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Webportal REHADAT

Berufsfindung ohne Barrieren

Für Jugendliche mit Behinderung gestaltet sich der Übergang von Schule zu Beruf oft besonders schwer und wirft viele Fragen auf. Das laufend aktualisierte Online-Informationssystem REHADAT gibt Antworten zur Berufsfindung und zu einem möglichst barrierefreien Berufsstart.

Webportal REHADAT: Berufsfindung ohne Barrieren Auch im Internet lässt es sich nach geeigneten Berufsfeldern forschen © Monkey Business - Fotolia.com

Alljährlich prämiert der New York Award zukunftsweisende „neue Konzepte der Arbeit“. 2015 ging der erste Preis in der Kategorie „KMUs [= kleine und mittlere Unternehmen] und Start-Ups“ an die auticon GmbH. Das Unternehmen beschäftigt Autisten als Consultants im IT-Bereich, die Firmen projektbezogen ausleihen können. Eine echte Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die Autisten haben eine gut bezahlte, sichere Position im allgemeinen Arbeitsmarkt, während auticon und die IT-Unternehmen von den herausragenden Fähigkeiten der Asperger-Autisten profitieren.  

Für viele andere junge Menschen mit Behinderung erweist sich der Übergang von der Schule zu einem Berufsleben im ersten Arbeitsmarkt jedoch selbst dann als schwierig, wenn sie besser qualifiziert sind als ihre Mitbewerber ohne Handicap. Sie sind auf spezielle integrative Angebote, auf Nachqualifizierung oder geförderte Programme und Initiativen ebenso angewiesen, wie auf Lehrer und Berater, die ihnen die Wege zur beruflichen Teilhabe aufzeigen und ebenen.

Informationssystem zur Berufsorientierung: REHADAT

Lehrkräfte, die ihre Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an der Schwelle zum Berufsleben unterstützen, brauchen dazu aktuelle Informationen zu verschiedensten Aspekten: Urteile und Gesetze, mögliche Ansprüche auf Hilfsmittel, das erforderliche Hintergrundwissen für eine konstruktive Zusammenarbeit mit potenziellen Arbeitgebern oder auch Angebote und Adressen. Das alles bietet das Webportal rehadat.de, das zentrale Informationsangebot zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung“.

Die übersichtliche und klare Benutzeroberfläche mit Farbleitsystem, Suchfunktion und Überblicksseiten führt ohne Umwege direkt zu den gewünschten Informationen, die sich in den neun verschiedenen Themenportalen („Urteile und Gesetze“, „Hilfsmittel“, „Angebote und Adressen“ …) finden.  
Besonders bedeutsam für die Berufsfindung im schulischen Kontext sind zwei Bereiche, die im Folgenden ausführlicher dargestellt werden sollen.

Gelungene Beispiele für Teilhabe: „Gute Praxis“

Wie Menschen mit Behinderung arbeiten können, demonstrieren zum Themenfeld „Gute Praxis“ 900 gelungene Beispiele. Sie machen Betroffenen Mut und zeigen jeweils ganz konkret,

  • „wie der Übergang in das Berufsleben erfolgte,
  • welche Ausbildung oder Qualifizierung dies ermöglichte,
  • wie der Arbeitsplatz und das Arbeitsumfeld gestaltet wurde und
  • welche Institution beraten und finanziell gefördert hat.“

Besonders praktisch ist in dieser Datensammlung die Differenzierung nach unterschiedlichen Behinderungen (→ Menüpunkt „Behinderung“ links oben auf der Seite). Hier finden Lehrkräfte individuell passende Anregungen für jeden Schüler.

Auch Lehrkräfte an Inklusionsschulen informieren sich hier schnell und umfassend, selbst wenn sie sich erst seit kurzem mit den Möglichkeiten zur beruflichen Teilhabe für behinderte Schüler befassen. Sie erfahren zum Beispiel unter der Kategorie „Lernbehinderung“, was eine Lernbehinderung charakterisiert, welche Fähigkeiten und Aktivitäten betroffen sein können, und vor allem, welche Optionen es für diese Schüler gibt: „Einbeziehung des Integrationsfachdienstes, Praktika oder Probebeschäftigung, Unterstützte Beschäftigung …“ Daran schließen sich dann Links zu Praxisbeispielen aus verschiedenen Unternehmen und Branchen an, z. B. „Berufliche Eingliederung eines Mannes mit einer Lernbehinderung und Legasthenie in einem Zulieferbetrieb für Metallelemente für Möbel“, die ausführlich beschrieben sind und so wertvolle Informationen für ähnlich gelagerte Fälle liefern.

Viele Wege führen zum Job: „Berufliche Bildung“

Den strukturierten Überblick über die Vielzahl der Möglichkeiten gibt das Herzstück des Informationssystems, das Portal „Berufliche Bildung“. Hier informieren sich junge Menschen mit Behinderung zum Beispiel über mögliche Abschlüsse und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt („Berufe & Co.“) oder erfahren, wie sie den für sie passenden Beruf finden („Welcher Beruf passt?“). Leider sind diese Informationen jedoch nicht in Leichter Sprache verfügbar, sodass beispielsweise Schüler mit einer geistigen Behinderung „außen vor“ bleiben und auf Hilfe angewiesen sind.

Unter dem Menüpunkt „Pädagogische Fachkräfte“ haben Lehrkräfte mit einem Klick Unterrichtsmaterialien, aktuelle Projekte und Hintergrundinformationen zu den Themen „Berufsorientierung“ und „Übergang Schule–Beruf von jungen Menschen mit Behinderung“ im Blick, wahlweise bundeslandübergreifend oder differenziert nach einzelnen Bundesländern.

Lehrer aus Nordrhein-Westfalen finden hier zum Beispiel:

  • Kontaktdaten zu Arbeitsagenturen und Integrationsfachdiensten in NRW sowie einen Artikel mit ausführlichen Infos zur Frage „Wer hilft weiter“ in NRW,
  • barrierefreie Berufskollegs,
  • die Broschüre „Fit für den Job — Berufsorientierung von A bis Z“ mit konkreten Tipps für die berufliche Orientierung behinderter Schüler und mit regionalen Angeboten und Leistungen im Bereich Übergang Schule–Beruf,
  • Potenzial- und Kompetenzanalysen in NRW,
  • die aktuellen Förderprojekte und Initiativen zum Übergang Schule–Beruf speziell in NRW, zum Beispiel die „Aktion 100 zusätzliche Ausbildungsplätze“, den „3. Weg in der Berufsausbildung“, das Konzept „ILJA — Integration von lernbehinderten Jugendlichen in Ausbildung und Arbeit“, das Programm „Initiative Inklusion“, die „Inklusionsberatung bei den Kammern“ und das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ u.v.m.

Wie das Beispiel NRW zeigt, bündelt REHADAT genau die Informationen, die Sie als Lehrkraft brauchen, um Ihre Schüler mit Behinderung bei der Berufsorientierung und Berufswahl optimal zu unterstützen.

REHADAT-Bildung spricht Schüler direkt an

Zu einer gelingenden Berufsorientierung gehört es immer auch, dass die Schüler selbst aktiv werden. Deshalb spricht das Portal REHADAT-Bildung junge Menschen direkt an („Zwischen Schule und Beruf — deine Entscheidung ist gefragt“) und will zum Stöbern anregen.

Dafür bietet das Portal eine breite Palette von weiteren Möglichkeiten, das Bildungsportal barrierefrei zu nutzen: Ansicht und Layout lassen sich anpassen, man kann Screenreader oder die seitenbezogene Sprachausgabe nutzen. Zwei kurze Videos in Gebärdensprache mit Untertiteln informieren gehörlose und hörbehinderte User nicht nur über die Inhalte von REHADAT, sondern auch über die Website vibelle.de, die alle berufsrelevanten Contents auch in Gebärdensprache bietet.

Schüler, die auf Leichte Sprache angewiesen sind, bleiben jedoch leider außen vor: Nach langem Suchen finden sich — gut versteckt unter dem Button „Barrierefreiheit“ (!) rechts oben auf der Website — vier Seiten in Leichter Sprache: eine kurze Liste mit überwiegend toten Links (Stand August 2018) und ein kurzer Text zum Thema „Was ist REHADAT-Bildung?“ Hier steht dann: „Die Infos und Tipps im Bildungs-Portal sind in schwerer Sprache geschrieben. Holt euch Unterstützung beim Lesen!“

Martina Niekrawietz

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