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Filmprojekt zum Thema Cybermobbing

Mobbing im Netz ist ein Albtraum für die betroffenen Jugendlichen. Die Täter sehen nicht, was sie anrichten. Ein Unterrichtsprojekt hilft, die Opferperspektive einzunehmen und sensibilisiert Jugendliche, mit Menschen und Daten verantwortungsvoll umzugehen.

Homevideo: Filmprojekt zum Thema Cybermobbing Cybermobbing bringt die Opfer zu Verzweiflung. Das sollte im Unterricht thematisiert werden © Brian - stock.adobe.com

Cybermobbing ist für die Opfer extrem belastend. Denn während klassisches Mobbing unter Schülerinnen und Schülern irgendwann aufhört, wird Cybermobbing oft zu einem endlosen Albtraum: „Die Opfer können auch nach Jahren wieder retraumatisiert werden, zum Beispiel weil irgendwas wieder im Netz auftaucht“, sagt die renommierte Cyberpsychologin Dr. Catarina Katzer im Interview mit Tami Holderried vom SZ-Jugendmagazin „jetzt“. Anders als beim analogen Mobbing gibt es für die Opfer auch keinen sicheren Rückzugsort, denn das Netz ist omnipräsent. In der Schule, zu Hause, immer und überall. Hinzu kommt, dass Cybermobbing „extrem öffentlich“ ist, betont Dr. Katzer: „Hunderttausende Menschen können das mitbekommen, früher waren es immerhin nur ein paar.“ (Ebd.) Und Cyberattacken verfolgen die Betroffenen. Da hilft meist auch kein Schulwechsel.

Oft wissen die Täter gar nicht, was sie da anrichten. Sie können oder wollen die Folgen nicht absehen. Während sie ihre Opfer attackieren, sehen sie sie nicht und können auch ihren Schmerz nicht wahrhaben. Diese Distanz ist fatal und führt oft zu immer größerer Enthemmung und Brutalität. Im Mittelpunkt der folgenden Unterrichtsideen steht eine mitreißende Mobbing-Geschichte, mit der Sie Ihren Schülerinnen und Schülern die Opferperspektive nahebringen.

Mit der Geschichte „Homevideo“ Empathie fördern

In dem Film „Homevideo“ erleben die Schüler/-innen die unausweichliche Grausamkeit von Cybermobbing hautnah und entwickeln Empathie für den Protagonisten, den 15-jährigen, sympathischen Jakob. Im Jahr 2016 erschien auch eine Buchfassung, die eng an die Filmhandlung angelehnt ist.

Bei Jakob zu Hause ist es schwierig: Seine Eltern trennen sich gerade, er ist auf sich allein gestellt und muss auch noch Verantwortung für seinen kleinen Bruder übernehmen. Als er sich in Mitschülerin Hannah verliebt, filmt er sich mit seiner Kamera beim Onanieren. Der Film gerät in die Hände des fiesen Mitschülers Henry, der den Film online stellt. Die Ereignisse überstürzen sich, bis zuletzt Jakobs Leben in Scherben liegt. – Der Junge begeht Selbstmord.

„Homevideo“ ist freigegeben ab 12 Jahren, und entsprechend richten sich die Unterrichtskonzepte im Netz an Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10. Hier finden sich gleich mehrere Unterrichtsentwürfe mit direkt übernehmbaren Materialien und unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, die sich auch sehr gut für den fächerverbindenden Unterricht anbieten. Die folgenden Abschnitte präsentieren Ihnen zwei Konzepte.

Filmanalyse mit Unterrichtsbausteinen

Die Broschüre „Homevideo“ des katholischen Filmwerks unterstützt bei einer bewussten und problemfokussierten Filmrezeption. Der Autor, Dr. Manfred Karsch vom Referat für pädagogische Handlungsfelder in Schule und Kirche des Kirchenkreises Herford, verbindet die Filmanalyse der einzelnen Kapitel mit wissenschaftlich fundierten Hintergrundinformationen über Cybermobbing: Der Leser erfährt hier zum Beispiel, welche Charakterzüge das „typische Opfer“, den „typischen Täter“ und die Rolle des „Zuschauers“ im Mobbingsystem kennzeichnen und inwiefern die Protagonisten des Films diesem Bild entsprechen. 

Für die unterrichtsbegleitenden Filmgespräche gibt Manfred Karsch zwei wichtige Hinweise: 

  1. „Die erzählerische Dichte der Filmhandlung löst emotionale Betroffenheit aus und muss in entsprechenden Gesprächsphasen aufgefangen werden.“ (S. 12) – Tatsächlich ist der Film sehr aufwühlend und für zartbesaitete Kinder und Jugendliche möglicherweise zu „harter Tobak“. Vor diesem Hintergrund wird auch Karschs Empfehlung verständlich, den Film – entgegen der FSK-Altersempfehlung – erst ab 14 Jahren zu zeigen. 
  2. Der Suizid am Ende des Films birgt die Gefahr des „Werther-Effekts“. Hier empfiehlt Manfred Karsch, „jugendlichen Zuschauern (...) die Möglichkeit zur Aussprache, aber auch zur Entdeckung alternativer Handlungsabschlüsse“ zu geben. (Vgl. dazu auch den unten verlinkten Beitrag „Selbstmord eines Schülers: So erkennen Sie mögliche Nachahmer“) 

Die fünf Unterrichtsbausteine (ab Seite 12) geben Ihnen Impulse für eine methodisch abwechslungsreiche Filmarbeit entlang der Schlüsselszenen des Films: Die Schüler/-innen legen zum Beispiel vergrößerte Szenenfotos (S. 16) im Raum aus und bilden „wie bei einem ‚Open Space‘ Gesprächsgruppen oder -paare vor den Bildern zu dem Thema: ‚eine ähnliche Situation habe ich auch schon mal erlebt …‘“. (S. 12) Eine weitere Idee: Die Schüler/-innen stellen im Rollenspiel den Elternabend nach und sammeln weitere Argumente. Und sie formulieren Handlungsalternativen für Eltern, Lehrer/-innen und Mitschüler/-innen, um Jakobs Selbstmord zu verhindern.

Stiftung Lesen: Ideensammlung zu Buch und Film

Auch die Unterrichtsbroschüre „Homevideo“ der Stiftung Lesen verbindet „Wissenswertes über Cybermobbing“ mit handlungsorientierten Unterrichtsideen für einen fächerübergreifenden Projektunterricht. Dabei behandeln die Themen „vorrangig Lehrplaninhalte der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde, Gesellschaftslehre, Sozialkunde sowie des Religions- oder Ethikunterrichts“ (vgl. dazu den Themenüberblick auf S. 3).

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Thema „Medienkompetenz“ der Schüler/-innen. Zu der entscheidenden Frage, „Wie schütze ich mich vor Cybermobbing?“, gibt das Impulsmaterial der Broschüre Anregungen, die auch im IT-Unterricht aufgegriffen werden können (S. 9): Beim „App-Check“ geht es beispielsweise um Sicherheits- und Datenschutzrisiken der von den Schülerinnen und Schülern genutzten Apps. Beim Thema „Passwortsicherheit“ checken die Kids die Sicherheit ihrer eigenen Passwörter online. Oder die Schüler/-innen erstellen ein wirklich sicheres Profil bei einem sozialen Netzwerk und gleichen das Profil mit den Vorgaben der deutschen Datenschutzbeauftragten ab.

Film beziehen

Sie können den Film über Netflix und Amazon Prime ansehen. Ein freie Fassung mit englischen Untertiteln finden Sie hier.

„Cybermobbing – Wer kann helfen?“ Das ist die wichtigste Frage überhaupt. Die Schüler/-innen beurteilen das Verhalten verschiedener Protagonisten aus Buch und Film, diskutieren und suchen Alternativen: Die Eltern versuchen Jakob zu helfen. Tun sie das richtige? Tun sie genug? Sollten sich Eltern überhaupt einmischen? (S. 13) 

Die Schüler/-innen überlegen auch, wie sie reagieren könnten, um die zerstörerische Mobbingdynamik zu stoppen. Seite 16 der Broschüre sollte ausgedruckt und gut sichtbar im Klassenraum aufgehängt werden: Hier sehen die Schüler/-innen, an wen sie sich im Mobbingfall wenden können.

Lehrkräfte, die sich auf der Website „Lehrerclub“ der Stiftung Lesen registrieren, haben außerdem Zugang zu drei interaktiven Arbeitsblättern. „Darauf können Ihre Schülerinnen und Schüler direkt an Filmausschnitten arbeiten und sich in interaktiven Übungen mit verschiedenen inhaltlichen und filmsprachlichen Aspekten beschäftigen“, so die Autoren auf der Website der Stiftung Lesen.

Cybermobbing immer wieder thematisieren

Der eindrückliche Film „Homevideo“ bietet die Gelegenheit, einen emotionalen Zugang zum Thema Cybermobbing zu gewinnen. Doch das allein reicht nicht. Cybermobbing sollte in regelmäßigen Abständen Unterrichtsthema sein. Anregungen dazu bieten die Lese-, Medien- und Linktipps in der oben verlinkten Broschüre „Homevideo“ (S. 17 ff.) Besonders hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf die 248 Seiten starke Broschüre „Was tun bei (Cyber)Mobbing [sic!]?“ auf der Website klicksafe.de. Die Publikation bietet pädagogische Anregungen und praktische Projektideen für eine „systemische Intervention und Prävention in der Schule“. – Am besten ein paarmal ausdrucken und – samt Linkangabe – für das gesamte Kollegium gut zugänglich in die Lehrerbibliothek stellen.

Martina Niekrawietz

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