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Werteerziehung

Aktiv für Toleranz eintreten – Unterrichtsideen

„Toleranz“ spielt bei der schulischen Werteerziehung eine große Rolle. Lehrt sie doch das Anderssein zu akzeptieren und Außenseiter zu integrieren — für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl aller in inklusiven Klassen.

Werteerziehung: Aktiv für Toleranz eintreten – Unterrichtsideen Gemeinsam etwas tun und Spaß haben, das baut Barrieren ab und ermöglicht Freundschaften © ehrenberg-bilder - Fotolia.com

„Macropolis“, ein kurzer Animationsfilm von Joel Simon, erzählt die Geschichte zweier fehlerhaft produzierter Spielzeugtiere: Sie schaffen es, der Entsorgung in der Spielzeugfabrik zu entkommen und in das Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts zu gelangen. Ein kleiner Junge entdeckt sie dort und schließt sie sofort ins Herz, denn er ist Pirat und findet, dass eine einäugige Katze und ein Hund mit einem Holzbein viel besser zu ihm passen, als die gleichförmigen, perfekten anderen Spielzeugtiere. Hier der Trailer zu dem Film, der als Ausgangpunkt für eine Stunde über Inklusion, Anderssein oder Toleranz bestens geeignet ist.

Die Botschaft von Macropolis: Wer anders ist, ist einzigartig und liebenswert. — Dieser Tenor steckt häufig auch in Kinderbüchern und lässt sich den Schülern besonders gut durch einen handlungs- und produktionsorientierten Umgang mit dem jeweiligen Text vermitteln.

Lektüre gegen Mobbing von Außenseitern

Ursula Wölfels „Feuerschuh und Windsandale“ von 1961 (!) ist als Unterrichtslektüre zum Thema Toleranz bis heute ein zeitloser Klassiker. Der Text erzählt die Geschichte von Tim, der in der Schule gehänselt wird, weil er der Dickste in der Klasse ist. Er wäre gern jemand anderes und weil zudem Tims Eltern nicht viel Geld haben, wäre er am liebsten reich.

Auf einer vierwöchigen Wanderschaft erzählt ihm sein Vater einmal die Geschichte vom schwarzen Schaf: Es tut alles, um weiß zu werden, weil es in der Herde als Außenseiter geärgert und ausgelacht wird. In seiner Verzweiflung geht es sogar zum Schafhirten, wo es erfährt, dass es von ihm besonders geliebt wird. In diesem Bewusstsein kehrt es zurück in die Herde der weißen Schafe, die ihm nun nichts mehr anhaben können.

Der Zusammenhang zwischen Tim und dem kleinen schwarzen Schaf ist für Grundschüler sofort erkennbar. Besonders gut können sich die Kinder identifizieren, wenn sie die Geschichte vom schwarzen Schaf als Rollenspiel oder mit selbst gemachten Pappschafen spielen oder weiterspinnen. Sie erleben dann — aus einer schützenden Distanz und doch hautnah — wie sich ein Außenseiter fühlt und können Lösungen für Tim entwickeln. Besonders viel Spaß macht das, wenn dazu die Lektüre an der entsprechenden Stelle der Geschichte unterbrochen wird, und die Kinder eigene Ideen entwickeln können.

Ein Projekt: Irgendwie Anders  

Auch das Kinderbuch „Irgendwie Anders“ behandelt das Thema „Anderssein“. Das Fantasiewesen „Irgendwie Anders“ sieht anders aus und macht alles anders als die anderen. Vergeblich versucht es, sich den Regeln der Mehrheit anzupassen. Als es jedoch von einem kleinen roten „Etwas“ aufgesucht wird, das behauptet, genauso „irgendwie anders“ zu sein, setzt es das kleine rote Etwas zunächst wütend vor die Tür. „Dieses Verhalten ruft bei Kindern Empörung hervor: Irgendwie Anders macht es ja genauso wie die anderen!“, kommentiert die Website „Lesebar“ der Uni Köln in einer Rezension zum Buch. Doch Irgendwie Anders sieht ein, dass es sich falsch verhalten hat und läuft hinter dem kleinen roten Etwas her. — Das ist der Beginn einer Freundschaft, die sich durch eine gegenseitige Toleranz auszeichnet.

Ein lebensnahes Lehrstück, das Anderssein nicht idealisiert, sondern als Lernfeld für Toleranz begreift. — Ein Plot, der sich für ein Theaterstück mit Schülern ebenso eignet, wie für eine professionelle theaterpädagogische Aufführung. Dazu passend könnte das Buch im Unterricht gelesen und handlungs- und produktionsorientiert rezipiert werden. Vier Alternativen dazu finden sich hier.

Schulprojekt zum Thema Toleranz

Äußerst ergiebig sind die vielfältigen Unterrichtsmaterialien zur ARD-Themenwoche 2014. Konzipiert für Schülerinnen und Schüler der 3. bis 6. Klasse (vereinzelt auch für jüngere Jahrgangsstufen) eignen sie sich zum Beispiel für eine Projektwoche, für Lernstationen oder für eine mehrstündige Unterrichtseinheit, aber auch für eine einzelne Übung: Die einzelnen Elemente des Materials lassen sich individuell nutzen und an den Unterricht anpassen. Außerdem enthält es viele handlungsorientierte Aufgaben mit Rollenspielen und Bewegungs- oder Basteleinheiten. Im kognitiven Bereich finden sich Aufgaben in unterschiedlichen Differenzierungsstufen, die auch „sehr gut für den inklusiven Unterricht geeignet“ sind, wie die Autoren der „Aktion Schulstunde“ auf der Lehrerseite erläutern.

Strukturiert sind die Materialien nach drei Schwerpunkten:

  1. „ICH — Jeder ist anders“
  2. „DU — Abenteuer Vielfalt!“
  3. „WIR — Einer für alle, alle für einen!“

Neben Filmen stehen fertige Arbeitsblätter als PDFs zum Download. Ansprechende Illustrationen und spielerische Arbeitsaufträge für die Gruppenarbeit sorgen dafür, dass die Kinder mit Spaß bei der Sache sind. Informative Sachtexte kann man als Text lesen oder als Audiodatei hören. Der erste Teil dieser Texte ist jeweils eine „eigene, in sich abgeschlossene Sinneinheit mit einfachen kurzen Sätzen“, die auch für Kinder „mit geringerer Aufmerksamkeitsspanne“ oder Förderschwerpunkt Lernen verständlich ist.

Zu jedem der drei thematischen Schwerpunkte gibt es eine besondere Aufgabe mit Nachhaltigkeitswert für die Kinder: Ein selbst gemachtes „ICH-Buch“ können sie mit nach Hause nehmen und sich immer wieder daran erinnern, wie einzigartig sie sind. Zum DU können sie sich aus faltbaren Papierelementen ein dreidimensionales Buch basteln: ein selbst recherchiertes Lapbook zu einem fremden Land. Und im Lernbereich WIR veranstalten die Kinder ein „Toleranzfest“ mit Spielen, Präsentation der ICH-Bücher und Lapbooks und womöglich auch mit Eltern und einem internationalen Buffet.  
Wie viel Spaß die verschiedenen Aktivitäten einer Projektwoche zum Thema Toleranz machen können, demonstriert die bip-Grundschule in Berlin-Pankow in einem Video mit Theaterstücken, Rollenspielen und Tänzen, die sich die Kinder überwiegend selbst ausgedacht haben.

Martina Niekrawietz

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