuelle Ausdrucksarten. Beliebt ist die Verwendung eines Zines als Anleitung für andere Werkstücke im Sinne eines „How-to-Zines“, also die Zine-Form als eine Anleitung aus Zeichnungen, Texten, Fotos und eben eigenen Stempeln.

Dies lässt sich normalerweise ganz ohne Computer herstellen, aber ist natürlich auch mit PC-Ergebnissen möglich. Vor allem die Herstellung eines sog. Dummies gelingt am Rechner gut. Ein Dummy ist die Vorlage, die dann im Anschluss im Fotokopierer oder im Laserdrucker vervielfältigt wird. Texte werden entweder hinterher von Hand hineingeschrieben oder gleich mit in den Dummy eingesetzt. Im Anschluss gestaltet man dann Fotos, Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften sowie weitere Designelemente dazu. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Wichtig ist es, die Seitennummern früh festzulegen. So gerät die Reihenfolge der Inhalte nicht durcheinander und man kann das Zine schlussendlich richtig zusammenfalten. Eine anschauliche Videoanleitung gibt es auf YouTube. Und eine schöne Faltanleitung Schritt für Schritt findet sich auf der Website kreativ-cafe.

Das Zine ist eine zur Kunstform der Subkultur erhobene Arbeitsweise, um kleine Heftchen mit eigenen künstlerischen Inhalten individualisierbar zu gestalten und in kleiner Auflage zu verbreiten. Es geht darum, etwas selbst zu machen, das man in der Hand halten kann. In digitalen Zeiten eine ansprechende Art, mit den eigenen kreativen Ideen umzugehen. Auf Pinterest findet man beispielsweise viele anschauliche Beispiele, wie Zines aussehen können. Mit größeren oder kleineren Unterrichtsprojekten lohnt es sich, diese Methode einmal selbst mit den Schülern auszuprobieren.

Claudia Omonsky


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