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Probleme in Sozialen Netzwerken

5 Tipps bei Mobbing in Sozialen Netzwerken

Jugendliche nutzen viel stärker digitale Medien. Damit einher entstehen Probleme z. B. in Sozialen Netzwerken. Hier erfahren Sie, wie Sie konkret bei Mobbing im Internet unterstützen können.

Probleme in Sozialen Netzwerken: 5 Tipps bei Mobbing in Sozialen Netzwerken Mobbing in WhatsApp-Gruppen kann Schüler/-innen sehr belasten © Antonioguillem - stock.adobe.com

Ärger in Sozialen Netzwerken – vor allem in WhatsApp-Gruppen - was haben wir Lehrkräfte bitteschön mit dem Privatvergnügen unserer Schülerinnen und Schüler zu tun? Zunächst einmal eigentlich nichts. Es ist uns ja sogar vom Gesetzgeber verboten mit den Klassen gemeinsam in einer Gruppe zu sein. Kann man aber als Lehrkraft einfach auf den privaten Rahmen verweisen, wenn man etwas von Problemen in Sozialen Netzwerken mitbekommt? Das ist ein Teil der Medienerziehung, die mit der stärkeren Nutzung der digitalen Medien immer wichtiger wird. Zu unterscheiden ist erst einmal, worum handelt es sich bei dem Vorfall?Handelt es sich um das klassische Cybermobbing, sind die Jugendlichen Cybergrooming zum Opfer gefallen oder handelt es sich sogar um Sexting?

  • Cybermobbing muss sicher nicht mehr erklärt werden, es handelt sich um Schikanieren oder Diffamieren von Personen über das Internet.
  • Anders sieht es sicher mit dem Begriff Cybergrooming aus. Grooming kommt aus dem Englischen und bedeutet Anbahnen oder Vorbereiten. Über das Internet wird etwas vorbereitet. Hier handelt es sich um die gezielte Kontaktaufnahme mit Kindern und Jugendlichen von Tätern, die sich so ihre Opfer über beispielsweise Instagram, Snapchat oder über die Chatfunktion von Spielen suchen. Die Kontakte gehen dann oft in den Messenger-Diensten weiter.
  • Sexting ist die Kommunikation über sexuelle Themen per Messenger. Dieser oft unverbindliche Austausch dem sogenannten „Dirty Talk“ kann jedoch schnell schiefgehen.
Tipp 1:

Wenn es sich um das klassische Cybermobbing handelt, so ist der Handlungsspielraum am größten. Hier kommt das Handeln auf die Inhalte und die Jahrgangsstufe der Betroffenen an. Dieses Phänomen ist meist in den jüngeren Jahrgängen von Klasse 5 bis 7 zu beobachten. Oftmals hängt es damit zusammen, dass mit dem Wechsel in die weiterführende Schule das Smartphone angeschafft wird. Der Umgang wird mit den Kindern meist nicht geübt und man fühlt sich durch die physische Distanz irgendwie sicher und unbeobachtet. 

Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern ist es wichtig, wenn man von einem Vorfall erfährt, zuerst mit den Betroffenen einzeln zu sprechen. Sprechen sie zuerst mit dem Opfer und fordern sie es vor allem auf über Screenshots die Beweise zu sichern. Dies sollten sie in jedem der folgenden Fälle tun, egal um welche Form des Konflikts / Problems es in den sozialen Netzwerken geht. Beweissicherung ist die erste wichtige Aktion für das Opfer. Oftmals haben die Täter, wenn sie denn merken, dass etwas im Busch ist, nämlich die Beweise beseitigt. Wichtig ist es, dem Opfer zu vermitteln, dass es nichts falsch gemacht hat und dass es wichtig ist, mit einer Vertrauensperson das Geschehen aufzuarbeiten. Wenn das Opfer beleidigt wurde oder bewusst aus der Klassengruppe z. B. entfernt wurde, so muss auch am Selbstbewusstsein der Opfer gearbeitet werden. Im Anschluss ist das Gespräch mit dem Täter wichtig.

Ich spreche absichtlich von Täter und Opfer, da es sich bei allen Bereichen, die hier behandelt werden, um Straftaten handelt.

Cyber-Mobbing wird nicht direkt gesetzlich bestraft, es können jedoch Gesetzte aus dem Strafgesetzbuch greifen. Auf Beleidigung kann beispielsweise eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe stehen, auf Verleumdung (Falsche Tatsachenbehauptungen) kann eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren verhängt werden, usw. Es handelt sich hier also nicht um eine Bagatelle! Jedoch muss klar sein, dass bei den Jugendlichen das Jugendstrafrecht angewandt wird, welches meist mildere Strafen verhängt und vor allem noch andere Handlungs- und Bestrafungsmöglichkeiten wie beispielsweise Sozialstunden oder Therapieangebote hat.

Hier muss ganz klar thematisiert werden, was das Handeln bei dem Opfer ausgelöst hat, aber auch die strafrechtliche Seite muss dem Täter bewusst gemacht werden. Oftmals ist es leider so, dass die Empathie für das Opfer nicht vorhanden ist, der Schreck über die Strafe, die anstehen kann, jedoch groß ist. Vor allem sollte es in der Schule einen Katalog geben, wie mit solchen Fällen umgegangen wird. Den Schülerinnen und Schülern muss klar sein, dass Mobbing und respektloser Umgang mit seinen Mitmenschen in keiner Weise geduldet und vor allem geahndet wird. Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern sind Ordnungsmaßnahmen wie der Ausschluss von einem Klassenausflug meist recht heilsam, zumal die gesamte Klasse dann auch davon mitbekommt. 

Tipp 2:

Der nächst Schritt kann - je nach Art des Mobbings - auch ein Gespräch mit beiden Beteiligten sein, bei dem der Täter sich erklären muss, aber auch das Opfer die Möglichkeit bekommt in einem geschützten Rahmen zu erklären, was das Cybermobbing bei ihm ausgelöst hat. Oftmals ist den Tätern gar nicht klar, was sie in Gang setzen. Manchmal ist das Ganze auch durch eine dumme Idee mit anderen Klassenkameraden gemeinsam entstanden. Den Ärger bekommt natürlich derjenige, von dessen Handy die Nachrichten verschickt wurden. Auch das ist etwas, was Kinder und Jugendliche lernen müssen. Im besten Falle, wenn alle Beteiligten einverstanden sind, können sie das Problem vor der Klasse thematisieren. Es ist notwendig die Gruppe zu sensibilisieren und aufzufordern bei solchen Vorfällen einzuschreiten und nicht mitzumachen. Nichts sagen ist nicht okay! 

Tipp 3:

Nach einem solchen Fall muss präventiv gehandelt werden, damit es möglichst nicht noch einmal vorkommt. Hier kann zum einen die Schulsozialarbeit hinzugezogen werden. In Klassen, in denen das Klassenklima gut ist, gibt es solche Vorfälle selten. Meist gehen diese Konflikte immer von ein- und derselben Person aus. Auch hier kann die Sozialarbeit eine Anlaufstelle sein. 

Tipp 4:

Bei der Präventionsarbeit sollten auch außerschulische Beratungsstellen mit ins Boot geholt werden. Eine gute Idee ist die Peer-Education der Digitalen Helden. Hier werden Schülerinnen und Schüler zu Medienbegleitern und -beratern auch in Konfliktsituationen ausgebildet. Oftmals fällt es Schülerinnen und Schülern leichter, mit anderen Jugendlichen über das Geschehen zu sprechen. Ihnen ist es oft zu peinlich Lehrer oder Eltern darüber zu informieren, dass sie ausgeschlossen, gehänselt oder beleidigt werden. Auch auf der Seite von klicksafe sind Links zu verschiedenen Beratungsstellen zu finden, an die sich Jugendliche wenden können. Ebenso sind hier Unterrichtsmaterial und Informationen sowohl für Lehrer und Eltern zu finden.

Tipp 5:

Bei den beiden oben angesprochen Bereichen Cybergrooming und Sexting sind andere Maßnahmen notwendig. Wenn es beim Sexting dazu kommt, dass jemand aufgefordert wird, Nacktfotos zu senden und diese dann danach weiterverbreitet werden, dann handelt es sich um Pornografie. Ist der- oder diejenige auf dem Foto auch noch jünger als 14 Jahre, so handelt es sich um Kinderpornografie. In solchen Fällen ist es unerlässlich, dass die Eltern der Betroffenen einbezogen werden und vor allem ist das ein Fall, der in die Hände der Polizei gehört. Hier sind die Profis gefragt, die tagtäglich mit solchen Fällen zu tun haben. Spielen sie solche Fälle nicht herunter! Handeln sie nicht nach dem Motto, das Opfer hat das Foto ja freiwillig geschickt. Das ist zwar der Fall und meist eine dumme Idee, das Verbreiten und der Besitz des Bildes ist jedoch eine Straftat.

Sichern sie, wenn möglich, das Handy, informieren sie die Schulleitung und lassen sie sich auf keinen Fall die Bilder als Beweissicherung schicken! Der Besitz der Fotos ist eine Straftat! Ein solcher Fall wird aktuell in Hessen behandelt. Betroffene Kinder hatten ihren Eltern die Bilder zur Beweissicherung geschickt. Die Eltern sind nun ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen, da der reine Besitz dieser Bilder eine Straftat ist. Haben sie bei diesen Gesprächen immer einen Kollegen oder eine Kollegin als Zeuge dabei, der alles protokolliert.

Ebenso ist mit Cybergrooming umzugehen. Hier gibt es keinen Handlungsspielraum, sondern die Polizei ist gefragt und die Eltern müssen einbezogen werden. Wichtig ist immer, den Jugendlichen kein schlechtes Gewissen zu machen. Dass etwas schiefgelaufen ist, merken sie selbst. Sie müssen darin bestärkt werden, dass es richtig war, etwas zu sagen. Hier muss klar sein, wer der Täter ist, und dass diese Person falsch gehandelt hat. Diese Täter müssen geschnappt werden, um schwerere Straftaten zu verhindern. 
 

Babett Kurzius-Beuster


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