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Bastelarbeiten

Der Herbstwind und stürmische Zeiten – festgehalten im Bild

Unterrichtsbeispiele für einen gelungen Kunstunterricht mit Jüngeren

Bastelarbeiten: Der Herbstwind und stürmische Zeiten – festgehalten im Bild Stürmische Zeiten – festgehalten im Bild © M. Albert-Legniti

Veröffentlicht am 11.09.2023 – „Der Herbst seht auf der Leiter und malt die Blätter an […) Er kleckst und pinselt fleißig auf jedes Blattgewächs[…)“ (Peter Hacks), „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind […)“ (Brüder Grimm), diese Lieder und Gedichte nannten Schüler*innen einer fränkischen fünften Klasse an der Realschule in der Motivationsphase zum Stundenbeginn des Kunstunterrichts, nachdem sie von mir nach herbstlichen Gedichten gefragt worden waren. Karin lachte auf und fragte mich: „Kennen Sie diese Abbildungen in Kinderbüchern, die pustende Wolke?“ Ich musste lächeln. „Klar. So eine Puste-Wolke war sogar in einem Kinderbuch von mir.“ Die Klasse hatte interessiert zugehört. Bunte Blätter und Wind. Was gab es neben Ernte und Nebel Typischeres für die Jahreszeit Herbst? Die Kinder sprachen nun über den stürmischen Wind oder gar Herbststürme. Das Gespräch muss von der Lehrkraft gut gelenkt werden, um nicht thematisch beim Thema Umweltkatastrophen zu landen – schließlich geht`s aktuell darum, wie man Wind und Sturm auf einem Herbst-Bild darstellen kann, eben ohne die zuvor genannte Kinderbuch-Pustewolke zu malen.

Die Schüler*innen hatten prima Ideen, die folgend genannt werden: Was der Wind alles „bewegt“

  • sich im Sturm biegende Bäume, hohe Gräser, Getreidefelder…
  • wehende Äste und Blätter an vom Wind gebeutelten Bäumen und Büschen
  • abgerissene Äste und Blätter
  • flatternde Wäschestücke an der Leine
  • ein durch die Kraft des Windes umgestülpter Regenschirm
  • wehende Haare
  • steigende Dracheneinen Drachen, der sich losgerissen hat (und z.B. an einem Ast festhängt) u.a. realistische Ideen

Stürmische Zeiten im Herbst – ein Wasserfarbenbild entsteht 

Bildgestaltung, Bildaufbau

Besprechen Sie, welches Blattformat aufgrund des Themas wohl besonders gut passt; die Kinder nutzen meistens das Querformat. Zeigen Sie zuerst im Plenum die Vorgehensweise des Lasierens. Betonen Sie zusätzlich, dass die untere deckende Fläche erst sauber gemalt werden kann, wenn „der Himmel“ getrocknet ist. (In der Zwischenzeit kann z.B. ein Herbstgedicht abgeschrieben und gestaltet werden) Blatteinteilung, Schmuckschrift, Gestaltung – fächerübergreifend zum Fach Deutsch; ein Comic mit 4 Bildern des o.g. Gedichtes gezeichnet oder ein Mandala ausgemalt werden. Da ich persönlich immer wieder beide Fächer Kunsterziehung und Deutsch in der 5. Jahrgangstufe als Klassenleitung unterrichtet, bietet sich das übergreifende Arbeiten an.

Es werden folgende Materialien benötigt:

  • Weißes Papier im Din A3 Format, Bleistift Härte HB, Radiergummi, Haarpinsel der Stärken 14, 8, 2), Wasserfarben, 2 Wasserbecher, ggf. Deckweiß.
  • den Namen zuerst auf die Rückseite lesbar am unteren Blattrand notieren lassen
  • mindestens die. obere Blatthälfte mit blauer, dunkelblauer, wenig schwarzer und, wenn überhaupt, sehr wenig Deckweiß den Herbsthimmel lasierend gestalten. Darauf achten, dass diese bzw. die „Wolken“ bewegt aussehen; also nicht das Blatt von links nach rechts akkurat anstreichen
  • trocknen lassen (Zwischenaufgabe möglich (s.o))
  • deckender Farbauftrag in der unteren Bildhälfte, wie beispielsweise Wiese, Feld, Baum oder - Bäume und zuerst genannte „windzerzausten Objekte“ (siehe oben)
  • Räumlichkeit im Bild erzeugen: Bäume im Bild verteilt gestalten, im Bildraum darstellen (in der Wiese, nicht ausschließlich „auf der Hügelkante stehend“ (siehe Bild)
  • sich im Wind wiegende Bäume, Büsche gestalten
  • das „Windwehen“ darstellen (s.o.)

Bäume bestehen aus Stamm, mehreren Hauptästen und sich immer stärker verzweigende Äste, Zweige und Ästchen – am besten einen kahlen Baum zeigen oder vorm Unterricht draußen mit den Kindern einen Baum betrachten und den zuerst genannten Sachverhalt betonen; oftmals werden Bäume nämlich ausschließlich mit wenigen Dicken, „abgesägt aussehenden“ stammähnliche „Ästen“ dargestellt.

  • einige farbige Blätter am Baum und solche, die abgerissen wurden (am Boden) und welche, die durch die Luft fliegen gestalten

Tipps und Tricks:

  • Wasser- bzw. Deckfarben zuerst mit einem Tropfen Wasser und einigem Rühren aufwecken, um die darin enthaltenen Farbpigmente anzulösen, um die Deckkraft der Farbe zu aktivieren (die Kinder kennen oftmals den Ausdruck „rühren, bis die Farbe schäumt“) möglichst 2 Wasserbecher verwenden – einen zum Reinigen des Pinsels, den zweiten zur neuerlichen Wasseraufnahme. Dadurch bleibt das Malwasser und folglich die Farbe sauberer, als bei der Verwendung von nur einem Wasserbehälter
  • lasierend malen = wässrig malen mit Haarpinsel, also mehr Wasser als Farbe / der Untergrund scheint nicht durch / Farbübergänge sind gut zu gestalten
  • deckend malen = der Untergrund scheint nicht durch, also mit weniger Wasser als Farbe malen / dadurch lässt sich genau(er) malen (auf buntem Untergrund, wie hier grünbraune Wiese, graublauer Himmel erscheinen darüber gemalte, auch helle, Farben eher trübe; es ist möglich, Deckweiß zuerst an genau der Stelle als Grundierung darunter zu malen, es trocknen zu lassen; in diesem Bild wurde dies nicht gemacht, weil wirklich deckendes  Malen (!) mit sauberen (!) Farben gelernt werden sollte, auch wenn die Strahlkraft der aufgemalten Wasserfarbe etwas verringert ist
  • die Zahl auf dem Pinsel gibt die Dicke /Breite/Stärke an: je kleiner die Zahl, umso dünner/schmaler/feiner der Pinsel;
  • 5 Pinsel genügen: Empfehlung: Haarpinsel: 14 oder 12 / 8 oder 6 / 2

Flachpinsel (Synthetik): 14 oder 12 / 6 (Borstenpinsel haben meist Schweinsborsten und sind „härter“).

Damit das Bild nicht langweilig aber auch nicht überladen wirkt, nicht mehr als 5 stürmisch dargestellte Situationen malen, an denen man erkennt, dass heftiger Herbstwind bläst.

Nach dem Trocknen der oberen und unteren Bildhälfte, sollten die zuerst genannten Situationen mit gespitztem Bleistift (Härtegrad H oder HB) sachte vorgezeichnet werden. Achtung: Radieren auf Wasserfarbe ist zu vermeiden, da es helle bis weiße Flecken verursacht!

Erinnern Sie die Klasse zwischendurch ans Wasserwechseln, damit farblich bunte Bilder geschaffen werden bzw. um „Matschfarben“ beim Malen zu vermeiden – werden die Farbpinsel beim Malen immer wieder im gleichen Wasser ausgewaschen, wird dieses bald grauschwarz – reine Farben damit zu malen ist nicht mehr möglich.

Abschließende Arbeiten:

  • Immer wieder beliebt ist es, mehrere Bilder zu einem großen zusammenzuhängen
  • Besprechung, was den „Wind auf den jeweiligen Werken“ sichtbar macht, Wertungen vermeiden!
  • Bewertungsmöglichkeiten
    • -lasierende Malweise (z.B. Umsetzung? Technik?...)
    • -deckende Malweise (z.B. Umsetzung, Technik?...)
    • -Farbgebung, Sauberkeit, Bildeinteilung, Darstellung des Windes,…

Bewertung ausschließlich nach Aussehen und Schönheit sind zu vermeiden (Jungen lernen Feinmotorik meist später als Mädchen)!

Diese Bilder können zum Schmücken des Klassezimmers oder des Schulhauses dienen aber auch zum Unterstützen des Gedichtelernens verwendet werden (beispielweise Personifikation des Herbstes (steht auf der Leiter u.a.), Reimschemata (Kreuzeim, Paarreim, umarmender Reim) oder gar reiner Reim (malt die Blätter an / Malersmann) und unreiner Reim (Blattgewächs / Klecks). Ein bekanntes Gedicht bietet sich für neue Fachbegriffe und Inhalte an.

Den Herbstwind darzustellen, ohne Geräuschewörter des Comics oder oben erwähnte „Pustewolken“ zu malen, macht immer wieder Spaß – vieles ist aus der Erfahrungswelt der Kinder – und garantiert ansprechende, herbstliche Arbeiten.


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