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Stimmtraining

„Leiser statt heiser“ — Vom Umgang mit einer schwierigen Akustik

Die Sportlehrer sind am stärksten betroffen: Sie müssen große Hallen füllen oder sich ohne jeden Hall draußen im Freien Gehör verschaffen. Die Schüler stehen verstreut über einen großen Raum. Was also tun?

Stimmtraining: „Leiser statt heiser“ — Vom Umgang mit einer schwierigen Akustik Besonders ältere Klassenzimmer leiden unter einer schlechten Akustik. © tobago77 - Fotolia.com

Die Lehrkraft ist vor eine schwierige Aufgabe gestellt: Wie spreche ich so, dass alle mich hören, und schone gleichzeitig meine Stimme? Und nicht nur Sportlehrer sind betroffen. Es gibt Räume, die sind so schalltot, dass man das Gefühl hat, man spräche „gegen eine Wand“.

Eine optimale Akustik ist eine Akustik, die weder zu hallig ist (wo man, wenn man allein im Raum ist, den Nachhall des gesprochenen Worts hört), noch zu trocken (wo also nichts nachhallt, sondern quasi nichts zu hören ist. Man hat das Gefühl, man spricht sehr leise und neigt fälschlicherweise dazu, mit höherer Lautstärke gegenzusteuern.) Beide Akustiken, die zu hallige und die trockene, haben ihre Tücken.

Die hallige Akustik kennen Sie aus der Dusche. Dort macht das Singen am meisten Spaß, weil der Schall  so stark verstärkt wird. Wenn Sie sich die Situation aber vorstellen, dass jeder Schülerkommentar, jedes Stuhlrücken und jedes Füßescharren genauso verstärkt wird, wird klar, dass eine sehr hallige Akustik ungünstig ist. Tatsächlich verursachen Dauergeräusche im Klassenzimmer nach einem Beitrag über Akustik im Klassenzimmer von Radio 108,8 Hörschwierigkeiten, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme, also Stress bei Lehrern und Schülern.

Den halligen Raum findet man oft in alten Schulen. Die überakustischen Räume sind sehr hoch, sehr karg möbliert und die Wände glatt. Hier kann der Schall optimal verstärkt werden, was heißt, dass es sehr laut werden kann. Der sog „Lombard-Effekt“ tritt ein. Eine Studie der Uni Bielefeld zitiert Lazarus et al., nach denen der Mensch unter Lärm lauter spricht und so seinerseits den Schalldruckpegel insgesamt anhebt. Das passiert in einem halligen Raum.

Was Sie gegen „hallige“ Räume tun können

Was kann  man dagegen tun? Die Bielefelder Studie von 2011 stellt drei mögliche Lösungsebenen vor. Zum ersten nennen die Autoren Wegener und Wegener eine materiale Umgestaltung des Raums: Es können z. B. schallabsorbierende Deckenplatten installiert werden. Ohne zu großen finanziellen Aufwand können Bilder statt an die nackte Wand an Korkpinnwände gehängt werden. Stoffe können aufgehängt werden. Ein weiterer Vorschlag aus einem Beitrag von Radio 108,8: Stühle können mit Filzplatten unter den Beinen versehen werden.

Zum zweiten schlagen die beiden Wissenschaftler von der Uni Bielefeld die zeitliche Organisation von Stör- Schallquellen vor. Um Störschall zu vermeiden, sollte ein streng eingehaltenes Nacheinander der gesprochenen Beiträge eingeführt werden. Das könne z. B. durch Rituale, Gesprächsregeln und Disziplinierungsregeln erreicht werden.

Zum dritten sollte die Lehrkraft durch einen bewussten Einsatz der Stimme einem Eskalieren der Lautstärke entgegenwirken. Und das schützt Ihre Stimme: Lassen Sie sich nicht verleiten, den Störschall zu übertönen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Schüler verstehen Sie nicht, sprechen Sie langsamer statt lauter. Langsames Sprechen wird in einer halligen Akustik besser verstanden als schnelles. Langsames Sprechen kann man üben (vgl. hierzu den Artikel über das Sprechtempo).

Auch langsames Sprechen sollten Sie üben

Hier ein möglicher Weg, um langsames Sprechen zu trainieren. Sprechen Sie folgende Sätze und dirigieren Sie sich dabei (also machen Sie mit den Armen und Händen schwingende Bewegungen auf- und abwärts). Wenn Sie einen guten Rhythmus gefunden haben, verlangsamen Sie sich allmählich. Das Sprechtempo wird dann von selbst auch langsamer.

Literatur zum Thema:

Wegener, M./Wegener, M.: Ansätze einer akustisch optimierten Unterrichtsgestaltung: „leiser statt heiser“. Beitrag zum Tag des Schulsports. Bielefeld 2011.

„Liebe Schüler, gebt nun acht,
ich hab euch etwas mitgebracht.

Ich spreche nun einen Satz in einem langsamen Tempo.
Ich werde langsamer, immer langsamer.

Heute lösen wir ein Rätsel,
das spielt hier in unserem Klassenzimmer.
Wie können wir uns besser verstehen?
Wir sprechen von nun ab statt schnell und laut
langsamer und leiser.
Jeder macht mit,
und so können wir alle gewinnen.

Keiner hat mehr Kopfschmerzen,
und keinen kratzt es im Hals.

Langsam und leise, leise und langsam.
Macht alle mit!“

Setzen Sie Ihre Stimmlautsärke bewusst ein

Auch im Fall einer zu trockenen Akustik neigt man als Kompensation dazu, lauter zu sprechen, weil man seinen eigenen Schall nicht hört. Auch das ist der falsche Weg. Hier sollte das innere Gefühl einsetzen. Sie müssen sich statt auf Ihr Ohr auf Ihr Kehlgefühl verlassen. Dort dürfen Sie sich nicht anstrengen. Und bleiben Sie konsequent bei Ihrer mittleren Lautstärke.

Nutzen Sie weitere aktustische Hilfsmittel

Ein gutes Mittel, akustische Signale zu senden, statt die eigene Stimme zu belasten, ist der Griff zum Gong, zur Klangschale, zum Glöckchen: Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Noch wirkungsvoller sind stumme Signale wie der „Leisefuchs“, ein Handsignal, bei dem die gekrümmten Mittel- und Ringfinger auf die Daumenspitze treffen und Zeige- und Kleiner Finger gestreckt werden. Ein Signal, damit alle verstummen. Oder das Hörrohr: Mit beiden Händen hinter den Ohren werden die Ohrmuscheln verlängert und verstärkt. Dazu ein lauschendes Gesicht – und schon sind alle Schüler leise.

Das dritte Signal: Sie stehen aufrecht mit einem gestreckten Arm nach oben und gucken dabei erwartungsvoll, evt. legen Sie mit der zweiten, nicht ausgestreckten Hand den Zeigefinger auf die Lippen, und warten tatsächlich ab, bis alle ruhig sind. Mit klaren Körpergesten bzw. einer starken, unterstützenden Mimik entlasten Sie Ihre Stimme. Dann kann der Unterricht leise weitergehen.

Also: Hören Sie genau hin, wie die Akustik in Ihrem Raum ist, und achten Sie auf sich. Und thematisieren Sie das Akustik-Problem. Auch die Schüler leiden unter einer ungünstigen Akustik und sind oft sehr kooperativ, wenn sie merken, dass es ihnen gut tut, Störschall zu vermeiden. So können alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

Antje Behrens

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