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Jakob-Muth-Preis 2013/2014

Gute inklusive Schule — wo gemeinsames Lernen gelingt

„Gemeinsam lernen — mit und ohne Behinderung“, unter diesem Motto zeichnet der Jakob-Muth-Preis alljährlich inklusive Schulen in Deutschland aus. Aus über 100 Bewerbern im Jahr 2013 wählte die Jury die Brüder-Grimm-Schule in Ingelheim aus. — Eine von vier Einrichtungen, in denen der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf besonders gut gelingt.

Jakob-Muth-Preis 2013/2014: Gute inklusive Schule — wo gemeinsames Lernen gelingt Ob beieinträchtigt oder nicht — alle Kinder profitieren davon, wenn sie gemeinsam lernen dürfen © iStockphoto.com/Jani Bryson

Seit 2009 prämiert der Jakob-Muth-Preis „gute inklusive Schulen“. Träger des Gemeinschaftsprojekts sind die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Verena Bentele, die Bertelsmann Stiftung, die Sinn-Stiftung und die Deutsche UNESCO-Kommission.

Grundlegend für die Entscheidung der Jury sind fünf zentrale Qualitätsdimensionen: An erster Stelle steht dabei die Frage nach den Leistungen der Schüler „in unterschiedlichen Feldern (kognitiv, sozial, künstlerisch, sportlich etc.)“. Ein weiteres wichtiges Beurteilungskriterium ist die „inklusive Lehr- und Lernkultur“ der Schule. Hierbei steht die Förderung von selbstständigem und kooperativem Lernen im Unterricht ebenso auf dem Prüfstand wie die Teamarbeit der Pädagogen.

Inwieweit setzt die Schule durch konsequentes Qualitätsmanagement ihr inklusives Leitbild um? In diesem Zusammenhang begutachtet die Jury Maßnahmen zur inklusiven Schulentwicklung, „z. B. Steuerung, Fortbildung, Evaluation“. Wichtig ist dabei auch, dass Eltern und Kinder in die Schulentwicklung einbezogen werden – ein weiteres Kriterium für die Preisvergabe. „Gute inklusive Schulen“ vernetzen sich außerdem mit dem Umfeld (etwa durch Stadtteilarbeit) und kooperieren mit anderen Einrichtungen.

Fünfzehn Schulen wurden bis Januar 2014 ausgezeichnet. Dieser Beitrag stellt Ihnen einen der letztjährigen Gewinner vor: die Brüder-Grimm-Schule in Ingelheim.

Eine „offene, lernende und demokratische Schule“

So sieht Schulleiter Klaus Großheim seine Schule. (Website Jakob-Muth-Preis, Kurzportrait) Regelmäßig tagt der Schülerrat mit der Schulleitung „und trifft gemeinsame Entscheidungen für den Schulalltag.“ (ebd., Videoportrait, 2:55 min) Auch die Pädagogen arbeiten eng zusammen und in 30 bis 50 Prozent der Unterrichtsstunden in Doppelbesetzung: Jeweils eine Lehrkraft und ein Sozialpädagoge versuchen, die Kinder möglichst effizient und individuell zu fördern. Fest verankert im Stundenplan ist eine „Teamstunde“ für Absprachen oder gemeinsame Unterrichtsvorbereitung.

Eine eigene Schulsozialarbeiterin übt mit den Kindern spielerisch soziales Verhalten oder spricht mit ihnen über die Situation zu Hause. Täglich bietet sie dazu eine Sprechstunde an. Ihr Büro liegt da, wo alle Kinder vorbeikommen und ihre Tür ist immer offen, wenn sie da ist. „Die Kinder brauchen einen leichten Zugang, das ist wichtig“, sagt sie. (Website Jakob-Muth-Preis, Videoportrait, 4:57 min, Link s. o.)

Zur Selbstevaluation nutzt die Schule SEIS, „ein wissenschaftliches Steuerungsinstrument für Schulentwicklung“ der Bertelsmann-Stiftung.

Gespräche statt Zeugnisse

In der zweiten und dritten Klasse gibt es statt Zeugnissen Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche (S-E-L-G). Dafür hat das Kollegium eigene Protokollbögen entwickelt: Sie enthalten sowohl „die Stärken des Schülers aus der Sicht aller Beteiligten“ als auch „zwei Entwicklungsfelder mit einer Vereinbarung für die weitere Vorgehensweise“ im Umgang damit. Die Beschränkung auf nur zwei Entwicklungsfelder gewährleistet dabei „eine effektive Vereinbarung“, die auch wirklich eingehalten werden kann. (ebd.)

Schuleigene Kompetenzraster

Die „Wertschätzung und Förderung aller Kinder“ gehört ebenso zum Leitbild der Brennpunkt-Schule wie die „Wahrnehmung von Unterschiedlichkeiten als Chance“ (ebd., Website Jakob-Muth-Preis, Kurzportrait, Lin s. o.). Von den derzeit 216 Schülern der Brüder-Grimm-Schule haben etwa 15 Prozent einen ausgewiesenen sonderpädagogischen Förderbedarf, überwiegend mit Förderschwerpunkt ‚Lernen‘. Die schuleigenen Kompetenzraster lehnen sich an die VERA-Stufen, die Bildungsstandards und Rahmenpläne in Rheinland-Pfalz an, sind aber insgesamt einem „differenzierten Leistungsbegriff“ verpflichtet: Dieser „muss sich den Voraussetzungen und Umständen anpassen, die die Kinder in die Schule mitbringen.“ (Kurzportrait, Website Jakob-Muth-Preis, Link s. o.)

Dass auch in der Brüder-Grimm-Schule individualisierter Unterricht dem Leistungsniveau der Schule keinen Abbruch tut, zeigen die landesweit durchgeführten Lernstandserhebungen: Hier liegt die Schule im Vergleich zu anderen sogar im oberen Mittelfeld.

Martina Niekrawietz

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