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Fächerübergreifend

DaZ: sprech- und lesesicher mit Rhythmus und Rap

Mit Musik und Rhythmus geht manches leichter, auch das Sprachenlernen. Warum nicht Aussprache, Vokabeln und auch das Lesen als Rap üben? — Ein Ansatz, der Schülern die Angst vor der Fremdsprache nimmt.

Fächerübergreifend: DaZ: sprech- und lesesicher mit Rhythmus und Rap Sprechgesang oder Rap kann helfen, Sprechblockaden zu lösen und die Sprachmelodie herauszuhören © AntonioDiaz - Fotolia.com

Mit einem Begrüßungsrap empfangen Matthias Perner und Dr. Anke Stöver-Blahak vom Fachsprachenzentrum an der Leibniz Universität Hannover ihre fremdsprachigen Studenten. Die Studenten grooven und klatschen mit und am Ende applaudieren sie begeistert. Trotz der schlechten Tonqualität und kleinen rhythmischen Unsicherheiten der Interpreten springt der Funke über — auch auf den Betrachter des Videos.

„Rap (...) hat großes Potenzial für den Fremdsprachenunterricht“, erläutert Dozent Matthias Perner in seinem Beitrag „Rappen für die Sprechsicherheit“. Wenngleich der „exakte Rhythmus und die deutliche Aussprache“ die Lernenden zunächst herausfordern, würden sie doch sehr viel dadurch lernen: Die Sprechangst nehme ab, die Sicherheit und das Selbstbewusstsein wachse und damit auch „die Angstfreiheit vor Fehlern“, was „ein enormes persönliches Potenzial“ freisetze. Vor allem aber verknüpften die Schüler beim Rappen die Betonung und Intonation der deutschen Sprache mit der Bedeutung: „Irgendwann macht es klick bei den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern. Dann trägt und erleichtert der Rhythmus ihr Sprechen“, so die Erfahrung von Matthias Perner.

Man muss kein Musiklehrer sein, um die folgenden Übungen und Ideen im DaZ-Unterricht umzusetzen. Und auch das technische Equipment hält sich in Grenzen.

Vom rhythmischen Sprechen zum einfachen Hip-Hop

Matthias Perner arbeitet zwar mit fremdsprachigen Studenten, trotzdem eignen sich viele seiner Anregungen und Übungen im Beitrag „Rappen für die Sprechsicherheit“ auch für den DaZ-Unterricht in der Schule. Einsteigen könnte man mit rhythmischen Sprechübungen, zum Beispiel mit einfachen Zungenbrechern. Technik braucht es dafür wenig, ein einfaches Online-Metronom genügt. Besser klingt es natürlich mit Schlagzeugrhythmen und Basslinien in Dauerschleife. Viele dieser „Rap-Loops“ stehen im Netz zum freien Download, wobei jedoch auch wieder die urheberrechtlichen Bestimmungen zu beachten sind. Alternativ zum Download schlägt Perner die kostengünstige Software „Music Maker“ vor.

Mit kurzen Übungen führt Matthias Perner seine Studenten ans Rappen heran. Das lässt sich — weniger anspruchsvoll — auch auf die Schule übertragen: Zunächst lesen die Schüler gemeinsam einen einfachen Vierzeiler laut vor. Dabei gibt der Lehrer „kein Startsignal“, die Lerngruppe koordiniert sich selbst: „Spätestens im vierten Versuch intoniert und phrasiert die Gruppe sehr homogen“, so Perners Erfahrung. Die Schüler zeichnen die Betonungen in den Text ein und schreiben schließlich einen eigenen „kurzen Text über sich selbst“. Dann folgen mehrere rhythmische Sprechübungen mit Metronom: Zuerst schreiben die Schüler einen einfachen achtsilbigen Satz, der in einem Vierer-Takt mit Betonungen auf der 1 und der 3 gesprochen werden kann, z. B. „Ích hab dích heut nícht geséhen“. Anschließend stellen sie das Metronom in langsamem Tempo ein und zählen dazu „1 und 2 und 3 und 4 und“, wobei die Betonung jeweils auf der Zahl liegt. Zum Schlag des Metronoms üben die Kids dann das rhythmische Sprechen dieses und weiterer einfacher Texte.

Schließlich verfassen die Schüler eigene Texte und tragen sie zum Rap-Loop oder Metronom-Rhythmus vor. Dass sich dabei auch ein einfacher gesungener Refrain gut macht, beweist dieser kurze Filmbeitrag. Im Rahmen eines kleinen fächerverbindenden DaZ-Musik-Projektes könnte auch eine Aufführung beim Elternabend vorbereitet werden. DaZ- und Musik-Lehrer unterstützen dann die Schüler gemeinsam beim Schreiben kleiner Texte und bei der musikpraktischen Umsetzung.

Leseflüssigkeitstraining mit Karaoke

Allein vor der Gruppe singen bzw. einen Sprechgesang vortragen — das trauen sich die wenigsten Kinder und Jugendliche. Doch bei Karaoke greifen viele gern zum Mikrofon. Geeignete Songs finden sich im Pool des Jugendprojekts „Lautstark“ auf der Website des Goethe-Instituts: Die Texte in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sowie die verschiedenen Tempi der Stücke ermöglichen es der Lehrkraft, bei der Auswahl der Songs gemäß der Lernvoraussetzungen der Schüler zu differenzieren. So hat zum Beispiel „Applaus, Applaus“ von Sportfreunde Stiller den Vorteil, dass die Interpreten sehr deutlich sprechen und nicht allzu schnell singen, und auch die einfache Syntax erleichtert das Mitsprechen bzw. Mitsingen.

Damit kein Schüler abgehängt wird, sollte zunächst geübt werden, den Text flüssig zu lesen. In heterogenen Lerngruppen hat sich die Methode des Lesetandems bewährt. Wie dabei ein leseschwächerer Schüler (Sportler) durch Beobachtung von einem lesestärkeren Schüler (Trainer) lernt, demonstriert dieses Video.

Nach dieser Leseübung in Partnerarbeit studiert der Lehrer den Song mit den Schülern in mehreren Schritten ein: Zunächst liest die Klasse den Text im Chor, erst ohne, dann mit dem Originalvideo. Klappt das synchrone rhythmische Sprechen zum Originalvideo, trainieren die Schüler mit Karaoke-Files. Beim Übergang vom Sprechen zum Singen könnte man zunächst mit dem Refrain beginnen. Wer nicht singen will oder kann (Stimmbruch), spricht den Text einfach mit. Klappt das sicher, gehen Sie zur Erarbeitung der einzelnen Strophen über.

Karaoke: Urheberrechtsverletzungen vermeiden!

Das „Juryspiel“ ist für die Schüler ein Anreiz, um an ihrer Lese- und Vortragsperformance zu arbeiten. Wie es geht, beschreibt Musiklehrer und Blogger Michael Fromm in seinem lesenswerten Beitrag zum Thema Playback und Karaoke: Eine „Experten-Jury“ oder die ganze Lerngruppe bekommt einen Beobachtungsbogen und vergibt Punkte bzw. Sterne für den Vortrag. Fromm arbeitet dabei mit einem 4-Sterne-System. Um Verletzungen oder Kränkungen in jedem Fall zu vermeiden, schlägt Fromm vor, die Jury „stumm“ arbeiten zu lassen. Sitzt die Jury mit dem Rücken zum Interpreten, fällt es vielen Schülern leichter, vor Publikum zu singen und bei der Bewertung spielen Sympathie oder Antipathie keine Rolle.

Wenngleich die meisten aktuellen Songs als Karaoke-Version im Netz verfügbar sind, so sollten Lehrkräfte doch unbedingt Halbplaybacks (nur Instrumente ohne Gesang und Texteinblendung) bzw. Karaoke-Files (Instrumentalbegleitung und Karaoke-Text) bei seriösen Anbietern käuflich erwerben, um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden. Selbstverständlich sind besonders auch bei öffentlichen Vorführungen und bei der Aufnahme und Veröffentlichung (zum Beispiel von Smartphone-Videos im Netz) die geltenden urheberrechtlichen Bestimmungen zu beachten.

Kooperationen mit (externen) Musikpädagogen

Nicht jeder Lehrer fühlt sich musikalisch sattelfest genug, um mit den Schülern zu musizieren bzw. zu rappen. In diesem Fall wäre vielleicht eine Kooperation mit der benachbarten Musikschule eine Alternative. Im Artikel „Lernen mit dem Schulsachen-Rap“ berichten die Kieler Nachrichten von einem entsprechenden Projekt: Zehn Musiklehrer der Kreismusikschule Plön kommen regelmäßig in die DaZ-Klasse der Friedrich-Ebert-Schule in Preetz und machen mit den Kindern Musik. Und wenn das nicht geht, ist ja vielleicht der Musiklehrer der Schule öfter einmal zu fächerverbindenden DaZ-Musik-Projekten bereit.

Für die Integration von geflüchteten DaZ-Schülern in die schulische Umgebung ist auch das gemeinsame Singen im Schulchor förderlich. Auf einem Probenwochenende könnten sich die Schüler kennenlernen. Wenn der Chor dann noch ein internationales Repertoire einstudiert, müssen alle Schüler gleichermaßen mit Fremdsprachen klarkommen. — Das verbindet.

Martina Niekrawietz

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