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Persönlichkeitsentwicklung

Krise als Chance: Jugendliche bei Problemen unterstützen

Die Pandemie macht sehr deutlich, woran es im Bildungssystem fehlt(e). Doch die aktuelle Krise kann in vielen Bereichen auch als Chance gesehen werden. Wichtig ist es die Schüler/-innen zum Beispiel durch eine Art „Coaching“ in Ihrer Persönlichkeit zu unterstützen.  

Persönlichkeitsentwicklung: Krise als Chance: Jugendliche bei Problemen unterstützen Jugendliche benötigen (nicht erst seit Corona) Unterstützung © epixproductions - stock.adobe.com

Seit März ist in den meisten Bundesländern für einige Schulstufen wieder wechselweise der Unterricht in den Schulen möglich. Die Stimmung unter den Jugendlichen im Bereich Sekundarstufe ist recht unterschiedlich. Eine Reihe von ihnen können sich mit der Situation, Homeschooling in Verbindung mit Präsenzunterricht, recht gut arrangieren. Nach Aussage einiger Sekundarschüler im Interview hat sich für sie durch die Beschränkungen nicht so viel verändert.

Ein 16-jähriger Jugendlicher aus einem bildungsreichen sozialen Umfeld sagte mir: „Das ist doch alles ganz angenehm. Ich kann länger schlafen, weil der Anfahrtsweg zur Schule wegfällt und ich kann mich so locker anziehen, wie ich will. Der Online-Unterricht macht eigentlich Spaß. Manchen Mitschülern/-innen fehlt aber vielleicht die persönliche Begegnung mit dem/der Lehrer/-in.“ Und auf die Frage: „Was hättest du in der Pandemie-Situation anders gemacht, wenn du Politiker wärst?“, antwortete er, ohne zu zögern: “Ich finde, dass es richtig war, den Lockdown zu machen. Es darf auch nicht zu früh wieder geöffnet werden. Schließlich sollen die Inzidenzzahlen ja runtergehen. Für mich hat sich auch nicht viel geändert, da ich mit meinen Freunden vorher schon viel Kontakt über das Handy hatte.“

In bestimmten Einzugsgebieten ist die Situation für manche Schüler/-innen jedoch anders. Viele Kinder und Jugendliche haben Schwierigkeiten, den Tag zu Hause zu verbringen, wenn eine große Anzahl an Geschwistern zugegen ist, und sie keine Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen oder andere Freunde zu treffen. Soziale Kontakte, die nicht gelebt werden können, sind große Einschränkungen für die Entwicklung von Kindern. Doch wer hat sich vor der Pandemie schon darum geschert, wenn ein großer Teil der sozialen Kommunikation und Freundschaften von Jugendlichen hauptsächlich über das Handy oder soziale Netzwerke stattgefunden haben? Die Anzahl an Freunden ist als Zahl auf einer Plattform gespeichert. Alles in allem ein Umstand, der auch nach der Corona-Krise noch einmal von allen an Erziehung und Bildung beteiligten Erwachsenen überdacht werden sollte. Die Zahl der Jugendlichen, die mit Ängsten, Depressionen und häuslicher Gewalt zu kämpfen haben, hat allerdings schon lange zugenommen. Dazu brauchte es keine Pandemie.

In unserer Bildungslandschaft fehlt eindeutig die Möglichkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit einer angemessenen Besetzung von Sozialarbeiter/-innen, mit Psycholog/-innen und Therapeut/-innen, die eine feste Anstellung an den Schulen haben. Nach der Corona-Pandemie wird der Bedarf noch größer sein, denn die psychischen Folgen für Kinder und Jugendliche werden deutlicher hervortreten und mehr in der Öffentlichkeit diskutiert. Bisherige Missstände im Bildungssystem werden in aller Dringlichkeit deutlich. Ebenso benötigen viele Eltern Unterstützung – aber auch Kontrolle durch die Familienhilfe, soziale Betreuung und Jugendämter. Und das wäre vor Corona schon dringend erforderlich gewesen. Aspekte des Kinderschutzes sind keine neuen Themen.

Die länger anhaltende Unklarheit, wie Schulbildung nun wirklich weitergeht und ob ein neuer Lockdown alles wieder auf Anfang setzt, ist nicht leicht zu verkraften. Noch dazu sind überwiegend (und das immer noch) nur die Schulen medial und materiell angemessen ausgestattet, die auf finanzkräftige Fördervereine zurückgreifen können. Lehrer mussten sich während der Corona-Zeit in Windeseile mit der nun wieder neuen Entwicklung digitaler Bildung auseinandersetzen. Sie mussten lernen, wie sie neue Lernprogramme nutzen und den Stoff nach Lehrplan über digitale Medien vermitteln können. Unterrichtspläne mussten völlig neu entwickelt werden, da zweierlei Unterricht (Homeschooling und Präsenzunterricht) doppelte und unterschiedliche Vorbereitungen verlangt. Entsprechende Fortbildungen zu den Lehrprogrammen sind an den Schulen erst spät implementiert worden.

Die Chance zur Veränderung  

Die Pandemie anders betrachtet, zeigt deutlich disruptive Effekte im Bildungssystem und ermöglicht dadurch eine Veränderung in Bildungspraxis und -politik. Somit ist der Corona-Zeit ebenso etwas Positives abzugewinnen. Nun wird auch in der Öffentlichkeit deutlich, wie schlecht die Schulen personell besetzt oder technisch desaströs ausgestattet sind. Der immense Vorteil kleinerer Klassen ist nicht wegzudiskutieren. Endlich können kleinere Lerngruppen gebildet, der Lehrstoff intensiver vermittelt und schwierige Schüler/-innen besser aufgefangen werden. Eine Form der Bildungsvermittlung, die es schon längst in deutschen Schulen hätte geben können. Daher könnten alle in der Bildung von Kindern und Jugendlichen Lehrenden und Planenden, die Pandemie als Chance nutzen, sich für kleinere Klassen bzw. eine andere Schüler-Lehrer-Relation und eine möglicherweise andere Form des Unterrichts einzusetzen.

Auch die in der Pandemiezeit notwendige Erweiterung der Medien- Methoden- und Handlungskompetenzen bei Lehrer/-innen und Schüler/-innen gleichermaßen hat für zukünftiges Lernen schnell Fortschritte gebracht. Hybrid- oder Wechselunterricht können auch für die Zukunft interessante Unterrichtsmöglichkeiten sein. So könnten Schüler, die Förderbedarf in manchen Fächern haben, in kleineren Gruppen besser unterstützt und die schnellen Lerner mehr gefordert werden.

Die Jugendlichen sollten motiviert werden, wieder miteinander verbal zu kommunizieren. Viele haben durch ihr Handy verlernt, sich zu unterhalten und sich mit Worten auszutauschen. Da werden Gefühle in Form von kleinen Männchen ausgedrückt und Gedanken in verkürzten Sätzen mit vielen Abkürzungen hingeschrieben. In der Corona-Krise jedoch werden Freundschaften vermisst, die durch (angelernte) konstruktive Handy-Gespräche wieder vertieft werden könnten.

Persönliche Kompetenzen digital vermitteln

Das Aufholen von Wissensstoff durch digitalen Unterricht ist nicht die einzige Komponente, die in der derzeitigen Pandemiesituation für Kinder und Jugendliche eine große Bedeutung hat. Das Ziel der Förderung von Persönlichkeitsentwicklung und psychischer Stabilität, dürfen Pädagogen auch jetzt nicht aus den Augen verlieren. Selbstbewusstsein, Zielorientierung und Motivation brauchen gezielte Anlässe und Erfahrungslernen. Ebenso geschieht erfolgreiches Lernen durch wiederkehrende Strukturen und verlässliche Regeln. Und dies ganz besonders in unklaren Zeiten.

Jugendliche mit depressiven Episoden oder anderen psychischen Problemen wissen oft nicht, wie sie ihren Alltag verbringen oder ihre neu gewonnene Zeit durch den Lockdown nutzen können. Manche häuslichen Verhältnisse lassen es nur schwer zu, sich aus dem familiären Geschehen herauszuziehen und etwas für die eigene Persönlichkeit zu tun.

Folgende Anregungen sind hilfreich, die Schüler/-innen beim Lernen und Erfahren zu unterstützen:

Ein strukturierter Arbeitsplan hilft Jugendlichen, sich täglich zu organisieren und die Handlungskompetenzen zu erweitern. Die Auflistung wird digital oder als Handreichung gesendet (per Zusendung oder eigener Abholung). 

Beispiel: 

Ein (digitaler) Stundenplan für die ganze Woche (oder länger) zeigt an, welche Stunden (in Form von Meetings) verpflichtend sind und welche freiwillig als Angebot angenommen werden können. Übersichtliche Zeitangaben geben der Planung Struktur. 

Verpflichtende Vorgaben: 
  • Teilnahme an zeitlich vorgegebenen Videomeetings zum Austausch für fachliche Informationen. 
  • Sind die Videomeetings frühzeitig terminlich organisiert, werden die Links dazu im Vorfeld zugesandt. 
  • Es gibt einen Zeitplan des digitalen Unterrichts für die einzelnen Fächer zum Herunterladen oder Abholen. 
  • Arbeitsblätter und Aufgaben, die auf einer To-do-Liste mit Abgabetermin aufgeführt werden, abarbeiten. 
  • Verschiedene fächerbezogene Hausaufgaben bis zum festgelegten Termin fertigstellen. 
Angebote zum freiwilligen Erarbeiten
  • Digitale Sprechstunde für Einzelne und Kleingruppen. (Termine angegeben) 
  • „Quasselstunden“ für alle, die gerne reden möchten (nach Vereinbarung auch in Gruppen). 
  • Aufgaben ohne Bewertung – als Beispiel: 

Tu etwas für deine Persönlichkeit! Selbstreflektion und Selbstwahrnehmung sind wichtige Faktoren für deine Persönlichkeitsentwicklung. Folgende Übungen können dabei helfen:

  • Was kannst du am besten? Schreibe alles auf. (Tipp Für L.: Dazu kleine Karten zum Beschreiben mitgeben oder digitale Kästchen zum Ausfüllen senden.)
  • Was sind deine Stärken? Schreibe sie auf kleine Karten und benutze sie als Stärkekarten, wenn du sie brauchst. Beispiel:

Buchtipp

Hentschel, Angela

„Psychische Erkrankungen bei Schülern“

AOL Verlag Hamburg 2020

  1. Ich bin gut, so wie ich bin!
  2. Mich muss nicht jeder mögen!
  3. Es gibt viele Dinge, die mir Spaß machen!
  4. Was mir nicht guttut, kann ich vermeiden!
  5. Ich lasse mich nicht unterkriegen!
  6. Ich fühle mich stark!
  • Erfolgsjournal: Schreib dir am Ende des Tages auf, was du alles gut gemacht hast. Du kannst dich selbst loben. 
  • Schöne Erfahrungen sind wichtig und machen glücklich. Schreibe auf, welche du gemacht hast und was dich glücklich macht. 
  • Du bist ein Individuum. Was brauchst du für dich persönlich? 

Selbstakzeptanz schafft die Grundlage für deine persönliche Weiterentwicklung

  • Wie zufrieden bist du mit dir? 
  • Bestärke dich selbst darin, dass du ok bist. Du musst auch nicht plötzlich etwas gänzlich ändern. Jedoch reflektiere dein Handeln.
  • Trage in dein Begleitbuch (oder in eine persönliche Datei) ein, wann, wie und ob du in bestimmten Situationen dich anders verhalten könntest. 
  • Nimm die Tatsachen an, die du nicht ändern kannst und versuche, das Positive darin zu sehen. 
  • Wenn dir etwas nicht sofort gelingt, ärgere dich nicht darüber. Nimm dir die Zeit, es noch einmal zu probieren.

Du brauchst Selbstveränderung, um weiter zu kommen und deine Fähigkeiten auszubauen.Schreibe deine Zukunftsziele auf

  • Nimm dir ein Blatt und teil es durch Striche in drei Spalten.  
  1. Schreibe in die Mitte, was du dir für dich persönlich jetzt oder in Zukunft wünschst. Damit sind keine materiellen Güter gemeint. 
  2. Schreibe in die linke Spalte, was dich daran hindert, dein Ziel zu erreichen. 
  3. Schreibe in die rechte Spalte, was du tun kannst, um dein Ziel zu erreichen. 
  • Sprich mit einer vertrauten Person darüber, wie es dir dabei ergangen ist. 
  • Trainiere, so oft du Lust hast, deine Muskeln. Vielleicht kannst du nach einigen Wochen sehen, wie sich deine Muskeln an den Oberarmen, am Bauch oder den Beinen verändern – je nachdem, was du trainiert hast. 
  • Mache, so oft du kannst, Sit-ups auf dem Boden. Zähle mit, wieviel du schaffst. Vielleicht werden es immer mehr oder du kannst dich mit einem/er Freund/-in im Wettkampf per Handy austauschen. Wer schafft die meisten? 

Strukturiere deinen Tag: Mache dir einen genauen Alltagsplan und führe Tagebuch, wobei jeder Tag unterschiedlich geplant sein kann und die zeitliche Einhaltung nicht zwanghaft eingehalten werden muss. Probiere es einfach mal aus. Hier ein Beispiel: 

8.00 Uhr Aufstehen
9.00 Uhr Digitaler Unterricht (je nach Plan) 
13.00 Uhr Mittagessen, mal nichts tun!? 
15.00 Uhr Zeit für Hobbies: Buch lesen, Musik hören, malen, Online-Spiele, Sport zu Hause, Film gucken, Hörbuch, etc. 
17.00 Uhr Versuche mit einem/er Freund/- in zu telefonieren. Tauscht euch verbal aus und versucht, ein richtiges Gespräch zu führen. Nur kurze Sätze schreiben, gilt nicht. 
18.00 Uhr Familienaustausch, Spiel mit Geschwistern, helfen im Haushalt oder eigene Ideen.                                                                         
19.00 Uhr Erfolgsjournal: Schreibe auf, was an diesem Tag gut gelaufen ist  und ob du schon etwas verändert hast, was dich vorher gestört hat. 

Fazit 

Eine optimistische und bejahende Grundhaltung bringt positive Emotionen und kann helfen, in negativen Erlebnissen auch die nützlichen Seiten zu sehen. Die Corona-Krise kann persönlich als Chance genutzt werden, neue Ideen zu entdecken, kreativ zu werden und Ressourcen auszubauen. 

Angela Hentschel

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