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Schulkonzept

Integrationskräfte als vollwertige Mitglieder der Schule

Integrationskräfte laufen meist ohne wirkliche Einbindung in Unterricht und Schulalltag mit — mit Störpotenzial. Um eine bessere Zusammenarbeit zu gewährleisten, sollten Integrationskräfte stärker in den Schulalltag integriert werden.

Schulkonzept: Integrationskräfte als vollwertige Mitglieder der Schule Je nach Bedarf können sich die Integrationskräfte im Unterricht um einzelne Schüler kümmern © Tyler Olson/Shutterstock.com

Die Kollegin kommt ins Lehrerzimmer und beschwert sich genervt: „Diese Frau S. macht mich wahnsinnig. Sie ist wie ein weiteres Kind in meiner Klasse. Ich habe mehr Störungen und Arbeit mit ihr als Hilfen. Sie lässt ihrem Schützling keinen Raum, klebt ständig an ihm, stört mit Zwischengesprächen den Unterricht und selbstständig wird er damit auch nicht. Darf jetzt jeder in der Schule arbeiten?“

Diese Situation ist keinem Lehrer fremd, der mit Integrationskräften im Zuge der Einzelfallbindung in der Schule arbeitet. Und man kann es den Integrationskräften noch nicht einmal verübeln: Sie kommen oft mit einer minimalen Vorbereitungszeit in unser Schulsystem und sollen dort schwierigen Schülern die Integration sowie die effektive Teilhabe und Eingliederung in das Schulleben ermöglichen, insbesondere den Schülern, bei denen bereits nicht die didaktische und pädagogische Kunst der Lehrer versagte. Das kann nicht ohne Schwierigkeiten ablaufen, die Probleme sind im Grunde programmiert.

Schüler haben Anspruch auf Unterstützung

Wie so oft geht es beim Thema Integration und Inklusion nicht ohne Konzeption und doch ist diese Organisationsform, das einzelne Schüler eine individuelle Hilfe in dieser Form erhalten, die tägliche Praxis an unseren Schulen. Der Gedanke war gut, die praktische Umsetzung ist es oft weniger. Die Eingliederungshilfe nach §35a des SGB VIII ist ein Rechtsanspruch, den Kinder haben, die seelisch behindert oder von einer seelischen Behinderung bedroht sind (vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz). Ihre Unterstützungsmaßnahmen umfassen Hilfen, die sich auf den Unterricht und den Schulalltag beziehen. Hierzu zählen die Aufmerksamkeitslenkung im Unterricht, Strukturierungshilfen, Unterstützung beim Beziehungsaufbau in der Klasse, begleitende individuelle Förderung bei Lernschwierigkeiten, Strategien zum Umgang mit Konflikten usw.

Integrationskräfte in die Schul-Arbeit einbeziehen

Diese wichtige Arbeit gelingt nicht effektiv und gewinnbringend, wenn einzelne Integrationskräfte für sich und ihren Schützling arbeiten ohne ihre Arbeit konzeptionell mit den Lehrkräften und Schulleitern einer Schule zu verankern. So kommt es immer wieder zu Kompetenzgerangel, Störungen, fehlenden Absprachen, Grenzüberschreitungen und Problemen, die auch dem betreffenden Kind und den Eltern häufig nicht verborgen bleiben.

Ohne Einsatzplanung und feste Vorgaben, einer abgestimmten Arbeitsplatzbeschreibung in den Schulen geht es nicht. Und genau aus diesem Grund entstand eine Konzeption aus der Praxis, die für alle Beteiligten als höchst gewinnbringend erfahren wurde und die ich im Folgenden kurz vorstellen möchte. Die Pool-Bildung von Integrationskräften ist ein praxiserprobtes Konzept zum gewinnbringenden Einsatz von Integrationskräften an Schulen, das die bekannten Schwierigkeiten aufgegriffen hat und Lösungen anbietet. Dabei ist es das Ziel, dass die Integrationskräfte einen festen Mitarbeiterzweig in der schule bilden und in jeder Klasse einmal vertreten sind. Ich stelle dieses hier tabellarisch in den Kernaussagen vor, so dass ein erster Überblick möglich wird:

Einzelfallbindung versus Pool-Bildung von Integrationskräften
Schulbegleitung/Einzelfallbindung Schulbegleitung/fester Mitarbeiterstab/Pool-Bildung
zufällige Verteilung in den Klassen, mangelnde Ressourcennutzung bedarfsorientierte, flexible Verteilung in den Klassen, Ressourcen werden effektiv genutzt
keine Zugehörigkeit zum Team einer Schule, zu einem bestimmten System und dessen Arbeitsweisen Zugehörigkeit zu einem Kollegium, einer Schule und deren Arbeitsweisen, Prinzipien, Absprachen etc.
zufällige Verteilung in den Klassen, mangelnde Ressourcennutzung bedarfsorientierte, flexible Verteilung in den Klassen, Ressourcen werden effektiv genutzt
arbeitet das betreffende Kind temporär selbstständig, bleibt der Schulbegleiter beim Kind oder zieht sich im Klassenraum zurück arbeitet das betreffende Kind selbstständig, können auch andere Kinder der Klasse unterstützt werden
Teilnahme an Besprechungen oder aufgabenbezogenen, schulinternen Lehrerfortbildungen nicht eingeplant (Kooperation schwierig) Teilnahme an Besprechungen, aufgabenbezogenen, schulinternen Lehrerfortbildungen eingeplant
(Kooperation möglich)
keine Planbarkeit der Kosten für die Jugendhilfe (steigend im Zuge der Inklusion) Kosten planbar, da sie konstant sind
derzeit verschiedene Träger an einer Schule, mehrere Ansprechpartner einen Träger je Schule und somit feste Ansprechpartner
Möglichkeit der Stigmatisierung von Kindern durch Einzelfallbindung keine Stigmatisierung möglich — Unterstützung kommt allen Kindern zugute

Neue Einsatzbereiche für Integrationskräfte

Durch die Organisation im Pool erweitern sich die Einsatzbereiche der Integrationskräfte beträchtlich. Sie sind nicht, wie gewohnt, nur einem Kind zugewiesen und folgen schulisch den Anweisungen einer Lehrkraft, sondern als Mitarbeiter eines ganzes Schulsystems werden die Integrationskräfte nun in verschiedenen Bereichen tätig:  

  • Sie sind in einer festgelegten Klasse für alle Kinder zuständig, die eine Unterstützung benötigen.
  • Sie übernehmen Hausaufgabenbetreuung und unterstützen die Offene Ganztagsschule (OGS) oder die Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen in der sonderpädagogischen äußeren Differenzierung im Förderraum wie bspw. in der „Lerninsel“ oder im „Lernstudio“
  • Sie übernehmen die Aufsicht bei Hof- und Frühstückspausen, je nach Größe der Schule 3. Kraft in den Hofpausen.
  • Sie nehmen an Klassenfahrten, Schulfesten und -veranstaltungen ohne gesonderte Antragsstellung teil.
  • Begleitung von Elterngesprächen und Elternabenden
  • Teilnahme an schulinternen Fortbildungen
  • Sie nehmen an Teambesprechungen teil: mit Lehrern, OGS-Team, Dienstbesprechungen der Inklusionsassistenten in der Schule, Schulleitung, Träger.

Durch die Konzeption der Pool-Bildung von Integrationskräften ergibt sich ein neues Mitarbeitersystem in der Schule, das auch festgelegte Teambesprechungen notwendig macht. An unserer Schule haben wir diese Umstellung nie bereut und erfahren heute ein gewinnbringendes Mitarbeitersystem, das konzeptionell neu geschaffen wurde. Der zunächst anstrengende Mehraufwand für Planung und Umsetzung hat sich am Ende in der Praxis mehr als bezahlt gemacht!

Nicole Vilgis


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