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Dialog der Kulturen

Interkulturelle Kompetenzen und der Umgang mit dem Kulturbegriff

Der Erwerb interkultureller Kompetenzen gehört im Zeichen der Globalisierung zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Bildungssystems. Doch mit den Begriffen Kultur, interkulturelle Bildung oder gar Kulturdialog sollte man vorsichtig umgehen, denn sie sind zum Teil durch Vorurteile und Ressentiments geprägt.

Dialog der Kulturen: Interkulturelle Kompetenzen und der Umgang mit dem Kulturbegriff Wenn sie nicht durch Vorurteile belastet sind, gegen Jugendliche verschiedener Kulturkreise ganz ungezwungen miteinander um © ehrenberg-bilder - Fotolia.com

Der Erwerb interkultureller Kompetenzen gehört im Zeichen der Globalisierung zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Bildungssystems. Doch mit den Begriffen Kultur, interkulturelle Bildung oder gar Kulturdialog sollte man vorsichtig umgehen, denn sie sind zum Teil durch Vorurteile und Ressentiments geprägt.

In der Zeit der zunehmenden globalen Verflechtungen werden von Lehrern wie Schülern interkulturelle Kompetenzen verlangt. Das bedeutet, dass sie in der Lage sind, mit Individuen oder Gruppen anderer Kulturen angemessen zu kommunizieren und interagieren. Das ist heute eine wichtige Schlüsselqualifikation.

Lehrer werden angehalten, ihren Schülern diese interkulturellen Kompetenzen zu vermitteln. Wobei der Begriff der Kultur allerdings schon problematisch ist und mittlerweile dazu geführt hat, dass der Begriff „Kultur“ den Rassebegriff teilweise ersetzt.

Heute kommen Rassismus und Diskriminierung nicht mehr nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einer angeblich vorhandenen Rasse vor, sondern zunehmend auch aufgrund der kulturellen Herkunft. (Siehe dazu Susan Arndt: Die 101 wichtigsten Fragen zum Rassismus. München, 2012, S. 28 ff.) Kulturen werden häufig als statische homogene Größen dargestellt. Dass Kulturen aber sehr heterogen sind, sieht man schon, wenn man einmal darüber nachdenkt, was „typisch deutsch“ ist. Wenn wir an typisch deutsches Essen oder typisch deutsche Traditionen denken, dann stellen wir schnell fest, dass wir auf regionale Eigenheiten zurückgreifen oder von Subkulturen sprechen, denen nicht alle Mitglieder der deutschen Gesellschaft angehören. Zudem gibt es einen konstanten Wandel, sodass Kulturen nicht unveränderlich sind.

Genauso vielfältig wie die deutsche Kultur sind selbstverständlich auch andere Kulturen. Im sogenannten „interkulturellen Dialog“ werden Kulturen jedoch oft als völlig homogen und als vollkommen von der eigenen Kultur verschieden dargestellt. „Die Zuwanderer kommen aus einer anderen Kultur und passen deshalb nicht in die deutsche Kultur“ ist der Grundtenor dieses Diskurses. Es wird von „Leitkultur“ und „Parallelkultur“ gesprochen. Die Heterogenität der Kulturen bzw. der Lebenswelten der Zuwanderer wird völlig übersehen.

Stereotypen infrage stellen

Wenn Menschen Zuwanderer der ersten, zweiten oder dritten Generation kennen, die den gängigen Stereotypen nicht entsprechen, werden diese gern als „Ausnahme“ dargestellt. Das Stereotyp beispielsweise von der „patriarchalischen muslimischen Kultur“ wird nicht infrage gestellt. Eine iranischstämmige Frau ohne Kopftuch  ist eine Ausnahme. Eine türkische Familie, in der alle Kinder studieren ist ebenfalls eine Ausnahme. Eine muslimische Rechtsanwältin ist eine Ausnahme. Das Bild von Migranten oder deren Nachkommen ist in Deutschland immer noch eher negativ geprägt, obwohl diese vermeintlichen Ausnahmen längst keine mehr sind.

Will man mit Schülern das Thema Pluralismus in der deutschen Gesellschaft behandeln, kann man auf das Projekt „Zwischentöne“ des Georg Eckert Instituts zurückgreifen. Die dort bereitgestellten Materialien unterstützen dabei, die Thematik des Zusammenlebens in einer Einwanderungsgesellschaft im Unterricht zu behandeln. Die Materialien für das globalisierte Klassenzimmer bieten Möglichkeiten zur Behandlung von Fragen, wie „Wer sind ‚wir‘?“ oder „Wer ist deutsch?“

Familien mit Migrationshintergrund im Bildungssystem

In den Medien werden die Familien, die eine Migrationsgeschichte haben, oft als Problemfamilien im Bildungsbereich dargestellt. Es wird Sprachförderung für Migrantenkinder gefordert, Migranteneltern wird bescheinigt, sich nicht im deutschen Bildungssystem auszukennen und die Teilnahme am Schwimmunterricht muslimischer Mädchen wird diskutiert.

Die Bilder, die durch die Berichterstattung entstehen, stellen Zerrbilder dar. Das sollten sich Lehrer bewusst machen. Die Lebenswelten der Kinder aus Familien mit Wanderungsgeschichten können sehr unterschiedlich aussehen. Genauso unterschiedlich wie die familiären Hintergründe von Kindern ohne Wanderungsgeschichte. Lehrer sollten deshalb jedes Kind und jede Familie individuell betrachten und ihr Verhalten der Familie gegenüber nicht von falschen Stereotypen abhängig machen. Es ist deshalb auch sehr schwierig, Tipps zu geben, wie man sich gegenüber Menschen aus vermeintlich „anderen Kulturen“ verhalten sollte. Schließlich weiß man nicht, wie die Lebenswelt dieser Familien tatsächlich aussieht.

Interkulturelle Kompetenz besteht nicht darin, alle möglichen Eigenheiten und vermeintlich typischen Verhaltensweisen einer anderen Kultur kennenzulernen. Vielmehr sollte man sich die Vielfalt aller Kulturen bewusst machen und die Erkenntnis zulassen, dass man mit Menschen anderer Länder viel mehr gemeinsam haben könnte, als mit einer Subkultur aus dem eigenen Land. Im respektvollen Umgang mit einer Familie sollte immer deren individuelle Lebensweise im Mittelpunkt stehen und nicht ihr kultureller Hintergrund.

Katrin Zinoun

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