Fach/Thema/Bereich wählen
Inklusion

So gewinnen Sie Eltern für eine aktive Mitarbeit

In der Schule für alle sind nicht nur alle Schüler willkommen: Auch die Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der inklusiven Schulentwicklung. Es ist also wichtig, eine gute Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit zu schaffen.

Inklusion: So gewinnen Sie Eltern für eine aktive Mitarbeit Offene Gespräche sind ein guter Weg, Eltern für eine aktive Mitarbeit in der Schule zu motivieren © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Eine inklusive Schule entwickelt sich in einem demokratischen Prozess, an dem alle Beteiligten teilhaben, das Lehrerteam, die Schüler und deren Eltern. Dementsprechend lautet eines der fünf Qualitätskriterien des Jakob-Muth-Preises, der alljährlich an vorbildliche inklusive Schulen vergeben wird: „Inklusion durch Mitwirkung: Wie werden die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern in die Schulentwicklung einbezogen?“

Auch der „Index für Inklusion“, das meistgenutzte Instrument für inklusive Schulentwicklung, holt sowohl Eltern als auch Schüler mit ins Boot. Beide Gruppen sollten zum Index-Team gehören, das inklusive Veränderungen in der Schule anstößt und umsetzt. (vgl. Index, S. 24) Die Elternvertreter im Indexteam fungieren dann auch als Multiplikatoren: Sie bemühen sich, mit möglichst vielen Eltern über die Schule ins Gespräch zu kommen. Ausgangspunkt für eine gemeinsame Diskussion könnte dabei eine Elternbefragung sein, die das momentane Stimmungsbild der Elternschaft einfängt und zugleich vermittelt, welche Merkmale eine inklusive Schule kennzeichnen. Im Index für Inklusion findet sich ein für Eltern und Schüler adaptierter Fragebogen mit insgesamt 24 Aussagen, denen voll, teilweise oder gar nicht zugestimmt werden kann. Die Statements entsprechen den Indikatoren für inklusive Kulturen, Strukturen sowie Praktiken und sind klar und leicht verständlich formuliert: „Jeder fühlt sich willkommen“, heißt es da etwa oder: „Die Eltern fühlen sich in die Schule eingebunden.“ (Index, S. 101 f.)

Die „Elternbefragung“ als Eisbrecher für das Thema Inklusion

Dieser Fragebogen könnte auch bei einem Elternabend als „Türöffner“ für das Thema „Schule für alle“ dienen. Damit fokussieren die Eltern von vornherein auf die Potenziale einer inklusiven Schule, die ausnahmslos allen Schülern zugutekommen, zum Beispiel: „Es wird viel getan, um Mobbing und Gewalt zu verhindern“ oder „Die LehrerInnen denken, dass alle SchülerInnen gleich wichtig sind“ oder „Die LehrerInnen versuchen den Unterricht so zu gestalten, dass alle gern in die Schule gehen“.

Mögliche Vorbehalte gegenüber einem gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Förderbedarf treten dann vermutlich eher in den Hintergrund, etwaige Befürchtungen können bei der Auswertung thematisiert und gemeinsam diskutiert werden. Denn: „Um die Zusammenarbeit mit den Eltern erfolgreich zu gestalten, müssen auch die Bedürfnisse, die Wünsche und Ängste der Eltern ernst genommen werden“, betont Sylvia Decker, Schulleiterin der Gesamtgrundschule „Die Brücke“ in Neuss. Gemeinsam mit der Sprecherin des Zentralelternbeirats Bremen Andrea Spude vermittelt sie in einem Workshop Voraussetzungen für eine gelingende Elternarbeit in einer Schule der Vielfalt (Skript zum Workshop).

Transparenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit

Eine „gemeinsame Haltung aller Beteiligten“ sieht Andrea Spude als „Basisvoraussetzung, um den Inklusionsprozess überhaupt in Gang zu bringen“. (Skript zum Workshop, S. 2). Wichtige Aspekte sind in diesem Zusammenhang „soziale Integration“ ohne „Schubladendenken“ und natürlich ein „individualisierter Unterricht für alle“. Dass es dabei um die „optimale Entfaltung des Entwicklungspotenzials“ jedes einzelnen geht, bedeutet, dass gerade eben nicht nur die Schüler mit attestiertem Förderbedarf von einer Pädagogik der Vielfalt profitieren, sondern wirklich alle Kinder oder Jugendlichen, auch zum Beispiel die herausragend begabten.

Ein „gemeinsames Verständnis von Schule, Begegnung mit Wertschätzung und auf Augenhöhe, Partizipationsstrukturen für Schülerinnen und Schüler und Eltern“ charakterisieren eine inklusive Schulkultur, betont Andrea Spude. (Skript zum Workshop, S. 3) Kollegium und Elternschaft tragen eine gemeinsame Verantwortung für den Inklusionsauftrag und sollten das auch verbindlich festlegen, zum Beispiel „durch das Unterschreiben einer gemeinsamen Erklärung oder Vereinbarung“ oder auch durch „das schriftliche Festlegen gemeinsamer Grundsätze“ (ebd.).

Klar ist, dass eine Schule nicht von heute auf morgen inklusiv wird. Die Entwicklung geht immer mit einem Lern- und Veränderungsprozess aller Beteiligten einher. Und zunächst einmal sicherlich auch mit vielen offenen Fragen der Eltern. Hier gilt: Information und Transparenz schafft Vertrauen. Im Idealfall bestreitet das multiprofessionelle Team aus Lehrern, Sonderpädagogen oder Erziehern gemeinsam die Elternarbeit. Bei Bedarf sollten externe Experten hinzugezogen werden, rät Sylvia Decker. Die Eltern ihrer Schüler dürfen auch die internen und externen Beratungsangebote der Schule nutzen. Und sie lädt Väter und Mütter zu Hospitationen im Unterricht ein. Das überzeugt häufig besonders diejenigen, die dem inklusiven Konzept kritisch gegenüberstehen, so Deckers Erfahrung. Ein weiterer Vorteil: Im gemeinsamen Unterricht erleben Eltern inklusive Lernkultur „hautnah“. Theoretische Begriffe wie „Binnendifferenzierung“, „selbst organisiertes und kooperatives Lernen“ oder ein „neues Rollenverständnis des Lehrers als Lernbegleiter“ erklären sich dann von selbst.

Martina Niekrawietz

Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Inklusion
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×