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Studie Schülergesundheit

Stress macht fast jeden zweiten Schüler krank

Wenn Kinder und Jugendliche durch Schule so gestresst sind, dass sie krank werden, dann stimmt etwas nicht. Eine Studie belegt den „ungesunden“ Schulalltag und fordert ein Umdenken, um Schülern gesundes Lernen zu ermöglichen.

Studie Schülergesundheit: Stress macht fast jeden zweiten Schüler krank Schüler klagen häufig über Kopfschmerzen, die durchaus stressbedingt auftreten können © monropic - Fotolia.com

„Schule soll unsere Kinder vorbereiten. Auf den Beruf, die Zukunft, das Leben. Doch immer mehr Kindern vergeht das Lachen.“ — So beginnt die ZDFzoom-Sendung „Der schiefe Plan von PISA!“ über Schüler, die an einem Erschöpfungssyndrom wegen Schulstress leiden. „Es war auch dieser große Leistungsdruck“, erzählt die 18-jährige Lara, die „wirklich jeden Abend (...) richtig Magenschmerzen“ hatte. Hinzu kamen Schlafstörungen aufgrund von Leistungsdruck und Schulangst. Lara begann damit, sich „sehr tiefe Selbstverletzungen“ zuzufügen, die „lebensgefährlich“ wurden. Am Ende stand ein langer Klinikaufenthalt in der Jugendpsychiatrie. 

„Der große Druck ist entstanden in dem Moment, als PISA-Untersuchungen auf dem Tisch lagen und Lehrer sich mit Leistung in anderer Form und dem Vergleich auseinandersetzen mussten“, sagt Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort. 30 Prozent der Kinder litten unter Schulstress, und „das Ausmaß an Sorgen um Leistung und Schule“ sei „so groß, dass wir tatsächlich nur feststellen können, es läuft etwas dramatisch schief“, so der Kinder- und Jugendpsychiater.

Eine aktuelle Erhebung der DAK mit Schülern der Sekundarstufe zeichnet ein noch düstereres Bild, wie der folgende Beitrag zeigt.

Enorme Stressbelastung, besonders bei Mädchen 

43 Prozent der knapp 7000 befragten Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I gaben an, oft oder sehr oft Stress zu erleben“ (DAK-Studie, S. 13). Dabei liegt die Quote bei den Mädchen mit 49 Prozent weitaus höher als bei den Jungen (37 Prozent). Im Verlauf der Sekundarstufe steigt der Stress kräftig an: Mehr als die Hälfte der Neunt- und Zehntklässler fühlt sich oft oder sehr oft gestresst, bei den Fünft- und Sechstklässlern sind es „nur“ 35 Prozent. Es darf hier also ein direkter Zusammenhang mit Prüfungs- und Notendruck vermutet werden. 

Subjektives Stressempfinden führt zu somatischen Beschwerden (DAK-Studie, S. 14). Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Rücken- und Bauchschmerzen sowie Schwindel nehmen bei erhöhtem Stresspegel kräftig zu: Schülerinnen und Schüler, die oft oder sehr oft Stress haben, haben doppelt so oft „jede Woche oder häufiger“ somatische Beschwerden und dreimal so oft Schlafstörungen und Schwindel wie ihre kaum oder gar nicht gestressten Mitschüler. Das Alter spielt dabei keine Rolle, doch auch bei gesundheitlichen Problemen sind Mädchen wesentlich häufiger betroffen als Jungs (vgl. dazu die tabellarische Übersicht in der DAK-Studie, S. 15).

„Ich habe zu viel für die Schule zu tun“ 

Dieser Aussage stimmen vier von zehn Jugendlichen zu. 18 Prozent der Schüler finden zudem „die Aufgaben in der Schule schwierig“, 36 Prozent ermüdend. Genau wie der Stress nimmt auch die schulische Belastung in höheren Jahrgangsstufen zu und erreicht in der 9. und 10. Klasse ihren Höhepunkt (DAK-Studie, S. 16).

Wenn so viele Jugendliche durch das schulische Pensum überfordert sind, fehlt es möglicherweise an Strategien für effektives Lernen und Arbeiten. Da der Stress und die schulische Belastung insbesondere in den beiden letzten Klassen der Sekundarstufe I wächst, wären sicherlich auch gezielte Tipps für die Prüfungsvorbereitung hilfreich. 

Bewegung und anständiges Frühstück oft Fehlanzeige

Auch regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung tragen zum Lernerfolg und zum Stressabbau bei. Doch mit zunehmendem Alter schleifen sich bei vielen Schülern offenbar eher kontraproduktive Gewohnheiten ein: So frühstücken noch nicht einmal die Hälfte der Neunt- und Zehntklässler jeden Tag. Ein Fünftel nimmt „manchmal“ vor dem Unterricht eine Mahlzeit zu sich, und ein Drittel frühstückt nie (DAK-Studie, S. 8). Bei den Fünft- und Sechstklässlern sind es immerhin auch schon 37 Prozent, die selten (16 %) oder nie (21 %) vor dem Unterricht essen. Erfreulich ist der Obstkonsum: 87 Prozent der Schüler nehmen mindestens mehrmals pro Woche, oft sogar mehrmals am Tag Früchte zu sich (ebd., S. 9).

Mindestens 60 Minuten pro Tag sollten Heranwachsende körperlich oder sportlich aktiv sein, „sodass die Schweißproduktion angeregt, die Atmung schneller und die Herzfrequenz höher wird“, so die Autoren der Studie (S. 11). Doch nur 17 Prozent der Schüler bewegen sich in diesem Ausmaß. Und auch hier gilt: Je älter desto phlegmatischer. Bei den Neunt- und Zehntklässlern sinkt der Anteil der körperlich Aktiven sogar auf 12 Prozent. — Hier könnte man mit „coolen“ Bewegungsangeboten gegensteuern, von der Schülerdisco bis zum Schulfitnessraum für alle. 

„Gesundheit“ als Unterrichtsfach

Wie die Studie zeigt, sind viele Kinder und Jugendliche „Gesundheitsrisiken ausgesetzt, die früher erst im Erwachsenenalter auftraten“, schreiben Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, und Prof. Dr. Reiner Hanewinkel, der Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung im Editorial der Studienergebnisse (S. 1). Immer mehr jüngere Menschen litten daher an „so genannten Alterskrankheiten wie Diabetes Typ 2, Gefäßerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Rückenschmerzen“. Sie plädieren deshalb für das Fach „Gesundheit“ als festen Bestandteil des Stundenplans. 

Eine entsprechende Initiative von 14 Spitzenverbänden des Gesundheitswesens und des Bundesgesundheitsministeriums gewinnt immer mehr Mitstreiter. Zum Beispiel Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, der kürzlich auf der Website der Organisation auch für stressgeplagte Lehrer eine Lanze bricht: „Lehrerinnen und Lehrer brauchen (...) den Freiraum, Gesundheitsthemen in den Unterricht zu integrieren, ohne mit dem Lehrplan in Konflikt zu geraten,“ betont der Präsident der Bundesärztekammer.

Martina Niekrawietz

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