Fach/Thema/Bereich wählen
Lehrergesundheit

In der Pause? Schalten Sie ab!

Pausen dienen in der Schule zur Erholung der Schüler, für die Lehrer sind sie stressige Arbeitszeit unter anderen Vorzeichen. Dabei ist es für die Gesundheit wichtig, sich achtsam und bewusst eine Auszeit zu gönnen.

Lehrergesundheit: In der Pause? Schalten Sie ab! Sich entspannt zurücklehnen, allein im Klassenzimmer, so können Lehrkräfte in der Pause Energie tanken © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Dass Pausen für Lehrkräfte überlebenswichtig sind, hat Martina Schmidt am eigenen Leib erfahren. Neben ihrem Job in der Schule „wuppte“ sie „auch noch Familie, Haus & Hund“. Dass dabei kaum noch Zeit für Erholung war, das fand sie ganz normal. „Durchpowern!“ war ihre Devise, und das ging auch einige Jahre gut, wie sie auf ihrer Website „Die kleine Pause“ erzählt. Doch dann kam ein Bandscheibenvorfall und sie fasste den festen Entschluss, ihr „ganzes Leben radikal umzukrempeln“. Wie so oft ließ sich das im stressigen Alltag nicht durchhalten, und sie fiel in ihre alten Verhaltensweisen zurück. Erst als das Burn-out kam, schaffte sie mithilfe einer Therapie den „Ausstieg“ aus dem „Hamsterrad“.

In dieser Zeit hat Martina Schmidt „viel über die Macht der Gewohnheiten und die Kraft der regelmäßigen, kleinen Pausen“ gelernt, und dieses Wissen gibt sie nun als Coach und Podcasterin weiter. – Ihre Podcasts runterladen, Kopfhörer ins Ohr und in der großen Schulpause anhören – das ist unser erster Tipp für eine entspannte Pause.

Ihr persönlicher Pausencheck

Die meisten Lehrkräfte erledigen zwischen Pausengong und Beginn der nächsten Stunde all das, wofür im Unterricht selbst keine Zeit ist. – Um Ihre Pausen zu entstressen, sollten Sie am besten erst einmal „den ganz normalen Pausenwahnsinn“ beobachten und aufschreiben, was Sie so in Ihrer Pause alles machen, rät Martina Schmidt in ihrem Podcast #2. Etwas essen, trinken, ein wenig frische Luft schnappen, sich bewegen, sich nett unterhalten, sich ein wenig Ruhe gönnen, abschalten – vieles möchten Sie ja gern in Ihrer Pause tun. Manches müssen Sie auch tun, zum Beispiel die Pausenaufsicht führen, einen Raumwechsel vorbereiten oder mit den Kollegen Organisatorisches besprechen. 

Und dann gibt es die Dinge, die Sie in Ihrer Pause nicht tun möchten, aber trotzdem tun: ein Telefonat mit den Eltern, Problemgespräche im Lehrerzimmer oder Fragen von Schülern beantworten – die Zeit, die Sie hierfür aufwenden, geht von Ihrer Erholungszeit ab. Hier können Sie den Rotstift ansetzen: Elterngespräche in den Sprechzeiten, Schülerfragen dann beantworten, wenn Sie ohnehin Aufsicht haben usw. – bestimmt werden alle Verständnis dafür haben, dass auch Sie Ihre Pause brauchen.

Die Pause beginnt mit einer Pause

Martina Schmidts Idee (ebd.): Die Pause prinzipiell direkt mit einer Erholungsphase beginnen. Also: erst etwas essen, ein paar Schritte vor die Tür gehen usw. und dann erst die obligatorischen Sachen erledigen. Eine weitere gute Idee: Einfach ein paar Minuten früher in der Schule sein und schon morgens „in aller Ruhe“ ankommen und ein paar Dinge erledigen, die Ihnen sonst untertags die Pausen rauben würden. 

Ganz viel Stress nehmen Sie auch raus, wenn Sie die Materialien und auch sonst alles, was Sie an dem Tag brauchen, bereits am Vortag vorbereiten bzw. bereitstellen. – Einfache kleine Veränderungen, die aber große Wirkung entfalten, vorausgesetzt, Sie ziehen das konsequent durch. Bestimmt wird sich auch das Umfeld nach und nach umstellen, wenn z. B. ihre Schüler nach einiger Zeit schon wissen, dass die ersten Minuten jeder Pause Ihnen gehören. Und wer weiß – vielleicht macht Ihr Beispiel auch im Kollegium Schule und es etabliert sich eine Pausenkultur für Lehrer – ohne Problemgespräche und Elterntelefonate. 

Rückzug und Abwechslung bei der Pausengestaltung

Wenn Sie solchermaßen Stress und Druck rausgenommen haben, gewinnen Sie Zeit für die erholsamen Dinge des Lebens. Das turbulente Lehrerzimmer ist dann oft nicht der richtige Ort, um neue Energie zu tanken, erläutert Martina Schmidt in Podcast # 22: Schließlich stresst hier vieles, was Sie auch im Unterricht schon beansprucht: Lärm, permanent präsent sein und reagieren müssen, reden, konzentriert zuhören usw. Viel erholsamer ist es doch da, sich in der Pause an einen ruhigen Ort zurückzuziehen und dort die Zeit mit ganz anderen Dingen zu verbringen. Martina Schmidts Vorschläge in den Podcasts # 22 und # 23:

  • ein paar gymnastische Übungen bei einem Spaziergang oder im eigenen Klassenzimmer, idealer Weise am offenen Fenster,
  • in aller Ruhe einen schönen Duft genießen, am besten naturreine ätherische Bio-Öle, zum Beispiel entspannende Lavendel-, Rosen-. Vanille- oder Zimt-Öle oder belebende Citrusdüfte,
  • mit einer Meditations-App zur Ruhe kommen oder eine 5-minütige Atemmeditation (Podcast #10) nutzen, das Pausenbrot ganz bewusst essen, achtsam auf alle Sinne einbeziehen oder einfach am offenen Fenster alle Geräusche achtsam wahrnehmen,
  • kreativ werden, etwas aus Knete formen, ein Kritzelbild erstellen, Origami falten o. Ä.,
  • an der frischen Luft eine Runde um die Schule drehen,
  • sich für ein paar Minuten bei seiner Lieblingsmusik entspannen
  • oder sich mit einem netten Kollegen oder einer Freundin zu einem guten Gespräch verabreden, und dabei über alles reden, nur nicht über Schule. 

Apropos nicht über Schule reden: In den Leserkommentaren auf Martina Schmidts Website berichtet eine Lehrerin an einer Brennpunktschule über eine weitere gute Pausenidee: Im Lehrerzimmer eine Gesprächsecke einrichten, in der das Thema Schule tabu ist. Und noch eine weitere Anregung: Warum nicht die Idee einer stillen und einer lauten Pause für Schüler auch für Lehrer realisieren und einfach einen Silentium-Lehrerraum bereitstellen? Hier können sich dann alle entspannen, ohne sich vom Kollegium separieren zu müssen.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Gesundheit
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×