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Werkunterricht/Textiles Gestalten

Ich will das auch machen! — Hilfsmittel für den Unterricht

Schüler wollen teilhaben — auch die mit einem körperlichen Handicap. Mit den geeigneten Hilfsmitteln können sie im Werkunterricht und im Fach Textiles Gestalten aktiv mitarbeiten.

Werkunterricht/Textiles Gestalten: Ich will das auch machen! — Hilfsmittel für den Unterricht Mit einer handbetriebenen Bohrmaschine wie dieser können auch Schüler mit körperlichen Einschränkungen arbeiten © Hanna Fischer

Im Zuge der Inklusion werden immer mehr Schüler mit Handicap in Regelschulen unterrichtet. Folgendes Problem stellt sich dabei im Technikunterricht: Wie integriere ich Schüler mit Bewegungseinschränkungen? Welche praktischen Aufgaben können sie übernehmen? Wie ermögliche ich ihnen, eine befriedigende Teilhabe – besonders im Team gemeinsam mit den Klassenkameraden — bei der Herstellung von Werkstücken?

Sie sollen nicht frustriert und gelangweilt am Rande stehen und den Mitschülern bei der Produktion zusehen, sondern so selbstständig wie möglich mit Materialien und Werkzeugen umgehen lernen.

Wie kann das funktionieren?

  • durch besondere Werkzeuge und Hilfsvorrichtungen
  • durch Arbeitsorganisation im Raum
  • durch Partner- und Teamarbeit

Werkzeuge und Hilfsvorrichtungen

Bekannt ist die Schere für Linkshänder, die es den Betroffenen sehr erleichtert, Papier, Pappe und Stoff zu schneiden. Es gibt jedoch auch Scheren, die sich bei einfachem Druck auf die Schenkel schließen und danach automatisch öffnen. Für Schüler, die nur mit einer Hand arbeiten können, eignet sich eine Schere, die an einer Platte befestigt ist und durch Druck auf den oberen Schenkel betätigt wird.



Damit Werkzeuge und Materialien nicht verschoben werden, kann man Magneten oder — noch einfacher — eine rutschfeste Unterlage, wie sie für Teppiche oder im Schiffsbedarf angeboten wird, benutzen. Es gibt sie auch in Rollenform als Meterware, wenn man sich Stücke in gewünschter Größe ausschneiden möchte.

Stifte, die mit Noppen versehen sind und sich dadurch besser greifen lassen, sind überall erhältlich. Außerdem gibt es Greifhilfen zum Überstülpen auf Stifte.Pinsel, die statt eines Stiels einen gerundeten Griff besitzen, lassen sich einfacher greifen. Man kann jedoch auch einen alten Tennisball durchstechen, auf den Stiel stecken und den Stiel entsprechend einkürzen.

Schwere Lineale, z. B. Stahlschienen, erleichtern das Ziehen gerader Linien. Beim Trennen von Holzleisten und Rundstäben hat sich eine Schneidlade bewährt, die in die Zange der Werkbank eingespannt wird. Die Leiste kann innerhalb der Schneidlade durch eine Schaube fixiert und muss nicht mehr festgehalten werden. So bleibt die Hand zum Sägen frei. Für das Durchtrennen der Holzleiste eignet sich die Japanische Zugsäge, die nicht auf Stoß, sondern auf Zug das Werkstück durchtrennt.

Alternativ gibt es die Gehrungssäge, in die das Werkstück, z. B. ein Holzbrett, zum Trennen eingelegt wird. Bevor gesägt wird, muss es auf einer Seite fixiert werden. Hierzu eignen sich Klemmzwingen.



Das kurzfristige Fixieren von Werkstücken ist wichtig, damit die Hände beim Bearbeiten frei bleiben, vor allem dann, wenn nur mit einer Hand gearbeitet werden kann. Hierzu gibt es außer den Klemmzwingen noch Klammern und andere Einspannvorrichtungen. Die Werkbänke bieten dies durch Vorder- und Hinterzange sowie durch verstellbare Bankhaken.

Die handbetriebene Bohrmaschine erlaubt das Bohren in Partnerarbeit. Ein Schüler hält das eingespannte Werkstück unter den Bohrer, der zweite dreht die Kurbel und senkt den Bohrer ab. Dabei kann das Innenleben mit den ineinandergreifenden Zahnrädern dieser mechanischen Bohrmaschine durch eine Plexiglasscheibe beobachtet werden.

Hilfsvorrichtungen, die das Schleifen und Verleimen im rechten Winkel ermöglichen, können in die Werkbank eingespannt werden.

Das Schleifen von Flächen kann auf einer Schleifplatte erfolgen, auf der das Werkstück plan geschliffen wird. Beim Schleifen von Kanten mit dem Schleifkorken kann man das benötigte Schleifpapier mit Reißnägeln am Korken fixieren, damit es nicht verrutscht. Es gibt jedoch auch Schleifklötze, in die das benötigte Schleifpapier eingespannt wird.

Auch für das Einfädeln von Nadeln gibt es Tricks und Kniffe:  vorbereitete Papierstreifen, die in das Nadelöhr passen, werden in der Mitte gefaltet.  Die Nadel steckt man auf einen kleinen Schwamm oder ein Stück Knete, damit die aufrecht steht und nicht gehalten werden muss. Der gefaltete Papierstreifen wird ein Stück weit durch das Nadelöhr geführt, dann kann der Faden durch den Papierstreifen gesteckt und mithilfe des Streifens durch das Nadelöhr gezogen werden. Diese billige Variante ersetzt den Nadeleinfädler, der unter den Kinderhänden sowieso ständig bricht.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten. Not macht bekanntermaßen erfinderisch und Fantasie ist gefragt beim Problemlösen. Häufig kommt die zündende Idee auch bei der Arbeit.

Arbeitsorganisation im Raum

Bevor die gestellte Aufgabe in Angriff genommen wird, sollte die jeweilige Vorrichtung am Arbeitsplatz installiert sein und die benötigten Materialien bereit liegen. Auch sollten von Schülern benötigte Werkzeuge und Materialien so angebracht und ausgelegt sein, dass sie auch für Rollstuhlfahrer erreichbar sind.

Links zum Thema:

Scheren u.a. Greifhilfen hier oder hier.

Handbetriebene Bohrmaschine, Hilfsvorrichtungen zum winkligen Verleimen u. Schleifen: Montageplatte, Schleifplatte, Schleifvorrichtung finden Sie im speziellen Fachhandel.

Sinnvoll sind nummerierte Arbeitsplätze und Werkzeuge, für die die jeweiligen Benutzer verantwortlich sind, außerdem Gruppentische, damit die Schüler sich gegenseitig unterstützen und im Team zusammenarbeiten können. Sehr hilfreich ist es, wenn die Tische höhenverstellbar sind.

Partner- und Teamarbeit

Besonders Schüler, die einen starken Bewegungsdrang haben oder immer schon schnell mit allem „fertig“ sind, unterstützen meiner Erfahrung nach sehr gern Mitschüler mit Handicap. Sie fühlen sich gebraucht und verantwortlich.

Nicht nur an der Werkbank, sondern auch am Näharbeitsplatz lässt sich Partnerarbeit sehr gut verwirklichen: Beim Nähen an der Maschine führt ein Schüler den Stoff, der andere drückt mit der Hand nach Aufforderung das Antriebspedal. Diese Aufgabe ist bei Schülern, die im Rollstuhl sitzen und sonst wenig tun können, sehr beliebt. Vorher muss natürlich das Starten, Stoppen und die Geschwindigkeit beim Nähen geübt werden.

Sinnvoll ist es, die Produktion eines Werkstücks im Team erledigen zu lassen: Nach dem Festlegen der Arbeitsschritte und der benötigten Werkzeuge und Materialien wird besprochen, wer welche Aufgabe sinnvollerweise übernehmen kann. Danach wird arbeitsteilig vorgegangen, bis das Werkstück fertig ist.

Hanna Fischer

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